miniatur|Georg von Ompteda Georg Freiherr von Ompteda (* 29. März 1863 in Hannover; † 10. Dezember 1931 in München) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer, der in Berlin, Dresden, Südtirol und München lebte. Er gehörte zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren der Jahrhundertwende.
Leben Jugend und militärische Karriere Georg von Ompteda stammte aus der uradligen Familie von Ompteda. Sein Vater Wilhelm Freiherr von Ompteda (1832–1912), war Hofmarschall im Königreich Hannover, seine Mutter Anna (1828–1908), war eine Tochter von Ernst von Mangoldt (1798–1880), sächsischem Obersten und Landstallmeister.Die Woche, 1908/49, S. 2118; Todesnachricht der Mutter mit biographischen Angaben Der Bruder Otto von Ompteda (1864–1934) wurde sächsischer Generalleutnant, der Onkel Ludwig von Ompteda (1828–1899) war preußischer Kammerherr bei der Kaiserin Victoria. König Georg V. von Hannover wurde Taufpate von Georg von Ompteda.
1866 folgte die Familie dem König nach der preußischen Annexion Hannovers nach Wien und lebte danach in Gmunden und Dresden.Georg Freiherr von Ompteda, Sonntagskind, Autobiographie, 1929, S. 13–34, berichtete ausführlich über seine Kindheit und Jugend Georg Irrgang, Georg Freiher von Ompteda – Eine Lebens- und Schaffensskizze, in Nord und Süd, 286, Januar 1901, S. 193–208; mit ausführlichen biographischen Angaben Franz Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, 5, 1913, S. 185, mit ausführlichen biographischen Angaben, wahrscheinlich nach seinen Angaben Dort besuchte Georg von Ompteda das Vitzthunsche Gymnasium und anschließend das Kadettenhaus. 1862 kam er zum 1. Königlich-Sächsischen Königs-Husaren-Regiment Nr. 18 nach Großenhain. Nach dem Besuch der Kriegsschule in Engers am Rhein wurde Georg von Ompteda 1883 zum Leutnant befördert. Er absolvierte außerdem einen Kursus in der Militär-Reitschule in Dresden und gehörte weiter zum Husarenregiment in Großenhain. Von 1889 bis 1892 besuchte er die Preußische Kriegsakademie in Berlin. In dieser Zeit veröffentlichte er seine ersten Bücher, allerdings mit einem Pseudonym. Nach einem Sturz vom Pferd im Jahre 1892 musste Georg von Ompteda seinen Abschied einreichen. Er wurde als Premierlieutenant a. D. (Oberleutnant) entlassen.
Schriftsteller in Berlin und Dresden Danach reiste er durch Dänemark, Skandinavien, Italien, die Schweiz und Frankreich. 1892 heiratete er die Französin Marie Florence Motard, deren Vater eine Kerzenfabrik in Berlin besaß. Sie lebten zunächst in Berlin, wo Georg von Ompteda weitere Werke veröffentlichte., in der Königgrätzerstraße 32 (jetzt bei Stresemannstraße 97) zwischen Dessauer Straße und Askanischem Platz, auch 1895; mindestens seit 1892 mit Wohnung in Berlin 1893 wurde der Sohn Serge geboren.
1895 zog die junge Familie nach Dresden, wo seine Eltern und sein Bruder wohnten.Brümmer, S. 185, siehe auch Adreßbuch für Dresden, 1897, S. 372 (Georgplatz 11); 1903, S. 520 (Bürgerwiese 21); und weitere Jahre; dort waren auch sein Vater und sein Bruder in separaten Adressen angegeben Georg Freiherr von Ompteda im Arbeitszimmer seiner Dresdener Wohnung Abebooks, Zeitschriftenfoto mit persönlichem Spruch, dieser datiert auf den 21. Mai 1902 Er hielt sich seit dieser Zeit auch häufig in Innichen in Südtirol auf. 1901 ließ er sich dort ein luxuriöses Klammschlößl erbauen.Villa Ompteda, Innichen AK Ansichtskarten Meraner Zeitung, Nr. 81, vom 7. Juli 1901, S. 4 Digitalisat (rechte Spalte Aus Innichen) berichtete über die Fertigstellung und den Einzug der Familie Er war dort mit seiner Frau auch häufig viel in den Alpen unterwegs. 1897 wurde er zum Herzoglich-Altenburgischen Kammerherrn ernannt.Brümmer, S. 185 mit Titel Kammerherr und Jahresangabe; Adreßbuch für Dresden, 1903, S. 510, mit offiziellen Titel Herzogl. Altenburg. Kammerherr
Schriftsteller in Südtirol und München miniatur|Klammschlößl bei Innichen mini|Stifterhof in Obermais (1912) miniatur|Georg von Ompteda, 1913 1903 verließ ihn seine Frau.Allgemeiner Anzeiger. Amtsblatt für die Ortsbehörde und den Gemeinderat zu Bretnig vom 17. Mai 1905 S. 1 (rechte Spalte Oschatz) Rittmeister a. D. Hupfeld (...), der die Gemahlin des Schriftstellers Georg Frhn. von Ompteda, geb. Florence Motard, eine Südfranzösin, seinerzeit entführte, und nach einem Duell mit ihm verurteilt wurde, hat nunmehr die geschiedene Frau von Ompteda geheiratet; siehe auch , der Ehrenrat des Ulanenregiments [Oschatz] verurteilte Rittmeister Friedrich Hupfeld wegen Ehebruch (1903/04) 1904 zog Georg von Ompteda mit seinen Kindern auf das Klammerschlößl bei Innichen und heiratete erneut. Seit dieser Zeit gab er Meran in Südtirol als seinen Hauptwohnsitz an.Briefe aus Meran Kalliope; es ist unklar, ob er dort einen Wohnsitz hatte, wahrscheinlich bei seiner neuen Ehefrau, oder ob er dieses nur als offizielle Adresse für das Klammschlößl angab, das allerdings etwa 50 km entfernt lag 1910 verkaufte er das Klammschlößl und ließ sich in Obermais bei Meran den Ansitz Stifterhof in ähnlichem Stil nach Plänen von Adalbert Erlebach errichten.Brümmer, 1913, S. 185
Von Ende 1914 bis 1918 war Georg von Ompteda mitverantwortlicher Redakteur der Liller Kriegszeitung im besetzten Frankreich. Diese wurde die verbreitetste deutsche Feldzeitung im Ersten Weltkrieg.Lienzer Zeitung vom 17. November 1914 Digitalisat (rechte Spalte, Meran), berichtete, dass er zum Befehlshaber Rupprecht von Bayern gerufen wurde, (der ihn dann nach Lille schickte) In dieser Zeit war er zeitweise auch in Dresden und wahrscheinlich in seinem Schlösschen bei Meran.Briefe aus Dresden Kalliope Dort lebte er dann in den folgenden Jahren.
Ab etwa 1928 wohnte Georg von Ompteda in München, wo er 1931 starb.Adreßbuch für München, 1928, S. 670, mit erstem Eintrag; bis 1932 in der Rheinbergerstraße 3; von 1926 ist der letzte Briefabsender aus Meran bekannt (Kalliope) Er wurde auf dem Trinitatiskirchhof in Dresden bestattet.
Nachlass und Gedenken Von Georg Freiherr von Ompteda sind einige Handschriften und weitere Dokumente im Sächsischen Staatsarchiv und weiteren Archiven erhalten, darunter über 35 persönliche Briefe an den befreundeten Theaterdirektor Joachim Gans zu Putlitz in Stuttgart.Briefe an Joachim Gans zu Putlitz Kalliope; siehe auch weitere Handschriften
In München wurden der Omptedaplatz (1934) und die Omptedastraße (1967) nach ihm benannt. Ansonsten sind keine weiteren Gedenkorte oder -tafeln für ihn bekannt.
Ehen und Nachkommen Georg von Ompteda war zweimal verheiratet. 1892 heiratete er Marie Florence Motard (1874–1964), eine Tochter des französischen Unternehmers in Berlin Charles Eugène Motard (1840–1930).Marie-Florence Motard Geneanet, mit ausführlichen genealogischen Angaben Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Band 61, 1888, S. 682; auch 1900, S. 520; zur Familie von Ompteda Sie hatten zwei SöhneWer ist's?, 1922, S. 1132, mit Geburtsdaten der Söhne und Heiratsdatum Serge Ernst August Freiherr von Ompteda (1893–nach 1941), besuchte das Vitzthumsche Gymnasium, studierte in München Rechte, 1914 als Offiziersstellvertreter Eisernes KreuzLienzer Zeitung, vom 17. November 1914 Digitalisat (rechte Spalte, Meran) erwähnte Ordensverleihung , später Leutnant im 1. Sächsischen Reiterregiment, danach Besitzer bzw. seit 1923 Anteilseigner der A. Motard & Co. AG in Berlin aus dem Familienbesitz mütterlicherseits Christian Freiherr von Ompteda (1898–nach 1914), im Husaren-Regiment Nr. 18
1904 wurde diese Ehe geschieden. Georg von Ompteda heiratete danach erneut und lebte seitdem in Meran in Südtirol.
Schriftstellerisches Wirken Entwicklung
Georg von Ompteda veröffentlichte seit 1889 erste Gedichte und Novellen, noch während seiner Ausbildung an der Kriegsschule in Berlin und unter Pseudonym. Diese waren stark an Guy de Maupassant angelehnt, besonders in der genauen Beschreibung von Personen und in der offenen Darstellung von Liebesbeziehungen. Es folgten dann erste Romane, Schauspiele und weitere Novellen.
Seit 1897 beschrieb er in einer Romantrilogie kritisch die Situation des Adels im Deutschen Reich, der sich meist an überkommene Privilegien und Besitztümer klammerte und auf die neue Entwicklung einer stärker ökonomisierten Gesellschaft nicht angemessen reagieren konnte. Georg von Ompteda propagierte dabei ein neues Adelsethos, das sich durch mehr eigene wirtschaftliche Aktivitäten und durch ethisch vorbildhaftes Verhalten auszeichnen sollte. Heinz Greif (Hrsg.): Adel und Bürgertum in Deutschland, Band 1, 2. Auflage, Akademie, Berlin 2008, S. 264; auch in weiterer zeitgenössischer und moderner Fachliteratur Besonders der zweite Band Eysen erhielt eine große Aufmerksamkeit und war 1900 das meistgefragteste Buch in deutschsprachigen Bibliotheken.Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek, 1990, S. 456ff.; nach der Umfrage in Das litterarische Echo, 1900/1901, Sp. 505–509; auch in den folgenden Jahren
In der gleichen Zeit von 1898 bis 1903 übersetzte Georg von Ompteda die Gesammelten Werke von Guy de Maupassant in zwanzig Bänden.
Danach schrieb Georg von Ompteda zahlreiche weitere Romane und Erzählungen zu verschiedenen Themen, darunter aus dem Militärleben und Gesellschaftsbeschreibungen, die allerdings meist unterhaltenden Charakter hatten.Nord und Süd, 1901, mit der ausführlichsten Darstellung über seine Werke
Ein häufigeres Thema war Südtirol mit seinen Bergen, seinen Menschen und seiner Geschichte, darunter vor allem Excelsior! (1909) und Es ist Zeit. Tiroler Aufstand 1809 (1921).Neueste Zeitung vom 11. Dezember 1931 Auszug, Nachruf, mit Digitalisat Aus großen Höhen
Stil Georg von Ompteda schrieb meist in einem sehr emotionsarmen und sachlichen Stil, fast wie eine Dokumentation. Dieses wurde von verschiedenen zeitgenössischen Rezensenten kritisch angemerkt, die sich etwas mehr innere Belebung wünschten. Gelobt wurden dagegen vielfach die sehr treffenden, oft kurzen Beschreibungen von Personen und Lebenseinstellungen.
Von Leserinnen wurde mehrfach verwundert gefragt, wie sich ein männlicher Schriftsteller so gut in die Seele einer Frau oder eines Kindes hineinversetzen könne.Dora Duncker, Meine Herren Collegen!, Berlin 1894, S. 18 (siehe nächsten Abschnitt unten); auch Frieda von Bülow, Das Fräulein von Sarryn, 1901/1902, S. 379
Resonanz Einige Werke von Georg Ompteda wurden viel gelesen. Der kritische Adelsroman Eysen (der Trilogie Deutscher Adel um 1900) war im Jahr 1900 das meistgefragteste Buch in deutschsprachigen Bibliotheken überhaupt, im folgenden Jahr 1901 das zweitgefragteste.Alberto Martino, Die deutsche Leihbibliothek, 1990, S. 456ff.; nach der Umfrage in Das litterarische Echo, 1900/1901, Sp. 505–509; auch in den folgenden Jahren; die Umfrage wurde erst seit 1900 durchgeführt, deshalb gab es keine Bewertung für den ersten Band von 1897; Georg von Ompteda wurde 1900 in 21 von 28 Bibliotheken als einer der etwa fünf meistgefragtesten Autoren des Jahres genannt und war damit die Nummer eins Der dritte Band der Trilogie Cäcilie von Sarryn kam 1902 auf den dritten Rang, Heimat des Herzens 1905 auf den sechsten und Herzeloide 1906 auf den achten Rang. Die höchsten Auflagezahlen erhielten der Erzählband Der Major. Ein Weihnachtsabend. Das Schützenfest (1905) mit über 100.000 Exemplaren (vertrieben durch einen Volksbildungsverein am Ende des Ersten Weltkriegs) und der Alpenroman Excelsior! (1909) mit etwa 43.000 Exemplaren, was im Vergleich zu anderen Autoren in dieser Zeit nicht besonders hoch war. Allerdings brachte die Gesamtzahl von über 55 Einzelbuchveröffentlichungen innerhalb von über 40 Jahren insgesamt doch eine größere Verbreitung.
Es gab nur wenige Übersetzungen seiner Bücher in andere Sprachen und keine einzige Verfilmung. Von zeitgenössischen Literaturrezensenten wurden einige seiner Werke verhalten gelobt. In der Gegenwart sind seine Werke und sein Name weitgehend unbekannt, es gibt kein Buch, dem jetzt noch ein größeres Interesse entgegengebracht wird.