mini|Reginald Gray: Portrait Francis Bacon, 1960. Kollektion der National Portrait Gallery, London

Francis Bacon (* 28. Oktober 1909 in Dublin; † 28. April 1992 in Madrid) war ein in Irland geborener britischer Maler. Francis Bacon gehört zu den bedeutendsten gegenständlichen Malern des 20. Jahrhunderts. In seinen Werken setzte er sich vornehmlich mit der Darstellung des deformierten menschlichen Körpers in eng konstruierten Räumen auseinander. Besonders bekannt ist Bacon für seine Papstbilder, Kreuzigungsdarstellungen und Porträts seiner engsten Freunde.Interview mit David Sylvester, 1966. In: „Interview 2“, von David Sylvester, in: David Sylvester, The Brutality of Fact: Interviews with Francis Bacon, neue Ed. (1976; London, 2016), S. 45–46. Seine ungeschönten Figuren und gewagten Darstellungen sind oftmals grotesk und emotionsgeladen. Bacon sprach oft davon, dass er „in Serien“ dachte, wobei er sich normalerweise über einen längeren Zeitraum hinweg auf ein einziges Subjekt konzentrierte und dieses häufig in Form eines Triptychons oder Diptychons ausführte. Seine Arbeiten können gemeinhin als eine Sequenz oder Variation eines einzelnen Motivs beschrieben werden.

Als Autodidakt begann er Ende der 1920er Jahre mit der Malerei, nachdem er zuvor als Innenausstatter gearbeitet hatte. Berüchtigt für sein Leben als bon vivant und seine Spielsucht, gelang ihm 1944 jedoch der Durchbruch als Künstler mit dem Triptychon Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung (Tate Britain, London). Ab der Mitte der 1960er Jahre beschäftigte er sich insbesondere mit Porträts von seinen Freunden und Trinkgefährten. Nachdem sich 1971 sein Liebhaber George Dyer das Leben genommen hatte, wurde seine Kunst zunehmend düster, nach innen gerichtet und setzte sich mit dem Lauf der Zeit und dem Tod auseinander. Der Höhepunkt seines Spätwerks wird von einer Vielzahl von Meisterwerken bezeichnet, wie unter anderem Studie für ein Selbstporträt – Triptychon, 1985–86 (Marlborough Fine Art, London).

Bacon hatte eine existentialistische Einstellung und war höchst charismatisch, einnehmend, belesen und wortgewandt, wie aus den Interviews und Gesprächen mit David Sylvester hervorgeht. Kunstkritiker Robert Hughes hat ihn als den unfehlbarsten und lyrischen englischen Künstler des 20. Jahrhunderts beschriebenHorrible!, The Guardian, Saturday 30 August 2008. und ihn nebst dem Künstler Willem de Kooning als einen der einflussreichsten Maler der beunruhigenden menschlichen Figur in den 1950ern bezeichnet.Robert Hughes, The Shock of the New – Episode 6 – The View from the Edge – 21 September 1980 – BBC.

Leben Francis Bacons Leben stand unter dem Einfluss von Alkohol und Glücksspiel. Sein Biograph Daniel Farson berichtet von einer Vita zwischen Halb- und Unterwelt: von Verführungen des 15-jährigen Bacon durch Stallburschen in Dublin, von einem geheimen Spielclub in seiner Wohnung, von zwielichtigen Etablissements in Berlin und Paris bis hin zu Bacons Kriegserlebnissen, in denen er nach Bombenangriffen Tote wegkarrte. Dem Abgründigen gegenüber steht der großmütige Gentleman Bacon; der belesene Intellektuelle, der die antiken Tragödien, Nietzsche, Sigmund Freud und Marcel Proust las, von James Joyce und T. S. Eliot schwärmte und eine ungewöhnliche Arbeits- und Selbstdisziplin aufbrachte.

1909–1924 mini|hochkant=0.5|Francis Bacons Geburtshaus in der Baggot Street 63 in Dublin (2008)

Francis Bacon wurde am 28. Oktober 1909 als Sohn britischer Eltern in Dublin geboren. Er war das zweite von fünf Kindern. Seine Brüder starben früh, seine Schwestern wanderten später aus. Francis’ Vater, Edward Anthony Mortimer Bacon, leitete seine Herkunft von dem elisabethanischen Staatsmann und Philosophen Sir Francis Bacon ab. Ehemals in militärischen Diensten, arbeitete das als autoritär und gewalttätig geltende Familienoberhaupt als Zureiter und Trainer von Rennpferden. Bacons Mutter Christina Winifred Firth hingegen wurde als aufgeschlossen, gesellig und gebildet bezeichnet.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Vater ins Kriegsministerium nach London berufen. Die folgenden zehn Jahre waren von häufigen Wohnortswechseln geprägt. In Bacons Jugend wohnte die Familie abwechselnd in Dublin und in London. Aufgrund der Kriegswirren und der zahlreichen Umzüge wuchs Bacon ohne regelmäßige Schulbildung und teilweise sich selbst überlassen auf. Aus einem Internat flüchtete er nach wenigen Wochen. Früh machte Francis Bacon die Erfahrung von Gewalt. Während des Osteraufstands der Sinn-Féin-Bewegung im Jahre 1916 lebte er wieder in Irland. Später erinnerte er sich, „in einem mit Sandsäcken verbarrikadierten Haus“ gewohnt zu haben.

1925–1941 Mit 16 Jahren wurde sich Bacon seiner Homosexualität bewusst. Sein Vater überraschte ihn dabei, als er Dessous seiner Mutter anprobierte, und warf ihn aus dem Haus. Francis Bacon ging nach London, wo er Gelegenheitsarbeiten annahm und unter anderem bei einem Notar arbeitete. 1927 schickte ihn sein Vater nach Berlin. Dort sollte er unter der Obhut von Harcourt-Smith, einem ehemaligen Kameraden des Vaters und ebenfalls Pferdezüchter, leben. Dieser verkehrte jedoch in fragwürdigen Kreisen und die Erziehungsversuche scheiterten. Bacon stürzte sich ins Berliner Leben, wohnte mit Harcourt-Smith im Hotel Adlon und besuchte die Kinos. Im Sommer begab er sich aber nach Paris, wo er zu zeichnen und zu aquarellieren begann. Den Wunsch, eine Kunstschule zu besuchen, äußerte er nicht. Gelegentlich arbeitete er als Innendekorateur und Designer. Im Juli begegnete er in der Galerie Paul Rosenberg Werken Picassos, die ihn sehr beeindruckten. Er besuchte Ausstellungen mit Arbeiten von Fernand Léger, Joan Miró, Max Ernst und Giorgio de Chirico.

Ein Jahr später bezog er eine zum Atelier umgewandelte Garage in Queensberry Mews West, South Kensington. Dort veranstaltete er Ausstellungen mit Wand- und Bodenteppichen sowie mit modernen Möbeln aus Stahl und Glas nach eigenen Entwürfen. Francis Bacon begann, als Autodidakt Ölbilder zu malen. Der vom Kubismus beeinflusste australische Künstler Roy de Maistre unterwies ihn zwar im Umgang mit der Ölfarbe, blieb jedoch der einzige Lehrer, den Bacon je hatte. Weil seine Ausstellungen ohne Resonanz blieben, gab Bacon seine Tätigkeit als Möbeldesigner wieder auf. 1931 zog er in ein Atelier in der Fulham Road und nahm kunstferne Gelegenheitsarbeiten an, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Auf der Ausstellung „Art Now“ der Londoner Mayor Gallery wurde Bacons Werk Kreuzigung (1933) ausgestellt und in einem Buch reproduziert. Der Sammler Michael Sadler erwarb erste Bilder Bacons. Da er keinen Galeristen fand, um sein Werk zu betreuen, organisierte Francis Bacon 1934 seine erste Einzelausstellung mit Ölbildern und Gouachen im Untergeschoss des Hauses eines Freundes. Die Ausstellung wurde ein Misserfolg und fand weder bei Presse noch Publikum ein Echo. Entmutigt malte er weniger und ergab sich der Spielleidenschaft, reiste durch Europa und arbeitete eine Zeit lang als Croupier. 1936 wurden seine Bilder zu einer internationalen Surrealisten-Ausstellung für zu wenig surrealistisch befunden und ausgeschlossen. Im Folgejahr nahm Bacon aber an einer Gruppenausstellung junger britischer Künstler teil. Aufgrund seines Asthmas wurde er 1941 vom Kriegsdienst befreit und zum Zivilschutz einberufen, von dem er nach kurzer Zeit jedoch krankheitsbedingt ebenfalls freigestellt wurde. Eine Zeit lang lebte Bacon nun auf dem Land in Petersfield in Hampshire.

1942–1963 mini|Nach dem Vorbild von Diego Velázquez’ Papst Innozenz X begann Bacon mit seiner Serie schreiender Päpste. Ende 1942 kehrte Francis Bacon nach London zurück und bezog sein altes Atelier in Kensington. Zwischen 1942 und 1943 zerstörte er seine künstlerische Produktion der vergangenen Jahre fast vollständig. Aus dem Zeitraum 1929–1944 blieben nur 15 Bilder erhalten. Ab 1944 intensivierte Bacon seine Malerei. Das Triptychon Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung (1944) entstand und löste bei einer Ausstellung im Folgejahr heftige Diskussionen aus. Es folgten diverse Gruppenausstellungen, in denen seine Bilder das Publikum polarisierten. 1946 ließ sich Bacon in Monte-Carlo nieder, wo er sich seiner Spielleidenschaft widmete. Bis 1950 pendelte er zwischen Monte-Carlo und London hin und her, bevor er auf Dauer in die britische Hauptstadt zurückkehrte.

1946 besuchte die Galeristin Erica Brausen auf Anraten von Graham Sutherland Bacon in seinem Atelier. Brausen erwarb für £ 350 sein Painting 1946, das sie 1949 ans Museum of Modern Art in New York verkaufte, wo es auch heute noch zu sehen ist. Erica Brausen kuratierte 1949 in ihrer frisch eröffneten Hanover Gallery in London Bacons erste Einzelausstellung. Dies verhalf dem Künstler zum Durchbruch.Barry Joule: Obituary: Erica Brausen im Independent vom 30. Dezember 1992Die Beziehung zu Francis Bacon und eine Biografie von Erica Brausen beschreibt Jean-Yves Mock hier in Französisch und hier in englischer Übersetzung Bacon und Brausen blieben viele Jahre enge Freunde.

Für einige Monate unterrichtete Francis Bacon am Londoner Royal College of Art. In dieser Zeit begann er seine Papstserien nach einem Motiv des Papstes Innozenz X. von Velazquez zu malen (siehe z. B. Studie nach Velázquez Porträt von Papst Innozenz X und Pope II). Er schloss Freundschaften zu Lucian Freud, den er 1951 erstmals porträtierte und der ihn ebenfalls 1951/52 porträtierte sowie mit David Sylvester, mit dem er zwischen 1962 und 1986 zahlreiche Interviews führte. Francis Bacon reiste nach Südafrika, um seine Mutter zu besuchen, die seit dem Tode des Vaters (1940) dort lebte. Auch in Kairo machte er Station. 1952 lernte er Peter Lacy kennen, einen Barpianisten, der Bacons Geliebter wurde. Bacon besuchte ihn in Tanger.

In den nächsten Jahren folgten mehrfache Wohnungs- und Atelierwechsel. Bacon hatte verschiedene Einzelausstellungen in London und New York und gestaltete 1954 gemeinsam mit Lucian Freud und Ben Nicholson den Britischen Pavillon auf der XXVII. Biennale in Venedig. Ebenso entstanden Landschaftsbilder, in denen Bacons Bewunderung gegenüber Vincent van Gogh zum Ausdruck kam. In den nächsten Jahren fanden zahlreiche Einzelausstellungen in Italien, England, Frankreich und den USA statt. Das Institute of Contemporary Arts in London organisierte 1955 seine erste Retrospektive. Weitere Retrospektiven durch die Tate Gallery in London (1962), das Guggenheim-Museum in New York (1963) und das Art Institute of Chicago (1963) zeugten ebenso von Bacons wachsender internationalen Bedeutung, wie seine Beteiligung an der Documenta (documenta II 1959) in Kassel. Am Abend der Londoner Retrospektive 1962 starb Bacons Freund Peter Lacy infolge schwerer Krankheit durch exzessiven Alkohol- und Drogenmissbrauch.

1964–1974 Francis Bacon lernte George Dyer kennen, einen gleichermaßen depressiven wie gewaltbereiten Gauner aus einfachen Verhältnissen, mit dem er eine Beziehung einging. Bacons Ruhm nahm in der Folgezeit zu, er erhielt mehrere Preise. 1967 erhielt er als dritter Preisträger den Rubenspreis der Stadt Siegen. Im Jahr 1964 war Francis Bacon Teilnehmer der documenta III in Kassel. 1971 stand er an der Spitze einer Rangliste der zehn bedeutendsten lebenden Künstler.

Am Vorabend der großen Retrospektive im Pariser Grand Palais am 24. Oktober 1971 wurde George Dyer tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden, zusammengekauert auf dem Toilettensitz. Den durch Tabletten und Alkohol wahrscheinlich herbeigeführten Suizid verarbeitete Bacon in verschiedenen Bildern (Triptychon August 1972; Triptychon Mai–Juni 1973).

1975–1992