Windischleuba ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Altenburger Land. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue an.

Lage mini|links|Stausee Windischleuba liegt nordöstlich der Stadt Altenburg an der Bundesstraße 7 und westlich im Tal der Pleiße im Altenburger Lösshügelland, einem Ausläufer der Leipziger Tieflandbucht. Östlich befindet sich eine Talsperre der Pleiße zur Wasserregulierung und Beregnung.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Fockendorf in Thüringen, die sächsische Stadt Frohburg im Landkreis Leipzig, Langenleuba-Niederhain, Nobitz, die Kreisstadt Altenburg, Gerstenberg und Treben in Thüringen.

Ortsteile mit Datum der Eingemeindung Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bocka 01. 01. 1973 Eingemeindung nach Windischleuba Borgishain 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Windischleuba Pähnitz 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Windischleuba Pöppschen 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Bocka Remsa 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Windischleuba Schelchwitz 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Windischleuba Zschaschelwitz 01. 07. 1950 Eingemeindung nach Windischleuba

Wappen Zur Wappengenese teilte die Ortschaftsverwaltung/Ortschronistin im November 2023 schriftlich mit: 1994 wurde das Ortswappen nach Sichtung mehrerer Entwürfe von der Gemeindeverwaltung beschlossen/ausgewählt. Es hatte kurz zuvor eine Bürgerbeteiligung zur Auswahl eines von vier vorgeschlagenen Versionen gegeben.

Der blaue Hintergrund symbolisiert das Wasser des Flusses Pleiße und der hiesigen Teiche. Der Storch steht für die hier früher häufig vorkommenden Störche und das hiesige Naturschutzgebiet. Der Turm soll der des Schlosses sein. Die acht Lindenblätter symbolisieren die acht Ortsteile.Antwortschreiben der Ortschaftsverwaltung Windischleuba/Ortschronistin Gabriele Prechtl (Windischleuba) vom 05.11.2023 bezüglich der Bedeutung des Ortswappens von Windischleuba

Geschichte Eine Wasserburg war für die Sicherung des Pleißeübergangs für die Nordwest-Südost-Verbindung des mitteldeutschen Raumes über Chemnitz mit dem Böhmischen Becken und Prag verantwortlich. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde ein Ritter Heinrich von Luben erwähnt, der höchstwahrscheinlich für diese Burg verantwortlich und vielleicht auch Namensgeber war. Der Ortsname Windischleuba ist entgegen der volksetymologischen Deutung nicht aus der Wurzel „wendisch“ abgeleitet. In der urkundlichen Ersterwähnung von 1244 ist von einem Ort Luben minor (Kleinleuben) zur Unterscheidung von Luben major (Großleuben = Langenleuba) die Rede. Auch in späteren Jahrhunderten existierte noch die Nebenform „Wenigenleube(n)“.

Lehnsherren waren später die Vögte von Weida und im 13. Jahrhundert die Burggrafen von Altenburg. Aus deren Besitz überließ Burggraf Heinrich IV. dem Deutschen Orden zu Altenburg im Jahr 1289 die Nutzung des Seebischholzes östlich von Windischleuba.Geschichte der Burggrafen von Altenburg, S. 60 Windischleuba kam nach dem Aussterben der Altenburger Burggrafen im Jahr 1329 als Erbe an die Burggrafen von Leisnig, bevor nach deren Aussterben 1538 das ernestinische Sachsen die Herrschaft übernahm. Im 16. Jahrhundert wurde die Wasserburg zum Schloss umgebaut. Das Schloss und sein Umfeld sind noch heute gut erhalten.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 277.

In der Folgezeit gehörte Windischleuba zum wettinischen Amt Altenburg,Das Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, ab S. 201Die Orte des Amts Altenburg ab S. 83 welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam der Ort wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte Windischleuba bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900) bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900). Windischleuba gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging.

In dem heutigen Ortsteil Pöppschen kam es Anfang März 1919 insoweit zu einem historischen Ereignis, als es dort sowie in den Gemeinden Rositz und Gorma zu den ersten bekannten Anwendungsfällen unmittelbarer Gemeindedemokratie gekommen ist. Dabei setzten 90 der 137 Wahlberechtigten durch, dass die Zahl der Gemeinderatsmitglieder zu den Wahlen am 2. März 1919 von sechs auf neun erhöht wurde.

Zwischen 1922 und 1952 gehörte Windischleuba zum thüringischen Landkreis Altenburg, danach zum Kreis Altenburg im Bezirk Leipzig, der 1990 wieder zu Thüringen kam und 1994 im Landkreis Altenburger Land aufging. Am 1. Juli 1950 wurden Borgishain, Pähnitz, Remsa, Schelchwitz und Zschaschelwitz nach Windischleuba eingemeindet. Bocka mit Pöppschen folgte am 1. Januar 1973.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember): 1580: 232 1672: 180 1833: 381 1871: 562 1910: 855 1939: 928 1946: 1.066 1964: 1.817 1994: 1.894 1995: 1.994 1996: 2.108 1997: 2.309 1998: 2.358 1999: 2.374 2000: 2.350 2001: 2.334 2002: 2.310 2003: 2.282 2004: 2.249 2005: 2.250 2006: 2.207 2007: 2.179 2008: 2.150 2009: 2.121 2010: 2.097 2011: 2.071 2012: 2.051 2013: 2.027 2014: 1.995 2015: 1.990 2016: 1.960 2017: 1.939 2018: 1.925 2019: 1.911 2020: 1.897 2021: 1.889 2022: 1.873 2023: 1.842 2024: 1.821 Datenquelle: bis 1964 seit 1994 Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat Seit der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen (mit Vergleichszahlen der Wahlen 2019 und 2014):Gemeinderatswahl 2019 in Thüringen – WindischleubaThüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 in Windischleuba

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Ergebnis 2014 CDU 48,0 % 6 50,7 %, 7 Sitze 53,8 %, 8 Sitze Alternative für Deutschland (AfD) 23,2 % 3 11,6 %, 1 Sitz – Sportclub Windischleuba e. V. 19,5 % 2 8,2 %, 1 Sitz 15,1 %, 2 Sitze FWG Pähnitz 9,3 % 1 6,5 %, 1 Sitz – Feuerwehr Windischleuba – – 10,2 %, 1 Sitz 12,9 %, 2 Sitze Freie Wähler Windischleuba – – 6,9 %, 1 Sitz 10,7 %, 1 Sitz WG Pawelczyk – – 6,0 %, 0 Sitze – WV Remsa – – – 4,2 %, 1 Sitz Wahlbeteiligung 64,9 % 61,0 % 52,2 %

Bürgermeister Bürgermeister von 1994 bis 2002 war Uwe Duske. Von 2002 bis 2009 bekleidete der CDU-Politiker Ulrich Bernhard dieses Amt. Die Wahl 2009 gewann Gerd Reinboth (CDU). Er wurde am 16. November 2014 mit einer Mehrheit von 98,7 % ohne Gegenkandidaten und einer Wahlbeteiligung von 37,3 % (+ 4,0 %p) im Amt bestätigt.Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen auf der Seite des Landeswahlleiter Thüringen, abgerufen am 31. Juli 2016 Am 1. November 2020 wurde er mit 98,8 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 37,9 % erneut gewählt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Aufgaben der Wasserver- und Abwasserentsorgung hat die Gemeinde dem Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land übertragen.

Verkehr Von 1844 bis zum Abschluss der Neutrassierung im Jahre 1878 durchquerte die Bahnstrecke Leipzig–Hof den Ort ohne Halt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss mini|Schloss Windischleuba, langjährige Wohnstätte des Dichters Börries von Münchhausen mini|Schlosshof Um 925 wurde die Burg Windischleuba gegründet, welche als Grenzveste zum Schutz von Altenburg diente. Um 1244 waren Heinrich von Kohren und Hugo zu Stolberg die Besitzer der Burg. Später, kurz nach 1300, ging die Lehensherrschaft über Windischleuba von den meinheringischen Burggrafen von Meißen auf die Burggrafen von Leisnig über. Nach mehreren Besitzern blieb Windischleuba bis 1650 im Besitz derer von der Gabelentz. 1632 brannte im Dreißigjährigen Krieg Schloss Windischleuba nieder. Im Jahre 1677 erwarb Georg Ernst von Zehmen von der Fürstlichen Rentenkammer das Rittergut Windischleuba mit seinem Schloss. Dort heiratete er 1678 auch Christiane Sophie von Thumbshirn, Tochter von Wolfgang Conrad von Thumbshirn, einem der Verhandlungsführer des Westfälischen Friedens und Herzöglich Sächsisch-Altenburgischer Kanzler. 1705 wurde von Zehmen Oberhofmarschall vom Fürstentum Altenburg und 1716 Amtshauptmann der Wachsenburg sowie 1719 von Gotha.Hanns-Moritz von Zehmen: Genealogische Nachrichten über das Meißnische Uradelsgeschlecht von Zehmen, 1206 bis 1906. Wilhelm Baensch, Dresden 1906, S. 64. Seine Tochter Sophie Elisabeth von Zehmen erwarb das Rittergut 1739 von ihrem Bruder. Sie war seit 1703 mit dem Fürstlich Sächsischen Oberstallmeister zu Altenburg Johann Georg von Lindenau verheiratet. 1880 kaufte es Börries Freiherr von Münchhausen (* 1845; † 1931), Gutsbesitzer im niedersächsischen Moringen, der 1873 Clementine von der Gabelentz aus dem benachbarten Schloss Poschwitz geheiratet hatte. Das Windischleubaer Schloss war verfallen und galt als kaum wiederherstellbar. Münchhausens bauten es bis 1886 aber wieder gänzlich auf, wobei sie die alten Formen rekonstruieren ließen. In diesem Zustand ist das Schloss bis heute erhalten. 1920 zogen sie sich nach Apelern zurück und übergaben das Schloss ihrem gleichnamigen Sohn, dem völkischen Balladendichter Börries von Münchhausen (* 1874; † 1945), der es mit seiner Familie bewohnte. Sein einziger Sohn Börries verunglückte 1934 mit 29 Jahren tödlich, und die Ehefrau des Dichters starb im Januar 1945. Börries von Münchhausen, der in der vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels und Adolf Hitler 1944 zusammengestellten, 36 Seiten umfassenden „Gottbegnadeten-Liste“ als Schriftsteller aufgeführt worden war, beging einen Monat vor dem Einmarsch der US-Truppen im März 1945 Suizid. 1945 wurde die Familie enteignet und das gotische Inventar teilweise nach Altenburg verbracht. Landschulheim Windischleuba Im Zuge der Bodenreform wurden am 1. Oktober 1945 250 Hektar „Junkerland“ derer von Münchhausen zunächst an 20 Neubauern, zwei Kleinbauern und einen Gärtner verteilt, die anschließend zur Einbringung des Landes in eine LPG gezwungen wurden. Auf Betreiben des Schulrates von Altenburg, Erich Knippel (KPD), fiel die Entscheidung, in Windischleuba eine zwölfklassige Zentralschule aufzubauen und das Schloss als dazugehöriges Schulinternat einzurichten. Wo bis 1945 eine Adelsfamilie von drei Personen und sieben Angestellte gewohnt hatten, sollten in Zukunft 120 Kinder leben und im Sinne des DDR-Regimes erzogen werden.

Im November 1946 zogen die ersten 26 Jungen und Mädchen, im September 1947 weitere 32 Jungen und Mädchen in das Schloss ein. Freie Unterkunft und Verpflegung wurden jedem Kind gewährt, dessen elterliches Netto-Monatsgehalt bis zu 250 RM betrug. Die Leitung der Schule und des Heimes wurde ab Mai 1947 Ehrenfried Winkler (später „Verdienter Lehrer des Volkes der DDR“), die Wirtschaftsleitung seiner Frau übertragen. Die Verantwortung für die Wirtschaftsleitung und Heimerziehung übernahm im März 1948 dann Brunhilde Weide.

Einrichtung, Entwicklung und Unterhalt des „Landschulheimes“, wie es offiziell genannt wurde, waren bezüglich Verpflegung, Heizung, Ausstattung der Schlaf- und Arbeitsräume, Bereitstellung von Lehrmaterialien etc. den Bedingungen der Mangelwirtschaft der Nachkriegszeit ausgesetzt.

Am 1. Mai 1950 wurde der Grundstein für einen Schulneubau gelegt. Schüler und Lehrer leisteten Tausende Arbeitsstunden, Bauern des Ortes stellten für hunderte Stunden Gespanne für Transportarbeiten zur Verfügung. 1952 wurde die neue Schule bezogen. Zu dieser Zeit wohnten 126 Schülerinnen und Schüler als Internatsschüler im Schloss, andere kamen als „Fahrschüler“ mit dem Fahrrad täglich aus den umliegenden Orten in die Oberschule. 1951 legten die ersten Abiturienten ihre Reifeprüfung ab.