Alberto Adriano (* 1961; † 14. Juni 2000 in Dessau) war ein mosambikanischer Fleischer, der ein Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland wurde.
Leben Adriano war 1988Anna Prizkau: Wie man zum Rassisten wird. Abgerufen am 7. April 2020. als Vertragsarbeiter in die DDR geholt worden und lebte nach ihrem Ende weiter in Ostdeutschland. Er schickte seiner in Mosambik lebenden Großfamilie regelmäßig Geld zur Unterstützung. Er war verheiratet und hatte drei Kinder im Alter von fünf Monaten bis acht Jahren. Die letzten vier Jahre vor seinem Tod hatte er Geld für einen Flug in sein Heimatland gespart, den er am 3. Juli 2000 hatte antreten wollen, zu dem es jedoch nicht mehr kam.
In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2000 wurde er von drei alkoholisierten Neonazis im Dessauer Stadtpark zusammengeschlagen. Drei Tage später starb er im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
Folgen mini|Gedenkstein Fünf Tage nach dem Tod Alberto Adrianos demonstrierten 2000 Menschen zusammen mit offiziellen Vertretern der Stadt Dessau, des Landes Sachsen-Anhalt und der Bundesregierung gegen die rechtsextreme Gewalt. Am selben Abend demonstrierten noch einmal 500 Menschen auf einer spontanen Antifa-Demonstration.
Prozess Während des Prozesses wurde bekannt, dass die Täter bereits vier Tage vor der Tat an Adriano einen anderen Afrikaner verprügelt hatten. Bei den Tätern handelte es sich um Enrico H. (24, aus Finsterwalde) sowie die Wolfener Christian R. (16) und Frank M. (16). Alle drei gehörten der rechtsextremen Szene an und zeigten vor Gericht keine Reue.
Elf Wochen nach Prozessbeginn wurden die Täter wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt. Der Älteste wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die anderen beiden, die zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig waren, jeweils zu einer neunjährigen Jugendstrafe.. In: Rheinische Post, 30. August 2000.
In- und ausländische Medien zeigten großes Interesse an dem Prozess.
Adriano (Letzte Warnung)
Das hauptsächlich aus afrodeutschen Künstlern bestehende Musikerkollektiv Brothers Keepers nahm den Song Adriano (Letzte Warnung) auf, der sich inhaltlich unter anderem mit dem Mord an Alberto Adriano befasste. Das Lied wurde am 2. Juli 2001 als Single veröffentlicht.
Theateradaption Im Auftrag des Anhaltischen Theaters Dessau arbeitete die Dramaturgin Anna Langhoff die Ermordung Adrianos auf. Unter der Regie von Werner Tritzschler hatte das Stück Am toten Mann im Juni 2001 in Dessau Premiere. Die Kritiken bezeichneten die Umsetzung allerdings als misslungen.Die Bösen erlösen, in: Die Zeit vom 13. Juni 2001; abgerufen am 11. Juni 2020"Am toten Mann": Ein Grab in Deutschland, in Berliner Tagesspiegel vom 10. Juni 2001; abgerufen am 11. Juni 2020
Zwei Jahre später nahm sich der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell als Auftragsarbeit für das Stuttgarter Theater tri-bühne des Themas an.Mankell schreibt über Alberto Adriano, in Mitteldeutsche Zeitung vom 17. Februar 2003 (Auszug); abgerufen am 11. Juni 2020 Unter der Regie von Edith Koerber wurde Dunkles Brot und tote Blumen dort am 5. Dezember 2003 uraufgeführt.Dunkles Brot und tote Blumen auf der Homepage von tri-bühne; abgerufen am 11. Juni 2020
Weblinks Rob Broomby: Race hate in Germany. BBC-News, 3. September 2000 Marie-Sophie Adeoso: Mord in Dessau – Unter der Blutbuche. In: Frankfurter Rundschau, 11. Juni 2010; anlässlich des 10. Jahrestages
Einzelnachweise
Kategorie:Opfer einer rechtsextremen Gewalttat Kategorie:Opfer von Rassismus Kategorie:Kriminalfall in Deutschland Kategorie:Mordopfer Kategorie:Kriminalfall 2000 Kategorie:Mosambikaner Kategorie:Mosambikanischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Gestorben 2000 Kategorie:Mann Kategorie:Immigrant in der DDR