Rimpar ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Würzburg.
Rimpar führt seit dem 19. Jahrhundert den Status einer Marktgemeinde. Erstmals wird der Ort im Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern vom 1. Dezember 1880 als Markt bezeichnet. Bereits zuvor erhielt die Gemeinde mit einer Verleihungsurkunde vom 30. März 1872 das Recht zur Abhaltung mehrerer Jahrmärkte.Staatsarchiv Würzburg, Gemeindeverzeichnis Königreich Bayern (1. Dezember 1880).
Geographie Rimpar liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Würzburg. Nordwestliche Nachbargemeinde ist Güntersleben.
Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gramschatz (Pfarrdorf) Grundmühle (Einöde) Maidbronn (Kirchdorf) Rimpar (Hauptort) Veitsmühle (Einöde)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gramschatz, Maidbronn, Maidbronner Wald und Rimpar. Die Gemarkung Rimpar hat eine Fläche von 22,424 km². Sie ist in 4876 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4598,81 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Grundmühle und Veitsmühle.
Die Gemeindefläche ist nicht zusammenhängend. Die südliche Teilfläche bilden die Gemarkungen Rimpar, Maidbronn und Maidbronner Wald. Die nördliche kleinere Teilfläche ist die Gemarkung Gramschatz. Dazwischen liegt das gemeindefreie Gebiet Gramschatzer Wald.
Name Etymologie Der ursprüngliche Name Rintburi besteht aus den althochdeutschen Wörtern rind und burī. Sie bedeuten „Rind“ und „Häuschen“. Der Name weist somit auf einen Viehstall hin.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1100 Rintburi 1126 Rimpure 1156 Rintbure 1172 Rinpiur 1199 Rimbur 1265 Rimpůr 1308 Rympour 1317 Rintpur 1333 Rimpur 1337 Rimpuer 1380 Rympeure 1430 Rimpewr 1444 Rimper 1465 Rimpar
Markterhebung Eine erste Erwähnung von Marktgeschehen in Rimpar stammt aus dem Jahr 1657, als am Sonntag nach Peter und Paul anlässlich der Kirchweih Gürtel und Bänder verkauft wurden. Mit der Verleihungsurkunde vom 30. März 1872 wurden der Gemeinde vier Jahrmärkte gestattet. Amtlich als „Markt“ bezeichnet wird Rimpar seit dem 1. Dezember 1880, als es im Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern erstmals als solcher geführt wurde. Ab 1953 fanden Wochenmärkte statt, ab 1983 zwei Jahrmärkte pro Jahr; von 1991 bis 2010 richtete die Werbegemeinschaft einen Maimarkt aus, 2024 fand der erste Rimparer Bauernmarkt statt.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte (5500 v. Chr. – 700 n. Chr.) Die früheste Besiedlung im Gebiet der heutigen Gemarkung Rimpar erfolgte zu Beginn der Jungsteinzeit in der Flur „Hinter der Kirche“ und wird der Linearbandkeramik (5500–4900 v. Chr.) zugeordnet. Ausgrabungen des Generalkonservatoriums der Kunstdenkmäler und Altertümer Bayerns fanden hier bereits 1913 und 1914 statt; beim Bau der Maximilian-Kolbe-Schule kamen 1970 weitere Funde zutage, darunter ein rekonstruierbares Vorratsgefäß mit rund 50 Litern Fassungsvermögen sowie eine Hockerbestattung. 1980 wurde bei Feldbegehungen eine Tonscherbe mit einer seltenen menschlichen Gesichtsdarstellung entdeckt, die als ältestes bekanntes „Porträt“ Rimpars gilt. Bei einer Erweiterung der Gasverdichterstation an der Alten Würzburger Straße kam 2020 zudem ein Frauengrab der endjungsteinzeitlichen Schnurkeramik-Kultur (2800–2300 v. Chr.) zutage.
Aus der nachfolgenden Bronze- und Urnenfelderzeit (2000–800 v. Chr.) sind für Rimpar selbst keine Siedlungsbelege bekannt. Erst mit der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit, 800–450 v. Chr.) ändert sich das: Beim Bau einer Scheune 1929 in der Flur „Krautäcker“ wurden zwei Schalen, mehrere Scherben, ein Metalldolch sowie Grabstätten und menschliche Knochen gefunden. Ein bei Maidbronn geborgenes keltisches Hiebmesser belegt eine Besiedlung auch in der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit, 400–15 v. Chr.). Mit dem Ende der keltischen Epoche um 15 v. Chr. wanderten zunächst Alamannen und Thüringer, schließlich Franken in die Region ein. Zwei bei Güntersleben freigelegte Gräber aus dem 7. Jahrhundert weisen auf eine fränkische Siedlung hin, die vermutlich Ausgangspunkt für die erstmals 1126 urkundlich erwähnte Ortschaft „Rintburi“ bzw. „Rimpure“ war.
Bis zur Gemeindegründung Rimpar wird im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt, spätestens aber 1126 als Rimpure. In einer lateinischen Urkunde wird der Ort im Zusammenhang mit Besitz- und Ministerialverhältnissen des Klosters Kitzingen genannt.Markt Rimpar 900 Jahre. Festschrift 1126-2026. Markt Rimpar, Rimpar 2026, S. 12–13 (PDF).
Im Hochmittelalter war Rimpar Sitz eines Niederadelsgeschlechts, das enge Beziehungen zum Hochstift Würzburg unterhielt. Im Jahr 1213 stellten sich die Einwohner unter den Schutz des Würzburger Bischofs Otto von Lobdeburg, wodurch die politische und rechtliche Einbindung des Ortes in das geistliche Territorium gefestigt wurde.
Das Niederadelsgeschlecht der Herren von Grumbach, das nach dem Erlöschen der Burggrumbacher Linie 1243 in zwei miteinander verwandte Familien gleichen Wappens – die Wolfskeel von Grumbach und die spätere Grumbach-Linie – aufgespalten war, prägte die Herrschaft über Rimpar maßgeblich. Wolflein von Grumbach, erstmals 1260 erwähnt, war Vater des Fürstbischofs Wolfram von Grumbach (amtierte 1322–1333) und Großvater Eberhards, der 1328 zwei Drittel der Burg Burggrumbach erwarb und die Rimparer Linie der Familie begründete. Aus dieser Linie stammte auch Fürstbischof Johann III. von Grumbach (amtierte 1455–1466).
Ab dem späten Mittelalter entwickelte sich Rimpar zu einem lokalen Herrschaftszentrum. Ein befestigtes Schloss, das erstmals 1499 erwähnt wird, prägte fortan das Ortsbild und diente als Sitz der jeweiligen Ortsherren.
Während der Zeit des Bauernkrieges gehörte Rimpar zu den Gütern Wilhelm von Grumbachs und war daher mit in die Auseinandersetzungen um das Würzburger Stift verwickelt. So wurden die Burg verwüstet und die Kirche durch Feuer zerstört. Nach dem Tode Wilhelms geriet sein Sohn Konrad in Abhängigkeit vom Hochstift Würzburg und war deshalb 1593 gezwungen, Burg und Dorf an den Fürstbischof Julius Echter zu verkaufen. Echter leitete eine Zeit der regen Bautätigkeit ein, in der die Burg zum Jagdschloss ausgebaut und die Pfarrkirche renoviert wurde. Weiterhin wurde die Orangerie (heute Niederhoferstraße) und das Rathaus (heute Gasthaus Stern) gebaut. Der Zehnt des Hochstiftes Würzburg wurde zunächst nach der Säkularisation 1802 zugunsten Bayerns, dann 1806 Ferdinand III. zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen. 1814 fielen diese Abgaben wieder Bayern zu. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde.
Während der Bauernkriege wurde Florian Geyer am 10. Juni 1525 im Gramschatzer Wald nördlich von Rimpar erschlagen. Der Überlieferung nach sollen die Täter zwei Knechte Wilhelm von Grumbachs gewesen sein, der als Schwager Geyers gilt; diese verwandtschaftliche Verbindung sowie eine Beteiligung Grumbachs an der Tat selbst gelten in der neueren Forschung jedoch als nicht sicher belegt.
Rimpar im 19. Jahrhundert Während der Napoleonischen Kriege war Rimpar wiederholt Aufmarsch- und Rückzugsgebiet durchziehender Truppen. Zwischen 1800 und 1813 kam es zu zahlreichen Einquartierungen bayerischer und französischer Soldaten, 1813 zogen zudem russische Kosaken durch den Ort. In der Schlacht bei Kürnach, die sich bis in die Fluren von Estenfeld und Maidbronn erstreckte, standen sich österreichische Truppen unter Erzherzog Karl und französische Truppen unter General Jourdan gegenüber.
Missernten in den Jahren 1816/17 und die Hungersnöte von 1846/47 lösten zusammen mit restriktiven Niederlassungs- und Heiratsgesetzen eine Auswanderungswelle aus, in deren Zuge zwischen 1844 und 1850 unter anderem die Brüder Lehmann, die späteren Gründer der Investmentbank Lehman Brothers, aus Rimpar auswanderten. 1854 erhielt das nahe Würzburg Anschluss an das Eisenbahnnetz, bis 1907 blieb für Rimpar jedoch die Postkutsche mit Station am Gasthaus zum goldenen Hirschen das gängige Beförderungsmittel. Im Zuge eines aufstrebenden Vereinswesens entstanden 1861 der Liederkranz Rimpar und 1885 die Schützengilde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde 1903 ein Ehrenmal für die Gefallenen beider Kriege errichtet. Am 2. Mai 1887 richtete ein schweres Unwetter im Ort erhebliche Schäden an.
Jüdische Gemeinde mini|hochkant=0.8|Augsburgische Ordinari Postzeitung vom 28. August 1819Jüdische Familien waren in Rimpar bereits seit 1577 ansässig, als Konrad von Grumbach sie unter seinen Schutz stellte.. Abgerufen am 4. März 2019 Die ersten jüdischen Familien waren im Zuge ihrer Vertreibung aus Würzburg durch Fürstbischof Julius Echter nach Rimpar gekommen. Die Grumbacher Ortsherren gewährten ihnen dabei eher aus finanziellem als aus karitativem Interesse Schutz, wie 1577 im Fall des Rimparer Juden Schmul, den Konrad von Grumbach aus einem Konflikt mit dem Hochstift Würzburg befreite. 1791 stellte der Rimparer Jude Seligmann Löw dafür einen Teil seines Anwesens zur Verfügung. 1792 wurde von der jüdischen Gemeinde in der Storchstraße 4 eine Synagoge errichtet. Während der antijüdischen Hep-Hep-Krawalle, bei denen es zwischen August und Oktober 1819 in über 80 Städten und Ortschaften im Deutschen Bund und über seine Grenzen hinaus zu zahlreichen Ausschreitungen und Vorfällen kam, wurde am 18. August 1819 die Synagoge von Rimpar verwüstet.Vgl. hierzu Werner Bergmann: Tumulte – Excesse – Pogrome: Kollektive Gewalt gegen Juden in Europa 1789–1900 Wallstein 2020, ISBN 978-3-8353-3645-2, S. 152. Das Gebäude wurde 1852 um einen oktogonalen Treppenturm als Zugang zur Frauenempore erweitert.. Abgerufen am 4. März 2019 Bis zu den Pogromen im November 1938, bei denen das Gotteshaus von SA-Männern verwüstet wurde, konnte es über einen Zugang von der Marktstraße her erreicht werden. In der Folgezeit wurde die Synagoge als Lagerhalle und später als Hühnerstall genutzt. Wegen der in den letzten Jahrzehnten errichteten Bebauung rings um die Synagoge kann diese derzeit nicht mehr auf öffentlich zugänglichen Wegen erreicht werden. 1994 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Bemühungen in den 2000er Jahren, die Synagoge zu restaurieren und wieder öffentlich zugänglich zu machen, scheiterten, mit Ausnahme des Ankaufs eines benachbarten Grundstückes durch die Marktgemeinde, bislang an der mangelnden Finanzierbarkeit bzw. am politischen Willen.. Abgerufen am 4. März 2019 Im März 2019 bekannt gewordene Überlegungen, die Synagoge abzubauen und im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen wieder zu errichten, gaben der Überlegung zur Gründung eines Fördervereins zum Erhalt der Synagoge an ihrer historischen Stätte neuen Auftrieb.. Abgerufen am 4. März 2019