mini|hochkant=1.5|Altarabische Inschrift aus Südarabien aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. in einer alten südarabischen Sprache. Archäologisches Museum Istanbul Die Altsüdarabische Kunst entstand ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. in vorislamischen Kulturen der Arabischen Halbinsel an den Küstenzonen des Persischen Golfs.Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. 3., aktualisiert und überarbeitete Auflage. F. A. Brockhaus. Mannheim 2006.
Geschichte und Entwicklung Die altarabische Kunst erlebte ihre erste Blüte zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. gleichzeitig mit der südarabischen Hochkultur,Daten nach der Langen Chronologie. Zu den Problemen der altsüdarabischen Chronologie siehe den Artikel „Altes Südarabien“. schwerpunktmäßig im heutigen Jemen, in den Reichen der Sabäer und Minäer. Im 5. Jahrhundert v. Chr. war die Blütezeit von Saba, deren Zentren sich in Ma'rib und Sirwah befanden.
Neben Einflüssen aus dem Alten Orient war sie seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. starken griechischen Einflüssen ausgesetzt, die an der Fortentwicklung der altsüdarabischen Kunst mutmaßlich stark beteiligt waren. Typisch für die altsüdarabische Kunst sind, sowohl in der Plastik als auch in der Architektur, geometrische, stilisierte Formen, die sich seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. in flüssigere Formen wandelten.
Die Könige von Himyar erlangten Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. die Herrschaft über Südarabien, das aufgrund seines Reichtums in der antiken Welt den Beinamen „Arabia Felix“ (glückliches Arabien) hatte. Später entstand im 4. Jahrhundert n. Chr. im Norden der arabischen Halbinsel das Reich der Nabatäer, in dem sich eine eigene Kunst entwickelte (nabatäische Kunst), die zwischen den Kulturen Arabiens und des Mittelmeerraums vermittelte.
Mit dem Vordringen des Islams im 7. Jahrhundert verdrängte die islamische Kunst die früheren Stile in Südarabien.
Periodisierung Da sich die Sabäistik, die Wissenschaft vom antiken Südarabien, lange auf die philologische Erschließung der altsüdarabischen Inschriften konzentrierte, blieben die Zeugnisse der materiellen Kultur Südarabiens lange wenig erforscht, sodass die Fundlage immer noch dürftig ist. Zwar konnten für einige Einzelbereiche chronologische Muster erarbeitet werden, doch ist bislang keine allgemeine Periodisierung der altsüdarabischen Kunst möglich. Aus diesem Grund werden die verschiedenen altsüdarabischen Kunsterzeugnisse nicht unter chronologischen, sondern nur nach funktionalen Gesichtspunkten aufgeführt. Eine allgemeine Einteilung der südarabischen Kunst in drei Phasen unternahm Jürgen Schmidt: Demzufolge lassen sich drei Phasen unterteilen: die Phase, in der sich eine eigenständige Formensprache herauszubilden beginnt, das Stadium, in der eigenständige künstlerische Formen ausgebildet und kanonisiert werden, sowie die Epoche der Überlagerung der eigenen künstlerischen Ausdrucksmittel durch fremde, d. h. vor allem griechische, Einflüsse.
Baukunst und Stadtkultur Bauverfahren mini|Verziertes Kapitell eines Pfeilers aus dem Königspalast von Schabwat; stratigraphische Zuordnung: 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Mesopotamien war im antiken Südarabien die Steinbauweise vorherrschend. Lediglich in der Küstenebene und in der hadramitischen Hauptstadt Schabwat wurde daneben auch in größerem Maße die Bauweise mit getrockneten Ziegeln angewendet. In Monumentalbauten wurden große behauene Steinquader benutzt, die ohne Mörtel übereinandergestellt wurden, nur unbehauene Steine mussten vermörtelt werden. Neben Kalkmörtel wurden auch Schlamm und Asphalt als Bindemittel verwendet. Zur Festigung hoher Mauern konnten darüber hinaus senkrechte Bleistreben und waagerechte Zapfen und Klammern eingesetzt werden. Lediglich die Außenseite der Steine wurde poliert, stärkere Mauern waren oft doppelschalig, wobei innen die rohen Seiten der Steine aneinanderstießen. Vielleicht auch aus ästhetischen Gründen wurden Mauern bei Monumentalbauten geböscht, auch Stützpfeiler und kleine Bastionen erhielten die Stabilität der Mauer. Im 5. Jahrhundert v. Chr. kam eine neue Art der Steinbearbeitung auf: die Ränder wurden poliert, die Innenfläche dagegen gepeckt. Im Laufe der Zeit veränderte sich dieser Randbeschlag, wodurch eine chronologische Einordnung des so behandelten Mauerwerks möglich ist.Gus W. Van Beek: Marginally Drafted, Pecked Masonry. In: Richard Le Baron Bowen Jr., Frank P. Albright: Archaeological Discoveries in South Arabia (= Publications of the American Foundation for the Study of Man. Band 2). Johns Hopkins Press, Baltimore 1958, S. 287–299. Innenwände wurden entweder einfach verputzt – teilweise mit Wandmalereien – oder mit steinernen Wandplatten, deren Aufmalung das Mauergefüge und teilweise sogar dreidimensionale Friese nachahmten, verdeckt. Über Deckenkonstruktionen ist wenig bekannt, Gewölbe sind in den Pillbox-Gräbern erhalten, einfache Giebeldächer werden durch Abbildungen belegt. Als Fensterscheiben dienten ca. 3 cm dicke, durchscheinende Marmor- oder Alabasterscheiben, die teilweise eingeritzte Verzierungen aufwiesen. Ein sehr wichtiges Bauelement bildeten Säulen. Bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. waren sie schmucklose Monolithe mit rechteckigem oder quadratischem Querschnitt; solche Säulen finden sich unter anderem in der Eingangshalle des Awwam-Tempels bzw. Haram-Bilqis (DMG Ḥaram-Bilqīs) in Ma'rib. Ab dem 5. Jahrhundert wurden die Säulen durch Abflachung der Kanten schrittweise zu Rundsäulen. Seit dem 5. Jahrhundert trugen die Säulen auch Kapitelle, zunächst einfache Plinthen, aus denen sich dann verschiedene Formen entwickelten.Zu diesen Formen: Grohmann, Arabien (siehe Literaturverzeichnis), S. 210–214. Diese Formen wurden seit dem 2. Jahrhundert vor allem durch hellenistische Einflüsse verdrängt, daneben sind aber auch sassanidische Einflüsse erkennbar.
Profanarchitektur mini|hochkant=1.5|Plan des Innenbereiches von Schabwat Archäologische Ausgrabungen der lediglich teilweise erschlossenen Ruinenfelder belegen hoch stehende Stadtkulturen mit aufwändiger Bewässerungstechnik. So geht der Staudamm von Ma'rib auf das 9. Jahrhundert v. Chr. zurück. Noch heute finden sich hiervon mächtige Überreste aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Es gab Städte mit öffentlichen Bauten aus glatt behauenen Kalksteinquadern, bei denen auch die Bauherrn inschriftlich genannt wurden, mit Stadttoren, Befestigungen, Straßen, Tempeln, Märkten und königlichen Residenzen.
Wie die Inschriften zeigen, existierten im vorislamischen Südarabien zahlreiche befestigte Städte (hagar), jedoch ist umstritten, inwiefern es sich bei einem hagar wirklich um eine Stadt handelte oder ob in Südarabien eine echte Urbanisierung noch gar nicht eingesetzt hatte. Die Siedlungsarchäologie hat in Südarabien bislang fast nur Stadtanlagen erfasst, unbefestigte Siedlungen dagegen wurden archäologisch kaum untersucht. Die Städte lagen oft im Talboden auf einer natürlichen oder künstlichen Erhebung, die sie vor Hochwasser schützte. Daneben finden sich auch Städte, die auf einem Hochplateau oder unter einer Burg gegründet wurden, darunter die himyarische Hauptstadt Zafar. Die meisten altsüdarabischen Städte waren rechteckig oder annähernd rechteckig, darunter Ma'rib und Schabwat. Ein besonderes Beispiel eines rechteckigen Stadtgrundrisses bildet die minäische Hauptstadt Qarnawu,Beschreibung bei Grohmann, Arabien (siehe Literaturverzeichnis), S. 143–144. deren regelmäßiger Stadtplan mit einer mittig durchlaufenden Hauptstraße und davon in regelmäßigen Abständen rechtwinklig abzweigenden Nebenstraßen eine Planung entweder bei Stadtgründung oder nach einer Zerstörung verrät. Daneben finden sich aber auch ovale oder ganz unregelmäßige Grundrisse. Verglichen mit anderen altorientalischen Städten bedeckten die altsüdarabischen Städte ein relativ geringes Gebiet, die größte Stadt Südarabiens, Ma'rib, umfasste gerade 110 ha.
Jede Stadt war durch eine, im Falle von Schabwat sogar durch zwei, StadtmauernHierzu: Jean-François Breton: Les fortifications d’Arabie méridionale du 7e au 1er siècle avant notre ère (= Archäologische Berichte aus dem Yemen. Band 8). Philipp von Zabern, Mainz 1994, ISBN 3-8053-1487-6. geschützt, in denen sich mindestens zwei Tore befanden, welche durch eigene Türme bewacht werden konnten. Der Verlauf der Stadtmauern, die entweder gerade oder durch Bastionen gegliedert waren, musste besonders in gebirgigen Gebieten an das Gelände angepasst werden, wodurch unregelmäßige Stadtgrundrisse entstanden. Teilweise wurden Städte auch durch eigene Zitadellen geschützt, wie in Schabwat, Raidan und Qana.
mini|links|hochkant|Ruinen in Khor Rori Das Stadtinnere ist mangels archäologischer Forschungen bislang nur unzureichend bekannt. Im qatabanischen Timna befand sich hinter dem Südtor ein großer Platz, von dem die Straßen in verschiedene Richtungen abgingen. Neben den normalen Wohnbauten lassen sich im Stadtinnern verschiedener Städte Zitadellen, Paläste und Tempel nachweisen. Lediglich in Khor Rori und in Schabwat wurden größere Ausgrabungen unternommen. Auch in Schabwat befand sich hinter dem Tor ein großer Platz, an dem der Königspalast stand. Von diesem Platz aus ging eine breite Straße quer durch die Stadt; von dieser Hauptstraße aus zweigten rechtwinklig kleinere Straßen ab.
Neben den Stadtbefestigungen gab es noch weitere Befestigungsanlagen, die an wichtigen Straßenknotenpunkten oder auch an Knotenpunkten der Wasserverteilung angelegt wurden. Zwar sind noch große Ruinen solcher Burgen erhalten,Siehe zum Beispiel Hermann von Wissmann, Maria Höfner: Beiträge zur historischen Geographie des vorislamischen Südarabien (= Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Jahrgang 1952, Nummer 4). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, Mainz 1953, S. 137–139 und Photographie 15, wo die Burgruine Husn el-ʿUrr (DMG Ḥuṣn el-ʿUrr) im Wadi Hadramaut beschrieben wird. jedoch wurden in keiner Ausgrabungen unternommen. Jedoch lässt sich immerhin sagen, dass sich in diesen Burgen neben Wohnräumen auch Tempel und Brunnen befanden. Zur Sicherung von Gebieten dienten Sperrmauern, die Pässe und ähnliche schwer zu umgehende Straßen blockierten, wie die Mauer von Libna, welche die Straße von Qana nach Schabwat absperren sollte.
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse waren im südlichen Arabien Bewässerungsbauten für die Landwirtschaft unerlässlich. Die einfachsten Bewässerungsbauten waren verschiedenartige Brunnen und Zisternen; größere Zisternen konnten bis zu 12.800 m³ fassen. Wesentlich effizienter als Brunnen und Zisternen waren aber die Bewässerungsanlagen, die das Wasser der Wadis während der Regenzeit auffingen und speicherten. Das berühmteste Beispiel dieser Stauanlagen bildet der Staudamm von Ma'rib, der das Wadi Dhana an einer fast 600 m breiten Stelle aufstaute und sein Wasser über zwei Schleusenanlagen auf zwei Primärkanäle überleitete, die es über ein Kanalnetz auf die Felder verteilten. Auch anderorts wurden derartige Anlagen entdeckt oder sind durch Inschriften belegt. In Nadschran wurden darüber hinaus Aquädukte in den Fels gehauen, um das Wasser herzuleiten.
An verschiedenen Stellen in Südarabien, meist an Passstraßen (manqal), wurden gepflasterte Straßen angelegt, die teilweise mehrere Kilometer lang und mehrere Meter breit waren.
Sakralarchitektur In der sabäischen Hauptstadt Ma'rib fand sich das älteste Heiligtum mit überregionaler Bedeutung: Ein Tempel, der ihrem Mondgott geweiht war (9. bis 5. Jahrhundert v. Chr.). Dieser Tempel bestand aus einem über 100 m langen, ovalen Quaderbau, der mit einer rechteckigen Vorhalle verbunden war, die von einem Peristyl aus 32 Monolithpfeilern mit 5 m Höhe umgeben war. Heute finden sich nur noch geringe Reste von diesem Bauwerk.
In Sirwah war das Almaqah-Heiligtum ein weiteres bedeutendes religiöses Zentrum des Sabäerreiches, von dem die frühesten Relikte auf den Anfang des 7. Jahrhunderts v. Chr. datiert werden.