Ekel (Originaltitel: Repulsion) ist ein britischer Thriller des Regisseurs Roman Polański aus dem Jahr 1965.
Handlung Die 20-jährige Belgierin Carole Ledoux wohnt gemeinsam mit ihrer Schwester Hélène in einem Londoner Appartement. Sie arbeitet als Maniküre in einem Schönheitssalon.
Carole ist eine schüchterne, schöne und sehr introvertierte junge Frau, die häufig vollkommen in ihrer eigenen Welt zu leben scheint. Besonders zu Männern hat sie ein gestörtes, beinahe hasserfülltes Verhältnis. Ihren Verehrer Colin weist sie zu dessen Frustration mehrmals ab. Seine Berührungen und Annäherungsversuche sind ihr unangenehm. Als er ihr einmal einen Kuss gibt, putzt sich Carole anschließend sofort die Zähne.
Eine regelrechte Abscheu empfindet sie auch vor Michael, dem verheirateten Geliebten ihrer Schwester. Seine ständige Präsenz, auch in Form seiner persönlichen Gegenstände im Bad, und seine Sticheleien sind für sie nur schwer zu ertragen. Auch dass er ihre wichtigste Bezugsperson Hélène immer häufiger für sich allein beansprucht, ist Carole ein Dorn im Auge. Nachts muss sie den beiden durch die Wand beim Sex zuhören.
Als Hélène und Michael für zwei Wochen nach Italien verreisen, verliert die alleingelassene Carole zunehmend den Bezug zur Realität. Sie verlässt das Haus immer seltener, geht nicht mehr zur Arbeit, zieht alle Vorhänge zu und verbarrikadiert schließlich sogar die Tür.
In ihrer Isolation leidet sie unter Wahnvorstellungen. Sie halluziniert von unheimlichen Männergestalten, die durch die abgedunkelten Räume geistern, Händen, die aus den Wänden heraus nach ihr greifen, und Rissen im Mauerwerk.
Als eines Tages der besorgte Colin auftaucht und in die Wohnung eindringt, um nach dem Rechten zu sehen, erschlägt Carole ihn mit einem Kerzenständer und verstaut die Leiche in der Badewanne. Wenig später erhält sie Besuch vom Hausbesitzer, der die Miete einfordert und nach einer Weile zudringlich wird. Er versucht sie zu vergewaltigen und wird von ihr mit einem Rasiermesser umgebracht. Durch ihre Halluzinationen verfällt Carole komplett dem Wahnsinn.
Als Hélène von ihrer Reise zurückkehrt, findet sie in der verwahrlosten Wohnung zuerst die Leichen und entdeckt schließlich Carole, die völlig katatonisch unter dem Bett liegt. Von den Bewohnern der benachbarten Appartements hat niemand etwas von den grausigen Ereignissen mitbekommen.
In der letzten Einstellung des Films wird ein Familienporträt aus Caroles Kindheit gezeigt, auf dem sie ihren Vater mit starren, eindringlichen Augen und einem apathischen Gesichtsausdruck ansieht.
Hintergrund Der Film bildet den Auftakt der sogenannten Mieter-Trilogie von Roman Polański, die später mit Rosemary’s Baby (1968) und Der Mieter (1976) fortgesetzt wurde. In allen drei Filmen wird eine Wohnung zum Schauplatz einer Horrorgeschichte.
Ekel war die erste englischsprachige Produktion des polnischen Regisseurs und markierte seinen Durchbruch in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Gleiches gilt auch für die Hauptdarstellerin Catherine Deneuve.
Der Film wird fast komplett aus der Sicht der Hauptfigur Carole Ledoux erzählt, was vor allem bei der Darstellung ihrer Halluzinationen deutlich wird. Er beginnt und endet mit einer Großaufnahme ihrer Augen. Die anfängliche Sympathie des Zuschauers für die junge Frau kippt Schritt für Schritt in blankes Entsetzen. Polański fand es bedauerlich, dass die Zuschauer „Carol wie eine Horrorfigur anstarren, statt Mitleid mit ihr zu empfinden“. Er sah außerdem in dem geschilderten Fall keinen ungewöhnlichen. Es sei „eine ganz alltägliche Geschichte“ wie viele andere, von denen man aber nur erfahren würde, wenn die Ereignisse aufgedeckt würden.
In der Titelsequenz wandern die Namen der Beteiligten schräg vor dem in Großaufnahme gezeigten Auge vorbei. Nur der Name des Regisseurs zieht horizontal über die Augenmitte. Das ist ein deutliches Zitat aus dem surrealistischen Film Ein andalusischer Hund aus dem Jahr 1929, wo ein horizontaler Wolkenstreifen den Mond kreuzt und der Darsteller Luis Buñuel daraufhin mit einem Rasiermesser einen horizontalen Schnitt durch ein Auge zieht.
Durch das Spiel mit Licht und Schatten, sparsam eingesetzte Jazzmusik sowie zahlreiche Schockmomente – mit der damaligen Tricktechnik wirkungsvoll in Szene gesetzt – erzeugt der Regisseur eine Stimmung der ständigen Angst und Bedrückung. Dabei greift er teilweise auf Techniken des Film noir und des deutschen Expressionismus zurück. Die vielen stummen Passagen des Films – oft wird minutenlang kein Wort gesprochen – tragen ebenfalls zur gruseligen Atmosphäre bei.
Bemerkenswert ist die Verwendung von Symbolen. So befindet sich beispielsweise ein totes, gehäutetes Kaninchen in Caroles Wohnung, das sie allerdings nicht zubereitet, sondern allmählich verwesen lässt. Der Verwesungsprozess des Tieres findet analog zu Caroles langsamem Abdriften in den Wahnsinn statt. Die Risse in den Wänden und der Straße deuten auf die innere Zerrissenheit der Hauptfigur hin.
Der seltsam apathische Gesichtsausdruck, mit dem Carole ihren Vater auf dem Familienporträt in der letzten Einstellung des Films ansieht, legt die Vermutung nahe, dass ihre Psychose oder Neurose und Phobien auf traumatische Kindheitserlebnisse zurückzuführen sind, wobei sexueller Missbrauch wohl am nächsten liegt. Es existieren allerdings auch andere Interpretationen. Polański selbst sagte dazu: „Ich war daran interessiert, ihre Krankheit zu zeigen und eine Stimmung zu erzeugen. Das Ende, die Nahaufnahme des Familienfotos sollte zeigen, dass das Mädchen von Anfang an so war.“Jochen Kürten: 2 x Roman Polanski DVD-Tipp, Deutsche Welle, vom 10. August 2012, abgerufen am 28. Mai 2020.
In den 1960er Jahren erhielt Ekel in Deutschland keine Jugendfreigabe. Dies lag damals unter anderem daran, dass im Film ein weiblicher Orgasmus zu hören ist. Heute ist der Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren versehen.
Roman Polański hat einen Cameo-Auftritt als Musiker.
Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand im Auftrag der Berliner Synchron, nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Klaus von Wahl.
Rolle Darsteller Deutscher Sprecher Carole Ledoux Catherine Deneuve Gisela Fritsch Michael Ian Hendry Rolf Schult Colin John Fraser Thomas Danneberg Hélène Ledoux Yvonne Furneaux Renate Küster Vermieter Patrick Wymark Martin Hirthe Madame Denis Valerie Taylor Alice Treff
Kritiken
Auszeichnungen Bei den Filmfestspielen von Berlin 1965 war Roman Polańskis Film im Wettbewerb um den Goldenen Bären als bester Film vertreten, hatte aber gegenüber Jean-Luc Godards Kriminalfilm Lemmy Caution gegen Alpha 60 das Nachsehen. Der Regisseur wurde jedoch mit dem Silbernen Bären (Spezialpreis der Jury) sowie dem FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung bedacht. Ein Jahr später wurde Kameramann Gilbert Taylor für den britischen British Film Academy Award nominiert (Beste Kamera für einen Schwarzweißfilm).
Literatur Helmut Kolitzus: Roman Polanskis „Ekel“ (1965) – Konglomerat von Horror und Sex – oder subtile Darstellung einer schizophrenen Psychose? in Joachim Ronge und Bernhard Kügelgen (Hrsg.): Perspektiven des Videos in der klinischen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 1993, ISBN 978-3-540-54981-9. S. 247–256.
Weblinks
Filmhinweis des Kino Xenix, Zürich
Einzelnachweise
Kategorie:Roman Polański Ekel Ekel Ekel Kategorie:Filmtitel 1965 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm