mini|Südbahnhotel am Semmering Das Südbahnhotel ist ein seit 1882 bestehendes, ehemaliges Grand Hotel nahe dem Semmering-Pass in Österreich. Es befindet sich in der niederösterreichischen Gemeinde Semmering und liegt in Sichtweite der den Pass passierenden Semmeringbahn (Österreichische Südbahn). Das Südbahnhotel war das erste Hotel am Semmering und trug maßgeblich zum Aufstieg der Gemeinde zu einem bedeutenden Luftkurort bei. Es steht allerdings seit Jahrzehnten leer.

Entstehung Nachdem in den 1870er Jahren die Südbahn-Gesellschaft den Ausbau ihres Streckennetzes abgeschlossen hatte, wandte sie sich der Errichtung von Bauten entlang den von der Bahn erschlossenen Gebieten zu. Der Ort Semmering auf der Passhöhe war durch die Pionierleistung der Semmeringbahn, ein Teilabschnitt der Südbahnstrecke, von Wien aus in ungefähr zwei Stunden leicht zu erreichen und sollte nun zu einem Ferien- und Luftkurort ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang wurde hier auf genau 1000 m Seehöhe das erste einer ganzen Reihe von Eisenbahnhotels der Südbahn errichtet. Der Stil der Hotels der Südbahn-Gesellschaft folgte anfangs einem einheitlichen Schema, sie wurden von Eisenbahningenieuren geplant. Dadurch wirken diese Bauwerke, deren stilistisches Hauptmerkmal die Sichtziegelfassade ist, äußerlich sehr nüchtern und zeigen kaum dekoratives Beiwerk. Dieses nüchterne Erscheinungsbild der Hotels änderte sich erst, als selbstständige, staatlich befugte Architekten beauftragt wurden. Dadurch wurden die Bauwerke vom neuen Stil des Späthistorismus geprägt, der auch bei einem großen Zubau für das Südbahnhotel am Semmering (1901–1903) zu Tragen kam.

Das erste Semmeringhotel der Südbahn mini|Südbahnstrecke über den Semmering Die Planung des Hotels am Semmering begann 1880 auf Initiative von Friedrich Julius Schüler, dem Generaldirektor der Südbahn-Gesellschaft. Durch das Hotel sollten, ähnlich dem Grand Hotel Toblach und dem ebenfalls in den 1880er-Jahren begonnenen Aufbau des Kurortes Abbazia (heute Opatija) als Zentrum der k.u.k-Riviera, zusätzliche Einnahmequellen für die Südbahn-Gesellschaft erschlossen werden. Im Jahr 1881 wurde der Grund für das Hotel am Semmering erworben, wobei die Lage für ein einzigartiges Panorama sorgen sollte. Das Hotel sollte den Gästen jeglichen Komfort bieten und durch die Errichtung weiterer Infrastruktur und Sportmöglichkeiten den Annehmlichkeiten eines heutigen All-Inclusive-Resorts entsprechen.

Innerhalb von 14 MonatenDer Grundstein wurde am 29. Mai 1881 gelegt. – Siehe: wurde das Hotel nach einem Entwurf von Wilhelm von Flattich errichtet, der Hausarchitekt der Südbahn-Gesellschaft war und bereits 1873 den Wiener Südbahnhof und 1878 das Südbahnhotel Toblach geplant hatte. Es hatte drei Stockwerke mit 60 Fremdenzimmern sowie Badeeinrichtungen, Spiel-, Rauch- und Damensalons; ein Post- und Telegraphenbüro und ein Restaurationsgebäude mit großem Speisesaal und Wirtschaftsräumlichkeiten waren vorgesehen. Außerdem sollten sich noch in der Nähe des Hotels ein dazugehöriger Meierhof, Stallungen für die Pferde, Remisen für die Kutschen und Wagen sowie eine Waschanstalt befinden. Die Südbahn-Gesellschaft errichtete eine Straße vom Bahnhof Semmering zum Hotel sowie die notwendige Wasserleitung. Am 15. Juli 1882 konnte das Haus plangemäß eröffnet werden. Als erster Restaurant-Pächter wurde Vinzenz Panhans (1841–1905) gewonnen, der als Koch im Wiener Hotel Lamm seine berufliche Laufbahn begonnen hatte und später mit seinem eigenen Haus, dem Hotel Panhans, schärfster Konkurrent des Südbahnhotels wurde.

Zu Beginn lebte der Semmering, ähnlich wie schon Reichenau an der Rax zuvor, vom Mythos der Habsburger. Gleich nach Eröffnung des ersten Semmeringhotels 1882 sowie der dazugehörigen Villen genossen die höchsten Kreise der Wiener Gesellschaft, Erzherzöge und Minister, selbst Kaiserin Elisabeth die alpine Sommerfrische in der Höhenluft nahe Wien. Der Besuch von derart bedeutenden Mitgliedern der Hocharistokratie war ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Semmerings. Doch allein von diesem Publikum konnte schon damals kein Hotel leben, von Anfang an waren sie daher finanziell auf ein Publikum aus der neuen Hochfinanz angewiesen, denn diese Gesellschaftsschicht war wesentlich spendabler als der traditionelle Adel. In der Hauptsaison waren alle Häuser am Semmering ausgebucht, und entlang der Hochstraße eröffneten in Folge zahlreiche Geschäfte.

Das Grandhotel Südbahn Der Semmering entwickelte sich weiter: Nach der Errichtung des Südbahnhotels schossen nicht nur die Villen (wie etwa die Villenkolonie Semmering nach den Richtlinien der Cottage-Bewegung) aus dem Boden, sondern auch weitere Hotels wurden errichtet. 1888 eröffnete Vinzenz Panhans sein eigenes Hotel Panhans, 1909 wurde das Kurhaus Semmering fertiggestellt.

Die Südbahn-Gesellschaft sah sich daher um 1900 veranlasst, ihren Hotelbereich am Wolfsbergkogel nach den damals modernsten Richtlinien des internationalen Hotelgeschäfts zu vergrößern. Wohl auch wegen der Rivalität zwischen dem Panhans und dem Südbahnhotel blieb dieses auch beim großen Zubau weiterhin dem Historismus, genauer gesagt dem Heimatstil treu, mit verstärkter Betonung der Burg- und Schlossromantik, was sich besonders in konservativeren Kreisen großer Beliebtheit erfreute.

Architektur und Innengestaltung Das Grand Hotel war weithin sichtbar und wurde dadurch bald zum Wahrzeichen des Semmerings. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1903 entsprach das Erscheinungsbild des von Alfred WildhackAlfred Wildhack im Architektenlexikon Wien gemeinsam mit Robert Guido Elio Freiherr von Morpurgo durchgeplanten neuen Südbahnhotels in allen Bereichen den mittlerweile aufgekommenen Vorstellungen eines „Palasthotels“, der luxuriösesten Form der gehobenen Hotelkategorie. Ein zur Mitte hin gestaffelter Baukörper mit dominierendem Turm, in dem das Hauptstiegenhaus untergebracht war und unter dessen Dach sich ein hölzerner Wandelgang befindet, gehörte ebenso zur architektonischen Sprache dieses Trakts, wie die zwei blechgedeckten Zwiebeltürmchen, die bedachten Rauchfänge und die mit Biberschwänzen gedeckte komplexe Dachlandschaft. Talseitig prägten vor allem der Mittelrisalit, das tief herunter gezogene Hauptdach und die reich verzierten Holzbalkone das Bild dieses Bauabschnitts. Der Eindruck einer repräsentativen Höhenresidenz ist durchaus beabsichtigt. Ländliches Flair hingegen wird vor allem durch rustikale Details, wie etwa Sockel aus Buckelquadern, holzumfasste Fenster sowie Fachwerk, erzielt. Diese von traditioneller, alpiner Architektur inspirierte Formensprache des Heimatstils findet sich auch in den einfacheren Nebenbauten wie etwa der Meierei wieder.

Neben diesen äußeren Merkmalen war aber vor allem die Anwesenheit eines hochgestellten, teils aristokratischen Publikums der wichtigste Empfindungsträger eines „Palasthotels“. Zusätzlich zu den Gästen aus den alten, aristokratischen Kreisen bot das neue Südbahnhotel am Semmering gleichzeitig der neuen vermögenden Klientel eine entsprechende Kulisse zur Selbstdarstellung. Diese fand im und um das Hotel statt und setzte sich auf der Promenade fort. Diese war quasi zum exterioren Gesellschaftsraum des Hauses geworden. Was in der österreichisch-ungarischen Monarchie Rang und Namen hatte flanierte auf ihr, um zu sehen, vor allem aber, um gesehen zu werden.

Im Haus selbst boten die Salons, wie etwa der „Rote Salon“, Spiel- und Rauchzimmer die Möglichkeit zur Selbstinszenierung und wer die roten Sisalläufer der Bel Etage betrat, war, wie es damals so schön hieß, „entweder der Creme der Gesellschaft zuzurechnen – oder Zimmerkellner…“. Über beiden Gruppen schwebte der aus Preußen stammende Hoteldirektor Seibt: Stets begleitet von einem kleinen, von Zeitzeugen als „echten Köter“ bezeichneten dreibeinigen Hund führte er nicht nur das Kommando über eine Heerschar von Angestellten, er führte unter seinen Gästen auch geschickt soziale Regie. Allgegenwärtig in Halle und Bel Etage hielt er die Luxus-Unterhaltungsmaschine über ein Vierteljahrhundert am Laufen, vermied oder förderte das Aufeinandertreffen von Gästen, arrangierte Auftritte und Abgänge in der nicht enden wollenden Kette feiner Akteure.

Die Einrichtung der Zimmer stand der Noblesse der Gäste um nichts nach. Zum Großteil vom Kunstmöbelatelier Bothe & Ehrmann (K. u. k. Hoflieferanten, Wien I / Agram) entworfen und gefertigt, glich das Interieur kaum eines Zimmers exakt dem anderen. Dennoch war eine gewisse Einheitlichkeit in dem hellen, eichenfurnierten und kirschfarben gebeizten Mobiliar beabsichtigt. Die feinen Unterschiede ergaben sich aus dem Detail, dem Muster der Intarsien, den Leisten und Formen. Da gab es etwa glasbeplattete Spiegeltische mit eckigen oder ovalen Spiegeln, breiter oder schmäler, regelrechte Schreibtische usw. Edle Teppiche bedeckten das Parkett. Luxuriöse Waschräume und Bäder waren 1903 im Südbahnhotel bereits selbstverständlich.

Nach kleineren An- und Umbauten 1908 kam 1912/1913 ein ebenfalls von den beiden Architekten Wildhack und Morpurgo geplanter Restaurationstrakt, der „Trakt der großen Säle“ (Speisesaal, Grüner Salon, Gelber Salon, Bibliothek, Waldhofsaal, Bierstüberl und Kinosaal) hinzu, der mit seinen holzrostbelegten Terrassendecks ein wenig an Schiffsarchitektur erinnern sollte. Das ging so weit, dass die beweglich ausgeführte Markise der dem Waldhofsaal vorgelagerten Terrasse stilisierte Schiffsdavits verkörperte. Im Erdgeschoß gelangte man über ein Vestibül in den mit Stuck reich verzierten Speisesaal, der als Blickfang stirnseitig über einen Alkoven mit Bühne verfügte, auf dem ein extra für diesen Saal angefertigter Konzertflügel thronte. Neben den drei, mit altägyptischen Motiven gestalteten, riesigen Hauptlüstern sorgten unzählige auf den die Säulen überspannenden Bögen angebrachte Deckenschalenlampen mit geschliffenen Bleikristallgläsern und vergoldeten getriebenen Messingblechrahmen auf Holzplatte für strahlendes Licht. Seitlich anschließend an den Speisesaal lag der Grüne Salon, durch den man in den wesentlich kleineren Gelben Salon gelangte. Beide Räume sind nur mehr teilweise im Originalzustand, im mehrmals modernisierten Grünen Salon machen sich besonders die fehlenden hinterlüfteten Messingrosetten für die Lüster störend bemerkbar. Sie wurden durch Stuckelemente ersetzt. Über den Grünen Salon erreicht man auch eine große Terrasse, die gleichzeitig das Dach des nunmehr in das Stiegenhaus integrierten Post und Telegraphenamts bildet. Über dem Speisesaal – und vom Vestibül aus über eine Nebentreppe, genannt „Waldhofstiege“ erreichbar – befindet sich ein Frühstückssaal, der auch als Ballsaal genutzt wurde, der Waldhofsaal, von dem aus man über einen, die Straße überspannenden Brückenbogen und einen daran anschließenden, zum Teil unterirdischen Gang in die 1901 erbaute Dependance „Waldhof“ gehen konnte. Ebenso war der Zugang zum Waldhofsaal und der dazugehörigen Terrasse vom Zimmertrakt über ein großes Stiegenhaus möglich, das sich vom Posttrakt bis zur obersten Terrasse, dem „Promenadendeck“ über dem Waldhofsaal, durchzog. Daneben und durch eine Glastüre vom Saal getrennt liegt die Bibliothek, die neben Stofftapeten auch über eine interessante Radiatorenverkleidung verfügte. Sie bestand aus ineinandergehängten quadratischen Messingplatten, die streng geometrisch und sachlich ausgeführt dem historistischen Ambiente des Raumes ein modernes Detail entgegensetzten.

Obwohl noch deutlich im Historismus verhaftet, finden sich im Trakt von 1912 immer wieder Motive des floralen und gelegentlich auch des ornamentalen Jugendstils. Seltener finden sich streng geometrische Details, die bereits in Richtung Moderne weisen. In der Gestaltung der Fassaden ist dieser Bauabschnitt bis auf die auffälligen Dachterrassen jedoch dem historistischen Konzept treu geblieben. Genau diese Mixtur der Stile ist es, die das Ensemble so einzigartig macht und als „Semmeringstil“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist.