mini|Glaseinhausung an der östlichen Tunnelausfahrt Der Petueltunnel [-] ist ein Straßentunnel in München. Im Tunnel verläuft der Petuelring. Der Tunnel ist Teil des Mittleren Ringes und hat eine Länge von etwa 1.500 Metern. Er wurde am 6. Juli 2002 nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet.

Lage Der Petueltunnel liegt etwa vier Kilometer nördlich des Münchner Stadtzentrums. Der Tunnel verläuft in West-Ost-Richtung, besteht aus zwei Röhren und besitzt neben den Hauptportalen die Ab- und Zufahrten Knorrstraße/Belgradstraße (östliche Richtung) und Leopoldstraße (westliche Richtung). In östlicher Fahrtrichtung besteht ein Nebentunnel, der direkt auf die A 9 führt. Der Verlauf des Tunnels markiert die Grenze zwischen den Stadtbezirken Milbertshofen und Schwabing-West.

Verlauf Vom Olympiapark her kommend befindet sich das westliche Tunnelportal am Petuelring unmittelbar westlich der Schleißheimer Straße. Hier führen zwei je zweistreifige Hauptröhren Richtung Osten. Nach 600 Metern mündet ein weiterer Fahrstreifen von der Knorrstraße/Belgradstraße als Zufahrt (östliche Richtung) und Abfahrt (westliche Fahrtrichtung) in den Tunnel ein. Nach 500 Metern zweigt die Abfahrt (östliche Richtung) und Zufahrt (westliche Fahrtrichtung) der Leopoldstraße. In östlicher Fahrtrichtung folgt ein Seitentunnel, der auf die A 9 Richtung Nürnberg/Berlin führt.

In der Hauptröhre beginnt unter der Leopoldstraße die Schenkendorfstraße. Etwa 100 Meter östlich endet der Petueltunnel. In östlicher Fahrtrichtung schließt sich eine 250 Meter lange Glaseinhausung an. Die Schenkendorfstraße führt weiter Richtung Bogenhausen.

Geschichte

Erste Planungen Anfang der 1980er Jahre unter dem CSU-Oberbürgermeister Erich Kiesl und seinem Vor- und Nachfolger Georg Kronawitter von der SPD, war das Projekt von drei Tunneln unter dem Mittleren Ring, dem Petueltunnel, dem Richard-Strauss-Tunnel und dem Luise-Kiesselbach-Tunnel, bereits weit fortgeschritten. Im Laufe des Jahrzehnts wurde die SPD angesichts der Finanzsituation der Stadt skeptisch, 1987 verließen zwei SPD-Stadträte ihre Fraktion, so dass eine konservative Mehrheit entstand, die alle drei Tunnelpläne beschloss. Ein Jahr darauf feierten CSU-Stadträte bereits einen Ersten SpatenstichAlfred Dürr: Wie schöne Pläne Makulatur wurden. Süddeutsche Zeitung, 30. Januar 1996, S. 33. 1990 lag ein Planfeststellungsbescheid der Regierung von Oberbayern vor, der jedoch nicht rechtskräftig geworden war, weil zwei Anlieger dagegen klagten.Süddeutsche Zeitung: Wir sabotieren den Bürgerentscheid nicht, 30. Mai 1996, S. 30 Diese ersten Planungen für den Bau des Petueltunnels wurden 1990 gestoppt. In den Wahlkampf zur Kommunalwahlen in Bayern 1990 waren sowohl SPD wie Die Grünen mit skeptischen Aussagen gegangen. Oberbürgermeister Kronawitter lobte zwar die Pläne für einen Park an der Oberfläche des Petueltunnels, verwies aber auf die Finanzierungsprobleme. Nach der Wahl verhandelten SPD und Grüne und beschlossen eine gemeinsame Führung der Stadt. Aus Kostengründen wollten sie „die soziale 'Grundversorgung' sichern und dafür auf Großprojekte verzichten.“

Bürgerentscheid 1995 führte der Volksentscheid zum kommunalen Bürgerentscheid in Bayern 1995 auf Initiative des Vereins Mehr Demokratie mit großer Mehrheit die Mittel der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene als Bürgerbegehren und Bürgerentscheid in Bayern ein. Mehrere CSU-Stadträte gründeten die „Bürgerinitiative Petuelring e. V.“ und gewannen Unterstützung durch FDP, IHK München, Handwerkskammer, ADAC und weitere, um die Tunnelpläne den Münchner Bürgern als den ersten bayerischen Bürgerentscheid vorzulegen.

Am 23. Juni 1996 standen der Vorschlag „Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring“ und der Alternativentwurf „Das bessere Bürgerbegehren“ mit Maßnahmen zum Ausbau von Stadtkultur und öffentlichem Verkehr sowie ein Stichentscheid zur Abstimmung. Die Bürger entschieden sich mit 55,0 % für die Drei Tunnel und 59,8 % für die Alternative. Die Stichwahl ergab 50,7 % zugunsten der Drei Tunnel, die Wahlbeteiligung lag bei 32,2 %.Alois Segerer: Münchner wollen alles – und bekommen die Tunnel. In: Abendzeitung, 24. Juni 1996, S. 19

Neue Planungen Nach dem Bürgerentscheid wurde die Planung für den Tunnel wieder aufgenommen. Da die Tunnelplanungen vor dem Baustopp bereits weit vorangekommen und beim Petueltunnel führend waren, konnte für dieses Projekt mit den Bauarbeiten bereits 1997 begonnen werden. Zur Gegenfinanzierung erhöhte der Stadtrat den Hebesatz der Gewerbesteuer um zehn Punkte zum 1. Januar 1997.Muenchen.de: Hebesätze der Gewerbesteuer, abgerufen am 17. August 2026

Bau des Tunnels Der Petueltunnel wurde durch die Unternehmen Max Bögl und Ed. Züblin AG errichtet. Zuerst wurden die Bäume im Baustellenbereich gefällt. Gebaut wurde der Tunnel in der Deckelbauweise. Hierbei wird zuerst die spätere Decke des Tunnels errichtet. Im zweiten Schritt wird der eigentliche Tunnel darunter errichtet. Durch die Auflage, mindestens drei Spuren pro Fahrtrichtung offen zu halten, mussten zahlreiche Verschwenkungen der Fahrbahn durchgeführt werden.

Am 31. Oktober 2001 wurde zwischen Knorrstraße/Belgradstraße und der Auffahrt zur A 9 eine Spur des Tunnels für die Öffentlichkeit freigegeben. Dadurch konnte im östlichen Teil der Baustelle Platz geschaffen werden.welt-online: Petueltunnel: Die erste Fahrspur ist fertig vom 31. Oktober 2001 (abgerufen am 30. November 2009)

Eröffnung des Tunnels Am 6. Juli 2002 eröffneten Oberbürgermeister Christian Ude und die damalige Kultusministerin Monika Hohlmeier den Tunnel. Die Verkehrsfreigabe erfolgte am selben Tag um etwa 12:15 Uhr.sueddeutsche.de: vom 8. Juli 2002 (abgerufen am 30. November 2009)

Weiterer Ausbau an der Oberfläche

Bis 2004 wurde die Oberfläche über dem Tunnel neu gestaltet. Der Westteil zwischen Schleißheimer Straße und Knorrstraße/Belgradstraße wurde zu einer vierstreifigen Straße ohne Fahrbahntrennung umgebaut. Der östliche Teil bis zur Leopoldstraße wurde zum Petuelpark gänzlich ohne Straßenverkehr umgebaut. Die Eröffnung des Petuelparks erfolgte am 27. Juni 2004.

Kosten des Projektes Der Bau des Petueltunnels inklusive des Rückbaus der Oberfläche betrugen 400 Mio. DM (zirka 205 Mio. €).

Betrieb des Tunnels mini|Mittlerer Ring mit der östlichen Tunneleinfahrt im Hintergrund mini|35 Meter hoher Abluftkamin des Petueltunnels am Hochbunker an der Ecke Riesenfeldstraße

Technik im Tunnel Der Petueltunnel ist mit moderner Sicherheitstechnik ausgestattet. Die Sicherheit des Tunnels wird ständig von der Verkehrszentrale München überwacht. Durch frei programmierbare Textzeilen an den Tunnelportalen können die Autofahrer auf Gefahrensituationen oder besondere Zustände im Petueltunnel aufmerksam gemacht werden.

Im Tunnel befinden sich neben einer Sprinkleranlage auch Sendestationen für sechs Radiostationen. Über diese Kanäle kann die Verkehrszentrale bei besonderen Gefahrensituationen Durchsagen machen. Die Abluft aus dem Tunnel wird über einen Abluftkamin, der an den Hochbunker Riesenfeldstraße angebaut ist, entsorgt.

Tempolimit und Kontrolle Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in den Hauptröhren war anfangs auf 60 km/h festgesetzt. Da die Unfallzahlen im Tunnel ein hohes Niveau hatten, wurde 2004 die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h reduziert.merkur-online.de: Tempolimit macht Petueltunnel sicherer von 2. September 2004 (abgerufen am 19. November 2009) Seit Dezember 2015 gilt wieder beidseitig ein standardmäßiges Tempolimit von 60 km/h. Die Tempolimits werden mit einer Verkehrsbeeinflussungsanlage über LED-Schilder gesteuert. Bei hohem Verkehrsaufkommen wird das Tempolimit meist auf 40 km/h reduziert. Die Einhaltung des Tempolimits wird seit Ende Juni 2014 für beide Fahrtrichtungen durch eine Schwarzlicht-Blitzanlage kontrolliert.merkur-online.de: Blitzer im Petueltunnel: Ab Donnerstag wird es ernst von 25. Juni 2014 (abgerufen am 28. Juni 2014)

Besondere Ereignisse Im Tunnel kam es bislang zu keinen größeren Zwischenfällen. In einem ADAC-Test im Jahr 2003 bekam der Tunnel die Note Gut.ADAC: (abgerufen am 30. November 2009) Lediglich bei der Lesbarkeit der Beschilderung gab es Defizite. Dies wurde aber durch die Landeshauptstadt nachgebessert.

Erster Petueltunnel Schon 1963 wurde ein Bauwerk als Petueltunnel bezeichnet. Es handelte sich um die Straßenbahnunterführung der damaligen Linie 8 zwischen den Haltestellen Rümann- und Keferloherstraße, die den Petuelring in Nord-Süd-Richtung unterquerte. Die zuletzt von den Tramlinien 12 und 13 bediente Strecke wurde 1993 stillgelegt.Zeitschrift Nahverkehr in München - Strassenbahn Special Nr. 2, München, GeraNova-Verlag, o. J. (ca. 1993), Nr. 9701, , S. 52. Das Bauwerk wurde während der Bauzeit des jetzigen Straßentunnels noch als Zufahrt für die Baufahrzeuge genutzt und anschließend verfüllt.

Sendetechnische Hinweise Im Petueltunnel kann man alle gängigen Münchner Lokalsender und den Verkehrsfunk von Antenne Bayern via der Frequenzen des Olympiaturms über einen kleinen Repeater empfangen. Außerdem ist der öffentlich-rechtliche Sender Bayern 3 im Tunnel verfügbar. Ebenfalls werden DAB+ Radiosender der Kanäle 5C, 11C, 11D und 12D im Tunnel gesendet.

Namensgeber

Literatur

Weblinks

Fahrt über den Petuelring und durch den Petueltunnel (Video) sueddeutsche.de: Der Petueltunnel - fast fertig vom 27. Juni 2001 Münchner Wochenanzeiger: Milbertshofen • Risikofaktor Autofahrer am 7. August 2007

Einzelnachweise

Kategorie:Straßenabschnitt der Bundesstraße 2 R Kategorie:Tunnel in München Kategorie:Bauwerk in Schwabing-West Kategorie:Bauwerk in Milbertshofen Kategorie:Erbaut 2002 Kategorie:Tunnel in Europa