Krimderode (frühere Schreibweise CrimderodeLeni Arnold: Krimderode 1946 bis 1950. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen. Nordhausen-Salza, Iffland, Bd. 35.2010, S. 20.; Mundart Crimderimde) ist ein Stadtteil im Norden der Stadt Nordhausen in Thüringen.
Geographische Lage Krimderode befindet sich zwei Kilometer nördlich des Nordhäuser Stadtzentrums in den äußersten Südausläufern des Harzes; westlich liegt die Rüdigsdorfer Schweiz. Nachbarortschaften sind Niedersachswerfen im Norden, Rüdigsdorf im Osten, Nordhausen im Süden und im Südwesten Salza. Nordwestlich vom Ort liegt die Siedlung Obersalza und der Kohnstein. Durch Krimderode fließt die Zorge mit dem Mühlgraben, in welche der Kappelbach und der Krimderöder Bach münden. Der Ort liegt im Naturpark Südharz.
Krimderode ist umgeben von den Erhebungen Hoffeberg und Kalgberg im Norden, Danielskopf (273 m) im Osten sowie Sichelberg (263 m) und Kuhberg (246 m) im Südosten. Zwischen Sichelberg und Kuhberg entspringt der Orbach, der in die Zorge mündet. Am Fuße des Kuhberges liegt die Ellersiedlung (auch Klein-Krimderode), die als Ortserweiterung von Krimderode in den 1930er Jahren entstand. Der Grenztriftweg am Albert-Kuntz-Sportpark bildet die Grenze zur Gemarkung von Nordhausen. Westlich der Ellersiedlung liegt das (alte) „Krimderöder Wehr“, heute ein Steinwehr bzw. Sohlgleite. Direkt an der Bundesstraße 4, am Übergang des historischen Ortskerns zur Ellersiedlung befindet sich eine zweite, vermutlich jüngere Stauanlage. Die ursprünglich mit Schützen ausgestattete Einrichtung ist seit einigen Jahren ein regelbares Schlauchwehr.
Die Gegend um das Dorf ist sehr reich an Erdfällen.
Geschichte mini|Kirche St. Nicolai mini|Reste der Alten Burg hinter der Kirche St. Nicolai
Das Zorgedorf Krimderode ist zu unterscheiden von dem gleichnamigen Dorf, das einige Kilometer entfernt am Märschgraben, südöstlich vom Rodeberge bei Urbach lag und 1412 wüst wurde, was die Zuordnung von mittelalterlichen Dokumenten teilweise erschwert. Nach dem Nordhäuser Regionalhistoriker Ernst Günther Förstemann (1788–1859) wurde dieser Ort 891 als Criemhilterot urkundlich erwähnt.Ernst Günther Förstemann: Kleine Schriften zur Geschichte der Stadt Nordhausen, Ferd. Förstemann, Nordhausen 1855. S. 69. Ferner ist er für 1268 als Cimilderode und 1281 als Crimolderode bezeugt.Karl Meyer: Die Wüstungen der Grafschaft Stolberg-Stolberg, Nordhausen 1871, S. 284.
Krimderode an der Zorge, im Jahr 1240 in einer Urkunde des Grafen Theoderich von Hohnstein erstmals erwähnt, war ehemals Reichsdorf und unterstand bis zum Kauf durch den Ritter von Bula im Jahr 1436 dem Reichsschulzen in Nordhausen. Um 1580 wohnten neben dem Gutsherren 26 Familien in 21 Häusern im Ort, 1648 waren es 10 Familien.
Der historische Ortskern von Krimderode liegt bei der um 1580 erbauten evangelisch-lutherischen Kirche St. Nicolai, die neben der „Alten Burg“ das älteste Gebäude des Dorfes ist.Hans-Jürgen Grönke: Aus der Geschichte von Krimderode und Umgebung. In: Nordhäuser Nachrichten. Südharzer Heimatblätter, Bd. 13.2004, 4, S. 6–8 Die Alte Burg befindet sich direkt hinter der Kirche und stammt aus der Zeit 1539/40. Aus dieser Bauphase sind die Keller mit den spätgotischen, spitzbogigen Portalen sowie das Massivmauerwerk auf der Süd- bzw. Ostseite erhalten. Um 1599 hatte es einen Umbau gegeben, dessen Umfang jedoch nicht nachvollziehbar ist. Die Alte Burg diente bis zum Brand 1609 als Wohnung der jeweiligen Lehnsbesitzer, u. a. der Familie Wurmb. Der letzte Nachkomme dieser Familien-Line starb am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo. Das Gasthaus des Ortes trug daher den Namen La Belle-Alliance (nach Napoleons Hauptquartier Belle-Alliance) und war ein beliebtes Ausflugsziel für Nordhäuser Bürger. Nach dem Brand von 1609 wurde durch den Lehnsbesitzer Oberst von Römer das Herrenhaus auf dem Gutshof errichtet. Die wieder aufgebaute Alte Burg diente von 1610 bis 1818 als Amtshaus mit Gericht und Gefängnis. Nach dem Brand von 1818, der das obere Stockwerk zerstört hatte, wurde das Haus an einen Krimderöde in Erbzins gegeben und vor allem als Wohnung genutzt. Ein unterirdischer Gang führte aus dem Keller in das Heilige Tal. Nach Jahren des Zerfalls wurde die Alte Burg in den 1990er Jahren bis auf den Keller abgerissen, der heute Teil eines neu errichteten Wohnhauses ist.
19. Jahrhundert mini|Gutshof
1825 entstand zwischen Krimderode und Nordhausen eine Kastanienallee, die 1843/45 mit einer Fahrstraße befestigt wurde.Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen. 1802 bis 1989. Geiger, Horb am Neckar 2003. S. 53.
Auf dem Rittergut von „Grimderode“ (1836)Adolf Ziemann: Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur. Band 1, Basse, Quedlinburg 1835, S. 34. hatte die Polizei die bürgerliche und hochnotpeinliche Gerichtsbarkeit im Ort. 1850 wurde die Gerichtsbarkeit aufgehoben.
Zwischen Niedersachswerfen und Krimderode lag der Hannoversche Zoll, der von den Nordhäuser Bürgern oft aufgesucht wurde, da hier Waren günstiger waren. Nach Aufhebung der Zollgrenzen im Jahr 1834 wurde das Gebäude durch den Grafen von Stolberg in ein Gasthaus umgebaut, in dem u. a. auch die Stände der Grafschaft Hohenstein tagten. 1848 hielt hier der spätere preußische Minister Johannes von Miquel Freiheitsreden. 1876 brannte der Zoll ab.
Ab 1885 gehörte das Dorf zum Kreis Ilfeld bzw. ab 1932 zum Landkreis Grafschaft Hohenstein. Durch die Zugehörigkeit zur preußischen Provinz Hannover stand die Kirchengemeinde zur hannoverschen Landeskirche (Konsistorialbezirk Ilfeld).
20. Jahrhundert mini|Luftaufnahme von der Ellersiedlug (Klein-Krimderode) mit der Ellermühle (links)
1904 wurde bei der ehemaligen „Flehmühle“ die Gipsfabrik „Bruno Steuerlein“ gegründet, die sich in den folgenden Jahrzehnten von einer wassergetriebenen Gipsmühle zu einem größeren Industriebetrieb entwickelte.Hans-Jürgen Grönke: Aus der Geschichte der „Gipsfabrik Bruno Steuerlein“ in Krimderode – die Produktionsgebäude und ihre Funktionen bis zur Schließung des Betriebes, in: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen (Band 26/2001). S. 14–24. Das Unternehmen wurde 1981 verstaatlicht, sieben Jahre später die Produktion eingestellt. Die Gipsfabrik verfiel in den folgenden Jahren und wurde 2000 bis auf das Verwaltungsgebäude (erbaut 1948) und den alten Schachtofen, der seitdem unter Denkmalschutz steht, abgerissen. Der Schachtofen wurde in den 1870er Jahren errichtet und gilt als ältestes Zeugnis der Gipsindustrie im Raum Nordhausen.
Preisgünstiges Bauland, niedrige Grundsteuern und Mieten führten in den 1930er Jahren zu einer regen Bautätigkeit und Zuzügen, vor allem aus Nordhausen. So stieg die Zahl der Einwohner von 598 (1935) auf 1.080 (1939). Mitte März 1934 fanden Arbeiter in der Kiesgrube Tölle einige ur-geschichtliche Hockergräber.Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen. 1802 bis 1989. Geiger, Horb am Neckar 2003. S. 347. Die ausgegrabenen Urnen wurden zunächst aus Unkenntnis zerschlagen; einige gelangen jedoch unbeschädigt in das städtische Museum.
Es namentlich drei jüdische Einwohner aus Krimderode/Crimderode bekanntListe der Juden in Nordhausen 1933 bis 1945, auf nordhausen-wiki.deDas Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945), auf bundesarchiv.de; wohnhaft in der Rosenstraße 1 (in Kleinkrimderode). Eva Lichtenstein (geb. 13. Mai 1912 in Hamb) wurde zusammen mit ihrer Tochter Rosemarie (geb. am 10. Dezember 1937) am 9. Mai 1942 nach Weimar deportiert. Hier wurden Menschen aus vielen thüringischen Städten in einer Viehhalle zusammengetrieben um sie geschlossen am 10. Mai 1942 in einem Güterwagen nach Belzyce bei Lublin in Polen zu deportieren. Während die Mutter im dortigen Ghetto umgekommen ist, wurde die vierjährige Tochter weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek verschleppt und ist dort umgekommen. Das Schicksal des Vaters Ferdinand Lichtenstein ist unbekannt.
Weniger als einen Kilometer nordwestlich von Crimderode, am Fuße des Berges Kohnsteins, wurde Ende August 1943 das Außenlager Dora des KZ Buchenwald gegründet. Hier wurde eine Stollenanlage zur Raketenfabrik durch Häftlinge ausgebaut. Die sogenannte Vergeltungswaffe V2 sollte hier gebaut werden. Die Häftlinge litten unter katastrophalen Bedingungen. Ab Frühjahr 1944 entstand ein oberirdisches Barackenlager. Bis daher waren bereits mehr als 5000 Häftlingen an den katastrophalen Bedingungen in Folge von Hunger, Arbeit, Krankheit und Misshandlung umgekommen. Im Jahr 1944 entwickelte sich ein Netz von KZ-Außenlagern im Harz. Dieses wurde im Herbst 1944 zum selbstständigen KZ Mittelbau-Dora zusammengefasst, das im April 1945 aus 40 Außenlagern bestand. Die meisten Insassen mussten schwerste Zwangsarbeit auf Baustellen und in Fabriken leisten. Insgesamt verschleppte die SS zwischen August 1943 und April 1945 mehr als 60.000 Menschen aus fast allen Teilen des besetzten Europas in das KZ-Mittelbau-Dora. KZ Mittelbau-Dora
Bei der Besetzung von Nordhausen am 11. April 1945 durch US-Truppen kam es in der Umgebung des Kohnsteins zu Widerstand. So sprengte eine Nachhut aus Wehrmacht und Waffen-SS und einigen Angehörigen des Volkssturms unter Führung des Ortsgruppenleiters der NSDAP die Felsenböschung gegenüber dem Zorge-Wehr der Jericho-Mühle und blockierte so die Harzstraße. Anschließend ging sie Auf der Liethen oberhalb des Dorfes in Stellung und beschoss anrückende Infanterie. US-amerikanische Einheiten durchkämmten den Ort und forderten die Einwohner unter Drohungen auf, sich nach Rüdigsdorf zu begeben. Es kam zu starken Beschuss und auch Opfern unter den Bewohnern. Nachdem am späten Nachmittag die deutsche Stellung mit Jagdbombern angegriffen wurde, zog sich die Gruppe Richtung Harz zurück.Jürgen Möller: Der Kampf um den Harz April 1945. Rockstuhl, Bad Langensalza 2011. S. 127.
Nach der Befreiung war das Lager zunächst unter amerikanischer Leitung und später unter sowjetischer. Ab Herbst 1945 diente das Lager ein Jahr zur Unterbringung für deutsche Vertriebene aus der Tschechoslowakei. Nach der Demontage der Produktionsanlagen sprengte die sowjetische Militärverwaltung die Stolleneingänge.
Anfang 1946 nahm der Ort 400 Vertriebene aus den Ostgebieten auf. 1948 wurde Krimderode von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht; der entstandene Schaden belief sich auf ca. 100.000 Reichsmark.
Auf Anordnung der Thüringer Landesregierung wurde im März 1948 die Schreibweise des Ortsnamens – bis dahin mit dem Anfangsbuchstaben „C“ geschrieben – in „Krimderode“ abgeändert. Diese Schreibweise war bereits 1939 im Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich auf Grund der Volkszählung in Gebrauch.
Am 20. Oktober 1959 erhielt die Brücke zwischen Freiheits- und Nordhäuser Straße den Namen „Brücke der Freiheit“.
In der Freiheitsstraße hatte die Mentor-Baukastenfabrik Hugo Fritsche KG ihren Sitz (1938–1968). Die von ihr hergestellten Baukästen reichten vom Kleinkind-Baukasten bis zu den Kästen für Großbauten. Sehr gefragt waren auch die Universal- und Dorfbaukästen. Der letztere war besonders in Westdeutschland gefragt.Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen. 1802 bis 1989. Geiger, Horb am Neckar 2003. S. 490.
Im September 1971Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Chronik der Stadt Nordhausen. 1802 bis 1989. Geiger, Horb am Neckar 2003. S. 509. entstand im Ort eine Konsumverkaufsstelle, die bis Anfang 2000 bestand.
Eingemeindung nach Nordhausen