Das Corps Moenania ist ein pflichtschlagendes und farbentragendes Corps im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Es vereint Studenten und Alumni der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Das Corps ist die Studentenverbindung mit der längsten ununterbrochenen Tradition an der Universität Würzburg. Seine Mitglieder werden „Mainländer“ genannt. Innerhalb des KSCV gehört die Moenania dem Blauen Kreis an.

Das Corps Moenania wurde im Jahre 1814, zum Ende der Toskanazeit, an der Alma Julia unter dem Namen „Gesellschaft der Mainländer“ und dem Wahlspruch „Ewigkeit geschworenen Eyden“ im Geiste des Deutschen Idealismus gegründet. Zu den frühen Mitgliedern zählte auch der spätere Japanreisende, Arzt und Naturgelehrte Philipp Franz von Siebold. Ab den 1820er-Jahren bezeichnete sich die Gesellschaft vermehrt als Corps. Im Jahre 1828 erhielt die Verbindung als erste Studentenverbindung in Würzburg die behördliche Anerkennung. Die Mitte des 19. Jahrhunderts erwies sich als eine turbulente Epoche für das Corps, geprägt von einer Vielzahl an Aus- und Wiedereintritten im Würzburger SC. Nachdem eine interne Streitigkeit beigelegt werden konnte, trat Moenania im Jahre 1849 erneut dem Würzburger SC bei und wurde damit zugleich Mitglied des KSCV, dem der Würzburger SC zwischenzeitlich beigetreten war. Im Jahr 1876 beschloss das Corps nach intensiven internen Auseinandersetzungen, sich von einem Lebenscorps zu einem Waffencorps zu wandeln. Im Kaiserreich errichtete sich das Corps zudem als eine der ersten Verbindungen in Würzburg ein eigenes Corpshaus, das nach einer einjährigen Bauzeit im Juni 1897 eingeweiht werden konnte. In der Zeit der Weimarer Republik verzeichnete das Corps einen erheblichen Zuwachs an neuen Füchsen. Zudem trat es dem republikfeindlichen Hochschulring Deutscher Art (HDA) bei. Während der Zeit des Nationalsozialismus schloss das Corps jüdische und „jüdisch versippte“ Mitglieder aus und musste sich 1935 schließlich suspendieren. Später wurde eine NS-Kameradschaft mit dem Namen „Philipp Franz von Siebold“ auf dem Corpshaus eingerichtet, deren Mitglieder ab 1941 wieder Mensuren schlugen. Das Verbindungshaus wurde beim Luftangriff auf Würzburg 1945 weitgehend zerstört. Bereits vor der Rückgabe der beschlagnahmten Ruine und der offiziellen Lizenzierung des Bundes in der amerikanischen Zone im Jahre 1949 begannen Mitglieder des Corps mit dem Wiederaufbau des Hauses und der Rekonstruktion des Corps. Die 68er-Bewegung führte auch bei der Moenania zu inneren Verwerfungen. Im Jahre 2014 feierte das Corps sein 200. Stiftungsfest in einem festlichen Akt.

Couleur, Sprüche, Wappen und Zirkel Moenania ist nach dem die Stadt Würzburg durchteilenden Main benannt und besitzt die Couleur berggrün-schwefelgelb-hochrot mit goldener Perkussion. Es wird eine berggrüne Tellermütze getragen.Das genaue Format der Mütze ist im Laufe der Zeit Veränderungen unterworfen gewesen. Die letzte Änderung erfolgte 1961; Eckard Otter/Ralf-Roland Schmidt-Cotta: In neuer Blüte, 1956–1965. In: Chronik des Corps Moenania 1814–1989, zsgest. aus Einzelbeitr. und bearb. v. Ralf-Roland Schmidt-Cotta, Bonn 1993, S. 227–56, hier S. 236. Die gelegentlich vorgebrachte Annahme, dass die Mainländer in den 1840er Jahren rote Mützen anstelle von grünen trugen; etwa bei Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Eine historische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des Mensurwesens, Berlin 1898, S. 406; basiert auf einem Irrtum; Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 13f. Die Füchse des Corps tragen ein berggrünes-hochrotes, gold hinterlegtes Fuchsenband. Die Renoncenfarben waren ursprünglich Amarantrot-Weiß-Hellgelb, ehe sie 1836 in Grün-Rot geändert wurden.Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 180. Eine weitere Änderung erfolgte 1876, als die Farbe der Einfassung des Bandes von Weiß in Gold geändert wurde; Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 152. Die Renoncenmütze wurde 1876 abgeschafft.Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 152.

Über die Herkunft der Farben sind unterschiedliche Ansichten geäußert worden. In der ältesten Chronik von Karl Fröhlich aus dem 1899 möchte dieser die Farben einerseits vom Grün der im Main sich spiegelnden Ufer und dem gelb-roten Stadtwappen ableiten, er sieht aber andererseits auch die Ähnlichkeit zu den Farben der früheren fränkischen Landsmannschaften.Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 6f., 11. Poetisch fügt er an: „Grün, wie die Ufer, die im Main sich spiegeln, Gelb, wie der Haß, den wir den Schlechten dräu’n, Rot, wie das Blut, mit dem wir’s gern besiegeln“.Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 6. Kritik an dieser Legende der Ableitung der Farben von den Ufern des Mains und dem Würzburger Stadtwappen wurde bereits 1920 von dem im Jahr der Veröffentlichung der Chronik bei der Moenania rezipierten Georg Meyer-Erlach in der Deutschen Corpszeitung geäußert, welcher darauf hinweist, dass man sich diese Genese der Farben höchstens „später hineingedacht“ habe. Vielmehr gingen die Farben schlicht auf jene der älteren Landsmannschaften der „Westfranken“ zurück.Beitrag in Ausschnitten zitiert in: Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 180. Diese hatte die gleichen Farben wie die Ostfranken, wobei die Farben offenbar Modifikationen unterworfen waren.Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 179f.

Zur Zeit der Veröffentlichung der ältesten Corpschronik durch Fröhlich konkurrierte die Herleitung der Farben vom Ufer und Stadtwappen oder den älteren fränkischen Landsmannschaften bereits mit einer anderen Theorie, wonach sich die Farben der Mainländer über die Franconia von den Hausfarben des Herzogs der Toskana, Ferdinand III. von Habsburg-Lothringen, der von 1805/06 bis 1814 über Würzburg geherrscht hatte, ableiten würden.Die These erscheint erstmals in der „Illustrierten Chronik der Alma Julia“ von 1882 und geht auf einen Irrtum von Robert Mauermeier zurück. Anschließend wurde sie 1898 von Haupt in die „Würzburger Burschenschaftsgeschichte“ übernommen; Robert Mauermeier: Das Corps Franconia. In: Alma Julia. Illustrirte Chronik ihrer dritten Säcularfeier, hrsg. v. August Schäffler, Würzburg 1882, S. 156f.; Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 196. Diese Theorie sollte sich anschließend hartnäckig haltenEtwa in: Michael Meisner: Festrede zum 150. Bundestag des Corps Moenania. In: 150. Bundestag des Corps Moenania zu Würzburg. Festbericht 1964, hrsg. v. Verein Mainländerheim i.A. Karl Eyerichs, Würzburg 1964, S. 19–25, hier S. 23. und durch Dieter Schäfer – vielleicht, aber nicht zwingend in der Kenntnis der älteren Quellen – bis in das 21. Jahrhundert getragen werden.Dieter Schäfer: Vor 200 Jahren: Die „Toskanazeit“ beginnt. Würzburg wird das letzte Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches. In: Tempora mutantur et nos? Festschrift für Dr. Walter M. Brod zum 95. Geburtstag. Mit Beiträgen von Freunden, Weggefährten und Zeitgenossen, hrsg. v. Andreas Mettenleiter, Pfaffenhofen 2007, S. 195–99, hier S. 197. Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 177f, 205–9; macht deutlich, dass dieser Ansatz zunächst aus chronologischen Gründen nicht zutreffend sein kann und die Hausfarben des Herzogs der Toskana auch nicht Rot-Grün gewesen sind. Tatsächlich handelt es sich bei den Farben der Würzburger Franken, von denen wiederum die Moenania ihre Farben entlehnt hatte, schlicht um eine Übernahme der Farben der fränkischen Landsmannschaften in Jena, die offenbar ab Mitte des 18. Jhs. Rot-Grün als Frankenfarben geführt hatte, welche sie wiederum aus ihrer fränkischen Heimat entlehnt hatten.Ralf-Roland Schmidt-Cotta: Zeit der Stifter, EuJ, Bd. 60, 2015, S. 197f., auch Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1926, S. 273.

Der Wahlspruch des Corps stammt aus Schillers Gedicht An die Freude und lautet „Ewigkeit geschworenen Eyden“,Mitunter auch in anderen Schreibweisen vgl. etwa Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 7. der Wappenspruch ist „Pro libertate atque honore!“ (Für die Freiheit und die Ehre), der Waffenspruch lautet „Vir fortis contemnit mortem!“ (Der Mutige verachtet den Tod).Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 7. Das Wappen der Moenania ist – wie bei Studentenwappen üblich – ein unheraldisches Wappen. Der Wappenschild ist bordiert und geviert. Heraldisch oben rechts findet sich der goldene Zirkel auf grünem Grund. Das Feld auf der heraldisch linken Seite zeigt zwei gekreuzte Pariser mit dreifarbigen Stichblättern auf goldenem Grund. An den Spitzen der Pariser sind die Buchstaben „P.“ und „L.“ angebracht, während an den Griffen die Buchstaben „A.“ und „H.“ zu finden sind – sie stehen für die Anfangsbuchstaben des Wappenspruches. Über der Kreuzung sind die Zahlen „VI. VI.“ zu sehen, während links und rechts davon zwei „V“ für „Vivat Volk“ platziert sind, zwischen einer geteilten Jahreszahl von „1814“. Unterhalb der Kreuzung steht die Zahl „IV“ als Erinnerung an die Stifter. Zwischen den Griffen zeigen sich die Anfangsbuchstaben des Bundessymbols: „Vivant fratres intimo foedere juncti“. Im unteren linken findet sich auf rotem Grund eine goldene, sich selbst umschlingende Schlange, die ihren Schwanz beißt als Symbol für den ewigen Bund. Das Feld rechts von davon ist in drei schräge Bereiche in den Mainländerfarben unterteilt. Das gesamte Wappen ist von einem goldenen Rand umgeben, auf dem der Wahlspruch zu lesen ist, während der Wappenspruch als Unterschrift fungiert. Über dem Wappenschild findet sich ein Bügelhelm mit Helmwulst, Pfauenfedern und Helmdecke in den Farben der Mainländer.Karl Fröhlich: Chronik des Corps Moenania in Würzburg vom Tage seiner Gründung bis auf die Gegenwart. 1814–1898, zusammengestellt zum 85jährigen Stiftungsfest, Würzburg 1899, S. 15. Mitunter wird das Studentenwappen auch in einfacherer Darstellung und anderem Helmtyp ausgeführt.Vgl. etwa die Darstellung in: Michael Doeberl u. a. (Hrsg.): Das Akademische Deutschland. Bd. 4, Die Wappen der deutschen Korporationen des In- und Auslandes, Berlin 1931, Tfl. V.