mini|Mädchen im Monsunregen, Nepal (2007) mini|Mädchen in Ouro Preto, Brasilien (2006)
Ein Mädchen, umgangssprachlich auch Mädel, ist ein Kind weiblichen Geschlechts oder allgemeiner eine junge ledige weibliche Person.Worteintrag: Mädchen, das. In: Duden online. Abgerufen am 17. Mai 2021; Zitat: „Bedeutung 1 a): Kind weiblichen Geschlechts; 1 b): junge, jüngere weibliche Person; 2.: Freundin (eines jungen Mannes); 3.: Hausangestellte, Hausgehilfin“;ebenda: Stand: Juni 2011.; Zitat: „Bedeutungsübersicht 1: Kind weiblichen Geschlechts oder junge weibliche Person bis zur Verheiratung; 2.: Geliebte, Freundin“. Früher stand das Wort auch kurz für das Hausmädchen.
Wortgeschichte
Mädchen
Die grammatisch sächliche Bezeichnung das Mädchen für „Jugendliche, Kind weiblichen Geschlechts“, verwendet das Diminutivsuffix -chen und ist eine Verkleinerungsform des mittelalterlichen Wortes Magd → Mä[g]dchen. Zunächst wurde im 15. Jahrhundert im Mittelniederdeutschen mēgedeken verwendet sowie im Obermitteldeutschen Medichen Anfang des 16. Jahrhunderts, woraus Mägdchen im 17. Jahrhundert und schließlich Mädchen entstand. Martin Luther verwendete in seiner Bibelübersetzung noch die Ausdrücke Meidlin (Mägdlein), Jungfraw (Jungfrau) und Dirne. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Mädchen häufig auch für eine Hausangestellte verwandt. Darauf bezieht sich der Duden seit 2011 und noch stärker hervorgehoben ab Oktober 2020 in einer Ergänzung:
Die schweizerische Bundeskanzlei schreibt 2009 in ihrem bis heute teilweise verbindlichen Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen in Bezug auf Wortzusammensetzungen mit -mädchen:
Mädel
Daneben wurde, vom Oberdeutschen ausgehend, die sächliche Bezeichnung das Mädel mit dem Diminutivsuffix -el gebildet.Etymologisches Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer, online auf DWDS, abgerufen am 23. November 2011. Die Bezeichnung Mädel wurde in der Vergangenheit zum Teil propagandistisch genutzt. So nannten die Nationalsozialisten (1933–1945) die Nachwuchsorganisation für Frauen Bund Deutscher Mädel. Er wurde daher vorübergehend im Wörterbuch des Unmenschen 1957 als einer von 28 Ausdrücken geführt, die nach Ansicht der Autoren aus dem deutschen Sprachschatz gestrichen werden sollten, weil sie den „Wortschatz der Gewaltherrschaft“ verkörperten.Ruth Schneeberger: Nazi-Worte im Sprachgebrauch: Mädel verpflichtet. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 7. Dezember 2020. Seine Verwendung wird mitunter von der heutigen rechtsextremistischen Szene wieder aufgegriffen (vergleiche Mädelring Thüringen). Mädel ist laut Duden aber in der Umgangssprache verbreitet, häufiger in ironischer Form.Worteintrag: Mädel, das. In: Duden online. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
Maid
Die Bezeichnung die Maid entstand im Mittelhochdeutschen aus mait, meit, das ursprünglich „Jungfrau, unfreies Mädchen, Dienerin“ bedeutet und die kontrahierte Form von mittelhochdeutsch maget, frühneuhochdeutsch Meid (diminutiv: Meidlein) darstellt. Nachdem sich die Bedeutung im Laufe des 16. Jahrhunderts verloren hatte, wurde sie in der romantischen Dichtung neu belebt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff auf die Schülerinnen landwirtschaftlicher Haushaltsschulen bezogen.Worteintrag: Maid. In: DWDS.de. Abgerufen am 3. November 2016. Als Arbeitsmaid wurden weibliche Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes im NS-Staat bezeichnet. Der Duden nennt den Gebrauch heute als „veraltet, noch spöttisch“.Worteintrag: Maid, die. In: Duden online. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
Ikonografie und Kulturgeschichte
Judentum und Christentum mini|Jesus erweckt die Tochter des Jaïrus von den Toten, ein Mädchen von 12 Jahren (kolorierte Zeichnung von Friedrich Overbeck, 1815)
Zu den Begriffen, mit denen Mädchen im Alten Testament assoziiert werden, zählen Anmut und Schönheit,Ester 2.3 ff.; Amos 8.13; Sacharja 9.17 Schmuck,Jeremia 2.32 das Spielen von Musikinstrumenten und der Gesang von Hochzeitsliedern,Psalm 68.26; Psalm 78.63 Tanz,Richter 21.21 ff.; Jeremia 31.13 Jungfräulichkeit4. Mose 31.35; Richter 21.12; Hesekiel 44.22 und Brautwerbung,1. Mose 24.55; 1. Mose 34.4; Ester 2.4; Jesaja 62.5 aber auch Brautraub,Richter 21.21; Richter 5.30; 2. Könige 5.2 Vergewaltigung5. Mose 22.28; Klagelieder 5.11 und Trauer.Klagelieder 2.10 ff. Mädchen unterliegen in der Bibel keinen besonderen Geboten, die nur für sie gelten.
Das Alte Testament ist reich an einprägsamen Frauengestalten; darunter sind etwa Abrahams spätere Schwiegertochter Rebekka,1. Mose 24.15ff Jakobs Tochter Dina,1. Mose 34.1ff Mirjam, die Schwester des Mose,2. Mose 2.4ff König Davids junge Pflegerin Abischag,1. Könige 1.3ff die spätere Königin Ester und die gelegentlich als Sulamith bezeichnete Liebende im Hohelied Salomos.Hohelied 8.13
Im orthodoxen Judentum gelten für Mädchen andere rituelle Gesetze als für Jungen. Während Jungen bald nach der Geburt im Rahmen eines Ritus (Brit Mila) beschnitten werden, beschränken sich die Riten bei der Geburt eines Mädchens meist darauf, dass der Vater bei der nächsten Tora-Lesung in der Synagoge den Namen der Tochter bekannt gibt. Da weder die Mischna noch der Talmud Vorschriften zu dieser Frage enthalten, wird die Namensgebungszeremonie für neugeborene Mädchen (Zeved habat, Simchat bat) innerhalb der verschiedenen Strömungen des Judentums sowie historisch und regional uneinheitlich gehandhabt.Jennifer Breger, Lisa Schlaff: The Orthodox Jewish Woman and Ritual: Options and Opportunities: Birth. Herausgegeben von der Jewish Orthodox Feminist Alliance, New York 2008 (englisch; ). Ebenso wie Jungen studieren Mädchen auch im orthodoxen Judentum das jüdische Schrifttum, und zwar insbesondere die Gesetze, die die von Frauen zu erfüllenden Mitzwot regeln, z. B. Sabbat, Kashrut und Familienreinheit betreffend. Einen der Bar Mitzwa entsprechender Übergangsritus für Mädchen, Bat Mitzwa genannt, gibt es nur außerhalb des orthodoxen Judentums.
Die Rede über Mädchen im Neuen Testament ist sparsamer und weniger poetisch als die des Alten Testaments. Die bekannteste Gestalt ist die Jungfrau Maria, zur Zeit der Verkündigung ein junges Mädchen. Darüber hinaus berichtet das Neue Testament auch über Salome, die Tochter der Herodias, die als Lohn für ihren Tanz den Kopf des Johannes fordert.Markus 6.22ff; Matthäus 14.6ff Aber auch in den Wundern Jesu treten Mädchen hervor, darunter die zwölfjährige Tochter des Jaïrus, die durch Jesus vom Tode erweckt wird,Matthäus 9.18ff; Markus 5.35ff; Lukas 8.41ff und die kleine Tochter einer Griechin, der Jesus einen Dämon austreibt.Markus 7.25ff
Das Christentum kennt grundsätzlich keine verschiedenen Riten für Mädchen und Jungen. In der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen können manche Sakramente und Sakramentalien allerdings nur von Männern oder Frauen empfangen werden.
Mädchen in Jugendkulturen Historisch wurde Mädchen in Deutschland erst 1911 gesetzlich gestattet, sich aktiv an den Anfang des 20. Jahrhunderts neu aufkommenden Jugendbewegungen wie den Wandervögeln zu beteiligen, wobei es innerhalb der Organisationen auch Vorbehalte gab. So nannte etwa Hans Breuer das Gemischtwandern die Buben verweichlichend und die Mädchen verbengelnd und verwildernd.Wilfried Ferchhoff: Jugend an der Wende des 20. Jahrhunderts: Lebensformen und Lebensstile Springer-Verlag 2013, S. 21; online in Google Bücher Nach Klaus Farin seien gegenwärtige Jugendkulturen, die in der Jugendarbeit seiner Meinung nach an Bedeutung verlören, weitgehend immer noch männlich dominiert. Dennoch hätten Mädchen trotz ihrer geringeren Anzahl durchaus auch aktive Rollen inne und seien keineswegs nur „Mitläuferinnen“. Mädchenorientierte Szenen sieht er etwa in der Cosplay-Kultur.; Interview mit Klaus Farin, Archiv der Jugendkulturen e. V. Angela McRobbie sah die Girlie-Kultur als eine von Mädchen allein getragene moderne Bewegung der Popkultur. Jonas Engelmann nannte Emo dagegen die erste Jugendkultur, in der sich auch Jungen an Mädchen angepasst hätten.Carola Padtberg: Jugendkultur Emo – entdeck das Mädchen in dir vom 11. März 2010, aufgerufen am 25. November 2011 bei Spiegel online
Forschung mini|hochkant|Symbolbild – Ehrenamtliches Blumenmädchen der Großen Kreisstadt Sebnitz 2023
Der wissenschaftlichen Erfassung der wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Faktoren, welche die Lebensbedingungen von Mädchen bestimmen, widmet sich seit dem späten 20. Jahrhundert die Mädchenforschung, ein Zweig der Frauenforschung. Angeregt wurde der wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurs um Mädchen unter anderem durch Elena Gianini Belottis 1973 in Italien publizierten Essay Was geschieht mit kleinen Mädchen?Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter: Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. Springer VS, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14657-2, S. 28.
In Deutschland gab es in den 1980er Jahren erste Ansätze hinsichtlich einer geschlechtsdifferenzierenden Mädchenforschung. Die damalige Ausweitung und verstärkte Förderung von Frauenstudien und -projekten fand auch Niederschlag in Projekten und Lehrveranstaltungen speziell zu Mädchenarbeit an universitären Einrichtungen. Der 6. Jugendbericht 1984 lieferte durch 39 Expertisen zu Lebenswelten von Mädchen und deren Perspektiven eine fundierte Basis. Es leitete sich die Forderung nach einer zielgerichteten Förderung von Mädchen in sämtlichen Bereichen der Jugendhilfe ab.Margitta Kunert-Zier: Erziehung der Geschlechter – Entwicklungen, Konzepte und Genderkompetenz in sozialpädagogischen Feldern. : Die achtziger Jahre – Mädchenarbeit sichtbar machen, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2005, ISBN 3-531-14657-2, S. 30ff. 1991 hat die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Claudia Franziska Bruner eine erste Übersicht über Ergebnisse der noch jungen Mädchenforschung veröffentlicht.Claudia Franziska Bruner: Mädchenforschung in der Bundesrepublik Deutschland: eine Literaturdokumentation. Weinheim, München: DJI Verlag, 1991, ISBN 3-87966-327-0. 2008 folgte ein Übersichtsartikel von Helga Kelle.Helga Kelle: Mädchen: Zur Entwicklung der Mädchenforschung. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. 3. Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 418–427.
In den Vereinigten Staaten, wo Studien- und Forschungszentren für u. a. an der University of Missouri–Kansas City, der State University of New York in Cortland und an der University of Illinois at Urbana-Champaign zu finden sind, veröffentlichte Elline Lipkin (damals UC Berkeley) im Jahre 2006 ihren Übersichtsband Girls’ Studies: Seal Studies.
Literatur Lara Cardella: Ich wollte Hosen. Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-10185-9. Marlis Hellinger: Kontrastive feministische Linguistik: Mechanismen sprachlicher Diskriminierung im Englischen und Deutschen. MaxHuebner, Ismaning 1999, ISBN 3-19-006605-1. Norbert Kühne: Mädchen und Jungen: Entwicklung, Erziehung, Identität. In: Praxisbuch Sozialpädagogik. Band 1, Troisdorf 2010, ISBN 978-3-427-75416-9. Meike Lauggas: Mädchenbildung bildet Mädchen: Eine Geschichte des Begriffs und der Konstruktionen (= Feministische Theorie. Band 40). Milena, Wien 2000, ISBN 3-85286-075-X. Ingeborg Weber-Kellermann: Die Kindheit: Kleidung und Wohnen, Arbeit und Spiel. Eine Kulturgeschichte. Insel, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-458-05095-7.
Weblinks
Einzelnachweise
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