mini|Migros-Hochhaus am Zürcher Limmatplatz
Die Migros [], gegründet 1925, gehört zu den grössten Detailhandelsunternehmen der Schweiz. Sie ist als Verbund von Genossenschaften mit rund 2,3 Millionen Genossenschaftern organisiert. Den Kern bilden zehn regionale Genossenschaften, die zusammen den 1941 gegründeten Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) bilden. Dem MGB wiederum sind zahlreiche Tochtergesellschaften und Beteiligungen untergeordnet. Dazu gehören unter anderem der Detailhändler Denner, zahlreiche Produktionsbetriebe, der Onlinehändler Digitec Galaxus, die Migros Bank sowie Medbase.
Mit den Migros-Supermärkten ist sie in allen Kantonen der Schweiz und in Liechtenstein vertreten. Lange Zeit war der MGB Marktführer, bis er 2011 beim Gesamtumsatz durch die Coop-Gruppe überholt wurde. Im Juni 2022 war der MGB in der Liste der grössten Unternehmen in der Schweiz auf dem 11. Rang vertreten und im Jahr 2023 in der Liste der grössten Einzelhandelsunternehmen der Welt auf Platz 41.
Name Die Migros wurde 1925 von Gottlieb Duttweiler in Zürich gegründet und am 15. August 1925 als Aktiengesellschaft ins zürcherische Handelsregister eingetragen. Wie dieser Name zustande kam, kann allerdings nicht mehr genau ermittelt werden, da selbst Gottlieb Duttweiler – der immer in Anspruch nahm, ihn selber erfunden zu haben – verschiedene Versionen erklärt hat. So beispielsweise, dass der Name für die ursprüngliche Positionierung des Unternehmens steht, das heisst preislich in der Mitte zwischen en-gros (Grosshandel) und en-détail (Detailhandel) liegt, also «mi-gros» («Mittelhandel»), und somit darauf anspielt, dass die Preise beinahe wie bei Engros-Produkten seien. Die Erklärung, dass sich der Name aus dem Französischen «demi» und «en gros» zusammensetzt, ist daher auch möglich. Beide Varianten haben einen ähnlichen Hintergrund. Der Name ist in allen vier Landessprachen verständlich und aussprechbar.Karl Lüönd Gottlieb Duttweiler (1888–1962) Eine Idee mit Zukunft Band 72 der Reihe Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, ISBN 3-909059-20-1, Seite 28
Logos Das heutige Logo zeigt den Namen Migros in Versalschrift und in dunkeloranger Farbe. Aus diesem Grund wird die Unternehmensgruppe häufig als «oranger Riese» bezeichnet. Der verwendete Farbton ist Pantone 021, was der Webfarbe fe5000 entspricht. Das Logo wurde im Jahr 2004 minimal überarbeitet.
Das erste Logo zeigte eine stilisierte Brücke, da sich die Migros als Bindeglied zwischen Konsumenten und Produzenten verstand.Häsler: Das Abenteuer Migros. S. 41. Die Brücke war auch Namensgeber des ersten, 1942 lancierten Kundenmagazins, Wir Brückenbauer. Seit 2004 heisst die Zeitschrift Migros-Magazin.
Oft wird die Darstellung auf ein grosses «M» reduziert. Erst 1968 liess die Migros ihr M-Logo beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum als Wort-Bild-Marke eintragen, und zwar in Schwarz, damit es in allen Farben verwendbar war – es konnte rot, grün oder schwarz sein. Im selben Jahr erliess die Geschäftsführung verbindliche Vorgaben für die einheitliche Beschriftung und Bemalung sämtlicher Fahrzeuge der Genossenschaften und Produktionsbetriebe. Mehrere Jahrzehnte lang wurden das Brückensymbol und das M parallel verwendet.
Unternehmen
Der Migros-Genossenschafts-Bund ist ein Konglomerat verschiedener Genossenschaften, Aktiengesellschaften und Stiftungen, das sich zusammenfassend als die «Migros-Gemeinschaft» bezeichnet. Der MGB ist rechtlich eine Genossenschaft, die sich gemäss Artikel 921–925 des schweizerischen Obligationenrechts als Genossenschaftsverband qualifiziert.
Genossenschaften mini|Migros-Markt im Zentrum von Weinfelden, Kt. Thurgau mini|Filiale der Migros Ostschweiz in Rüti ZH mini|Migros-Einkaufszentrum in Ober-Wetzikon
Den Kern der Migros bilden die regionalen Genossenschaften. Seit 1998 existieren zehn Genossenschaften (jeweils mit Hauptsitz und Anteil am Genossenschaftskapital des MGB): Genossenschaft Migros Zürich mit Sitz in Zürich, 32,3 % Genossenschaft Migros Aare mit Sitz in Moosseedorf, 19,8 % Genossenschaft Migros Ostschweiz mit Sitz in Gossau SG, 11,4 % Genossenschaft Migros Basel mit Sitz in Basel, 10,0 % Société coopérative Migros Genève mit Sitz in Carouge, 7,2 % Société coopérative Migros Vaud mit Sitz in Ecublens VD, 4,8 % Genossenschaft Migros Luzern mit Sitz in Dierikon, 4,6 % Société coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg mit Sitz in Laténa, 4,4 % Cooperativa Migros Ticino mit Sitz in Sant’Antonino, 3,8 % Genossenschaft Migros Wallis mit Sitz in Martigny, 1,7 %
Die traditionell grösste (nach Anzahl Genossenschafter und Umsatz) der ehemals 13 Genossenschaften war Zürich. In mehreren Fusionen wurde zwischen 1967 und 1998 die Anzahl Genossenschaften auf die heutigen zehn reduziert, dabei entstanden die beiden grossen Genossenschaften Migros Aare und Migros Ostschweiz. Fünf Genossenschaften in ihrer alten Form sind dadurch verschwunden: Genossenschaft Migros Aargau/Solothurn, Suhr – Teil von Migros Aare (1998) Genossenschaft Migros Bern, Moosseedorf – neu Migros Aare (1998) Genossenschaft Migros Glarus, Glarus – Teil von Migros Zürich (1967) Genossenschaft Migros Winterthur/Schaffhausen, Winterthur – Teil von Migros Ostschweiz (1998) Genossenschaft Migros St. Gallen, Gossau SG – neu Migros Ostschweiz (1998)
Organisation Der Migros-Genossenschafts-Bund wurde 1941 von den regionalen Genossenschaften als Tochterunternehmen gegründet. Die heutigen zehn Genossenschaften sind alleinige Eigentümer des MGB, dessen Anteilscheine sie besitzen. Die Genossenschaften sind autonom, erstellen eigenständige Jahresabschlüsse und besitzen uneingeschränkte Flächen- und Personalhoheit im Kerngeschäft, dem Detailhandel unter dem Namen Migros.
Die regionalen Genossenschaften sind im Eigentum der im Tätigkeitsgebiet wohnhaften Mitglieder. Da jede natürliche Person respektive jeder Haushalt Genossenschafter und damit formal Miteigentümer einer Migros-Genossenschaft werden kann, ist das Unternehmen in der Bevölkerung breit abgestützt.
Delegiertenversammlung Die Delegiertenversammlung (DV) des MGB als oberstes Organ bildet das «Parlament» der Migros. Hundert Delegierte werden von den zehn regionalen Genossenschaften gewählt, wobei jeder Genossenschaft mindestens fünf Sitze zustehen. Die Verteilung erfolgt nach Massgabe der Mitgliederzahlen der letzten zwei Kalenderjahre vor den Wahlen, wobei die Migros Aare mit siebzehn Delegierten derzeit am stärksten vertreten ist. Zusätzlich ernennt jede Genossenschaft für jede DV, welche in der Regel zwei Mal jährlich stattfinden, eine Ad-hoc-Vertretung aus ihrer Verwaltung. Schliesslich wird das Gremium durch eine Präsidentin vervollständigt, welche die DV leitet.
Die 111-köpfige DV entscheidet unter anderem über die grundsätzliche Festlegung und Änderung der Geschäftspolitik sowie über Statutenänderungen. Sie befindet über den Jahresbericht der Verwaltung, die Jahresrechnung, die Verwendung des Bilanzgewinns des MGB und die Entlastung von Verwaltung und Generaldirektion. Die DV ist auch für die Wahl und Abberufung der Mitglieder der Verwaltung und ihres Präsidenten sowie der Revisionsstelle zuständig. Sie bestätigt den Präsidenten der Generaldirektion in seiner Eigenschaft als Mitglied der Verwaltung. Die Aufgaben und Kompetenzen der DV sind in den Statuten beschrieben.
An der DV vom 15. Juni 2024 wurde Edith Spillmann zur Präsidentin der DV für die vom 1. Juli 2024 bis am 30. Juni 2026 dauernde Amtsperiode gewählt. Ihre Vorgängerin, Marianne Meyer, wurde in ihrem Amt nicht bestätigt. Neben der bisherigen Präsidentin nahmen drei weitere Kandidierende teil.
Verwaltung Die Verwaltung des MGB legt die Ziele des Gesamtkonzerns fest, wählt die Generaldirektion, welche die operative Geschäftsleitung verkörpert, und ist oberste Bewilligungsinstanz bezüglich der Organisation des MGB.
Die 13-köpfige Verwaltung besteht aus internen Mitgliedern, die innerhalb der Migros-Gemeinschaft angestellt sind und fünf externen Mitgliedern. Die Mitglieder werden in der Regel von der bestehenden Verwaltung zur Wahl vorgeschlagen; die Delegierten haben aber zumindest formal das Recht, selbst Kandidaten vorzuschlagen. Von der Delegiertenversammlung wird dann die Verwaltung auf eine grundsätzlich fixe Amtszeit von zwei Jahren gewählt. Die maximale Amtsdauer wurde auf vier Amtsperioden festgelegt.
Die höchste Stelle ist der Präsident der Verwaltung, festen Einsitz in der Verwaltung haben zudem je ein Vertreter von fünf der insgesamt zehn regionalen Genossenschaften; in der Regel übernimmt der Geschäftsleiter der jeweiligen Genossenschaft diesen Sitz, der formal allerdings auch einem Mitglied der Verwaltung oder des Genossenschaftsrat offensteht. Zwei Mitglieder werden als Mitarbeitervertreter gewählt, wovon einer beim MGB angestellt sein muss.
Die aktuelle Verwaltung wurde für die vom 1. Juli 2024 bis am 30. Juni 2026 dauernde Amtsperiode gewählt. An der Delegiertenversammlung vom 23. März 2019 wurde die Ersatzwahl für den früher zurückgetretenen Andrea Broggini vorgenommen und Ursula Nold als erste Frau als Präsidentin gewählt. Zu den ehemaligen externen Mitgliedern in der Verwaltung gehören u. a. Doris Aebi (2003–2019; ab 2004 als Vizepräsidentin), Jean-René Germanier (2008–2024), Hans A. Wüthrich (2012–2024) und Marianne Janik (2020–2024).
Per 1. Juli 2024 wurde die Verwaltung von 23 auf 13 Sitze reduziert.
Name Position und Funktion seit+ Verwaltungsmitglieder (Stand: März 2026)Ursula NoldPräsidentin der Verwaltung, Präsidentin Ausschuss Entschädigungen und NominationenJuli 2019Anton ChatelanVizepräsident der Verwaltung (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Waadt)Dezember 2021/2019Christoph Tonini Vizepräsident der Verwaltung, Ausschuss Entschädigungen und Nominationen, Finanzausschuss (externes Mitglied)Juli 2020Martin KünziPräsident Finanzausschuss, Auditausschuss (externes Mitglied)Juli 2020Cédric MoretAusschuss Entschädigungen und Nominationen, Governance Ausschuss (externes Mitglied)Juli 2024Cornelia Ritz BossicardPräsidentin Governance Ausschuss, Auditausschuss (externes Mitglied)Juli 2020Hubert WeberPräsident Auditausschuss (externes Mitglied)Juli 2020Jean-Marc BovayGovernance Ausschuss, GF-Board (Vorsitzender der Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg)August 2017Grégory DécailletFinanzausschuss, GF-Board (Vertreter der Genossenschaft Migros Genf)Januar 2024Patrik PörtigFinanzausschuss, GF-Board (Geschäftsführer der Genossenschaft Migros Zürich)Juli 2024Anita WeckherlinGovernance Ausschuss, GF-Board (Vorsitzende der Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Basel)Januar 2022Anne-France BonnyMitarbeitendenvertreterin Landeskommission, Marketing-Verantwortliche Migros WaadtJuli 2024Colin FreiMitarbeitendenvertreter MGB, System Architect Customer & Product MGBJuni 2023
Bisherige Präsidenten der Verwaltung Gottlieb Duttweiler (1941–1957) Hans Munz (1957–1959) Charles Henri Hochstrasser (1959–1973) Alfred Gehrig (1973–1984) Pierre Arnold (1984–1991) Jules Kyburz (1992–2000) Claude Hauser (2000–2012) Andrea Broggini (2012–2019) Ursula Nold (seit 2019) Quelle: Archiv für Agrargeschichte
Generaldirektion Die Generaldirektion bildet die operative Geschäftsleitung des MGB. Sie ist die oberste Leitungsstufe sämtlicher Tochterunternehmen der Migros und der direkt untergeordneten Stiftungen, allerdings nicht der zehn Genossenschaften, die autonome Geschäftsleitungsstrukturen auf der Genossenschaftsebene besitzen. In diese kann die Generaldirektion nur indirekt Einfluss nehmen, als reine Koordinationsstelle zwischen den Genossenschaften, die Entscheidungen im Konsens treffen müssen.
Die höchste Position in der Direktion wird als «Präsident der Generaldirektion» bezeichnet. Der GD-Präsident wird vom Verwaltungsrat ernannt und muss von der Delegiertenversammlung als Mitglied des Verwaltungsrats bestätigt werden.