Ziegelheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Nobitz im Landkreis Altenburger Land in Thüringen.
Bis 2018 war der Ort eine selbstständige Gemeinde mit vier Ortsteilen und 814 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2018). Seitdem gehören zum Ortsteil Ziegelheim nur noch die Ortslagen Uhlmannsdorf und Thiergarten, während die drei ehemaligen Ortsteile Engertsdorf, Gähsnitz und Niederarnsdorf nun Ortsteile der Gemeinde Nobitz sind. Aufgrund der historischen Zugehörigkeit zur Grundherrschaft Ziegelheim gehörte deren Hauptort Ziegelheim bis 1952 zu Sachsen.
Geographie Lage und Verkehr mini|Blick auf Ziegelheim
Der Ort und seine Flur befinden sich im Altenburger überlössten Hügelland südlich des Leinawalds und Altenburgs. Die Bundesstraße 180 tangiert südwestlich den Raum. Mit Kreisstraßen 202 und 203 wird die Gemeinde verkehrsmäßig erschlossen.
Nachbarorte
Angrenzende Orte der einstigen Gemeinde Ziegelheim sind (im Uhrzeigersinn) Frohnsdorf, Göpfersdorf, die Stadt Waldenburg (Landkreis Zwickau), Oberwiera (Landkreis Zwickau), Nobitz und Langenleuba-Niederhain.
Ortsgliederung Die Gemeinde Ziegelheim setzte sich aus den Ortsteilen Ziegelheim, Engertsdorf, Gähsnitz und Niederarnsdorf zusammen, wobei der Ortsteil Engertsdorf aus den früher eigenständigen Gemeinden Hinteruhlmannsdorf und Heiersdorf besteht. Eine Bezeichnung für das ehemalige Heiersdorf lautet auch Engertsdorf-Süd. Zum heutigen Nobitzer Ortsteil Ziegelheim gehören nur noch die Ortslagen Thiergarten und Uhlmannsdorf.
mini|300px|Marien-Wallfahrtskirche
Geschichte mini|Lage der sächsischen Grundherrschaft Ziegelheim im Süden des Altenburger Lands
12. bis 18. Jahrhundert Zu dieser Zeit ist Ziegelheim als wettinisch-sächsisches Lehen in den Händen der Herren von Schönburg. Zum Vorwerk Ziegelheim gehörten die Orte Ziegelheim (mit den sächsischen Anteilen von Frohnsdorf und Heiersdorf), Thiergarten, Niederarnsdorf und Uhlmannsdorf.
Mit der Hochzeit von Ernst I. von Schönburg (um 1458–1489) und Anna von Rieneck (1458–1525)Anna von Rieneck in der Sächsischen Biographie erhielt die Braut im Jahr 1480 das halbe Schloss Hartenstein mit dem Vorwerk Ziegelheim und den zugehörigen Dörfern als Leibgedinge. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1489 erhielt sie Ziegelheim als Vorwerk des halben Schlosses Hartenstein offiziell zum Witwensitz, welchen sie jedoch nie bewohnt hat. In die 45-jährige Zeit ihres Besitzes von Ziegelheim fällt der Bau der Marien-Wallfahrtskirche auf einer Anhöhe im Osten des Orts.Werner Herrmann. Dorfkirchen in Thüringen Verlagshaus Thüringen, 1992, ISBN 3-86087-014-9, S91 Dieses zwischen 1484 und 1531 erbaute steinerne Gotteshaus ersetzte eine kleinere hölzerne Wallfahrtskirche. Zur Parochie Ziegelheim in der Superintendentur WaldenburgBeschreibung der Superintendentur Waldenburg im Archiv des Freistaats Sachsen gehörten neben Ziegelheim auch die Orte Niederarnsdorf, Thiergarten, Uhlmannsdorf und ein Anteil von Heiersdorf (Hoyersdorf) sowie die Tochterkirche in Franken.Beschreibung der Parochie Ziegelheim, S. 320
Ziegelheim war der Hauptort der Grundherrschaft Ziegelheim, die als sächsisches Lehen im Besitz der Herren von Schönburg (zuletzt der Linie Schönburg-Waldenburg) war. Der Dingstuhl Ziegelheim umfasste die Orte Ziegelheim mit einem Gut in Frohnsdorf und zwei Gütern in Heiersdorf (historisch als Hoyersdorf bzw. Heuersdorf bezeichnet), Thiergarten, Uhlmannsdorf, Niederarnsdorf und Gähsnitz (sächs. Anteil).
Westlich der Mark Meißen entfaltet sich seit 1158 unter Kaiser Friedrich I. das Pleißenland als Reichsterritorium mit Zentrum Altenburg. Auch zur Absicherung des Gebietes findet eine intensive Rodungswirtschaft statt, die Herrschaften Waldenburg, Rabenstein, Stollberg, Wolkenstein und Zschopau entstehen. Die Mark Meißen selbst befindet sich in wettinischer Hand. Die Wettiner können ihrem Territorialkomplex bereits erste Konturen geben. Bereits zu dieser Zeit entsteht hier ein regionales Spannungsfeld zwischen Reichsgewalt / Königtum und den Wettinern. Mitten in dieser brisanten Zone schaffen sich die Schönburger mit der Herrschaft Glauchau eine (Reichs-)Ministerialenbesitzung. Zwischen 1165 und 1172 wird die Burg Waldenburg (Sachsen) errichtet, zur gleichen Zeit wie das Bergerkloster in Altenburg. Bauherr ist der erste Richter des Pleißnerlandes, Hugo von Wartha, enger Gefolgsmann und Vertrauter Kaiser Friedrichs I., zusammen mit dem kaiserlich-altenburgischen Marschall Rudolf von Brand. Die Nachkommen des Hugo von Wartha nennen sich fortan nach dem neuen Stammsitz des Geschlechts „von Waldenburg“. Vermutlich zur selben Zeit, als Absicherung des reichsunmittelbaren Gebietes gegen die Mark Meißen und das noch zu kolonisierende Erzgebirge wird auch der Rittersitz Ziegelheim errichtet. Die erste Erwähnung Ziegelheims geht auf eine am 23. März 1254 ausgestellte Urkunde zurück. Der Inhalt lautet in etwa: „..Hugo von Waldinberc, Vogt des Klosters zu Remse verpfändet in Gegenwart und mit Zustimmung seines Sohnes Unarg dem Propste Dietrich und seinem Kloster in Remse für 45 (Gewichts-Mark) Silber die Einkünfte seiner Vogtei über das Kloster unter der Verpflichtung, dem Kloster beim Verkaufe der Vogtei das Vorkaufsrecht zu gewähren, wobei die hierbei gegenwärtigen - Isenhard, Abt von Chemnitz / Günther von Crimmitschau / Sigfried von Ehrenberg / Jercho, Bruder des Ausstellers / Tudo von Gößnitz - Taxatoren sein sollen; lässt mitbesiegeln den Bischof (Dietrich II.) von Naumburg, den Burggrafen (Albert) von Altenburg und die vorher genannten Taxatoren. / Zeugen: Konrad und Andreas, Mönche / Hugo, Pfarrer von Cygilhem / Heinrich, Pfarrer von Kaufungen / Otto, Pfarrer von Winkel / Friedrich von Ponitz / Hugold von Alhamsdorph / Rudolf und Konrad, Gebrüder von Brande / Ulrich von Kurbitz / Otto von Lom / Heinrich und Peregrin, Ritter von Wernsdorf / Eberhard von Kyowe / Konrad von Alhamsdorph.“ Es ist also festzustellen, das nicht nur Ziegelheims Ersterwähnungsurkunde vom 23. März 1254 datiert, sondern Engertsdorf / Hinteruhlmannsdorf (früher Alhamsdorph) mindestens genauso alt ist. Die Stadt Waldenburg (Sachsen) beruft sich auf dieselbe Urkunde. Das Rittergut Ziegelheim und das Adelsgeschlecht „de Cigilheim“ sind urkundlich mehrfach nachgewiesen. Mit dem 3. Mai und dem 29. Juli 1289 datieren die letzten Nachweise über Heinrich von Ziegelheim als Rittergutsbesitzer und Vasall des Altenburger Burggrafen. Besagter Heinrich taucht bereits 1261, 1273 und 1282 in Urkunden als Zeuge in der Region auf. Er wird in den Urkunden als „miles“, also als Ritter bezeichnet, in der 1273er Urkunde sogar als „senior miles terrae“, das heißt als ältester oder in einem Vorrang stehender Ritter des Pleißener Landes. Nach dem Lokalhistoriker Carl Anton Tobias soll besagter Heinrich um 1301 gestorben sein. Um 1300 erfolgt der Übergang Ziegelheims auf die Schönburger. Als Grund anzunehmen sind zum einen der Tod von Ritter Heinrich von Ziegelheim und damit der Rückfall des Rittergutes an die Altenburger Burggrafschaft. Zum anderen wird besagte Burggrafschaft um diese Zeit aufgelöst, da die Wettiner Herren über das Pleißnerland werden. Von diesen werden fortan die Schönburger mit der Ziegelheimer Grundherrschaft belehnt. Das Geschlecht der edelfreien Ritter von Ziegelheim hat sich zu diesem Zeitpunkt aus unbekannten Gründen als Ministeriale in Wettinische Dienste begeben oder bekleidet kirchliche Ämter. Der letzte seines Geschlechts ist Caspar von Ziegelheim, dem Kurfürst Moritz von Sachsen 1543 das Gut Oberau bei Meißen verleiht und der 1550 stirbt. Ein schlesischer Familienzweig überlebt bis ins 17. Jahrhundert, taucht in der 2. Auflage von Siebmachers Wappenbuch im Jahre 1612 als Adelsgeschlecht auf und stirbt erst mit Barbara von Ziegelheim und Tieffenfurth auf Seidenberg im Jahre 1662 aus. Diese Barbara war verheiratet mit Christian von Nostitz.
Ritterburg Eine Ritterburg betreffend: Die Forschungen der letzten Jahre haben ergeben, dass es für eine Burg mit Turm keine Nachweise und auch keine sinnvolle Erklärung gibt. Der Gutsbezirk, der bereits 1435 als Vorwerk bezeichnet wird, umfasste in etwa das Areal der ehemaligen Schule, der Kirche, des Friedhofes, des Pfarrgutes und einiger direkt angrenzender Bauerngüter auf der Kirchbergkuppe. Hervorzuheben ist das auf einem Felssporn aufgesetzte, westlich des Kirchturms angrenzende Gut Rieger (früher Börnichen/Friedewald). Dort haben Gebäude des alten Vorwerks gestanden, die durch die Jahrhunderte mehrfach als Leibgedinge / Witwensitz / Versorgungshof für Schönburgische Witwen dienten. Möglicherweise wurde im 14. Jahrhundert das Vorwerk tatsächlich einmal bewohnt. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Ziegelheim nur noch als Versorgungshof entweder der Schönburger in Glauchau und Waldenburg genutzt oder wie am Beispiel der Anna „Gratiosa“ von Schönburg, als Versorgungshof ihres „halben Schlosses“ Hartenstein, das ihr als Witwensitz zugewiesen war. Anna selbst durfte allerdings bis zum Tod bei ihren Söhnen in Glauchau leben.
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