mini|299x299px|Capodimonte-Museum, Neapel Das Museum Capodimonte in Neapel (offiziell Museo e Galerie Nazionali di Capodimonte) ist im Palast Reggia di Capodimonte untergebracht und zeigt eine umfangreiche Gemäldegalerie des 13. bis 19. Jahrhunderts sowie Exponate des italienischen und neapolitanischen Kulturerbes. Er war ursprünglich die etwas außerhalb der Stadt gelegene Sommerresidenz der Bourbonen im Königreich beider Sizilien und überblickt die Stadt.

Den Kern des 1957 eröffneten Museums bilden zwei Sammlungen, die Farnese-Sammlung mit Hauptwerken der europäischen Malerei (Raffael, Tizian, Parmigianino, Brueghel der Ältere, El Greco, Ludovico Carracci, Guido Reni) sowie die Neapolitanische Galerie, in der Werke aus der Region (Simone Martini, Caravaggio, Ribera, Luca Giordano, Francesco Solimena) vereinigt sind. Daneben sind eine Waffenkammer, Majolika, Keramiken und die königlichen Gemächer u. a. mit einem Porzellan-Salon von Maria Amalia von Sachsen zu sehen. Der Palast ist umgeben vom gleichnamigen Park. Im Jahr 2017 verzeichnete das Museum 262 440 Besucher, und rangierte damit auf Platz 28 der 30 meistbesuchten staatlichen Museen.

Geschichte 18. Jahrhundert mini|Carlo di Borbone, Erbauer des Capodimonte-Palasts zur Beherbergung der Farnese-Sammlung Karl von Bourbon, der 1734 den Thron von Neapel bestieg, stand vor dem Problem, die von seiner Mutter Elisabetta Farnese geerbten Kunstwerke würdig zu präsentieren, die zu der Farnesischen Familiensammlung gehörten, die von Papst Paul III. im 16. Jahrhundert begonnen und von seinen Erben weitergeführt wurde. Eine Reihe damals zwischen Rom und Parma verstreuter Werke, insbesondere diejenigen, deren Wert die Transportkosten überstieg, wurden in den Königspalast von Neapel überführt (darunter die wichtigsten, Raffaello, Annibale Carracci, Correggio, Tizian und Parmigianino), wo jedoch eine richtige Galerie fehlte. Nach und nach wurde auch der Rest der Sammlung in die Lagerräume des Palastes verlegt, deren Erhalt auch durch Witterungseinflüsse durch die Nähe des Meeres bedroht war.

Im Jahr 1738 begann der König mit dem Bau eines Palastes auf dem Hügel von Capodimonte, der als Museum genutzt werden sollte; gleichzeitig legte ein Expertenteam die Innenräume aus, in denen die Sammlung untergebracht werden sollte. Das Projekt sah vor, dass die Werke in den nach Süden zum Meer hin ausgerichteten Räumen untergebracht werden sollten. Da die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren, wurden die ersten Gemälde 1758 in zwölf großen Sälen ausgestellt, die nach Künstlern und Malschulen unterteilt waren. Es ist jedoch nicht genau bekannt, welche Werke im Museum ausgestellt wurden, da die damaligen Verzeichnisse während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Neben der Museumsausstellung wurde bereits 1755 die Königliche Akademie für Aktmalerei gegründet, die der Leitung des stabiesen Malers Giuseppe Bonito anvertraut wurde.

1759 wurde der Rest der Sammlung übertragen. Es handelte sich um die Vorzeichnungen für die Fresken in der Paulinerkapelle von Michelangelo und die für den Heliodorus-Saal im Vatikan von Raffael, Gemälde von Giorgio Vasari, Andrea Mantegna und Masolino da Panicale. Zu den Besuchern dieser Zeit gehörten Jean-Honoré Fragonard, der Marquis de Sade, Joseph Wright of Derby, Antonio Canova, Johann Wolfgang von Goethe und Johann Joachim Winckelmann.

Gegen Ende der 1770er Jahre war das Museum durch die Übertragung weiterer Stücke aus der Farnese-Sammlung auf vierundzwanzig Räume angewachsen: Es wurden auch neue Gemälde erworben, die ersten von südlichen Malern, wie Polidoro da Caravaggio, Cesare da Sesto, Jusepe de Ribera, Luca Giordano, sowie Tafeln von Anton Raphael Mengs, Angelika Kauffmann, Élisabeth Vigée-Le Brun und Francesco Liani, während 1783 die Sammlung des Grafen Karl Joseph von Firmian erworben wurde, die etwa zwanzigtausend Stiche und Zeichnungen von Künstlern wie Fra Bartolomeo, Perino del Vaga, Albrecht Dürer und Rembrandt umfasste. Im gleichen Zeitraum wurde eine Restaurierungswerkstatt eröffnet, die zunächst Clemente Ruta, dann Federico Andres auf Anregung des Hofmalers Jakob Philipp Hackert anvertraut wurde. Unter Ferdinand I. von Sizilien wurde 1785 das Reglement des Capodimonte-Museums eingeführt: Öffnungszeiten, Pflichten der Kustoden, Verantwortung des Empfängers, Zugang für Kopisten wurden festgelegt. Der Zugang wurde für die Öffentlichkeit jedoch nicht freigegeben, wie es in anderen bourbonischen Museen bereits der Fall war, außer mit einer Genehmigung des Staatssekretariats.

Ende des 18. Jahrhunderts, als das Museum etwa 1800 Gemälde beherbergte, wurde die Entscheidung getroffen, ein einheitliches neapolitanisches Museumszentrum zu schaffen: Die Wahl fiel auf den Palazzo degli Studi, das künftige Archäologische Nationalmuseum, wo die Arbeiten für den kommenden Publikumsverkehr bereits 1777 von Ferdinando Fuga begonnen hatten, mit der Absicht, die gesamten Sammlungen der Farnese und aus Herculaneum dorthin zu bringen, wobei letztere aus den archäologischen Grabungen von Pompeji, Herculaneum und Stabiae stammten; auch sollte die Bibliothek und die Akademie dorthin umziehen.

Goethe beobachtete vom obersten Geschoss des Palastes aus am 2. Juni 1787 einen Ausbruch des Vesuv und beschrieb dies in seinem Buch Italienische Reise.Text Goethe, Italienische Reise, Eintrag vom 2. Juni 1787

19. Jahrhundert mini|links|Joachim Murat, der die Räume des Palastes einrichten ließ Ein harter Schlag für das Museum erfolgte 1799 mit der Ankunft der Franzosen in Neapel und der Ausrufung der Parthenopäischen Republik; das Schlimmste befürchtend, hatte Ferdinand bereits im Jahr zuvor vierzehn Meisterwerke nach Palermo gebracht. Tatsächlich gab es erhebliche Plünderungen durch französische Soldaten: Von den 1.783 Gemälden der Sammlung, von denen 329 zur Sammlung Farnese gehörten und der Rest aus bourbonischen Erwerbungen bestand, waren dreißig für die Frankreich bestimmt, während weitere 300 verkauft wurden, hauptsächlich nach Rom. Zurück in Neapel veranlasste Ferdinand Domenico Venuti eine Suche nach den geplünderten Werken. Die wenigen wiedergefundenen kehrten jedoch nicht nach Capodimonte zurück, sondern in den Palazzo Francavilla, den neuen Ort eines städtischen Museums.

Während der zehnjährigen französischen Besetzung nach dem Jahr 1806 verlor der Capodimonte endgültigen seine Aufgabe als Museum und wurde Residenz der neapolitanischen Könige. Die gesamte Sammlung wurde in den Palazzo degli Studi verlegt, jedoch wurden so viele Gemälde aus aufgehobenen Klöstern wie Santa Caterina a Formiello, Monteoliveto und San Lorenzo für die neuen Säle des Palasts requiriert, dass Joachim Murat die Schaffung einer neapolitanischen Galerie im Capodimonte vorschlug, mit der Absicht, nach eigenen Worten:

Auch nach der Restauration der Bourbonen im Jahr 1815 diente der Capodimonte weiterhin vor allem als Wohnsitz. Die Wände der Räumlichkeiten wurden mit Gemälden junger neapolitanischer Künstler geschmückt, die auf Kosten der Krone nach Rom geschickt wurden, um dort zu studieren und sich weiterzubilden. Im Jahr 1817 kam die Sammlung von Kardinal Borgia in den Palast, auf die schon Murat ein Auge geworfen hatte, die aber erst mit dem Kauf durch Ferdinand erworben werden konnte. In diesen Jahren gingen jedoch auch einige Werke verloren, die im alten Museum beheimatet waren; etliche wurden zum Beispiel 1838 der Universität Palermo geschenkt, andere gingen beim Verkauf der Sammlung von Leopold von Bourbon-Sizilien, Bruder von Franz I. von Sizilien, an seinen Schwiegersohn Henri d’Orléans zum Begleichen von Spielschulden verloren, die dann im Schloss von Chantilly endeten.

Mit der Einigung Italiens und der Ernennung von Annibale Sacco zum Direktor des königlichen Palasts erfüllte der Capodimonte nicht nur weiterhin seine Rolle als Unterkunft, sondern hatte auch wieder eine Museumsfunktion, wenn auch nicht offiziell. Nach der Überführung von etwa neunhundert Gemälden durch Sacco und seine Mitarbeiter Domenico Morelli und Federico Maldarelli wurden zahlreiche Porzellane und Biskuite, Gemälde neapolitanischer Künstler, von denen sich in kaum zwanzig Jahren mehr als sechshundert Stück angesammelt hatten, und über hundert Skulpturen in die im Nordwestflügel gelegenen Räume des Palastes überführt, wobei alle Werke nach modernen Museumsstandards chronologisch in den Räumen rund um den nördlichen Innenhof angeordnet wurden und eine Art Bildergalerie im Hauptgeschoss bildeten. 1864 wurden die Waffensammlungen der Farnese und der Bourbonen überführt; 1866 folgte der Porzellan-Salon von Maria Amalia von Sachsen, das ursprünglich in einem Raum des Königspalast von Portici untergebracht war, und 1880 wurden Wandteppiche der Königlichen Manufaktur und Krippentiere neapolitanischer Handwerkskunst übertragen. Der Capodimonte wurde wieder zu einem Zentrum neapolitanischer Kultur, so weit, dass 1877 dort ein Festival anlässlich der nationalen italienischen Kunstausstellung stattfand.

20. und 21. Jahrhundert mini|Benedetto Croce, eine der Persönlichkeiten, die sich für die Gründung des Museums einsetzten Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Museumsausbau unterbrochen: Der Palast wurde zum ständigen Wohnsitz der Familie des Herzogs von Aosta, während die Sammlungen, die den Kern des zukünftigen Museums bilden sollten, noch im Palazzo degli Studi untergebracht waren, der mit der Vereinigung Italiens den Namen Nationalmuseum angenommen hatte. Trotz des Ankaufs von Werken von Malern wie Masaccio im Jahr 1901 und Jacopo de’ Barbari stellten die 1920er und 1930er Jahre den Höhepunkt der Abwanderungen dar; sie dienten zum einen dazu, Forderungen aus Parma und Piacenza als Entschädigung für die Raubzüge Karls von Bourbon zu erfüllen, und zum anderen dazu, Räume in den Amtsstellen des italienischen Staates wie dem Quirinalspalast, dem Montecitorio-Palast, dem Palazzo Madama, den Botschaften im Ausland und den Universitäten zu bestücken. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Sammlungen der neapolitanischen Museen im Sommer 1940 in die Abtei Cava de’ Tirreni und nach dem Vormarsch der Deutschen im Jahr 1943 in die Abtei von Montecassino verlegt. Truppen der Göring-Division retteten zwar viele Kunstwerke, Gemälde von Tizian, Parmigianino, Sebastiano del Piombo und Filippino Lippi gelangten jedoch nach Berlin und in Görings Privatsammlung. Diese wurden am Ende des Konflikts in einem Stollen bei Salzburg gefunden und 1947 nach Neapel zurückgebracht.

In der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit wurde ein Projekt zur Reorganisation der neapolitanischen Museen durchgeführt. Bruno Molajoli überführte endgültig alle Gemälde in den Capodimonte, der nach dem Auszug der Herzöge von Aosta 1946 auch nicht mehr zu Wohnzwecken genutzt wurde. Damit wurde der bereits einige Jahre zuvor von wichtigen Persönlichkeiten des italienischen Kulturbetriebs, darunter Benedetto Croce, geäußerten Forderung entsprochen, das Archäologische Nationalmuseum für die Sammlung von Altertümern zu reservieren, auch weil dieses im Laufe der Jahre immer mehr Räumlichkeiten von der Galerie und der Bibliothek übernommen hatte, die bereits 1925 in den Königspalast verlegt worden waren. Mit einem 1949 unterzeichneten Dekret wurde das Museo nazionale di Capodimonte offiziell ins Leben gerufen. Die Renovierungsarbeiten an den Räumen des Palastes begannen 1952 dank der Finanzierung durch die Cassa del Mezzogiorno und wurden von Molajoli selbst, Ferdinando Bologna, Raffaello Causa und Ezio De Felice überwacht, der hauptsächlich für die Architektur und die museografische Gestaltung verantwortlich war, die für ihre Modernität und Funktionalität bewundert wurde und lange als Vorbild galt. Im ersten Stock wurden die Gemälde aus dem 19. Jahrhundert untergebracht, die Räume der königlichen Wohnung wurden rekonstruiert sowie Konservierungs- und Restaurierungswerkstätten eingerichtet, während im zweiten Stock eine Bildergalerie für klassische Gemälde geschaffen wurde.