Chiquián (sprich: „Tschi-kjan“) ist die Hauptstadt der peruanischen Provinz Bolognesi in der Region Ancash, welches Küste, Sierra, Altiplano und Cejas de los Andes von Zentralperu umfasst. Chiquián wurde am 22. Oktober 1903 gegründet.

Lage mini|Tal von Chiquián mini|Tucu Chiquián liegt auf ca. 3350 m Höhe, wobei die offiziellen Angaben zwischen 3300 und 3400 m schwanken. Chiquián liegt im südöstlichen Teil des Departamento Ancash, in der Region Chavín. Damit liegt es etwa 360 Kilometer nordöstlich von Lima, etwa acht Stunden Fahrt über die Panamericana, und 50 Kilometer südlich der Cordillera Blanca.

Man erreicht es über den Conococha-Pass (4080 m Höhe). Der Callejón (das Hochgebirgstal) wird Valle de Pativilca („Tal des Río Pativilca“) genannt, der in nördlicher Richtung von den schneebedeckten Gipfeln Yerupajá, El Toro, Jirishanca und el Rondoy begrenzt wird. In südlicher Richtung sieht man den Tucu, dessen Schneebedeckung stark schwankt.

Nächstgelegene Städte sind in Richtung Norden Huaraz (80 km) und in Richtung Küste Barrancas (ca. 160 km).

Sprache Vor zwanzig Jahren war die Hauptsprache noch Quechua, genauer das Chiquián-Quechua, eine stark variierende Form des Ancash-Quechua. Jetzt dominiert Spanisch, und Quechua wird fast nur noch von den Älteren gesprochen, was sich auch durch den Zuzug von weißen Küstenbewohnern erklärt, die nur Spanisch sprechen.

Bevölkerung Die Einwohnerzahl lag laut Zensus 2017 bei 3514. Die Angaben schwanken zwischen 5.361 und 6.500 Einwohnern, wobei die eigentlichen Chiquianos oftmals in Lima oder in den USA leben und viele Einwohner zeitweise aus den umliegenden Orten der Provinz Bolognesi zuziehen, um ihre Kinder auf eine fortführende Schule zu schicken. Außerdem kommen Leute aus Huaráz oder Lima, um in den staatlichen Behörden und Ministerien oder in den Schulen zu arbeiten. Dementsprechend weist die Bevölkerungsstruktur einen starken Bruch zwischen indigener Bevölkerung, die aus den umliegenden Orten stammt, und den kreolischen Peruanern, die aus der Küstenregion stammen, auf. Dabei arbeiten die indianischstämmigen Peruaner meist in der Landwirtschaft, teilweise im Handel und Handwerk und eventuell als Touristenführer. Dagegen haben die Weißen die besser bezahlten leichten Bürojobs inne; sie besetzen die höheren Grade bei der Polizei oder arbeiten in den Banken.

Religion Hier dominiert noch der Katholizismus, der mit Elementen der alten Inkareligion vermengt ist. Dies drückt sich in der Wahl der Frühlingskönigin aus, die eine Prozession anführt, was den Sonnenjungfrauen entspricht, die zur Tag-und-Nacht-Gleiche im September die Felder segneten. Die Prozession der Santa Rosa durch das Dorf entspricht der alten Prozession, bei der die Mumien der Kaziken das Dorf, die Felder und die Bewohner sehen sollten, um bei den Göttern um die richtigen Dinge zu bitten. Allerdings ist das den Bewohnern nur selten bewusst.mini|Corpus Christi Juni 2001

Im Ort gibt es einen Schwesternorden. Dieser leitet eine Armenspeisung für Kinder und lässt Pullover aus Alpakawolle stricken.

In den letzten Jahren wachsen kleinere Religionsgemeinschaften, die meist aus den USA kommen, wie die Adventisten, Zeugen Jehovas, Baptisten, Evangelisten, US-amerikanische Lutheraner u. v. a. m.

Wirtschaft Hauptpfeiler der regionalen Wirtschaft ist die Landwirtschaft (152.387 ha) mit Milchviehhaltung in extensiver Weidenhaltung (120.558 ha), wobei der weiße Käse aus Chiquián bis nach Lima und Huaráz verkauft wird und das Haupthandelsprodukt – neben Honig und Textilien – in Conococha ist. Rind-, Schaf- und Schweinefleisch sind weitere Produkte der Viehhaltung und werden ebenfalls in Huaráz, Barrancas und Lima gehandelt. Die Wolle der Schafe sowie der ebenfalls auf den Hochweiden gehaltenen Alpakas und Lamas spielt nur eine untergeordnete Rolle; sie dient meist zum Eigenverbrauch oder für die Touristenindustrie der Huarasinos (Huaráz-Bewohner).

Die Hauptprodukte der Ackerwirtschaft sind verschiedene Sorten Mais, Kartoffeln und Weizen. Gerste, Quinoa, Luzerne, Zwiebeln, diverse Bohnensorten und Basilikum werden für den Eigenverbrauch bzw. für die Viehhaltung angebaut. Der Anbau von Amarant, Olluco, Roggen und Ocas ist in den letzten 20 Jahren fast vollständig verloren gegangen.

Die Kartoffeln wurden früher im indianisch typischen Mischanbau verschiedener farbiger Kartoffelsorten, z. B. mit lila, roten oder rosa Kartoffelfleisch, angebaut. Dies verliert sich und gibt es fast nur noch eine große gelbe Hybride aus den USA. Erhalten sind noch die verschiedenfarbigen Maissorten, die verschiedenen Zwecken dienen. Besonders hervorzuheben ist eine weiße, großkörnige Sorte, deren reife Körner mit Pflanzenasche und Wasser gekocht und getrocknet haltbar gelagert werden können und als Mote zu allen Gerichten – wieder aufgekocht – gereicht werden oder als Suppeneinlage dienen. Des Weiteren existiert eine gelbe, kleinkörnige Sorte, wahrscheinlich eine Zuckermaisvariante, die halbreif im Kolben in Salzwasser gegart wird und mit dem typischen Käse genossen wird. Sehr wichtig ist auch eine bräunlich gestreifte Sorte, die geröstet und gesalzen als Brotersatz diente. Diese wird Cancha genannt.

Die Struktur der Landwirtschaft beruht auf Kleinbauern mit teilweise nur wenigen Quadratmetern bis zu einem Hektar großen Feldern. Diese werden immer noch mit der Hand und einfachen Geräten, z. B. der Hacke, bearbeitet, wobei oft die Hilfe von Tagelöhnern für schwere oder aufwändige Arbeiten genutzt wird. Außerdem werden größere Felder und die Hochweiden von den Mitgliedern der „Comunidad“, der Gemeinschaft der ortsansässigen Bauern, bearbeitet. Die Comunidad stellt zunehmend Trecker zur Verfügung, die sich aber nur teilweise einsetzen lassen, da die meisten Acker- und Weidenstücke zu klein sind, eine zu große Neigung am Hang haben oder nicht für so großen Maschinen erreichbar sind.

Alle Felder müssen in der Trockenperiode per Umleitung von Bächen gewässert werden. Die Verteilung des Wassers geschieht durch die Junta de Regantes (Rat der Bewässerer) und ist streng geregelt. Die Bewässerungskanäle sind in der gleichen effektiven Technik erbaut, wie es sie schon zu Zeiten der Inkas gab, also als offene, oft mit flachen Steinen ausgelegte Kanäle, deren Zuflüsse durch Steine und Grassoden geschlossen werden. Die Felder liegen in verschiedenen Höhenlagen und gestatten so den Anbau verschiedener Feldfrüchte, wie Obst unten am Fluss, Weizen auf 3.000 m Höhe oder Weiden und Gerste über 4.200 m Höhe. Die besten Äcker und die großen, zusammenhängenden Flächen gehören Haziendas, die prinzipiell von weißen Familien bewirtschaftet werden. Sie liegen oftmals am Fluss des Talgrundes oder in den sanften Hanglagen. Es sind ca. zehn Familien in der Umgebung von Chiquián, die nur für die Versorgung der Küste und Limas produzieren und große Maschinen einsetzen.

Im Ort sind noch einige Werkstätten wie z. B. Möbeltischler, Schweißer und Bäcker zu nennen. Es gibt örtliches Bauhandwerk, Transportfirmen sowie Hotels, Restaurants und den Handel. Allerdings sind die handwerklichen Berufssparten nur zum Eigenverbrauch der Chiquianos da.

Seit den Zeiten des deutschen (deutschstämmigen?) Pfarrers Fink (von Mitte der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre) sind die Frauen Chiquiáns für ihre kunstvollen Musterstrickereien berühmt. Die Nonnen lassen heute noch Pullover in Manufaktur zum Verkauf in Europa herstellen.mini|Spinnende Frau im Hof

Die Verarbeitung von Wolle und das Spinnen und Weben sind aussterbende handwerkliche Künste.

Tourismus Zu einem neuen Hauptfaktor entwickelt sich der Tourismus, meist in Form des Andentrekkings und der Besteigung von schneebedeckten Gipfeln. Viele Touristen nutzen Chiquián als Durchgangs- bzw. Ausgangsort für Fahrten in den Huayhuash oder die Cordillera Blanca.

In Chiquián selbst gibt es einen Wasserfall, „Usgor“ von ca. 15 m Höhe, eine temporale heiße Quelle und Tagesausflüge zu einer Ruinenstadt direkt über der Stadt, Hochalmen mit Vicuñas und Vizcachas und wilden Meerschweinchen, Klammen mit Tillandsien und Bromelien überwucherten Bäumen. Wildwasserfahrten im Fluss oder Freiklettern z. B. bei Karkas (Talgrund) sind ebenfalls möglich.mini|Río Ainín

Dann ist Chiquián ein Ausgangsort, um das Tambo genannt Castillo (Schloss) von Ticllos zu besichtigen, das Hochtal von Chacha Puntas, Huanoco viejo, einer mindestens 1.000 Jahre alten Ruinenstadt im Stile von Machu Picchu und nach Huaráz oder um Kurzausflüge in traditionelle Orte der Umgebung zu machen, wie Llaclla mit heißen Quellen im Fluss, Karkas mit Mumienfeldern, Pachapaqui, wo die Puya raimondii wachsen oder Ocros mit dem besten Käse der Region. Die verzierte Kirche von Aquia ist zerstört. Die von Huasta ist nicht ganz so verschwenderisch ausgestattet, aber im selben Stil gehalten.

Genutzt wird Chiquián aber eigentlich nur als Ausgangsort für Trekkingtouren in und um den Huayhuash. Mit nur etwa 30 Kilometer Ausdehnung ist die Cordillera Huayhuash eine kleine Berggruppe. Höchster Gipfel ist der Yerupaja mit 6.634 m Höhe. Alle Berge sind für ihre schwierigen Eiswände und die zerrissenen Gletscher bekannt; dazu kommen eine große Anzahl sauberer türkisfarbener Seen. Um diese Berggruppe herum führt eine etwa 170 Kilometer lange Trekkingroute mit mehreren Schwierigkeitsgraden.

Typische Bekleidung Die typische Bekleidung waren cremeweiße, aus fein geschleißtem Stroh geflochtene, breitkrempige Hüte mit einer dreiblättrigen schwarzen angedeuteten Blüte, die von den Frauen oft mit Naturblüten aufgehübscht wurden. An den Blüten konnte man erkennen, ob die Frau ledig, verheiratet oder Witwe war. Dann trugen die Frauen Zöpfe, bunte Röcke mit Stickereien im Saum und vielen handgestrickten Unterröcken.

Die Männer benutzen dieselbe Hutform, aber höchstens mit der roten Cantuta geschmückt, und ¾-lange Wollhosen. Beide Geschlechter trugen erdbraune Ponchos aus Schafswolle mit Längsstreifen in verschiedenen hellen Brauntönen und Sandalen aus Leder, später aus Autoreifen. Heute sieht man die Hüte nur noch bei den Älteren, Blüten nur bei aus kleinen Dörfern Zugezogenen, die auch an der anderen Form der Kopfbedeckung zu erkennen sind. Die traditionellen bunten Röcke werden, wie auch die Zöpfe von den Frauen, kaum noch getragen.mini|Frauen beim Patronatsfest

Die Wollhosen und die Ledersandalen sind aus dem Straßenbild verschwunden, wie auch die kleinen Flaschenkürbisse am Gürtel, die mit Kalk gefüllt waren, um die berauschende Droge aus den Cocablättern beim Kauen freizusetzen.

Der Poncho hat sich erhalten, die Hüte sind meist von industriell hergestellten braunen oder schwarzen Filzhüten verdrängt worden.

Architektur Typisch aber immer mehr verdrängt sind ein bis zweistöckige Lehmhäuser mit weit vorgezogenen Dächern und teilweise hauswandlangen Galerien oder tief gezogenen Fenstern mit angedeuteten Balkonen, wobei die Balkone aus schön geschnitzten Holz bestanden. Wenige kleine Fenster durchbrachen die fast meterdicken Wände. Lange Zeit waren die Häuser weiß gekalkt und bis in Brusthöhe aus Feldsteinen gebaut oder schwarz bemalt. Die Straßen waren eng und mit Feldsteinen gepflastert, in den Randlagen nur aus gestampfter Erde.

Heute sind die Straßen asphaltiert, die Häuser häufig in Pastelltönen gestrichen und die Bauweise mit Ziegelsteinen setzt sich durch. Das Rathaus ist im kolonialen Küstenstil aus Beton gebaut.

Die Kirche ist nach dem großen Erdbeben von 1972 vom Pfarrer Fink neu erbaut worden und ersetzte die alte, traditionelle Lehmkirche mit dem bunten figurengeschmücken Portal, wie es noch in Huasta zu sehen ist.

Klima Die Regenzeit liegt in der Zeit von Oktober bis März und ist von heftigen Regenschauern geprägt, sowie Nebel, der den ganzen Tag über im Tal verbleiben kann.

Der Rest des Jahres ist trocken mit überwiegenden Sonnentagen. Allerdings gibt es im Juli/August eine kurze Zeit der Bewölkung und kurzen Regenschauern.

Die Regenzeit kann durch den El-Niño-Effekt ausfallen.