mini|Stadtkirche Bruchsal Die Stadtkirche Bruchsal ist eine 1447 erbaute katholische Pfarrkirche in Bruchsal im Landkreis Karlsruhe im nordwestlichen Baden-Württemberg. Die Kirche ist Unserer Lieben Frau geweiht. Sie gehört zur Seelsorgeeinheit St. Vinzenz im Dekanat Bruchsal der Erzdiözese Freiburg.

Geschichte Frühe Geschichte An der Stelle der heutigen Stadtkirche wird 1268 eine Marienkapelle als ecclesia Sanctae Mariae, 1345 eine unserer frowen Kapelle in der stat und 1464 eine capella Mariae Virginis urkundlich erwähnt. Die Bürgerschaft der Stadt wünschte im 15. Jahrhundert eine repräsentative Kirche und diesem Wunsch kamen auch die Speyrer Bischöfe entgegen. Daher begann man unter der Bischof Reinhard von Helmstatt und seines Vogtes Weiprecht III. von Helmstatt am 27. Mai 1447 durch die Grundsteinlegung zum Chor mit dem Bau einer größeren Kirche, auf deren Fundamenten das heutige Gebäude noch steht.

Pfarrkirche für Bruchsal war zunächst die Peterskirche, doch war die Liebfrauenkirche 1468 mit Benefizien ausgestattet, von denen mehrere bald zusammengelegt wurden, da sie zu wenig dotiert schienen. Vor 1468 wurde an Sonn- und Feiertagen und an den Marienfesten vom Pfarrer oder einem seiner beiden Kapläne die heilige Messe gesungen. Nach 1468 sollte wenigstens an 160 Tagen im Jahr Gottesdienst gehalten werden, wie es in einer kirchlichen Stiftung des Ritters Peter von Talheim heißt. Dieselbe Urkunde legt auch fest, dass dieser Adlige in der Liebfrauenkirche vor dem Altar der Hl. Dreifaltigkeit begraben sein wollte; seine Stiftung betrug 1700 Gulden. Die Liebfrauenkirche wurde aufgrund der Gottesdienstordnung zur Pfarrkirche für die ummauerte Stadt, während die Peterskirche hauptsächlich Pfarrkirche der beiden Vorstädte, der Heidelsheimer und Grombacher Vorstadt blieb.

Ritterstiftskirche ab 1507 Eine einschneidende Änderung trat am 21. Mai 1507 ein, als der Speyerer Bischof Philipp I. von Rosenberg (1504 bis 1513) dem Ritterstift Odenheim die Liebfrauenkirche zu Bruchsal „frei und voll“ übertrug. Die Urkunde legt fest, dass „Pfarrer und Magistrat von Bruchsal ihre Verwaltung nicht mehr haben“, dass jedoch „die übrigen Pfarrrechte, welche der Pfarrer in genannter Kirche hatte, durch die Bischöfe von Speyer geordnet werden sollen.“ Die Urkunde blieb über die genauen Rechte des Ritterstiftes einerseits, des Pfarrers und der Bürgerschaft Bruchsals andererseits im Unklaren, so dass es in der nachfolgenden Zeit viel Streit gab.

Die Kirche wurde zur Ritterstiftskirche und den Gottesdienst besorgten 12 Stiftsherren, von denen zehn dem Adel angehören sollten. Die restlichen zwei sollten Doktoren des kanonischen und römischen Rechts sein, sie waren gewöhnlich bürgerlicher Herkunft. Außer dem täglich gesungenen Amt waren die Kanoniker auch zu den Stundengebeten, wie sie heute noch in Benediktinerklöstern üblich sind, verpflichtet. Für den Chordienst bedurfte man geschulter Ministranten, die in der ebenfalls 1507 von Odenheim nach Bruchsal verlegten Lateinschule ausgebildet wurden. Zu den Stiftsherren gehörte auch der Prädikator (Prediger), gewöhnlich Doktor des weltlichen Rechts und bürgerlicher Herkunft, der an Sonntagen und in der Fastenzeit predigen sollte.

Der Einzug der Odenheimer Stiftsherren in feierlicher Prozession in die Liebfrauenkirche begrüßt vom Bischof und der Bruchsaler Geistlichkeit wurde im Jahr 1914 von dem Kunstmaler Josef Mariano Kitschker im Chor mit einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fresko bildlich dargestellt. Mit der Übernahme der Liebfrauenkirche verpflichteten sich die Stiftsherren zum Unterhalt des Baus und seiner Inneneinrichtung, wodurch die Stadt entlastet wurde. Die Verlegung der Lateinschule in die Stadt erwies sich zwar als vorteilhaft, aber die Hoffnung des Bischofs auf einen würdigeren Gottesdienst ging nur zum Teil in Erfüllung, denn die adeligen Herren, die teilweise nur die niederen Weihen besaßen, kümmerten sich nicht so, wie sie sollten, um ihre geistliche Obliegenheiten und waren oft nur schwer zum Gehorsam gegen den Bischof zu bewegen, zumal die Reformation sich auch im Bistum Speyer bemerkbar machte. Auch waren die Ratsherren und Bürger der Stadt Bruchsal darüber verstimmt, dass ihnen der Chor der Kirche entzogen war und dass die Stiftsherren den Pfarrgottesdienst im Langhaus nicht unterstützten, vielmehr auch das Langhaus und damit die ganze Kirche in ihren Besitz bringen wollten.

Diesen offenkundigen Missstand suchte der Bischof Eberhard von Dienheim (1581 bis 1610) durch eine Entscheidung 1590 zu beseitigen, indem er für die Kirche den Magister Martin Chylenus als Pfarrherrn einsetzte und damit die eigentliche Stadtpfarrei begründete. Die endgültige Teilung Bruchsals in zwei Pfarreien war jetzt auch rechtlich vollzogen. Diese Stadtpfarrei umfasste die eigentliche, ummauerte Stadt nördlich der Saalbach.

Der Pfarraltar, dem heiligen Kreuz geweiht, stand unter dem Chorbogen, der Chor selbst blieb weiterhin den Stiftsherren vorbehalten. Gegen diese Entscheidung Eberhards protestierten die Ritter und drohten, die Kirche nach ihrem Gottesdienst abzuschließen, wogegen der Bischof 1593 befahl, „der Vogt solle mit etlichen Bürgern, ohne bewaffnet zu sein, die Kirche offen halten und dem Pfarrer an die Hand gehen“. So scheiterte der Protest der Stiftsherren, der Pfarrer blieb weiterhin im Besitz des Langhauses, aber Ritterstift und Pfarrei standen sich voller Spannung gegenüber.

Am 8. September 1561 fand in der Stiftskirche Bruchsal die feierliche Weihe des Speyerer Fürstbischofs Marquard von Hattstein statt. Sie wurde gespendet durch Weihbischof Jakob Eliner von KonstanzZu Weihbischof Jakob Eliner unter Assistenz der Weihbischöfe Georg Schweicker aus Speyer und Johannes Delphius von Straßburg.Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer. Band 2, S. 365 (Digitalisat) Den Ablauf der Weihefeier beschreibt der Speyerer Diözesanhistoriker Franz Xaver Remling sehr anschaulich:

Zerstörung in den Kriegen des 17. Jahrhunderts Im Dreißigjährigen Krieg begann für die Bevölkerung (Bruchsal zählte um 1600 etwa 1000 Bürger, was einer Einwohnerzahl von 4000 bis 5000 entsprechen mag) eine lange Leidenszeit. Die Stadt wechselte öfter ihren Herrn, sie sah die Pfälzer, die Kaiserlichen, die Schweden und Franzosen in ihren Mauern. Der größte Teil der Bevölkerung ging in den Kriegsnöten zugrunde. Die Stadtkirche als Bau scheint die schreckliche Zeit ziemlich unversehrt überstanden zu haben; aber die Stadt war schwer heimgesucht. 1649 versah auch nur ein Pfarrer beide Bruchsaler Pfarreien. Der Westfälische Frieden 1648 räumte außerdem Frankreich das Besatzungsrecht im nahen Philippsburg ein, und Ludwig XIV. trachtete danach, das ganze linke Rheinufer der französischen Krone anzugliedern. Vor allem im Holländischen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Bruchsal gründlich von den Franzosen zerstört. 1676 wurde die Stadt zum ersten Male niedergebrannt, darunter „die schöne Stiftskirche mit dem Turm, der Orgel, den Glocken und Uhren, wie auch mit allem, was die armen Leute darein geflüchtet.“ Nur 16 Häuser in der Stadt und 20 in den Vorstädten blieben verschont.

Im nächsten Jahr brannte ein französisches Streifkorps den Hoheneggerhof nieder. 1681 versah man die Kirche und den Turm mit Notdächern, 1683 hielten zwei Jesuitenpatres eine Visitation hier ab. Nach ihrem Bericht bot die Liebfrauenkirche einen „traurigen Anblick. Der früher so reich geschmückte Innenraum lag öde und ausgebrannt“.

1689 wurde Bruchsal erneut von den Franzosen eingenommen. „Am Dienstag, 9. August 1689, ist die französische Armee unter General Duras von Heidelberg her vor die Stadt gerückt und hat Mittwoch zu Mittag mit zwei großen Kanonen und anderem Geschütz, welche sie auf dem Steinsberg (Reserve) und dem Kirchbrücklein (große Brücke) gepflanzt gehabt, die Stadt anfangen zu beschießen, wodurch die Gewölbe der Stiftskirche eingestürzt sind. Durch dieses Unglück sind auch die nach dem vormaligen französischen Brand mit so großen Kosten wieder hergestellte Stiftskirche und andere Stiftsgebäude (gemeint sind die Wohnungen der Stiftsherren) in Rauch aufgegangen.“

Auch das letzte noch unversehrte Gebäude Bruchsals, das Kapuzinerkloster mit gotisierender, 1672 von Mathias von Burgund erbauter Kirche, wurde ein Jahr später eingeäschert, als die Bruchsaler Bevölkerung eine Wallfahrt auf den Michaelsberg machte.

Das Jahr 1690 bedeutete einen Tiefpunkt in der Geschichte Bruchsals, das Ende der mittelalterlichen Stadt. Es standen nur noch ein paar elende Hütten, die Bevölkerung war auf 400 Personen gesunken, ein Bericht der Stadt spricht von 3500 Seelen, die „seithero beerdigt worden“. Einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Stadt mit der Stiftskirche vermittelt eine Zeichnung Simon Schmalkalders, Fouriers im kaiserlichen Heer, aus dem Jahre 1689 kurz vor der totalen zweiten Zerstörung. Die Stadtkirche ist hier mit Notdächern versehen, die gotische Maßwerkgalerie des Turmes ist noch vorhanden.

Neben aller Verwüstung lebten die Streitigkeiten zwischen Ritterstift und Bischof erneut auf. Der Stiftsdekan Johann Adam von Flaxland bestritt seinem Oberhirten das Recht auf eine kirchliche Visitation, weil das Stift reichsunmittelbar sei. Eine Entscheidung zugunsten des Bischofs und der Pfarrei wurde durch die Kriege des späten 17. Jahrhunderts verhindert und fiel erst 1753 durch Urteile des Kaisers und des Papstes.

Wiederaufbau und Barockisierung im 18. Jahrhundert Nach den Verheerungen einer fast hundertjährigen Kriegsepoche ging der Wiederaufbau der Stadt mit ihrer Kirche nur sehr langsam vonstatten. Die Gemeinde war arm geworden, selbst die Weinberge waren verdorben. 1690 kam dazu noch eine Seuche, das „große Sterben“, wie sie damals im Gefolge der Kriege immer auftrat. Da auch der Pfarrer dem Sterben erlegen war, wurde der Pfarrgottesdienst bis 1699 in der städtischen Spitalkirche von einem Kapuzinerpater abgehalten. Erst 1699 berichtet der neuernannte Pfarrer von Bruchsal, Rohrmoser, dass die Liebfrauenkirche wieder an Sonn- und Feiertagen von der Gemeinde benutzt werden durfte. So erklärt sich die Tatsache, dass neun Jahre lang die Spitalkirche der Pfarrei diente. Es war in dieser Zeit, als die Bürgerschaft sich erst allmählich durch Zuzug, teilweise durch Einwanderung aus der Schweiz und Oberitalien, ergänzte, für die adeligen Stiftsherren ein leichtes, ihre Ansprüche auf die Liebfrauenkirche auszudehnen. Ihre Grundmauern waren trotz der „großen Brunst“ noch vorhanden.

Sie konnte alsbald nach dem Brand wieder eingedeckt werden. Erst mit dem Regierungsantritt des Bischofs Heinrich Hartard von Rollingen (1711 bis 1719), der zugleich Propst des Stiftes Odenheim war, „einer der klügsten, erfahrensten und gelehrtesten Staatsmänner“, kam in die Verwaltung des Speyrer Bistums ein frischer Wind; bei ihm hatte auch der einfachste Mann Zutritt. Er ließ 1716/17 Chor und Langhaus wieder einwölben und mit guten Dächern versehen. Die Kosten übernahm das Ritterstift Odenheim gemäß den Vereinbarungen von 1507. Die Arbeiten im Langhaus waren 1723 vollendet. Auffallend für die Wiederherstellungsarbeiten ist es, dass sie unter Anlehnung an die gotische Bauweise durchgeführt wurden. Der Turmhelm, der 1676 und 1689 weggebrannt war, wurde indessen im Zeitgeschmack des beginnenden 18. Jahrhunderts mit einer welschen, kräftig ausgebogenen Haube mit Laterne und Aufsatz versehen, wahrscheinlich im Jahre 1718.