mini|Burhan Doğançay im Doğançay Museum, vor 2011
Burhan Cahit Doğançay (* 11. September 1929 in Istanbul; † 16. Januar 2013 ebendaRessam Burhan Doğançay vefat etti) war ein türkisch-US-amerikanischer Maler und Fotograf. Er lebte in New York City und Istanbul.
Leben In künstlerischen Belangen wurde Doğançay schon früh von seinem Vater, dem türkischen Maler Adil Doğançay, sowie dem Maler Arif Kaptan ausgebildet. Nach Abschluss eines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Ankara ging er Anfang der 1950er Jahre nach Paris, um an der Universität von Paris im Fach Wirtschaftswissenschaften zu promovieren und nebenbei an der Académie de la Grande Chaumière Kunst zu studieren. Nach einer kurzen Karriere im diplomatischen Dienst, die ihn 1962 nach New York brachte, beschloss Doğançay 1964 sich in New York permanent niederzulassen und sich voll und ganz der Kunst zuzuwenden. In seinen späten Jahren lebte er auch teilweise im türkischen Turgutreis.
Werk Doğançay machte städtische Mauern und Wände zum Thema seiner Kunst. Er verstand sie als „Dokumente des jeweiligen Klimas und Zeitgeistes, als Chiffren des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Wandels“.CentrePasquArt, Biel, abgerufen am 2. September 2015. Wände haben eine besondere Bedeutung für den Künstler – die Wandlung von Wänden in Kunst war seine Passion. Es interessierte ihn, die Wände aus der für den Betrachter gewohnten Umgebung/Position zu entfernen und in einen ästhetischen Gegenstand zu verwandeln. Doğançay versteht sein Werk jedoch nicht als reine Abbildung urbaner Mauern; seine Malweise ist an sein Gefühlsleben gebunden, was mitunter eine subjektiv Auslegung zulässt., abgerufen am 2. September 2015.Museum Morsbroich: Zeichen an der Wand, abgerufen am 4. Februar 2019.
Wesentlich für Dogancays Werk ist der serielle Charakter und die Überhöhung des Charakteristischen zu ornamentalen Mustern. Darin formuliert er die rekontextualisierte Dekonstruktion von Positionen um die Nouveau Réalistes, deren neue Realität in der Überwindung der Kluft zwischen Kunst und Leben bestand.Kunsthalle Mannheim, Nouveau Réalisme, abgerufen am 4. Februar 2019. Eine Seite seiner schöpferischen Natur zeigt sich im hartnäckigen Ringen um die malerische, graphische und skulpturale Form, die ständige Weiterentwicklung, Verfeinerung, Ausfächerung. Die andere Seite seiner künstlerischen Persönlichkeit ist die eines polyglotten, weltoffenen Wanderers zwischen kulturellen Welten. Die Eindrücke seiner zahlreichen Reisen flossen oft in seine Werke ein.
Doğançay erhielt vielerlei Auszeichnungen, darunter auch einen Preis für sein Lebenswerk, verliehen durch den türkischen Präsidenten.
Walls of the World (Fotografie) Mitte der 1970er Jahre begann Doğançay städtische Mauern und Wände zu fotografieren. Nach fast vier Jahrzehnten umfasst seine Sammlung rund 30'000 Fotografien aus mehr als hundert Ländern. 1982 organisierte das Centre Georges-Pompidou in Paris unter dem Titel Les Mures Murment, Ils Crient, Ils Chantent … („Die Mauern flüstern, sie schreien, sie singen …“) eine Einzelausstellung mit seinen Fotografien., abgerufen am 11. September 2015 Doğançays Aufnahmen sind ein Archiv unserer Zeit und die Grundlage für seine Gemälde, die ebenfalls unsere Zeit dokumentieren. Nicht aus Einfallslosigkeit, sondern weil er in einem einzigen Motiv das ganze Spektrum der Conditio Humana vorfindet.
Neben den Mauern wandte sich Doğançay in der Fotografie der Brooklyn Bridge zu, bei deren Renovierung 1986 er mit den Arbeitern auf die Brücke kletterte, um sie in allen Details fotografieren zu können.Istanbul Next Wave, Akademie der Künste Berlin, abgerufen am 17. August 2016.
Malerei und Collagen Anfänglich bearbeitete Dogancay das Thema „Urbane Wände“ mittels seines bevorzugten Mediums Collage. Die wichtigsten Bestandteile dafür sind die Plakate und Objekte/Bruchstücke, die er von und bei den Mauern sammelte und teilweise durch das Mittel der „Fumage“ (das Schwärzen durch die Rußspur einer Kerze) bearbeitete. Doğançay bildete Mauern nach und arbeitete in Serien. Er nahm sich die Freiheit seine Kunst ohne Seitenblicke nur aus den inneren Gesetzmäßigkeiten des eigenen Werks zu entwickeln. Er verwendete, ganz im Sinne der Pop Art, Versatzstücke des Alltags und begann Plakate oder Werbematerial Schicht für Schicht zu überlagern.
Seine 1969 am Tamarind Institute in Los Angeles entstandenen Lithographien verdeutlichen den Kampf für eine neue kompositorische Ordnung. In den 1970er und 1980er Jahren entstand aus seiner Interpretation der städtischen Wände die Serie Ribbons („Bänder“), die zu seinem Markenzeichen wurde, deren einzelne Werke, im Kontrast zu den collagierten Plakatstücken, aus sauberen Acrylstreifen und deren kalligraphisch geformten Schattenwürfen bestehen. Grundlage waren dreidimensionale Maquetten, mit der Doğançay zeigte, wie die Technik der Collage aus der Zweidimensionalität auf den Raum übergreift und später auch den Anstoß zu Schattenskulpturen aus Alucobond und Aluminium sowie Aubusson-Wandteppichen gaben.MAK, Wien, abgerufen am 9. Juni 2015.
Doğançay-Museum 2004 eröffnete Doğançay das erste zeitgenössische Museum der Türkei, das Doğançay-Museum im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu. Das Museum zeigt ca. 100 von Doğançays Werken aus seinen bedeutendsten Schaffensperioden.
Werke in Museen (Auswahl) 1964: Billboard, The Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1964: Yankees and Beatles, London, Tate Gallery of Modern Art 1965: Eddie, Vienna, Albertina 1966: Peace of Mind, Kunsthalle Mannheim 1966: J. Payn Window, Walker Art Center, Minneapolis 1969: New York Puzzle, Staatsgalerie Stuttgart 1969: untitled, Washington, National Gallery of Art 1969: Walls V, New York, Museum of Modern Art 1975: White Cone & Shadow, Kunstmuseum Basel 1979: Lofty Ribbons, British Museum, London 1980: Long Lost Ribbons, Wien, mumok stiftung ludwig 1982: Ribbon Mania, Metropolitan Museum of Art, New York 1987: Magnificent Era, Istanbul, İstanbul Modern 1989: Kinder, Sprengel Museum Hannover 1989: Versace Man, Los Angeles, Los Angeles County Museum 1989: Neruda, Stockholm, Moderna Museet 1992: I Am Really Old, Museum der Moderne Salzburg 1997: Garden of Eden, Pinakothek der Moderne, München 2002: Red Ada, Musée d’Art et d’histoire, Genf 2008: Peace Partners, Cleveland, Cleveland Museum of Art 2009: Rising Star, Museum of Fine Arts, Boston
Auszeichnungen 2005: Contribution to the Arts Award verliehen durch International Contemporary Art Exposition, İstanbul 2005: Art Honor Award verliehen durch Art Forum Plastic Arts Fair, Ankara 2004: Ehrendoktor der Hacettepe-Universität, Ankara 2004: Painter of the Year Award verliehen durch Sanat Kurumu, Ankara 1995: National Medal for the Arts for Lifetime Achievement & Cultural Contribution verliehen durch den Präsidenten der Türkischen Republik 1992: Medal of Appreciation verliehen durch das Russische Kulturministerium 1984: Enka Arts & Science Award, İstanbul 1969: Tamarind Lithography Workshop Fellowship, Los Angeles 1964: Certificate of Appreciation verliehen durch die Stadt New York
Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 1976: Istanbul: Gallery Baraz. Burhan Dogançay 1977: Zürich: Kunstsalon Wolfsberg. Acrylmalereien und Gouachen 1966–1976 1982: Paris: Centre Georges Pompidou. Les murs murmurent, ils crient, ils chantent… 1983: Montreal, Musée d’Art Contemporain 1983: Antwerpen, International Cultural Center 1989: Tokyo: The Seibu Museum of Art–Yurakucho Art Forum. Dogançay 1992: St. Petersburg: The State Russian Museum. Walls and Doors 1990–1991 1993: Istanbul: Atatürk Cultural Center. Walls 1990–1993 2000: New York: The Brooklyn Historical Society. Bridge of Dreams. 2001: Istanbul: Dolmabahçe Cultural Center. Dogançay: A Retrospective (Organized by Dr. Nejat F. Eczacıbaşı Foundation) 2001: Athens, Ohio: Kennedy Museum of Art–Ohio University. Dogançay–Wall Paintings from the Museum Collection 2003: Siegen: Siegerlandmuseum. Walls of the World 2012: Istanbul: İstanbul Modern: Fifty Years of Urban Walls, Retrospektive. Curator: Levent Çalıkoğlu 2014: Istanbul: Dogançay Museum. Picture the World: Burhan Dogançay as Photographer 2016: Essen: Museum Folkwang. New to the collection: Burhan Dogancay 2016: Ankara: CER Modern. Picture the World: Burhan Dogançay as Photographer 2016: Lissabon: Centro Cultural de Belém. Picture the World: Burhan Dogançay as Photographer 2016: Taipei: National Museum of History. Picture the World: Burhan Dogançay as Photographer 2017: Siegen: Siegerlandmuseum. Ohne Netz und Boden 2017: Wien: Albertina. Burhan Dogançay (Arbeiten auf Papier) 2018: Leverkusen: Museum Morsbroich. Zeichen an der Wand 2018: Tucson/AZ: University of Arizona Museum of Art. Picture the World: Burhan Dogançay as Photographer
Gruppenausstellungen (Auswahl) 1972: New York: Pace Gallery. Printmakers at Pace 1977: New York: The Solomon R. Guggenheim Museum. From the American Collection 1983: Washington: The National Museum of Natural History, Smithsonian Institution 1987: Istanbul: 1. Istanbul Biennale 1999: New York: Museum of the City of New York, The New York Century: World Capital, Home Town, 1900–2000 2006: Fredonia, N.Y.: Rockefeller Arts Center Art Gallery. Connoisseurship 2009: Museum der Moderne Salzburg. SPOTLIGHT 2009: Biel/Bienne: CentrePasquArt. Collage–Décollage: Dogançay–Villeglé 2009: Berlin: Martin-Gropius-Bau. Istanbul Next Wave 2010: London: British Museum. Modern Turkish Art at the British Museum 2010: Minneapolis, MN: Walker Art Center, Perlman Gallery. 50/50: Audience and Experts Curate the Paper Collection 2012: Vienna: Belvedere, Orangerie. Kokoschka sucht einen Rahmen 2012: Maastricht: Bonnefantenmuseum. Different Impressions, Changing Traditions 2013: Boston: Museum of Fine Arts, Boston. Uncontainable Portraits 2013: Doha: Bahrain National Museum. Istanbul Modern-Bahrain 2013: Grenoble: Musée de Grenoble – Bibliothèque Teisseire-Malherbe, Les Mots dans l’Art 2013: Zurich: Museum Haus Konstruktiv. Hotspot Istanbul 2013: Minneapolis: Weisman Art Museum. Reviewing The Real 2013: New York: The Metropolitan Museum of Art. Fifty Years of Collecting Islamic Art 2014: Boston: Museum of Fine Arts. National Pride (and Prejudice) 2015: Stockholm: Moderna Museet. A Larger World 2015: Istanbul: Istanbul Museum of Modern Art. Artists in Their Time 2015: Leverkusen: Museum Morsbroich. Eddie Murphy und die Milk-Brothers 2016: Los Angeles: Los Angeles County Museum of Art. Islamic Art Now, Part 2 2016: Istanbul: Elgiz Museum. Faces & Masks 2016: Purchase/NY: Neuberger Museum of Art. Post No Bills: Public Walls as Studio and Source 2016: Genf: Musee d’Art et d’Histoire. Regard de Guru 2017: Minneapolis: Weisman Art Museum. Prince from Minneapolis 2017: Wolfsburg: Kunstmuseum Wolfsburg. Im Käfig der Freiheit 2017: Saint-Paul-de-Vence: Fondation Maeght. Is this how men live? 2018: Ankara: Evliyagil Museum. Icons of Thinking: Images and Texts 2019: Wien: Albertina. Warhol to Richter 2019: Istanbul: Istanbul Modern. The Event of a Thread: Global Narratives in Textiles 2019: Wolfsburg: Kunstmuseum Wolfsburg. Now is the Time 2019: Genf: MAMCO Musée d'art moderne et contemporain: Collection(s) 2020: London: Tate Gallery of Modern Art. Materials and Objects: Collage 2021: London: British Museum. Reflections: Contemporary Art of the Middle East and North Africa
Literatur Emslander, Fritz, Dogramaci, Burcu, "Burhan Doğançay Zeichen an der Wand", Wien, VfmK, 2018, ISBN 978-3903228726 Schröder, Klaus-Albrecht, Lahner, Elsy, "Burhan Dogancay", Wien, Hirmer Verlag, 2017, ISBN 978-3777428871 Edelbert Köb, Margit Zuckriegl, Marilyn Kushner u. a.: Picture the World – Burhan Dogancay As Photographer. Dogancay Museum Publications, Istanbul 2014, ISBN 978-605-650430-3.