Ramses III. (* um 1221 v. Chr.; † 7. April 1156 v. Chr.) war ein altägyptischer König (Pharao) der 20. Dynastie (Neues Reich). Er übernahm am die Regentschaft, wurde am gekröntSiegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz / Wiesbaden 1950, S. 67. und regierte bis 1156 v. Chr.Datierung nach T. Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002 und R. Krauss: Sothis- und Monddaten. Hildesheim 1985.

Weitere Namen Horusname: Mit großem Königtum, auch Kraftvoller Löwe, mit starkem Arm, Herr von Schlagkraft, der die Asiaten gefangennimmt, oder Mit herrlichen Denkmälern, der den Allherrn mit seinen Wohltaten zufriedenstellt, oder Der Ägypten erweitert, mit reichlicher Schlagkraft, mit starkem Arm, der die Libyer tötet, oder Stier mit starkem Arm, der die beiden Hörner schärft, mit fester Willenskraft, mit großer Kraft auf dem Schlachtfeld der Tapferkeit, oder Kraftvoller Stier, mit mächtiger Schlagkraft, mit starkem Arm, vor dem Furcht herrscht in den Ländern und den Fremdländern, der die Libyer vernichtet, oder Mit mächtiger Kraft, der Hunderttausende angreift, der die ihn Angreifenden vereint niederzwingt unter seine Sohlen, oder Mit zahlreichen Denkmälern, bzw. Herr von Sedfesten wie Tatenen, der Mit glänzenden Erscheinungen (oder: Kronen), oder Schön auf dem Thron wie der Sohn der [Göttin] Isis, oder Herr von Lebenszeiten wie sein Vater Re, oder Sohn des Amun (…), oder König mit großen Denkmälern und großen Wundertaten, der Karnak füllt zugunsten seines Namens, oder Der die Erscheinungen groß macht wie der Horizontische, indem er erstrahlt, das Leben der Untertanen, oder Schön als König wie Atum, den man liebt und begehrt wie die Majestät des Re Nebtiname: Groß an Sedfesten wie (Ptah-)Tatenen, auch Reich an Kraft wie sein Vater Month, Vernichter der Neun Bogen, Bezwinger in ihrem Land, oder Der die Maat vollzieht für die (Götter-)Neunheit, der die Tempel jeden Tag festlich macht, oder Groß an Sedfesten wie Tatenen, der die Libyer niedertritt zu Leichenhaufen an ihrem Platz Goldname: Reich an Jahren wie Atum, auch Göttlich bei seinem Hervorkommen aus dem Mutterleib, treffliches und verständiges Ei (das bedeutet: noch ungeborener König des Harachte), oder Schön und kraftvoll als Abbild der Götter und Göttinnen, der ihre Opfer vermehrt, oder Tapferer, Besitzer von starken Armen, der die Grenzen nach seinem Belieben setzt im Rücken seiner Feinde

Familie Ramses III. war der Sohn und Nachfolger von Sethnacht.Rosemarie Drenkhahn: Die Elephantine-Stele des Sethnacht und ihr historischer Hintergrund. Harrassowitz, Wiesbaden 1980, ISBN 3-447-02089-X, S. 68. Seine Große königliche Gemahlin war Isettahemdjert, die Tochter einer Fremden mit akkadischem Namen, Habasillatu. Da zwei seiner Söhne als Erstgeborene bezeichnet werden und folglich verschiedene Mütter haben müssen, wird in der Forschung mindestens eine Nebenfrau Ramses III. angenommen, deren Name jedoch nicht bezeugt ist.Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. The American University in Cairo Press, Kairo 2005, ISBN 977-424-957-7, S. 190. Als Söhne gelten unter anderem die Prinzen Amunherchepeschef (mit Grab QV55 im Tal der Königinnen), Chaemwaset, ein weiterer Amunherchepeschef (der spätere Ramses VI.), Sethherchepeschef (der spätere Ramses VIII.), Ramses Meriatum und der Nachfolger als Pharao, Ramses IV. Bis auf die drei Nachfolger wurden alle Prinzen im Tal der Königinnen bestattet.

Eine Nebenfrau, Teje, gebar ihm einen namentlich nicht weiter bekannten Sohn, der in den Prozessakten der Haremsverschwörung (s. u.) als „Pentawer“ bezeichnet wird.

Herrschaft mini|Statue Ramses III. in Luxor

Die Datierung der Regierungszeit von Ramses III. beruht auf einer Inschrift aus dem siebten Regierungsjahr: Am 9. Schemu III ruhte Amun-Re, der Götterkönig, im Haus der Millionen von Jahren von Ramses III. im Tempel des Amun im Westen von Theben. Der Ägyptologe Rolf Krauss verweist in diesem Zusammenhang auf den Festkalender und die zugehörige Verbindung zum altägyptischen Mondkalender. Das Ruhen des Amun-Re ist im zweiten und dritten Monat der Jahreszeit Schemu traditionsgemäß an einen Neumondtag gebunden, weshalb für das Datum des nur als siebtes Regierungsjahr in Frage kommt. In Addition der verstrichenen sechs Regierungsjahre ergibt sich als Zeitpunkt der Krönung, die Ramses III. am als Vereinigungs- und Krönungsfest feierte.Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. Gerstenberg, Hildesheim 1985, S. 138 und S. 207.

Verteidigungskämpfe Ägypten war in der Zeit seiner Regentschaft von auswärtigen Kräften bedroht. Zwar sind angebliche wiederholte Vorstöße libyscher Stämme (darunter die Isabaten) zweifelhaft, da die Schilderung eines Libyen-Kriegs im 5. Jahr der Herrschaft Ramses III. sehr starke Parallelen zum Libyerkrieg des Merenptah aufweist und die Darstellung in Medinet Habu demnach vom Tempel des Merenptah kopiert sein könnte. Beschrieben wird dort auch ein weiterer Sieg gegen erneut vorstoßende Libyer im 11. Regierungsjahr, dessen Historizität strittig ist. Die „Seevölker-Attacken“ zu See und – vom syrisch-kanaanitischen Raum aus – zu Lande haben sich aber sehr wahrscheinlich tatsächlich in der Zeit Ramses III. ereignet.Eberhardt Zanger: Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. Knaur, München 1994, ISBN 978-3-426-26682-3, S. 34 ff.; Wolfgang Helck sah in dem Seevölkerangriff eine Rebellion von ägyptischen Söldner- und Hilfstruppen, wogegen sowohl der Untergang Ugarits wie auch der der mykenischen Palastzentren auf seismische Katastrophen zurückzuführen seien – siehe Wolfgang Helck: Die Seevölker in den ägyptischen Quellen. In: Jahresbericht des Instituts für Vorgeschichte der Universität Frankfurt am Main. München 1976, S. 7–21. Helck relativierte seine Umdeutung der Seevölkerberichte später.

mini|Schilderung des Sieges über die Seevölker im Totentempel Ramses’ III. Demnach griff im 8. Jahr seiner Regierung ein Bündnis von Völkern Ägypten an, deren ursprüngliche Herkunft als „auf den Inseln inmitten des Meeres“ beschrieben wird. Zuvor sollen diese von der modernen Forschung als „Seevölker“ bezeichneten Aggressoren nach ägyptischer Schilderung eine Reihe von Ländern im östlichen Mittelmeer bezwungen haben, darunter Arzawa, das Hethiterreich, Alašija, Karkemiš und Amurru. Ausführlich wird eine Seeschlacht geschildert, in der die Seevölker im Nildelta in die Falle gelockt und geschlagen wurden.

Der Große Papyrus Harris, der kurz nach dem Tode Ramses III. entstand, erwähnt ebenfalls Kämpfe gegen Seevölker und berichtet von einem Versuch dieser Völker, zu Lande in Ägypten einzudringen. Die unmittelbare Gefahr für Ägypten konnte Ramses III. zwar abwenden, trotzdem büßte sein Land an Macht ein. Sowohl Palästina, wo er die beiden Seevölker, die Peleset (Philister) und Tjeker, ansiedelte, wie auch Syrien gingen in der Folge verloren.

Bautätigkeit mini|Totentempel Ramses’ III. in Medinet Habu

Zeugnisse seiner umfangreichen Bautätigkeit finden sich insbesondere in Abydos, Athribis, Heliopolis, in Karnak und Luxor sowie in Theben-West. Berühmt ist das eindrucksvolle „Haus der Millionen Jahre“ in Medinet Habu, das noch zu Lebzeiten des Königs fertiggestellt wurde. Es diente als Kultstätte für Amun-Re und den mit ihm vereinten König und zeugt in Inschriften wie Monumentalreliefs von dessen kriegerischen Taten. Allerdings wurde dabei offenbar einiges von Monumenten des Ramses II. kopiert. So wird am Hohen Eingangstor ein Feldzug gegen Amurru und Ḫatti angedeutet, der über Syrien bis nach Kleinasien geführt haben müsste. Ein solcher kann jedoch unmöglich in der Zeit Ramses’ III. stattgefunden haben.

Das Baumaterial für die Tempelanlage stammte aus den großen Sandsteinbrüchen in Dschabal as-Silsila. Nach Fertigstellung ließ Ramses III. dort zwei Stelen aufstellen, die ihn wahlweise mit Amun-Re und Hapi sowie mit der thebanischen Triade Amun, Mut und Chons zeigen. In diesem Zusammenhang vermerkte der König in seinem Festkalender den 15. und 16. Schemu III als zusätzliche Festtage, an denen sowohl in Dschabal as-Silsila als auch im Karnak-Tempel Opferfeste für Amun-Re, Hapi und Mut gefeiert werden sollten.S. Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz / Wiesbaden 1950, S. 109.

Bei der Errichtung des Grabes im Tal der Könige und der Prinzengräber im Tal der Königinnen In: judithmathes.de, abgerufen am 27. Januar 2012. kam es zum ersten dokumentierten Streik in der Geschichte (Streik von Deir el-Medineh). Im , am ,Der 10. Tag des 2. Monats Peret entspricht dem 14. November im proleptischen Kalender. legten hungrige Arbeiter ihre Bautätigkeit nieder. Zu dieser Zeit wurden die Arbeiter auf der Basis von Getreideeinheiten, also mit Lebensmitteln, bezahlt. Ihre Beschwerde Wir sind hungrig! ist in dem Papyrus dokumentiert, das im Museo delle antichità egizie di Torino unter der Inventarnummer p1880 aufbewahrt wird.

Innenpolitik mini|hochkant|

Als Wesire während der Regierung Ramses III. sind Hori und Ta bekannt, Vizekönig von Kusch (Nubien) war Hori III., Bürgermeister von Theben war Paser und Hohepriester des Amun in Theben waren Bakenchons, Usermaatrenacht und Ramsesnacht.

Abgesehen von den umfangreichen Schenkungen zugunsten der Götter, deren Mitwirken es dem König ermöglicht, das Böse (Isfet) abzuwehren und Maat zu verwirklichenIn der ägyptischen Königsideologie steht das Handeln des verantwortungsbewussten Königs stets im Einklang mit Maat, der gottgewollten Weltordnung. Siehe David P.Silverman: Divinity and Deity in Ancient Egypt. In: Byron E. Shafer (Hrsg.): Religion in Ancient Egypt. Cornell University Press, Ithaca / London 1991, ISBN 0-8014-9786-8, S. 63., ist die Innenpolitik nur bruchstückhaft dokumentiert.

Seine Großzügigkeit sicherte Ramses III. die Unterstützung einer mächtigen Priesterschaft. Vor allem die großen Tempelbezirke in Karnak und Medinet Habu, in Heliopolis und Memphis wurden reich mit Ländereien, Landarbeitern und Handwerkern, Lebensmittellieferungen, Edelmetallen, Kupfer und Steuereinnahmen bedacht. Laut dem Papyrus Harris I des British MuseumÜbersetzung in J. H. Breasted: Ancient Records of Egypt: Historical Documents from the Earliest Times to the Persian Conquest. Band 4, The University of Chicago Press, Chicago 1906–1907; reissued New York 1962, ISBN 0-8462-0134-8, S. 110–206 (online)., der eine detaillierte Liste der königlichen Geschenke enthält, besaß allein der Amuntempel in Karnak am Ende der Regierungszeit 86 486 Leute, 433 Gärten, 83 Transportschiffe, 46 Werften, 65 Städte und Dörfer, davon 9 in Palästina, 421 362 Rinder sowie einen Bodenbesitz von 864 168 Aruren,Eine Arura (sṯ3.t) sind 2 735 Quadratmeter. was einem Zehntel des fruchtbaren Ackerlandes entsprach.G. Lefebvre: Histoire des grands prêtres d’Amon de Karnak jusqu'à la XXIe dynastie. Geuthner, Paris 1929, S. 167.

Unter den schwachen Nachfolgern vergrößerte sich der Besitzstand des Amun-Re noch erheblich durch weitere reguläre Zuwendungen, Immunitätsdekrete und Sonderstiftungen, so dass gegen Ende der 21. Dynastie die Domäne des Gottes nahezu deckungsgleich mit Oberägypten warDonald B. Redford: Egypt, Canaan and Israel in Ancient Times. Princeton University Press, Princeton 1992, ISBN 0-691-00086-7, S. 288.. Zu diesem Zeitpunkt war der Hohepriester des Amun-Re faktisch Herrscher von Theben, während der in Tanis oder Memphis residierende Pharao nur noch nominell als König von Ober- und Unterägypten galt.

Haremsverschwörung mini|hochkant|Ramses III. im Chonstempel von Karnak