Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg ist eine staatliche Universität in Oberfranken. Bereits im 17. Jahrhundert gegründet, zählt sie zu den frühneuzeitlichen Universitäten in Europa.
Die Universität umfasst vier Fakultäten und verteilt sich auf drei zentrale Standorte. Die Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die humanwissenschaftliche Fakultät befinden sich in historischen Gebäuden inmitten des UNESCO-Welterbes der Innenstadt. Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sind in der Feldkirchenstraße im Osten der Stadt angesiedelt. Die Fakultät für Wirtschaftsinformatik zog 2012 auf den neuerbauten Campusteil auf der ERBA-Insel im Stadtteil Gaustadt.
Im Wintersemester 2023/24 waren an der Universität Bamberg etwa 11.000 Studierende eingeschrieben.
mini|Aula der Universität im ehemaligen Dominikanerkloster
Geschichte mini|Das alte Schlachthaus wird heute vom Institut für Geographie genutzt Den heutigen Namen trägt die Universität seit dem 1. Oktober 1988. Er erinnert an die im 18. Jahrhundert verwendete Bezeichnung Universitas Ottoniana Fridericiana. Damit geehrt werden ihr Gründer Melchior Otto Voit von Salzburg und ihr Förderer Friedrich Karl von Schönbornfeki.de. Für das Wiederaufleben dieses Namens hatte sich der damalige Präsident Siegfried Oppolzer eingesetzt.
Academia Bambergensis (1647) Den Grundstein für die Universität Bamberg legte der Bamberger Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg, indem er am 14. November 1647 das damalige Jesuitenkolleg, das auf eine von Kaiser Heinrich II. gegründete Domschule zurückging, um die beiden Fakultäten Philosophie und Theologie zur Academia Bambergensis erweiterte. Kaiser Ferdinand III. und Papst Innozenz X. verliehen der jungen Universität im folgenden Jahr alle akademischen Privilegien. 1648 wurde sie als Academia Ottoniana feierlich eröffnet.
Universitas Ottoniano-Fridericiana (1773) Bis 1770 wurde die Universität durch Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn um eine Juristische Fakultät erweitert und damit zur Volluniversität ausgebaut. Durch die Errichtung einer Medizinischen Fakultät durch Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim wurde sie zur klassischen Vierfakultätenuniversität. Im Jahr 1773 erhielt sie den Namen Universitas Ottoniano-Fridericiana. 1803 wurde die Vierfakultätenuniversität im Zuge der Säkularisation des Hochstifts Bamberg wieder aufgehoben.
Fortführung der Studien als Lyzeum (1803) Die theologisch-philosophischen Studien konnten jedoch auch nach 1803 fortgesetzt werden. Die beiden Fakultäten der Theologie und Philosophie bestanden als Lyzeum weiter. Die Medizinische Fakultät musste im Oktober 1809 ihre Lehrtätigkeit einstellen und wurde zunächst durch eine „landärztliche Schule“, die bis 1823 unter Aufsicht eines Landgerichtsarztes arbeitende „Landärzte“ ausbildete, von einer Chirurgenschule und 1836 von einer bis 1841 bestehenden Baderschule ersetzt.Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. 1950; 2. Auflage. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 1978, ISBN 3-87707-013-2, S. 526.
Philosophisch-Theologische Hochschule (1923–1972) 1923 wurde das Lyzeum in Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) umbenannt. In der Zeit des Nationalsozialismus musste sie am 9. Oktober 1939 schließen. Die Militärregierung in der Amerikanischen Besatzungszone genehmigte am 10. Oktober 1945 die Wiedereröffnung. So ging sechs Monate nach dem Zweiten Weltkrieg die Lehre weiter, vornehmlich in Rechtswissenschaft, Naturwissenschaften und Pharmazie. Trotzdem blieb es bei der Beschränkung auf eine Philosophisch-Theologische Hochschule. Infolgedessen wurden Fächer, die an sich nicht zum Profil der Hochschule gehört hatten, wieder abgeschafft. Es blieben die Philosophie, die Theologie und ein Lehrstuhl für Kunstgeschichte, der aber aufgrund mangelnder Studierendenzahlen in einen Lehrstuhl für Pastoraltheologie umgewidmet werden sollte.
Pädagogische Hochschule Bamberg (1958–1972) 1958 gründete die Landesregierung in Bamberg eine Pädagogische Hochschule (PH) mit katholischer Orientierung, die unter dem Dach der Universität Würzburg selbstständig war und Grund- und Hauptschullehrer ausbildete. Wichtige Professoren waren der Theologe Michael Arneth, der Pädagoge Reinhold Ortner und die Volkskundlerin Elisabeth Roth.
Ausbau zur Universität (ab 1979) 1972 wurden beide Bamberger Hochschulen, die PTH und die PH, zur Gesamthochschule Bamberg zusammengefasst, weil das Konzept der Gesamthochschule noch als zukunftsfähig galt. 1979 wurde diese in die Universität Bamberg umgewandelt. Zuvor hatte die Gesamthochschule sich eine neue Struktur gegeben, welche drei Fakultäten umfasste. Im Anschluss wurden weitere Fakultäten gegründet und umfassten im Jahr 1979 fünf Fakultäten und den Fachbereich Soziale Arbeit: Katholische Theologie (seit 1647) Pädagogik, Psychologie und Philosophie (seit 1647) Geschichts- und Geowissenschaften (gegründet 1975) Sprach- und Literaturwissenschaften (gegründet 1977) Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (gegründet 1977).
1999 ging die Kirche des ehemaligen Dominikanerklosters in Bamberg in den Besitz der Universität über. Nach umfassenden Renovierungen dient sie heute der Universität als Aula für Abschlussfeiern und repräsentative Veranstaltungen.
Jüngste Entwicklung mini|Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik auf der ERBA-InselAm 1. Oktober 2001 wurde die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik aus der Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ausgegründet.
2010 erfolgte im Rahmen der Expertenkommission Wissenschaftsland Bayern 2020 unter dem Vorsitz von Jürgen Mittelstraß eine Restrukturierung der sechs Fakultäten (Geschichts- und Geowissenschaften, Katholische Theologie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften, Wirtschaftsinformatik u. Angewandte Informatik) hin zu einer Reduktion auf vier. Der Fachbereich Soziale Arbeit, seit 1972 ein zentraler Bestandteil, wurde an die Hochschule Coburg abgegeben und der Studiengang Volkswirtschaftslehre durch European Economic Studies ersetzt. Ebenfalls fielen alle vier Professuren der Rechtswissenschaften mit zukünftigem Lehrimport an die FAU Erlangen, zwei Professuren der Musikwissenschaften wurden an die Universität Würzburg übertragen. Im Gegenzug wurde die Slavistik von der FAU Erlangen nach Bamberg verlagert und die Soziologie ausgebaut.
Im Jahr 2015 beschloss der Universitätsrat die Entwicklungsperspektive 2020. Darin wird die Richtung der strategischen Entwicklung aufgezeigt, die die Universität nehmen will, unter anderem hinsichtlich Forschungsschwerpunkten und -verbünden, Qualitätssicherung bei Promotionen und Nachwuchsförderung, Weiterentwicklung von Lehre, Infrastruktur und Verwaltung sowie Internationalisierung.
Die Universität Bamberg ist seit 2020 am Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame in Paris beteiligt. Besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfuhren zuletzt auch die Ergebnisse der Forschungsgruppe Retourenmanagement.
In jüngster Zeit wird insbesondere die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz am bestehenden Fachbereich für Angewandte Informatik vorangetrieben. In einem Wettbewerb des Landes Bayern zur Vergabe von insgesamt 50 Professuren zur Künstlichen Intelligenz gewann die Universität Bamberg mit sieben neuen Professoren die meisten Lehrstühle. Im Jahr 2024 wurde zudem das Bamberger Zentrum für Künstliche Intelligenz (BaCAI) eingerichtet und der Bachelorstudiengang „KI und Data Science“ ins Lehrangebot aufgenommen.mini|Eingangsbereich Feldkirchenstraße 21 beim Soziologenkongress 2016
Studium Das Studienangebot umfasst 34 Bachelor- und 54 Masterstudiengänge sowie Studiengänge der Lehrämter von der Grundschule bis zum Gymnasium (Stand März 2024). Im Wintersemester 2022/2023 waren 11.603 Studenten eingeschrieben, davon 2.142 Erst- und Neueinschreiber. Dies bedeutet eine leichte Abnahme gegenüber dem Vorjahr (12.161 / 2.217). Die universitäre Lehre wird von über 180 Professorinnen und Professoren getragen. Beruflich Qualifizierte können unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Abitur an der Universität Bamberg studieren. Fast alle Studiengänge können in Teilzeit studiert werden.
Angeboten werden unter anderem folgende Studiengänge: +Geistes- und KulturwissenschaftenSozial- und WirtschaftswissenschaftenHumanwissenschaftenWirtschaftsinformatik und Angewandte InformatikGeographie (Bachelor)Betriebswirtschaftslehre (Bachelor & Master)Psychologie (Bachelor & Master)Künstliche Intelligenz & Data Science (Bachelor)Sozial- und Bevölkerungsgeographie (Master)Internationale Betriebswirtschaftslehre (Bachelor & Master)Berufliche Bildung / Sozialpädagogik (Bachelor & Master)Angewandte Informatik (Bachelor & Master)Geschichte (Bachelor & Master)Wirtschaftspädagogik (Master)PädagogikWirtschaftsinformatik (Bachelor & Master)Interdisziplinäre Mittelalterstudien (Bachelor & Master)Finance and Accounting (Master)Empirische Bildungsforschung (Master)International Information Systems Management (Bachelor & Master)Europäische Ethnologie (Bachelor & Master)Value Chain Management & Business Ecosystems (Master)Erziehung- und Bildungswissenschaft (Master)Interaction Research & Design (Master)Archäologische Wissenschaften (Bachelor) und spezialisierte Masterstudiengänge (z. B. Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit')European Economic Studies (Bachelor & Master)Erwachsenenbildung / Weiterbildung (Master)International Software Systems Science (Master)Philosophie (Bachelor & Master)Computational Economics and Politics (Bachelor)Computing in the Humanities (Master)Anglistik, Germanistik, Romanistik, Slavistik (alle Bachelor & Master)Survey Statistik (Master) Informatik (Bachelor)KommunikationswissenschaftPolitikwissenschaft (Bachelor & Master)KunstgeschichteSoziologie (Bachelor & Master)
Forschung Forschungsschwerpunkte Digitale Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaften Empirische Sozialforschung mit den Schwerpunkten Bildung und Arbeit Erschließung und Erhaltung von Kulturgut Kultur und Gesellschaft im Mittelalter
Wissenschaftliche Einrichtungen mini|Ehemalige Postdirektion, heute Sitz des Leibniz Instituts für Bildungsverläufe
Wissenschaftliche Einrichtungen an der Universität Bamberg bestehen in Form von Zentren, Instituten, Graduiertenschulen, Kompetenzzentren, Forschungsstellen, Arbeitsstellen, Forschungs- und Lehr-Lern-Labs sowie An-Instituten.
Zentren/Institute: Bamberger Centrum für Empirische Studien Bamberger Zentrum für Künstliche Intelligenz (BaCAI) Institut für Fränkische Landesgeschichte Institut Mensch & Ästhetik (IMAE) Zentrum für Interreligiöse Studien Zentrum für innovative Anwendungen der Informatik Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAS)
Bamberger Graduiertenschulen: Bamberg Graduate School of Social Sciences (BAGSS) Bamberger Graduiertenschule für Affektive und Kognitive Wissenschaften (BaGrACS) Bamberger Graduiertenschule für Historische Forschung (BaGraHist) Bamberger Graduiertenschule für Linguistik (BaGL) Bamberger Graduiertenschule für Literatur, Kultur und Medien (BaGraLCM) Bamberger Graduiertenschule für Orient-Studien (BaGOS) Bamberger Graduiertenschule für Mittelalterstudien (BaGraMS) Bamberger Graduiertenschule für Betriebswirtschaftslehre (BaGSB)
Kompetenzzentren: Kompetenzzentrum für Angewandte Personalpsychologie (KAP) Kompetenzzentrum Geschäftsmodelle in der digitalen Welt Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien
Forschungsstellen: Volkswirtschaftliche Forschungsstelle BERG Psychotherapeutische Ambulanz/Psychotherapeutische Forschungsstelle Dietrich-Boenhoeffer-Forschungsstelle für Öffentliche Theologie Forschungsstelle für Angewandte Sportwissenschaften Forschungsstelle für nachhaltige Güter- und Personenmobilität Forschungsstelle Methoden der Normbegründung Forschungsstelle Verbraucherfinanzen & Verbraucherbildung