miniatur|rechts|Der Ga Mantse begrüßt den Prinzen von Wales (und späteren König Eduard VIII.) und heißt ihn in Accra willkommen. 1925 Mantse ist ein politischer Titel und auch die Bezeichnung des dazugehörigen figürlichen Symbols im heutigen Accra, der Hauptstadt von Ghana. Ursprünglich bezeichnete Mantse einmal das Amt (bzw. das Symbol) des obersten Priesters des Mantse-Rituals des Volkes der Ga im Südosten des heutigen Ghana. Am Vorabend und vor allem während der Akwamu-Invasion von 1677–81 wurde der Mantse-Stuhl jedoch zum allgemeinen Kriegssymbol der Ga im Kampf gegen Akwamu. Danach verlor der Stuhl des Mantse seine ursprünglich religiöse Bedeutung und wurde zum Symbol und zur Bezeichnung des Amtes des Oberhauptes des Otublohum-Quartieres in Accra und später zu dem des Atifi-Quartieres, d. h. einer akanischen Enklave innerhalb eines sonst von Ga und Guang dominierten Gebietes. Wörtlich bedeutet Mantse in der Ga-Sprache „Vater der Stadt“.
Zur Bedeutung des Mantse-Stuhles in der Ga-Gesellschaft Wiederholte Überfälle von Akwamus hatten im 17. Jahrhundert (vielleicht auch schon früher) unter den Ga im Hinterland der östlichen Goldküste eine Migrationsbewegung in Richtung Küste ausgelöst. Vornehmlich die großen Küstenstädte Accra, Osu und Labadi erfuhren damals einen starken Bevölkerungszustrom.Accra, die heutige Hauptstadt Ghanas, ist von den Europäern im 17. Jahrhundert „Klein-Accra“ genannt worden (das Carà der Portugiesen). Die eigentliche Hauptstadt des Akkra-Reiches der Ga, Ayawaso, die von den Europäern „Groß-Accra“ genannt wurde, war etwa 25 km nordwestlich landeinwärts von Klein-Accra gelegen. Hier hatte man im Zusammenschluss bedeutend bessere Möglichkeiten zur Selbstverteidigung, als in ländlichen Gegenden, wo die Wohnstätten in weiter Zerstreuung lagen und die Landschaft zudem nur wenig Verteidigungsmöglichkeiten bot. Zudem waren hier auch Europäer präsent, was scheinbar ebenfalls ein gewisses Sicherheitsgefühl gegeben haben dürfte. Ob der Mantse-Stuhl von Accra eine Kreation aus dieser Zeit ist, oder ob es ihn schon vorher gegeben hat, liegt im Dunkeln. Aber der Stuhl, der eigentlich mit religiösen Inhalten verknüpft war, wurde in dieser Zeit zum Symbol für den Widerstand gegen Akwamu, besonders als dann die Akwamu-Invasion im Jahre 1677 tatsächlich erfolgte. Die siegreichen Akwamu-Häuptlinge waren jedoch klug genug, ein Symbol, das die Einheit der Ga-Nation im Kampf gegen sie verkörperteDer Mantse-Stuhl ist in diesem Zusammenhang nicht zu verwechseln mit dem Goldenen Stuhl der Ga, der ebenfalls die Ga-Nation als Gesamtheit symbolisiert. Aber der Goldene Stuhl, der vom König besetzt wurde, stand dabei anscheinend eher für das Königtum selbst. Wie sehr zur damaligen Zeit der König im Volk verhasst war, zeigt sich z. B. daran, dass, als 1677 die Akwamu-Armee in Akkra einrückte, Okai Koi von seinen eigenen Generälen dem Feind übergeben wurde. Der Bedeutungszuwachs, den der Mantse-Stuhl in dieser Zeit erfuhr, war wahrscheinlich auch mit einer gewissen Oppositionshaltung gegenüber der herrschende Dynastie verknüpft, die im gemeinsamen Kampf gegen einen äußeren Feind zusätzlich noch ein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl stärkte., nicht zu zerstören, sondern es in ihr eigenes Verwaltungssystem zu integrieren. So wurde der Gouverneur des AkwamuheneKönig von Akwamu für die Provinz AccraHierunter sind im Wesentlichen die Territorien der ehemaligen Königreiche Akkra und Ladoku nach deren endgültigen Untergang 1680/1681 zu verstehen. auch gleichzeitig auf den Mantse-Stuhl der Ga gesetzt. Nach dem Einzug der Akwamus verlor der Titel zunehmend seinen religiösen Hintergrund und ging später als Allgemeinbezeichnung auf das Amt des politischen Oberhaupts des Stadtviertels Otublohum in Accra über, das seitdem den Kern einer akwamuischen Enklave innerhalb Accra’s darstellt.
Da vom Mantse-Stuhl aus während der Akwamu-Invasion ein nicht unwesentlicher Beitrag bei der Organisation des Widerstandes ausgegangen war, hatte der WolumoWolumo ist bei den Ga die allgemeine Bezeichnung eines Priesters oder genauer eines „Priesters der Familiengottheit“. des Mantse-Stuhls in (Klein-)Accra und dessen Umland auch gewissen Rückhalt in der Ga-Bevölkerung außerhalb Accras gewonnen. Im entfernteren Sinne könnte man ihn daher nach 1681 auch als „König der Ga“ betiteln und den Mantse-Stuhl als rituell untermauertes Symbol für die Gesamtheit der Ga als Nation. Von einem politischen Zentralisierungsprozess der zerschlagenen Ga-Nation unter der Führung des Mantse-Wolumo kann jedoch damals, wie auch später, keine Rede sein. (Klein-)Accra stellte während der Invasion nicht einmal eine eigene militärische Einheit. Die politische Macht von Accra war weitestgehend auf die einzelnen Stadtbezirke begrenzt und wurde lediglich durch einen „Rat der Stuhlinhaber“ als oberste Instanz repräsentiert. Ein Mantse Wolumo mit Machtbefugnissen über die gesamte Stadt hat niemals existiert, obgleich er auch unter Guang- und Ewe-Gruppen des Hinterlandes einen gewissen Rückhalt besessen hatte, wozu wahrscheinlich auch die niederländische Schutzherrschaft, die nach 1681 mit dem Mantse-Stuhl verknüpft war, beigetragen haben dürfte. Einer der wesentlichen Gründe, warum später ein Regruppierungsprozess der Ga-Nation ausblieb, ist vor allem in der Besetzung des Mantse-Stuhls und der diesbezüglichen Erbfolgeregelung zu sehen. Über diese war mittels eines besonderen Hochzeitsarrangements die verwandtschaftliche Verbindung zur Blutslinie der Akwamu-Könige hergestellt worden.
Die Erbfolge auf dem Mantse-Stuhl Vorgeschichte Otublohum (Twi: Otuboron) ist die Bezeichnung eines Stadtviertels in Accra und bedeutet wörtlich „Otu’s Quartier“. Die Bezeichnung geht auf Otu zurück, der in der zweiten Hälfte des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Accra gelebt hat. Otu entstammte einer Häuptlingsfamilie der Akwamus. In jungen Jahren wurde Otu den Holländern auf Fort Crèvecoeur als Pfandsklave überlassen, was ihn zum „Compagniesklaven“ der Niederländischen Westindien Gesellschaft (W.I.C.) machte. Ende der 1660er oder Anfang der 1670er stieg er zum Oberhaupt der hiesigen „Handelsjungen“ auf. Dies war eine Position, die per Wahl unter den Compagniesklaven besetzt wurde. Dadurch gewann Otu an Macht und Ansehen, zudem er seitens der Holländer auch noch entsprechend seiner Position mit den äußeren Symbolen einer Häuptlingsautorität ausgestattet wurde, wie z. B. feinere Kleidung, wertvolle Perlen, goldene Amulette usw. Auch besaß er eigene Hörner, Trommeln und Sonnenschirme, die bei zeremoniellen Gelegenheiten gezeigt wurden und in der übrigen Bevölkerung auch einen entsprechenden Eindruck hinterließen. Daneben hatte Otu auch eine eigene bewaffnete Truppe, die ihn bei Missionen außerhalb von Accra begleitete und welche zudem regelmäßig auf den nach Accra führenden Handelspfaden patrouillierten, um diese, zumindest im näheren Hinterland, offen zu halten und um ankommenden Händlern ein sicheres Geleit zum holländischen Fort zu gewähren. Otu’s Macht stieg schnell und aus dem anfänglichen Handelsjungen wurde schon bald der einheimische „Chefmakler für die niederländischen Niederlassungen auf der Goldküste“, eine nicht unbedeutende Position, die seitens der Holländer vergeben wurde. Zusammen mit der von ihm abhängigen Verwandtschaft und einigen Sklaven siedelte er sich in einem eigenen Anwesen in der Nähe von Forts Crèvecoeur an, das den Kern des späteren Otublohum-Quartiers bildete. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass in den damaligen holländischen Berichten Otu zumeist „Pieter Pasop“ genannt wird, ein Name den ihn sein erster holländischer Meister einmal gegeben hatte. In der mündlichen Accra-Tradition wird er jedoch als Otu Ahiakwa bezeichnet, wobei sich der Beiname zusammensetzt aus Ahia, einen Mitleidsnamen, der z. B. einem Kind gegeben wird, das nach dem Tode seines Vaters geboren wurde, und Akwa, was Compagniesklave bedeutet.
Im Jahre 1677 fiel die Armee Akwamus in Akkra ein und 1681 war schließlich nach einer Serie von Schlachten das Königreich Akkra endgültig besiegt, der König hingerichtet und das Land von Akwamu-Truppen besetzt. Akkra hatte von da an den Status einer Provinz Akwamus. Die siegreichen Invasoren hatten in Otu einen der ihrigen vorgefunden, der noch dazu in einer verantwortungsvoller Position bei den Holländern stand und somit einen mächtigen Verbündeten an seiner Seite hatte. Man bot ihm daher den Posten des Gouverneurs der neugewonnenen Provinz an.
Otu, kam im Jahre 1712 zusammen mit Affery, einem anderen, ebenfalls sehr wohlhabenden, einheimischen Makler der Holländer auf der Goldküste, bei einem Angriff der Truppen des Jan Conny auf das britische Fort Dixcove ums Leben.
Das Hochzeitsarrangement bezüglich der Nachfolge auf dem Mantse-Stuhl Otu war während seiner Zeit als Gouverneur des Akwamuhene eine uterinevon derselben Mutter stammend; Uterus = Gebärmutter Schwester der beiden Akwamu-Könige Ado (reg. 1689–1702) und Akonno (reg. 1702–1725) zur Frau gegeben worden. Noch vor seinem Tod im Jahre 1712 verheiratete Otu seinerseits die Tochter seiner Schwester mit Amu, dem Sohn der Schwester des Akonno, der damals als Akwamu-König regierte. Aus dieser Verbindung erwuchs ein Sohn, Dako (Dacon). Diesem gab ihrerseits die königliche Familie die Tochter der Schwester des erwähnten Amu als Frau zurück.
Mit anderen Worten: In der ersten Generation gab die Königsfamilie dem Otu eine uterine Schwester des Königs zur Frau. In der nächsten Generation revanchierte sich die Otublohum-Familie und gab eine der Töchter von Otus Schwester dem Königssohn Amu zur Frau, d. h. Amu heiratete somit seine patrilineare Kreuzcousine. In der dritten Generation gab die königliche Familie ihrerseits die Tochter von Amus Schwester, dem Sohn der Tochter von Otu’s Schwester zur Frau. Auch in diesem Fall heiratete Dako aus Otublohum seine patrilineare Kreuzcousine. Diese Aufeinanderfolge mehrerer Kreuzcousinenheiraten ergab eine besondere Konstellation, was das traditionelle Erbrecht anbelangt.
In den Jahren bis 1733 fand eine Amtsnachfolge auf dem Mantse-Stuhl jedoch nicht ohne Zustimmung der Holländer statt und der Besetzer des Mantse-Stuhles war auch gleichzeitig der Chefmakler für die niederländischen Besitzungen auf der Goldküste. Dies änderte sich 1733, als Dako die Amtsnachfolge seines verstorbenen Vaters Amu antrat. Hinsichtlich der Amtsnachfolge als Chefmakler wollte man zunächst die Entwicklung der Ereignisse abwarten. Auf der östlichen Goldküste drohte damals ein Krieg zwischen Holländern und Dänen, bzw. ihrer Verbündeten, der in letzter Minute durch das Eingreifen der Akimer mit Hilfe des Giemanwong-Orakels sowie eiligster personeller Umbesetzungen von Seiten der europäischen Heimatregierungen verhindert werden konnte. Erst 1737 wurde Dako zum Chefmakler der W.I.C. auf der Goldküste ernannt, was allerdings ebenfalls mit politischen Unruhen im Zusammenhang stand. Dako wurde 1742 in Akwamu während des akimisch-aschantischen Krieges getötet. Zum Nachfolger Dakos wurde in Accra Ofei gewählt, von dem es heißt, dass er der Bruder des Dako gewesen sei, wobei jedoch unklar bleibt, welcher Dako gemeint ist, denn Dako senior hatte einen Sohn, der ebenfalls Dako hieß.
Die Bedeutung der Kreuzcousinenheirat im Mutterrecht