mini|HJ beim Schießunterricht bei einem WE-Lager
Wehrertüchtigungslager (kurz WE-Lager), auch Reichsausbildungslager, waren Einrichtungen der Hitlerjugend (HJ) zur vormilitärischen Ausbildung und Indoktrination während des Zweiten Weltkrieges.
Allgemeines Innerhalb der Reichsjugendführung der Hitlerjugend gab es ein Amt für körperliche Ertüchtigung. Dieses veranstaltete seit 1939 in Lagern zur Wehrertüchtigung mehrwöchige Lehrgänge, in denen Jugendliche für den Kriegseinsatz „vormilitärisch“ vorbereitet werden sollten.
In einem Erlass vom 27. Mai 1942 hat der Jugendführer des Deutschen Reiches für die Wehrertüchtigungslager die Jugenddienstpflicht für anwendbar erklärt.Zweite Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Hitler-Jugend (Jugenddienstverordnung) vom 25. März 1939, RGBl. I S. 710Gau-Anordnungsblatt Oberschlesien. 7. September 1942. sbc.org.pl (PDF; 0,3 MB).
Während zu Beginn des Krieges hauptsächlich HJ-Führer die Ausbildung leiteten, unterrichteten später zunehmend fronterfahrene nicht mehr kriegsdienstfähige Soldaten der Wehrmacht bzw. Angehörige der Waffen-SS. Neben sportlichen Wettkämpfen und körperlichem Training wurden militärische Fähigkeiten wie Tarnung und der Umgang mit Waffen vermittelt. Im Rahmen der politisch-weltanschaulichen Indoktrination wurden die Jungen mit Themen wie Unsere Feinde, Das Judentum, Unsere Weltanschauung und Der Rassengedanke zu Nationalismus, Antisemitismus und Militarismus aufgestachelt.
Zu den Lagern wurde von der Reichsjugendführung und dem Erziehungsministerium amtlich einberufen.Erlass des Erziehungsministeriums zu Wehrertüchtigungslagern der Hitlerjugend vom 26. Mai 1942. jugend1918-1945.de Archiv des St. Georg-Gymnasiums Bocholt, E 16, 1. August 2015. Sie dienten auch dazu, die Zeit bis zur Einberufung zur Wehrmacht zu überbrücken. Die Wehrpflicht begann nach dem Wehrgesetz mit Vollendung des 18. Lebensjahres.
Die Wehrertüchtigungslager dienten der Waffen-SS als Rekrutierungsstätten. In einem Beitrag des Deutschen Historischen Museums beschrieb ein ehemaliger Hitlerjunge, wie er von der HJ über ein Wehrertüchtigungslager an die Front kam. Dort heißt es:
In einer weiteren Quelle heißt es:
In vielen Erinnerungen berichten die damals jugendlichen Teilnehmer an diesen meist klassenweise durchgeführten und verpflichtenden Kursen von militärischem Drill, verbunden mit unangemessener Schikane durch die Ausbilder.
Standorte einiger Wehrertüchtigungslager Die Datumsangaben beziehen sich lediglich auf den durch Quellen belegten Zeitraum. Der tatsächliche Zeitraum ist vermutlich länger: Guhrau (Breslau), September 1942 Hundstadt, Juni 1943, Leitung: Lagerführer Klaus von ThierfeldtWerner Heldmann: frankfurter-buergerstiftung.de, 30. August 2004; abgerufen am 18. August 2013. Reichelsheim (Odenwald), April 1944 St. Peter (Hochschwarzwald), November 1944 bis März 1945Arbeitsgemeinschaft Ebringer Dorfgeschichte (Hrsg.): Ebringer Dorfgeschichte Nr. 2. Ebringen unterm Hakenkreuz. Zeitzeugenberichte. Ebringen 2008, S. 33 und 38. Sulzburg, Ostern 1945Erinnerungen von Werner Glaubrecht. (PDF; 82 kB) badische-zeitung.de; abgerufen am 18. August 2013. Wurzach, März 1945 Bernburg (RAL 1. – Reichsausbildungslager) April 1942 Reichsausbildungslager III in Germeter, einem Ortsteil von Vossenack in der Eifelaachener-nachrichten.de
Literatur Hans Holzträger (Hrsg.): Die Wehrertüchtigungslager der Hitler-Jugend 1942–1945. Ein Dokumentarbericht. Verlag des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas, Ippesheim 1991, ISBN 3-928389-03-3 (Reihe: Publikationen des Arbeitskreises für Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgebiete im Südosten Europas, Reihe 1, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Band 2) Heinz Schreckenberg: Erziehung, Lebenswelt und Kriegseinsatz der deutschen Jugend unter Hitler. Anmerkungen zur Literatur. Lit, Münster 2001, ISBN 978-3-8258-4433-2, Kap. 20: Die Wehrertüchtigungslager (WE-Lager) der Hitlerjugend und die Werbung von Kriegsfreiwilligen. S. 360–364 (Reihe: Geschichte der Jugend, 25, Hrsg.: Arno Klönne); books.google.de
Weblinks
„Vorstufe der Rekrutenausbildung“ – Die Wehrertüchtigungslager der HJ im Krieg. Jugend! Deutschland 1918 bis 1945. Projekt des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Liste aller WE-Lager. HJ-Research.com Kurzbeschreibung. Website zur Ausstellung „Von Navajos und Edelweißpiraten – Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933–1945“. In: Lexikon der Jugendkultur, Universität Düsseldorf. Das Wehrertüchtigungslager im Wurzacher Schlosspark. redhouses.de
Einzelnachweise
Kategorie:Hitlerjugend Kategorie:Militärische Ausbildungsstätte (Deutschland) Kategorie:Vormilitärische Ausbildung Kategorie:Militär (Deutsches Reich, 1933–1945)