Ein Gschnas [] (auch G’schnas, manchmal Gschnaß, selten G’schnaß, Geschnas geschrieben) ist heute eine aus dem Wienerischen stammende österreichische Bezeichnung für ein fröhliches Kostümfest. Es findet während des Faschings statt. Es besteht ein nahtloser Übergang zu einem aufwendiger gestalteten Kostümball, dem Faschingsball, und ein Gschnas grenzt sich gegenüber einem Maskenball, der Redoute sowie zu ebenfalls besonders im Fasching stattfindenden Bällen ab, die gewöhnlich in eleganter Abendgarderobe besucht werden.

Ursprünglich bedeutete Gschnas in etwa „wertloses Zeug“, später hatte es oft die speziellere Bedeutung für optisch ansprechendes Zeug, das aber im Grunde wertlos ist. Die heutige Verwendung ist eine fast seit den Ursprüngen verwendete Kurzform von (das) Gschnasfest und (der) Gschnasball. Das Genus wird meist als sächlich angegeben (das Gschnas), manchmal wird auch maskulin verwendet (der Gschnas). Der Plural (die Gschnase) wird selten verwendet. Das Wort kommt zwar aus der Umgangssprache, ist aber seit langem in der österreichischen Hochsprache verankert.Der Sprachdienst. Band 30–31, 1986, S. 63. Der Begriff wird vor allem im Osten Österreichs bis Salzburg verwendet.„Gschnas“, ostarrichi.org Inzwischen wird er manchmal auch in Tirol und Vorarlberg verwendet, besonders als Namensbestandteil von Veranstaltungen.Beispielsweise:, 118. Jg., Nr. 8, 25. Februar 2006, S. 12Innsbruck - Gschnas endete vor Richter, tt.com, 9. Juni 2010.Partisam Life Gschnas, 2008 in Lustenau mini|Fest am 8. Februar 1930 „Im Traumland“. Figur „Der verschnupfte Zeus“ mit einem elektrischen Blitz von Erwin Puchinger, Josef Heu und Ferdinand Opitz (Künstlerhaus Archiv) mini|Publikation zum Gschnas-Fest Gross-Peking, 29. Februar 1892 (Künstlerhaus Archiv) mini|Gschnas-Fest Gross-Peking 29. Februar 1892 (Künstlerhaus Archiv) mini|Die Reisenden in der Gschnasredoute am 23. Jänner 1932 (Künstlerhaus Archiv) mini|Herbert Pass: Einladung zu den Festen 1965 (Künstlerhaus Archiv)

Eine besondere Form ist der Fast-Nackt-Gschnas.

Etymologie und Geschichte Der Ursprung des Begriffes liegt im mhd. sneise, was Reihe (gleichartiger Dinge) bedeutet (vgl. Standarddeutsch Schneise).Duden: das Große Wörterbuch der deutschen Sprache in sechs Bände. Bibliographisches Institut, 1981, ISBN 3-411-01357-5, Band 3, S. 1101. Daraus entwickelte sich der frühere Begriff „Geschneise“, der dann in der Mundart zum „Gschneis“ und zum „Gschnas“ wurde.Ulrich Ammon, Rhea Kyvelos (Hrsg.): Variantenwörterbuch des Deutschen. Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 314. Diese Wörter bezeichneten vor allem in der Landwirtschaft wertloses Zeug wie Baumreisig/Abfallholz, (PDF; 416 kB), S. 157–160, in: ???, 2007, Teil bei warndt.eu aber auch Schnüre und Fäden. In der Wiener Mundart des 19. Jahrhunderts stand „Gschnas“ für Abschnitzel, Abhub, Überbleibsel,Friedrich Wilhelm Looff: Allgemeines Fremdwörterbuch: enthaltend die Verdeutschung und Erklärung der in deutschen Schrift- und Umgangssprache, sowie in den einzelnen Künsten und Wissenschaften vorkommenden fremden oder nicht allgemein bekannten deutschen Wörter und Ausdrücke mit Bezeichnung der Abstammung, Aussprache und Betonung. H. Beyer, 1908, S. 352.„B.“: Künstlerfasching in Wien. In: Kunst-Chronik - Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst, 8. Jg. Nr. 22, 18. März 1873, S. 352–353. bei Malern für die von der Palette abgekratzte unbrauchbare Farbe.„Gschnās“, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 473.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Wien kaum ein großer Kostümball mit Verkleidung abgehalten, erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden sie vermehrt statt.Adelbert Schusser: Johann Strauss. Historisches Museum der Stadt Wien, 1995, S. 43. Wie die Kostümfeste zum Gschnasfest wurden, ist nicht genau bekannt.Gschnasfest, www.austria-lexikon.at, Version: 12. März 2010 Sicher ist aber, dass die Ursprünge in den Wiener Künstlerfesten liegen. In der Vorstadt Laimgrube gab es Ecke Untere Stättengasse (seit 1862 Dürergasse) und Canalgasse (seit 1902 Joanelligasse) das Gasthaus zum „Blauen Strauß“. Dort stellte Leopold Ernst 1847 einen neugotischen Festsaal fertig.Gerd Pichler: , Kunsthistoriker aktuell, 20. Jg., 1/03 Dieser war Treffpunkt des 1851 gegründeten und später in Albrecht-Dürer-Verein umbenannten Künstlervereins.Walter Koschatzky: Rudolf von Alt. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Wien 2001, ISBN 3-205-99397-7, S. 214 (). Im Jahre 1861 schlossen sich die Künstlervereine Eintracht und Albrecht-Dürer-Verein zur damaligen Standesvertretung für Wiener Maler, Bildhauer und Architekten unter dem Namen Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens zusammen. 1868 wurde die neue Heimstätte eröffnet, das Künstlerhaus Wien.Künstlerhaus, Austria Lexikon, Stand: 12. März 2010. Es gibt zwei sonst nicht bestätigte Erzählungen, wie es zu dem Namen Gschnas gekommen sein soll: Nach einem Autor aus dem Jahre 1873 blieb bei einem Künstlerfest Jahre zuvor so viel Essen übrig, dass man daran dachte, mit dem „Gschnas“ ein zweites Fest zu veranstalten, und ein weiterer Einfall war, sich auch „gschnasig“ zu kostümieren. Seitdem war das Kostüm möglichst treu in Schnitt und Farbe, aber durchaus nicht aus den echten, sondern aus relativ wertlosen Materialien. Seitdem sollen die Maskenfeste mit ziemlicher Regelmäßigkeit veranstaltet worden sein. Nach einer Beschreibung von Carl von Vincenti aus dem Jahre 1904 gehen die Künstlerfeste als solche auf den Vormärz zurück. Bei einem der Feste, bei denen Ernst den Saal im „Blauen Strauß“ gotisch ausgestattet haben soll, soll der Maler Eduard Cramolini (eigentlich Kramolin, 1807–1881) beim Anblick der Faschingsgotik zum ersten Mal das Wort Gschnas im übertragenen Sinn verwendet haben. In den 1860er-Jahren soll sich das Wort für die humoristischen Künstlerabende gehalten haben und ab 1870 begannen die Faschingsfeste im neuen Künstlerhaus und die Glanzzeit des Gschnas. In den 1870er-Jahren sollen es theatralische Abende gewesen sein und Faschingsbilderschauen.Carl von Vincenti: Gschnas (Wiener Künstlerfeste). In: Theodor Hermann Pantentius, Hanns von Zobeltitz (Hrsg.): Velhagen & Klafings Monatshefte, 18. Jg., Heft 6, Februar 1904, S. 657–672 ().

Der Autor von 1873 beschreibt das damalige Fest und die Machart der Kostüme:

Viele der Mitglieder des Künstlervereins trugen zur Ausstattung der Räumlichkeiten bei, wobei auch viele Bilder und Skulpturen entstanden. Sie waren humorvoll, oft auch satirisch und des Öfteren durchaus politisch oder setzten sich mit der verändernden Kunst auseinander. Beispielsweise malte später einmal Stephan Hlawa den Schauspieler Werner Krauß als Richard III. in der Art verschiedener moderner Maler, wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Albin Egger-Lienz, George Grosz, Paul Klee, Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Franz Marc und Marc Chagall.Maske und Kothurn. Band 23, Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien, 1977, S. 341.

mini|hochkant=1.8|Gschnas- und Kostümball der Künstler. Wilhelm Gause, 1888 mini|Damenspende zum Gschnas im Künstlerhaus mit dem Motto „Hubertusfest“, gestaltet von Koloman Moser, 1896 Ab 1880 begannen die großen Künstlerfeste, auch als Schluss des Künstlerfaschings, jeweils am Faschingmontag. 1882 wurden die Seitentrakte angebaut und damit auch die Feste größer. Bis 1904 gab es deren fünfzehn und die glänzenden wurden von drei- bis viertausend Gästen besucht. Zum Künstlergschnas wurden auch mehrere Jahre jeweils passend zum Thema sogenannte Gschnasmedaillen geprägt, die man als Souvenir kaufen konnte und die später auch auf numismatischen Ausstellungen und in Katalogen gezeigt wurden.Karl Domanig: Anton Scharff, K. und K. Kammer-Medailleur, 1845–1895. Verlag der Numismatischen Gesellschaft, 1895, S. 44 (). Nach Johann Veit Kull sind diese Scherzmedaillen wohl zuerst in Wien entstanden und andere Vereine haben sich diese Idee abgeschaut.Johann Veit Kull: Repertorium zur Münzkunde Bayerns: 1. Fortsetzung. Selbstverlag der Bayerischen numismatischen Gesellschaft, 1900, S. 878 ().

Der kaiserliche Rat Theodor Theyer (Theyer & Hardtmuth), Kunstfreund und auch selbst Gschnaskünstler, sammelte über die Jahre Requisiten und richtete in seinem Schloss in Rossatz im zweiten Stock ein Museum ein, das Gschnasoleum. Bei der Eingangstür stand der Willkommensgruß „GRVE • SENG • GOTTAL • LEMIT • ANANDA • 1892“ (GRVES ENG GOTT ALLE MITANANDA = Grüß euch Gott alle miteinander).Karlheinz Roschitz: Kaiserwalzer: Traum und Wirklichkeit der Ringstraßenzeit. Ueberreuter, 1996, ISBN 3-8000-3628-2, S. 186.

Den dank niedriger Besteuerung bis zum Zweiten Weltkrieg guten Gewinn der Feste verwendete man für soziale Unterstützungen. Die Gschnasfeste waren berühmt und über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Der Maler Alexander Demetrius Goltz bemerkte 1895: Mit Unterbrechungen fanden die berühmten Gschnasfeste im Künstlerhaus bis 1965 statt.

Die Bezeichnung Gschnas wanderte auch in die Kronländer und so wird 1893 von einem Gschnas-Abend im Brünner Deutschen Haus berichtetHubert Reitterer, Hans Peter Hye: Vier dutzend rothe Strümpfe: Zur Rezeptionsgeschichte der Verkauften Braut von Bedřich Smetana in Wien am Ende des 19. Jahrhunderts, Band 3, Teil 4. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2004, ISBN 3-7001-3270-0, S. 271. und von einem Gschnasball der Concordia in Prag.Gesellschaft zur Förderung Deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen, Prague: Übersicht über die Leistungen der deutschen Böhmens auf dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Literatur im Jahre 1893. K.U.K. Hofbuchdruckerei A. Haase, 1897, S. 116. Auch für andere Faschings-Veranstaltungen wurde der Begriff gebraucht, so organisierte ein Fotoclub in den 1890er-Jahren Gschnas-Ausstellungen mit satirischen Fotos und solchen von Scheinobjekten, wie etwa einer Ruine aus Pappe.Photographische Gesellschaft in Wien, Deutsche Gesellschaft für Photographie: Photographische Correspondenz. Band 32, 1895, Nr. 414, S. 158 (). Der Gschnas schlechthin blieb aber damals der im Künstlerhaus.

Durch die Feste kam es anscheinend in der Umgangssprache der Steiermark zur Jahrhundertwende zu einer außergewöhnlichen Bedeutung für Geschneise/Gschnas. In einem Wörterbuch aus dem Jahre 1903 wird es wie folgt erklärt: „Durcheinander von Leuten, gemischte Gesellschaft, auch wegwerfend für ‚Leute‘, ‚Volk‘.“Theodor Unger, Ferdinand Khull, Johann Andreas Schmeller: Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers Bayerischem Wörterbuch. Leuschner u. Lubensky’s Universitäts-Buchhandlung, 1903, S. 286 (). Dies scheint aber eine Ausnahme zu sein.

Sonst bekam der Begriff durch die Künstlerfeste auch eine weitere, spezifischere Bedeutung. So schreibt Marie Weyr 1895:

Auch eine Telefonapparat-Attrappe konnte als „Gschnas-Telefon-Apparat“ bezeichnet werden.Carl Adolf Friese: Wiener Humor. Stern, 1891, S. 18 (). Man konnte es auch als Talmi bezeichnen, manchmal auch Kitsch, wobei manche die Begriffe synonym verwendeten und andere zwischen „Kitsch“ und „Gschnas“ unterschieden.