Lilia Skala (* 28. November 1896 in Wien, Österreich; † 18. Dezember 1994 auf Long Island, New York), geboren als Lilia Sofer, verheiratete Lilia Polak-Sofer, war eine österreichisch-amerikanische Film- und Theaterschauspielerin. Sie war außerdem ausgebildete Architektin und erste Diplomingenieurin Österreich-Ungarns.

Leben Geboren und aufgewachsen in Wien besuchte Skala die Technische Universität Dresden, da ihr erster Berufswunsch war, Architektin zu werden. Nicht umsonst hatte Skala lange Zeit den Ruf, Österreichs Erste Architektin zu sein.

Zurückgekehrt aus Dresden sammelte zunächst praktische Erfahrung im Bauwesen durch eine Tätigkeit als Maurerlehrling sowie in einer Zimmerei. Danach vertiefte sie ihre Ausbildung weiter im architektonischen Bereich und war beruflich in Wien aktiv. Ihr erster größerer Auftrag war der Umbau bzw. die Gestaltung eines Kinderheims in Laa (im Raum Niederösterreich), das durch private Förderer finanziert wurde. Sie arbeitete anschließend auch für Ausstellungen in Wien und im Ausland, erhielt weitere private Aufträge und machte sich durch Veröffentlichungen und Vorträge einen Namen. Nach ihrer Heirat (1922) wurde sie Mutter von zwei Söhnen. Ihr Leben als berufstätige Architektin und Mutter wurde in der Öffentlichkeit mit Interesse, aber auch mit Skepsis betrachtet.

Bald darauf lernte sie jedoch Max Reinhardt kennen, der ihr eigentliches Talent, die Schauspielerei, erkannte, sie in sein Schauspielensemble aufnahm und auch förderte. Zwischen 1931 und 1937 wirkte sie in sechs Spielfilmen mit, so unter anderem 1936 in Mädchenpensionat unter der Regie von Géza von Bolváry.

Sie heiratete Anfang der 1920er Jahre Erik Skala, einen Juden; beide bekamen zwei gemeinsame Söhne. Erik Skala, der kurz nach dem Anschluss von den Nationalsozialisten interniert wurde, wurde nur deshalb entlassen, weil Lilia Skala die Wachen mit Zigaretten bestechen konnte. Ihrem Mann gelang die Flucht über die Grenze, dennoch war er gezwungen, zunächst Frau und Kinder in Österreich zurückzulassen. Später gelang auch Lilia Skala mit ihren Kindern die Flucht aus Österreich; die Familie wurde in England wiedervereint und emigrierte 1939, mittellos, in die USA.

Hier musste Skala, die in Österreich und zum Teil auch Deutschland ein gefeierter Bühnen- und Filmstar war, wieder ganz von vorne beginnen und nahm Gelegenheitsjobs wahr, um die Familie zu ernähren. Doch durch ihr Talent, die Englische Sprache rasch zu erlernen, schaffte sie es auch in den USA, zunächst am Broadway und später auch bei Film und Fernsehen, Fuß zu fassen.

Ihr bekanntester Film sollte das 1963 produzierte Drama Lilien auf dem Felde sein; für ihre Darstellung der Oberin Maria wurde sie 1964 sowohl für den Golden Globe als auch für den Oscar in der Kategorie Beste Nebendarstellerin nominiert. Ein weiterer bekannter Film in Skalas Karriere war Flashdance, 1983 produziert.

Lilia Skala drehte bis ins hohe Alter Filme und stand auf der Bühne. Ihr letzter Film war der 1991 produzierte Thriller Mann mit Ehre – Du achtest nur, was du fürchtest, bei dessen Produktion Skala bereits 95 Jahre alt war.

Filmografie (Auswahl) 1931: Purpur und Waschblau 1932: Man braucht kein Geld 1933: Madame wünscht keine Kinder 1936: Mädchenpensionat 1936: Blumen aus Nizza 1937: Die unentschuldigte Stunde 1953: Madame macht Geschichte(n) (Call Me Madam) 1961, 1962: Gnadenlose Stadt (Naked City, Fernsehserie, 2 Folgen) 1963: Lilien auf dem Felde (Lilies of the Field) 1965: Das Narrenschiff (Ship of Fools) 1967: Ein beinah tödlicher Fall (Ironside, Fernsehfilm) 1967: Caprice 1968: Charly 1968: Der Chef (Ironside, Fernsehserie, 2 Folgen) 1969: Green Acres (Fernsehserie, 2 Folgen) 1975: Eiskalt (Deadly Hero) 1977: Der Tanzpalast (Roseland) 1979: Hallo Baby! (Sooner or Later, Fernsehfilm) 1979: Land meines Herzens (Heartland) 1981: Das Erwachen (The End of August) 1983: Flashdance 1983: Das letzte Testament (Testament) 1987: Haus der Spiele (House of Games) 1991: Mann mit Ehre – Du achtest nur, was du fürchtest (Men of Respect)

Auszeichnungen 1964: Oscar-Nominierung: Beste Nebendarstellerin, für: Lilien auf dem Felde 1964: Golden-Globe-Nominierung: Beste Nebendarstellerin, für: Lilien auf dem Felde 1976: Emmy-Nominierung: Beste Nebendarstellerin, für: Eleanor and Franklin (TV) 1978: Golden-Globe-Nominierung: Beste Nebendarstellerin, für: Der Tanzpalast

Literatur Matthias Franke: Lilia Sofer - Studentin der TH Dresden, Architektin und Schauspielerin, in: Küllchen, Hildegard u. a. [Hg.]: Frauen in der Wissenschaft - Frauen an der TU Dresden. Tagung aus Anlass der Zulassung von Frauen zum Studium in Dresden vor 100 Jahren, Leipzig 2010, S. 135–143, ISBN 978-3-86583-428-7. Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …'. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. S. 462 f., ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8

Weblinks

Lilia Skala in der Internet Off-Broadway Database (englisch) Lilia Skala bei filmreference.com (englisch)

International Archive of Women in Architecture (IAWA) - Zeichnungen Lilia Skalas Homepage ihrer Enkelin Libby Skala, Autorin und Darstellerin eines Theaterstückes über ihre Großmutter

Lilia Skala im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek

Einzelnachweise

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