mini|Terahertz-Körperscanner von Rohde & Schwarz im Flughafen Köln/Bonn mini|hochkant|Röntgen-Rückstreuaufnahme einer Frau (2007)

Körperscanner, auch Ganzkörperscanner, Bodyscanner oder Nacktscanner – bei der Verwendung von Terahertz-Strahlung auch als Terahertz-Kameras bezeichnet – sind Geräte, mit denen der Körper einer Person sowie Gegenstände unter der Kleidung, abgebildet werden können. So können beispielsweise Waffen oder Sprengstoffe sichtbar gemacht werden. Dies kann mit verschiedenen Methoden realisiert werden.

Methoden Röntgenstrahlung Ein Röntgenscanner () rastert ein Objekt punktförmig ab und misst die Rückstreuung. Ein Röntgen-Abtaststrahl hat einen Durchmesser von 5–10 mm. Im Gegensatz dazu registriert ein medizinisches Röntgengerät den Kontrast, der durch die unterschiedliche Absorption der Strahlung in verschiedenen Gewebetypen (reichlich Calcium im Knochen, kaum Calcium in der Muskulatur) entsteht.

Die rückgestreute Compton-Strahlung eignet sich für die Oberflächenanalyse. Die Rückstreuung sinkt mit steigender Energie. Beim Gerät Secure 1000 liegt die Strahlungsenergie im Bereich von 20–50 keV. Die Compton-Streuung tritt überwiegend bei leichten Materialien wie Wasserstoff, Sauerstoff oder Kohlenstoff auf, bei schweren Materialien wie Metallen überwiegt die Absorption. Diese schwache Rückstreuung wird mit empfindlichen Detektoren aufgezeichnet und es genügen geringe Intensitäten. Die mittlere Gesamtstrahlenbelastung eines Röntgenscanners soll bei 0,1–0,2 µSv liegen, wobei die punktförmige Strahlenbelastung durch Mittelung unberücksichtigt bleibt.Jeanne Rubner: Blick durch die Kleider. In: Süddeutsche.de. 17. Mai 2010.

Terahertzstrahlung alternativtext=Aufnahmen eines Terahertzscanners|mini|Aufnahmen eines Terahertzscanners Terahertzstrahlung (wegen ihrer Wellenlänge auch als Millimeterwellen bezeichnet) ist elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung und Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Die hiermit arbeitenden Geräte werden auf Englisch millimeter wave scanner genannt. Es werden zwei verschiedene Funktionsweisen unterschieden:

Aktive Methode Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und rekonstruiert durch Variation der Wellenlänge aus der Rückstreuung ein Bild. Auf diese Weise können gestochen scharfe dreidimensionale Darstellungen des nackten Körpers des Überprüften erzeugt werden. Aktuelle Geräte (seit Juli 2009) können Personen außerhalb einer Kabine im Vorbeigehen abtasten.Erich Moechel: Die neue Generation der Nacktscanner. Meldung vom 4. Januar 2010 bei „futurezone“ des ORF

Passive Methode Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmeabstrahlung des menschlichen Körpers detektiert, wodurch ein Abbild der Körperkonturen ohne anatomische Details erzeugt werden kann.Breite Front gegen Nackt-Scanner. Auf heise.de am 24. Oktober 2008.

Die passive Terahertztechnik erfordert keine Strahlungsquelle, sondern registriert die vorhandene Strahlung mit Wellenlängen kleiner als 1 mm.

Ende 2009 wurden Prototypen vorgestellt, die aus mehr als zehn Metern Entfernung funktionieren. Das Institut für Photonische Technologien in Jena entwickelte Kameras, die Gegenstände am Körper sichtbar macht.

Vorgaben der EU Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998, Anlage 4, Nr. 4.1.1.10 schreibt vor, dass die Benutzung von Ganzkörperscannern (egal welcher Art) durch Passagiere freiwillig ist. Auf Bitten des Passagiers muss das Sicherheitspersonal eine andere Untersuchungsmethode wählen. In der Durchführungsverordnung heißt es dazu genau:

und weiterhin:

Auch sind in der EU nur Sicherheitsscanner, die nicht mit ionisierender Strahlung arbeiten, zugelassen (Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998, Anlage 4, Nr. 4.1.1.2).

Einsatzgebiete Das Haupteinsatzgebiet ist die unten näher behandelte Flughafensicherheit.

Für einen Einsatz im Bundestag schlugen Sicherheitsexperten bereits 2008 Körperscanner vor. Dies wurde jedoch nicht umgesetzt. Für den Einsatz der Körperscanner in Deutschland gibt es keine gesetzliche Grundlage. Der Einsatz an deutschen Flughäfen zur Personenkontrolle ist für Passagiere daher freiwillig (siehe Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998, Anlage 4, Nr. 4.1.1.10).Anhang, Anlage 4 – Fluggäste und Handgepäck, Nr. 4.1.1.10, . In: Amtsblatt der Europäischen Union. L, Nr. 299, 14. November 2015, S. 16.

Flughafensicherheit Als erster Airport führt der Flughafen Schiphol in Amsterdam den Körperscanner ein. Am 31. Dezember 2009 gingen die ersten zwei der 17 bestellten Geräte in Betrieb. Der Flughafen führte den Bodyscanner aufgrund des versuchten Terroranschlags beim Landeanflug auf Detroit ein. Seit dem versuchten Anschlag geriet der Nacktscanner weltweit in den Fokus, weil die verbotenen Substanzen am Attentäter Umar Farouk im normalen Metalldetektor in Amsterdam nicht entdeckt wurden. Körperscanner werden auf den Flughäfen in Moskau generell eingesetzt.

Vereinigte Staaten mini|Wenn kein Gegenstand gefunden wird, erscheint lediglich der Hinweis „OK“. (Testgerät am Flughafen Hamburg) mini|Ein Fund wird auf einem neutralen Piktogramm angezeigt. (Testgerät am Flughafen Hamburg) Im Rahmen der Flughafensicherheit werden in den USA als Alternative zum Abtasten per Hand mit Terahertzwellen arbeitende Geräte bei Sicherheitskontrollen am Flughafen immer häufiger eingesetzt.10 airports install body scanners. Auf: usatoday.com, 6. Juni 2008. Körperscanner werden als full body scanner bezeichnet;siehe auch englische Wikipedia der Vorgang als whole body imaging.Former homeland security chief argues for whole-body imaging, The Washington Post, 1. Januar 2010 (englisch)

Michael Chertoff, von Februar 2005 bis Januar 2009 Minister für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten, setzte sich sehr für deren Einführung ein.

Im Herbst 2010 waren in den Vereinigten Staaten mehr als 310 Geräte im Einsatz. Weitere 450 sollten in der Zeit kurz darauf hinzukommen. Bei der Einführung neuer Körperscanner am John F. Kennedy International Airport in New York begrüßte die Ministerin für Innere Sicherheit, Janet Napolitano, die Geräte als Durchbruch bei der Bekämpfung des Terrorismus, weigerte sich aber, sich selbst in einem Gerät untersuchen zu lassen. An den entsprechenden Flughäfen der USA können Flugpassagiere zwischen einer Untersuchung im Körperscanner und dem sogenannten extended patdown, einem intensiven manuellen Abtasten mit den Handflächen, wählen.

Europäische Union In der Europäischen Union sind die Geräte zurzeit noch nicht zugelassen. Einige Flughäfen in der EU haben eine Sonderbewilligung und testen die Geräte versuchsweise unter strengen Auflagen der EU-Kommission. Zur Durchführung eines Scans muss die Einwilligung des betroffenen Passagiers eingeholt werden.Umstrittene Nacktscanner werden zum Thema. Auf: nzz.ch, 28. Dezember 2009. Seit Januar 2010 wird der Körperscanner ProVision ATD der Firma L-3 Communications mit Terahertzstrahlung am niederländischen Flughafen Schiphol eingesetzt. auf analysedimages.com, 18. Mai 2013 In Großbritannien ist der Einsatz des Scanners seit Anfang 2010 für ausgewählte Personen verpflichtend: Ohne die Durchführung der Prozedur dürfen diese Passagiere ihren gewünschten Flug nicht antreten. Während eines halbjährigen Probebetriebs der Geräte in Manchester wurden 210.000 Flugreisende durchleuchtet. Zwei Frauen haben hierbei aus religiösen beziehungsweise gesundheitlichen Gründen eine Körperbestrahlung abgelehnt und durften somit gemäß den britischen Gesetzesvorgaben ihren Flug nicht antreten.Flughafen Manchester zieht positives Fazit von Nacktscanner-Einsatz auf heise.de, 4. August 2010

Deutschland Das Bundespolizeipräsidium hat es noch Anfang 2010 als unwahrscheinlich bezeichnet, dass es einen flächendeckenden Einsatz von Körperscannern vor dem Sommer 2011 in Deutschland geben wird, da eine Gesundheitsgefährdung durch die Strahlenbelastung nicht ausgeschlossen werden kann und es bei Versuchen mit den Scannern zum Teil nicht gelungen ist, Sprengstoff zu entdecken.

Am 27. September 2010 begann ein Praxistest auf dem Flughafen Hamburg, bei dem Freiwillige die neue Sicherheitsüberprüfung ausprobieren können. Die Tests waren zunächst auf sieben Monate angelegt, wurden aber um drei Monate bis zum 31. Juli 2011 verlängert. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz waren die getesteten Geräte gesundheitlich unbedenklich. Es stellte sich heraus, dass die Testgeräte weniger Sicherheit boten als die herkömmliche Methode mit Metalldetektor und Abtasten. Zudem signalisierten die neuen Geräte bereits Schweißflecken unter den Achseln oder Papiertaschentücher in der Hosentasche der Passagiere als Sicherheitsrisiko. Hierdurch mussten viele Fluggäste manuell nachkontrolliert werden, was die Personenkontrollen verzögerte. Wegen häufiger Fehlalarme (bis zu 100 %heise.de) wurden die Körperscanner mehrfach deaktiviert. Nach Auswertung der zehnmonatigen Testphase unter Beteiligung von 809.000 freiwilligen Passagieren entschied Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich Ende August 2011, vorerst auf den flächendeckenden Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen zu verzichten.Nacktscanner versagen im Praxistest Spiegel Online, 31. August 2011 Seit 24. November 2012 sind am Flughafen Frankfurt Main Körperscanner in einer weiteren Testphase im Einsatz. Die Benutzung der Scanner ist freiwillig. Derzeit sind solche Geräte in Stuttgart im Einsatz. Passagiere, die sich weigern, das Gerät zu betreten, müssen längere Wartezeiten hinnehmen. Seit 2014 werden die mittlerweile ausgereiften Körperscanner auch am Hamburger Flughafen wieder eingesetzt und die Passagiere können zwischen Körperscanner und Abtasten wählen.

Auch in Berlin wurden im Flughafen Tegel seit Mitte 2014 Körperscanner eingesetzt. In Schönefeld befinden sie sich in der Mitte der beiden Terminals. Seit Mai 2017 nutzt auch der Flughafen München Körperscanner im Terminal 2 zur Entlastung der Mitarbeiter.

Kritik Gesundheitliche Gefährdung Die Terahertzstrahlung gehört zum allgegenwärtigen Strahlenspektrum. Sie wirkt aufgrund ihrer geringeren Energie nicht ionisierend. Bei Geräten im Passivmodus wird keine Strahlenquelle auf den Körper gerichtet, sodass keine Strahlungsschäden eintreten können.

Zu aktiven Rückstreuscannern liegen dem Bundesamt für Strahlenschutz keine belastbaren Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen der eingesetzten Frequenzen und Leistungen des Rückstreuverfahrens mit Terahertzstrahlung vor. Jenseits von Laborversuchen fehlen Langzeitstudien. Zudem sind bisher keine Schädigungsszenarien beschrieben und keine Schadensereignisse berichtet worden. Es existieren Studien, die als Folge von Terahertzbestrahlung genetische Schäden nachweisen, andere Studien lassen jedoch nicht auf Schäden schließen. In Laborversuchen wurden Resonanzeffekte in der Zelle als Voraussetzung für eine Wirkung auf DNS-Ketten festgestellt. Weitergehende Untersuchungen zu solchen Effekten mit nicht ionisierender Strahlung liegen nicht vor.