mini|hochkant=1.2|Verkleinerung der inneren Schamlippen bei einer jungen Frau: vor (links) und nach (rechts) der Operation Die Schamlippenverkleinerung ist eine Form der Labioplastik, bei der die inneren Schamlippen (Labia minora) in ihrer Größe reduziert oder auch vollständig entfernt werden. Seltener werden auch Verkleinerungen der äußeren Schamlippen (Labia majora) durchgeführt. Verschiedene chirurgische Techniken können hierbei zum Einsatz kommen.J. G. Hunter (2015): Labia minora, labia majora, and clitoral hood alteration: experience-based recommendations. Aesthetic surgery journal, 36 (1), S. 71–79.
Als Grund für den Eingriff werden neben funktionellen Beeinträchtigungen hauptsächlich ästhetische Motive angeführt, die Schamlippenverkleinerung stellt somit eine Form der kosmetischen Intimchirurgie dar. Der Eingriff wird laut der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend stärker nachgefragt; Schamlippenverkleinerungen stellen inzwischen in einigen Ländern die beliebteste Form von plastischen Operationen dar.C. Clerico, A. Larry, A. Mojallal, F. Boucher (2017): Anatomy and Aesthetics of the Labia Minora: The Ideal Vulva? Aesthetic plastic surgery, 1-6.N. Magon, R. Alinsod (2017): Female Cosmetic Genital Surgery: Delivering What Women Want. The Journal of Obstetrics and Gynecology of India, 67 (1), S. 15–19.P. Foldes, S. Droupy, B. Cuzin (2013): Cosmetic surgery of the female genitalia. Progres en urologie: journal de l’Association francaise d’urologie et de la Societe francaise d’urologie, 23 (9), S. 601–611. Der starke Zuwachs an durchgeführten Eingriffen wird auf mehrere gesellschaftliche Entwicklungen zurückgeführt.H. Mowat, K. McDonald, A. S. Dobson, J. Fisher, M. Kirkman (2015): The contribution of online content to the promotion and normalisation of female genital cosmetic surgery: a systematic review of the literature. BMC women’s health, 15 (1), 110. Die Schamlippenverkleinerung aus ästhetischen Motiven wird von verschiedenen Seiten kritisiert, insbesondere wird das zugrundeliegende Schönheitsideal kritisch analysiert.
Indikationen und Beweggründe mini|hochkant|Stärker ausgebildete innere Schamlippen stehen bei dieser Frau deutlich sichtbar über die äußeren Schamlippen hervor Ein Motiv für die Durchführung einer Schamlippenverkleinerung kann die funktionale Beeinträchtigung beim Hervorstehen der kleinen Schamlippen oder der Klitorisvorhaut sein. Die mangelnde Bedeckung der inneren durch die äußeren Schamlippen führt dazu, dass die inneren Schamlippen unzureichend vor Druck und Beanspruchung geschützt sind. Als funktionale Operationsbegründungen sind Beeinträchtigungen bei Sport und Freizeitaktivitäten, beim Tragen enger Kleidung, bei der Miktion und beim Geschlechtsverkehr bekannt.
Bei einer sexuellen Dysfunktion und damit einhergehenden Orgasmusschwierigkeiten der Frau kann die Freilegung der Klitoris durch eine teilweise oder vollständige Entfernung der Vorhaut die Stimulierbarkeit unter Umständen steigern und die Orgasmusfähigkeit der Frau erhöhen.D. G. McLintock: Phimosis of the prepuce of the clitoris: indication for female circumcision. In: Journal of the Royal Society of Medicine. Band 78, 1985, Heft 3, S. 257–258. PMID 3973892. Vgl. Anatomy and Sexual Dysfunction. In: Scientific American. Abgerufen am 13. August 2010. Die Datenlage zu den Erfolgsaussichten einer solchen Operation ist jedoch noch unzureichend.Arasee Renganathan, Rufus Cartwright, Linda Cardozo: Gynecological cosmetic surgery. (PDF) In: Expert Rev. Obstet. Gynecol. 4, 2009, Heft 2, S. 101–104 (doi:10.1586/17474108.4.2.101), abgerufen am 13. August 2010.
Für Schamlippenverkleinerungen spielen in einem Großteil der Fälle ästhetisch-kosmetische Motive zumindest teilweise eine Rolle. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt die „Größe und Asymmetrie der Schamlippen“ sowie „Schamgefühle bei dem sich Zeigen“ als bekannte Operationsbegründungen an.
In einer US-amerikanischen Untersuchung an 131 Frauen, die sich einer operativen Verkleinerung der kleinen Schamlippen unterzogen, taten dies 37 % aus rein ästhetischen Gründen, 32 % wegen Beschwerden und 31 % aus beiden Gründen.J. R. Miklos, R. D. Moore: Labiaplasty of the labia minora: patients’ indications for pursuing surgery. In: The Journal of Sexual Medicine. Band 5, 2008, S. 1492–1495. PMID 18355172 (PDF; 146 kB), abgerufen am 20. November 2010. In einer weiteren Untersuchung an 407 Frauen aus dem Jahr 2008 gaben 85,5 % sowohl ästhetische als auch funktionale Gründe an, 13,3 % hatten nur ästhetische Gründe und lediglich 1,2 % rein funktionale Beschwerden.G. J. Alter: Aesthetic labia minora and clitoral hood reduction using extended central wedge resection. In: Plastic and Reconstructive Surgery. Band 122, Heft 6, 2008, S. 1780–1789. PMID 19050531. Eine 2012 veröffentlichte retrospektive Studie, die 550 Frauen nach ihren Beweggründen für eine Schamlippenverkleinerung befragte (wobei ästhetische und funktionale Gründe nicht getrennt wurden), ergab, dass 97,8 % der Frauen mit dem Hervortreten der inneren über die äußeren Schamlippen unzufrieden waren, 96,9 % waren mit dem Aussehen der (zu dunklen) Schamlippenränder unzufrieden.J. R. Miklos, G. Alpharetta, R. D. Moore (2012): Postoperative Cosmetic Expectations for Patients Considering Labiaplasty Surgery: Our Experience with 550 Patients. Surgical technology international, 21, 170 PMID 22504987
Ist der Eingriff rein ästhetisch begründet, handelt es sich um eine Schönheitsoperation. Mitunter werden funktionelle Beschwerden vorgeschoben, um eine Operation zu legitimieren, die aus primär ästhetischen Gründen erfolgt. Allerdings kann die subjektive Wahrnehmung ästhetischer Unzulänglichkeit im Vulvovaginalbereich, wie sie im Rahmen von einer körperdysmorphen Störung auftritt, mit Sexualangst verbunden sein und zu sexuellen Funktionsstörungen führen.Christein Annemarie Hamori: Aesthetic Labia Minora and Clitoral Hood Reduction Using Extended Central Wedge Resection. Plastic & Reconstructive Surgery Juli 2009, Band 124, Nr. 1, S. 337 doi:10.1097/PRS.0b013e3181a8394dC. E. Marchitelli, M. C. Sluga, M. Perrotta, R. Testa (2010): Initial experience in a vulvovaginal aesthetic surgery unit within a general gynecology department. Journal of Lower Genital Tract Disease; 14(4):295-300. PMID 20885155.
Ein objektives Abweichen von einem Normbereich ist bei vielen Frauen, die die Operation wünschen, nicht gegeben. Die Autorin eines Review-Artikels zur Schamlippenverkleinerung kam zu dem Schluss:
Es zeichnet sich die Tendenz zur Durchführung einer Reduktion aus ästhetischen Gründen auch bei mittel bis gering ausgeprägten inneren Schamlippen ab. Dabei sind wie alle körperlichen Merkmale auch die Form und Größe der Schamlippen einer individuellen Variation ausgesetzt, die an sich keinen Krankheitswert darstellt.
Operation Verkleinerung der inneren Schamlippen mini|hochkant=1.5|Verschiedene Techniken zur Verkleinerung der inneren Schamlippen Die Verkleinerung der inneren Schamlippen stellt die häufigste Form plastisch-chirurgischer Eingriffe im weiblichen Genitalbereich dar, ist in der Regel unproblematisch und mit kaum sichtbaren Narben verbunden.C. Nestle-Krämling, L. Beck (2007): Ästhetische Chirurgie in der Gynäkologie. Der Gynäkologe, Band 40, Nummer 2, 92-98, doi:10.1007/s00129-006-1940-0
Der Eingriff erfolgt meist ambulant und unter lokaler Betäubung. Das als „überschüssig“ betrachtete Gewebe, das ist gewöhnlich der von außen sichtbare Teil der inneren Schamlippen, wird hierbei mit einem Laser oder einem Hochfrequenz-Radiochirurgiegerät entfernt. Die Operation dauert durchschnittlich 45 Minuten (Ø 45 ± 15 min). Zum Abschluss wird die Wunde mit resorbierbaren, sich selbst auflösenden Fäden vernäht. In der Regel tritt eine vollständige Heilung nach ungefähr vier Wochen ein.S. Gress: Aesthetic and functional corrections of the female genital area. In: Gynakologische Geburtshilfliche Rundschau. Band 47, 2007, S. 23–32. PMID 17283434
Bei einem sachgerecht und ohne Komplikationen durchgeführten Eingriff kommt es nicht zu Einschränkungen in Funktion und Empfindsamkeit.J. Pardo u. a.: Laser labioplasty of labia minora. In: International Journal of Gynecology & Obstetrics. Band 93, 2006, S. 38–43. PMID 16530764
Operationstechniken Die Schnittführung zur Entfernung des Gewebes sowie die Vernähung der Schnittflächen kann mit unterschiedlichen Methoden erfolgen:
Composite Reduction Labiaplasty (CRL): Mit der Technik der Composite Reduction Labiaplasty (CRL) werden im Gegensatz zu den anderen bekannten Techniken die kleinen Schamlippen über ihre gesamte Länge verkleinert, also vom Ansatz am Schamhügel bis zum Damm und nicht nur im Bereich unterhalb der Klitoris. Gleichzeitig wird der Klitorismantel nach oben und nach unten gestrafft und eine hervorstehende Klitoris (Klitorisprotrusion) korrigiert. Dazu wird der Gewebeüberschuss der kleinen Schamlippen oberhalb und unterhalb der Klitoris entfernt und durch Zusammensetzung der einzelnen Segmente eine ganzheitliche Straffung erzielt. Dieses Verfahren eignet sich besonders, wenn ein sehr großer Klitorismantel und eine hervorstehende Klitoris bestehen und es das Ziel des Eingriffes ist, dass die inneren Schamlippen von der äußeren vollständig bedeckt werden sollen. Exzision (Konturierung): Bei dieser Methode wird ein kurvilinearer Schnitt entlang der Länge der inneren Schamlippen vollzogen. Die Schnitthöhe bestimmt das Ausmaß des entfernten Gewebes. Nur bei dieser Technik wird der äußere Rand der Schamlippen entfernt, welcher oft dunkler pigmentiert und unregelmäßig geformt ist, so dass im Ergebnis die Schamlippen heller und gerade erscheinen. Die Exzision stellt weiterhin die einzige Methode dar, die eine vollständige Entfernung der inneren Schamlippen ermöglicht. Gegenüber den anderen Verfahren stellt sie höhere Anforderungen an die chirurgischen Fertigkeiten des ausführenden Arztes und ist zeitaufwändiger.J. R. Miklos, R. D. Moore: Vaginal Rejuvenation and Cosmetic Vaginal Surgery. In: Textbook of Female Urology and Urogynecology. Zweite Auflage. Informa Healthcare, 2006, ISBN 1-84184-358-X, S. 1056–1074 (PDF; 1,7 MB), abgerufen am 20. November 2010. Die Gefahr von Wundheilungsstörungen ist bei der Exzision geringer als bei den anderen Verfahren. Insbesondere wenn viel Gewebe entfernt werden soll, wenn also eine starke Verkleinerung gewünscht ist, kann diese Methode von Vorteil sein. Deepithelisierende Verkleinerung: Bei diesem Verfahren wird ein Gewebestück aus dem mittleren Bereich der Schamlippen entnommen, der äußere Rand bleibt dabei unberührt. Ansonsten ähnelt die Methode der W-Inzision.