mini|300px|Der Eingang der Waldbühne Sigmaringendorf

Die Waldbühne Sigmaringendorf ist eine Freilichtbühne auf dem Gebiet der Gemeinde Sigmaringendorf im oberen Donautal. Die Bühne wird hauptsächlich für Amateurtheateraufführungen genutzt, aber auch Konzerte, Freilichtkinovorstellungen, Gottesdienste und andere Veranstaltungen finden dort statt. Betrieben wird die Bühne vom gleichnamigen Theaterverein Waldbühne Sigmaringendorf e. V., es bestehen Mitgliedschaften im Bund Deutscher Amateurtheater über den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg und im Verband Deutscher Freilichtbühnen. Die Sigmaringendorfer Waldbühne ist die einzige Freilichtbühne im Landkreis Sigmaringen.

Lage Die Freilichtbühne liegt am südlichen Ortsrand von Sigmaringendorf in einer ehemaligen Kiesgrube und ist nach Süden, Osten und Norden von Wald umgeben. Westlich führt die Kreisstraße 107 von Sigmaringendorf nach Rulfingen an der Bühne vorbei und bildet gleichzeitig die Zufahrtsstraße zur Waldbühne. Die Bühnenanlage liegt oberhalb der Mündung der Lauchert in die Donau, der Donauradweg führt direkt an der Anlage vorbei.Ortsplan Sigmaringendorf

Geschichte Die Geschichte der Sigmaringendorfer Waldbühne begann mit dem Beschluss zum Bau einer Freilichtbühne durch die Vorstandschaft des Sigmaringendorfer Theatervereins am 29. April 1928. Der Verwirklichung gingen jedoch bereits einige Jahre der Planung und eine lange Tradition der Liebe zu Theater und Literatur unter den Sigmaringendorfer Bürgern voraus.Johann Speh: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf. In: Theaterverein Sigmaringendorf: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf – Eine Festschrift. Sigmaringendorf, 2003 Die Bühne gehört zu den ältesten Freilichttheatern Baden-Württembergs.Karl Voß: Freilichttheater-- Theater unter freiem Himmel: Freilichtbühnen und sommerliche Festspiele in Deutschland und im benachbarten Europa. Dialog-Verlag, 2005, S. 17. ISBN 978-3-933144-60-7

Vorgeschichte mini|Einladung zur Turandot-Aufführung 1847 mini|Die Waldbühne im Spieljahr 2006 Am 9. November 1844 schlossen sich 15 Einwohner der Gemeinde Sigmaringendorf, unter ihnen der damalige Schulmeister Plazidus Rebholz zum Bürger- und Leseverein zusammen, dessen offizielle Gründung mit 38 Mitgliedern am 5. Januar 1845 erfolgte. Den Zweck des Vereins umschrieben die Gründer so:

Die Chronik der Gemeinde Sigmaringendorf berichtet aus den Jahren 1847 und 1848 von Aufführungen einer aus dem Bürger- und Leseverein hervorgegangenen „ledigen Liebhaber-Theater-Gesellschaft“, die unter anderem Schillers Turandot auf die Bühne brachte. Von weiteren Theateraktivitäten wurde verstärkt ab 1895 berichtet, als mehrere Saalstücke aufgeführt wurden. Aus dem Ensemble entstand 1896 der Theaterverein Sigmaringendorf, der spätere Gründer- und Trägerverein der Waldbühne. Gespielt wurden während der Winterzeit hauptsächlich Heimat- und Rührstücke sowie Klassiker. Die Chronik berichtet auch von Gastspielen in Sigmaringen und Meßkirch. Der Bürger- und Leseverein bestand parallel weiter, ab 1902 allerdings nur noch als „Leseverein“, bis die vereinseigene Bücherei 1935 von den nationalsozialistischen Machthabern in eine „Volksbücherei“ umgewandelt und in die Verantwortung der Gemeinde übergeben wurde. Eine Neugründung des Lesevereins nach dem Krieg fand nicht mehr statt.Karl Dehner: Chronik der Gemeinde Sigmaringendorf, Heft 3: 1815–1912. Sigmaringendorf, 1913.

Entstehung der Waldbühne

Der Spielleiter des Sigmaringendorfer Theatervereins, Josef Wintergerst, kam nach dem Besuch der Hohentwiel-Festspiele in Singen auf die Idee, auch in Sigmaringendorf eine Freilichtbühne zu bauen. In freiwilliger Arbeit der Vereinsmitglieder entstand diese im Jahre 1928 und wurde, noch im selben Jahr, mit dem Drama Der arme Heinrich von Gerhart Hauptmann eingeweiht. Von da an führte der Sigmaringendorfer Theaterverein bis 1939 mit Ausnahme des Jahres 1938 jährlich ein Theaterstück auf.Werner Selg: 75 Jahre Waldbühne – 155 Jahre Theaterverein. In: Theaterverein Sigmaringendorf: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf – Eine Festschrift. Sigmaringendorf, 2003 Der Chronist der Gemeinde Sigmaringendorf beschreibt die Entstehung:

Die allererste Freilichtaufführung

Die Zeit der Freilichtaufführungen in Sigmaringendorf begann jedoch streng genommen nicht erst 1928 mit der Inbetriebnahme der Waldbühne: Unterstützung und Begeisterung für das Projekt hatten die Mitglieder des Theatervereins in der Bevölkerung bereits im Jahre 1926 geweckt, als auf der Festwiese von Sigmaringendorf, nur wenige Meter vom späteren Standort der Waldbühne entfernt, der Rütlischwur aus Schillers Wilhelm Tell aufgeführt wurde. Die Aufführung fand im Rahmen des 51. Gauturnfestes des Turngaus Hohenzollern statt und lockte zu später Stunde, gegen 22 Uhr, über 1000 Zuschauer an den Ort des Geschehens.Hohenzollerische Volkszeitung, 1926 Der Erfolg dieser Aufführung überzeugte die Skeptiker in der Gemeinde, die ursprünglich wenig Verständnis für den Bau einer Freilichtbühne aufbringen wollten, wie die Reaktion des damaligen Bürgermeisters August Stecher auf Wintergersts Vorschlag zeigt:

In den ersten Jahren der Waldbühne wurden vor allem klassische Theaterstücke aufgeführt, die bekanntesten waren Schillers Braut von Messina, Goethes Faust und Götz von Berlichingen. Bereits im Jahre 1931 war die technische Ausstattung der Bühne so weit gediehen, dass erstmals Nachtaufführungen bei künstlicher Beleuchtung stattfinden konnten. Sappho von Franz Grillparzer stand in jenem Jahr auf dem Spielplan.

Nationalsozialismus und Kriegszeit

Im Jahre 1934 wurde der Verein von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet, das geplante Stück Die versunkene Glocke (erneut ein Hauptmann-Werk) wurde verboten, stattdessen beschloss die neue Vereinsführung, das Stück Im weißen Rößl aufzuführen. Ein Jahr später kam Die versunkene Glocke dann aber doch zur Aufführung. Die Instrumentalisierung des Sigmaringendorfer Theatervereins durch die nationalsozialistischen Machthaber sorgte für heftige interne Querelen. Versammlungsprotokolle von 1937 und 1938 berichten von heftigen Wortgefechten, Vereinsaustritten und Amtsniederlegungen, die zur Folge hatten, dass im Jahr 1938 keine Aufführungen stattfanden. Ein Jahr später hatte sich jedoch wieder eine friedliche Spielerschar zusammengefunden und die Querelen beigelegt, sodass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Das Spieljahr 1939 war mit 7000 Besuchern das bis dahin erfolgreichste Jahr der Sigmaringendorfer Waldbühne. Zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte der Bühne war der Zuschauerandrang so groß, dass mehreren hundert Besuchern der gewünschte Eintritt aus Platzgründen verweigert werden musste. Noch im selben Jahr jedoch erhielten die ersten Schauspieler den Stellungsbefehl und wurden zum Militär eingezogen, sodass die Spielzeit nicht zu Ende geführt werden konnte. Der Betrieb der Waldbühne ruhte ab dieser Zeit während des gesamten Zweiten Weltkriegs. Die Waldbühne wurde in den Kriegsjahren zwar für kommunale Veranstaltungen genutzt, gleichzeitig jedoch auch immer wieder demoliert und geplündert, wohl vor allem für Brennholz und Reparaturen an eigenen Häusern.Edwin Ernst Weber (Hrsg.): Sigmaringendorf – Beiträge zur Geschichte eines hohenzollerischen Bauern- und Industrieortes. Sigmaringendorf, 2002.

Neuanfang

Geplündert und zerstört präsentierte sich die Waldbühne nach dem Krieg. Den Verein, der bis dahin die Bühne betrieben hatte, gab es nicht mehr. Schließlich war es erneut Josef Wintergerst, der die Neugründung des Vereins betrieb und am 19. Februar 1949 schließlich vollenden konnte. Am 2. Juli genehmigte dann auch die französische Militärverwaltung den Theaterverein Sigmaringendorf, gerade noch rechtzeitig, dass im selben Jahr der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.Dokument „Autorisation définitive de l'Association théatrale de Sigmaringendorf“ der Französischen Militärverwaltung vom 2. Juli 1949. Abdruck in: Theaterverein Sigmaringendorf: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf – Eine Festschrift. Sigmaringendorf, 2003 In Anlehnung an den Beginn des Freilichttheaters in Sigmaringendorf im Jahre 1926 wurde erneut Wilhelm Tell aufgeführt. Die Aufführungen fanden in Ermangelung einer Beleuchtungsanlage bei Tageslicht statt, Zuschauer und Spieler mussten mit improvisierten Barackenlösungen zurechtkommen, für eine bauliche Wiederherstellung hatte zunächst das Geld gefehlt. Schon ab 1950 jedoch konnten auch wieder Nachtaufführungen durchgeführt werden. Die Waldbühne erlebte in den 1950er Jahren einen großen Aufschwung. Erstmals wurden massive Werbemaßnahmen durchgeführt und neben der damals ungeheuren Zahl von 1300 Plakaten auch Sonderzüge aus Hechingen und Ebingen eingesetzt.

Ausweitung der Nutzung mini|Der Zuschauerraum der Waldbühne

In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Waldbühne baulich deutlich erweitert, um den steigenden Anforderungen an Komfort und Planungssicherheit Rechnung zu tragen. In diese Zeit fallen die zunächst teilweise, später vollständige Überdachung des Zuschauerraums, der Bau eines Souffleurgrabens und der Ausbau der technischen Anlagen im Bereich Licht- und Tontechnik. So ausgerüstet wurde die Bühne vielseitiger und konnte immer besser auch für Veranstaltungen außerhalb des Theaterbetriebs genutzt werden.Walter Kordovan: Die Bühne lebt! Bauliche Entwicklung der Waldbühne. In: Theaterverein Sigmaringendorf: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf – Eine Festschrift. Sigmaringendorf, 2003

Parallele Nutzung der Bühne

Seit 1979 wird die Bühne nicht mehr nur für ein Theaterstück genutzt. Der Theaterverein Sigmaringendorf gründete in diesem Jahr eine Jugendgruppe, die von da an jährlich, parallel zum sogenannten „Erwachsenenstück“ ein Kinderstück aufführte. Dies verschärfte natürlich die Anforderungen an den Bühnenbau, da nun zwei Stücke parallel auf ein und derselben Bühne dargebracht werden mussten. Der Anstoß zur Gründung einer Kinder- und Jugendgruppe lag im Spielstück des Vorjahres begründet: 1978 führte der Theaterverein Zuckmayers Drama Der Rattenfänger auf. Darin zog der Schauspieler Gerold Rebholz als Rattenfänger mit einer Gruppe Kindern aus der Stadt. Diese Kindergruppe war es im Wesentlichen, die im Folgejahr unter der Leitung desselben Gerold Rebholz das erste Kinderstück in Sigmaringendorf präsentierte: Erich Kästners Emil und die Detektive. Rebholz blieb bis zum Jahre 2007 Spielleiter der Kinder- und Jugendgruppe.Friedrich Wilhelm Mielke: Kindertheater. In: Theaterverein Sigmaringendorf: 75 Jahre Waldbühne Sigmaringendorf – Eine Festschrift. Sigmaringendorf, 2003Anton Speh: Die Backstuben-Pädagogik funktioniert hervorragend. In: Schwäbische Zeitung, 1. August 2007

Kirchliche und politische Einflussnahme