Grobiņa () ist eine Kleinstadt im Bezirk Dienvidkurzeme in Kurland im Westen Lettlands, 10 km von Liepāja/Libau entfernt. Sie ist umgeben von der gleichnamigen Gemeinde (Grobiņas pagasts). Im Jahre zählte Grobiņa Einwohner.
Geschichte Mittelalter Zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert befand sich hier eine große Siedlung von Händlern skandinavischer Herkunft, die mit der Anlage von Staraja Ladoga vergleichbar ist. Bei Ausgrabungen 1929 und 1930 entdeckte man drei Gräberfelder mit insgesamt 3000 Gräbern in Brandbestattungen, mit Waffen und Schmucksachen skandinavischen Typs aus der Vendelzeit.Birger Nerman: Grobin-Seeburg, Ausgrabungen und Funde. Stockholm 1958 Die Funde aus zwei Gräberfeldern sind gotländischer Herkunft, die aus dem dritten Gräberfeld werden dem Mälartal in Mittelschweden zugeordnet.Sigurds Rusmanis, Ivars Vīks: Kurzeme. In: Izdevniecība Latvijas Enciklopēdija. Riga 1993, S. 34. Sie stammen aus der Zeit zwischen 600 und 850 n. Chr. Über den Libauer See (Liepājas ezers) war der Hafen für Handelsschiffe erreichbar.
Mitte des 9. Jahrhunderts erwähnte Bischof Rimbert in der Vita Sancti Ansgari erstmals die Burg Seeburg anlässlich der Eroberung des Gebietes der Kuren durch die Schweden unter König Olaf I. In der Folgezeit sank die Bedeutung von Seeburg. Handelsplätze wie Truso am Frischen Haff traten an deren Stelle. Grobiņa blieb aber ein wichtiges Seezentrum der Kuren in der kurischen Landschaft Esestua (niederdeutsch: Bihavelank, lettisch: Piemare).
1269 wurde eine gemauerte Burg des Deutschen Ordens errichtet, deren Ruine heute besichtigt werden kann.
Neuzeit Der Orden verpfändete während des Livländischen Krieges die Komturei Grobin an den Herzog von Preußen, um Hilfe gegen die Angriffe Iwans IV. des Schrecklichen zu erhalten.
1560 wurde eine Schule eingerichtet. 1659 wurde das Gebiet von den Schweden verwüstet und 1710 wütete eine Pest-Epidemie. Im 17. Jahrhundert florierte Grobin dank seiner Handwerker (Bernsteindreher, Hutmacher, Spinner und Weber) und des Handels. Im 19. Jahrhundert bewirkte der Aufstieg Libaus, dass Grobin an Bedeutung verlor.
Am 23. Juni 1941 begann in Grobiņa die Schoa in Lettland, als das Einsatzkommando 1a der Einsatzgruppe A unter Führung von SS-Obersturmführer Fritz Reichert dort sechs Juden ermordete.Norman Ridley: The horror of Himmler’s death squads. The Einsatzgruppen and the Holocaust in the Baltics. Frontline Books, Barnsley 2024, ISBN 978-1-0361-0670-6, S. 121.
Seit 2002 ist Dassow in Mecklenburg-Vorpommern Partnerstadt von Grobiņa.
2009 vereinigte sich die Stadt mit vier umliegenden Gemeinden zum Bezirk Grobiņa, dessen Gebiet seit 2021 zum Bezirk Dienvidkurzeme gehört (siehe auch Verwaltungsgliederung Lettlands). mini|links|Herrenhaus Illien in Iļģi
Gemeinde Grobiņa Die Gemeinde Grobina umfasst 131,4 km² bei 2289 Einwohnern (2021). Ihre größten Siedlungen sind Dubeņi, wo sich die Gemeindeverwaltung befindet, Cimdenieki, Iļģi, Robežnieki, Ālande, Rolava und Gūžas.
In Iļģi befindet sich das klassizistische Herrenhaus Illien aus dem 19. Jahrhundert, ehemals Eigentum des Adelsgeschlechts Offenberg.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Eduard Schmidt von der Launitz (1797–1869), Bildhauer und Kunsthistoriker Theodor Schiemann (1847–1921), Historiker Oskar Schabert (1866–1936), lutherischer Pfarrer, Theologe, Kirchenhistoriker und Biograph Archibald Graf von Keyserling (1882–1951), Admiral, geboren in Augustenhof bei Grobiņa Kaspars Petrovs (* 1976), Serienmörder
Mit Grobina verbunden Zenta Mauriņa (1897–1978), lettische Schriftstellerin, lebte seit ihrem ersten Lebensjahr in Grobiņa
Literatur
Birger Nerman: Grobin-Seeburg. Ausgrabungen und Funde. Stockholm 1958. Astrīda Iltnere (Red.): Latvijas Pagasti, Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 2002, ISBN 9984-00-436-8. Sigurds Rusmanis, Ivars Vīks: Kurzeme. In: Izdevniecība Latvijas Enciklopēdija. Riga 1993, ISBN 5-89960-030-6, S. 34–35.
Weblinks
Anmerkungen
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