Eine Spezialenzyklopädie (auch Specialencyklopädie, Special-Encyklopädie, Partikular-Encyklopädie, Partikularenzyklopädie) ist eine Enzyklopädie, die einen Teilbereich des Wissens mit großer Detailtiefe darstellt. Es handelt sich dabei oft um den Bereich einer einzigen oder mehrerer Einzelwissenschaften. Andere Spezialenzyklopädien begrenzen die Teilmenge des Wissens nach besonderen inhaltlichen Kriterien, wählen z. B. einen Zeitraum. In jedem Fall erhebt die Spezialenzyklopädie den Anspruch der umfassenden und vollständigen Darstellung des jeweiligen Wissensbereichs.

Übersicht mini|300px|links|Eine der ältesten Enzyklopädien: Historia animalium et al. Konstantinopel, 12. Jahrhundert (Biblioteca Medicea Laurenziana, pluteo 87.4)

Der Begriff wird bereits 1840 in der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste von Ersch und Gruber (1. Section Th. 34, S. 206) beschrieben. Er kommt als Titel eines Werkes nicht vor.

Die Universalenzyklopädie umfasst alle Bereiche des Wissens. Das Fachlexikon erhebt nicht den Anspruch der umfassenden und vollständigen Darstellung des jeweiligen Wissensbereichs. Die Grenzen zum Handbuch sind fließend. Hier werden Handbücher aufgelistet, die wegen ihres Umfangs und der damit verbundenen Detailtiefe den Charakter einer Enzyklopädie haben.

Hinsichtlich ihrer Struktur können zwei grundlegende Typen der Spezialenzyklopädie erkannt werden: Der Stoff wird in fortlaufender Prosa dargestellt, die systematisch gegliedert ist. In der nachfolgenden Liste werden diese Werke mit (S) bezeichnet. Der Stoff wird in der Form eines Wörterbuchs an Wörter gebunden, die lemmatisiert und alphabetisch angeordnet werden. In der nachfolgenden Liste werden diese Werke mit (A) bezeichnet.

Erste Spezialenzyklopädien Im Jahr 335 vor Christus schuf Aristoteles mit der Tierenzyklopädie Historia animalium eine der ältesten Spezialenzyklopädien. Von 549 erwähnten Wirbeltierarten waren über 300 so exakt beschrieben, dass moderne Zoologen sie identifizieren konnten.

Der Zürcher Universalgelehrte Conrad Gessner (1516–1565) griff den Titel Historia animalium auf und beschrieb alle um das Jahr 1550 bekannten Tier- und Pflanzenarten auf 4500 Seiten. Jede der Arten beschrieb er in acht Abschnitten, darunter Aussehen, Verhaltensgewohnheiten und Nützlichkeit für Ernährung und Medizin.Michael Gleich, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Fabian Nicolay: Life Counts. Eine globale Bilanz des Lebens. Kapitel: Die großen Chronisten der Natur, S. 68 f., Berlin Verlag.

Neben Conrad Gessner gilt Ulisse Aldrovandi als einer der Begründer der modernen Zoologie. Vor allem seine sehr detaillierten systematischen Untersuchungen machten ihn bekannt. Das Hauptwerk von Ulisse Aldrovandi ist die aus elf Bänden bestehende Historia animalium, von der besonders die drei Bände über die Vögel (Ornithologia) berühmt wurden als Ergänzung zu Gessners ebenfalls als Historia animalium bezeichnetem Werk.

Bibliothekswissenschaft Georg Ley (Hrsg.): Handbuch der Bibliothekswissenschaft. Harrassowitz, Wiesbaden 1953 Miriam Drake (Hrsg.): Encyclopedia of Library and Information Science. New York, 2. Auflage 2003, 4 Bände, 1 Supplementband 2005

Geschichte Allgemeines Fischer Weltgeschichte. 1965–1983 (36 Bände, S). Propyläen Weltgeschichte Geschichtliche Grundbegriffe: Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck 1972–1997 (8 Bände, A). Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Hrsg. Jochen Bleicken, Lothar Gall, Hermann Jakobs, Karl-Joachim Hölkeskamp 1978– (S) Neue Fischer Weltgeschichte, Frankfurt am Main 2014– (21 Bände geplant, 9 Bde. bis 2018 erschienen, S).

Biographien, Nationalbiographien Siehe Liste der National-, Regional- und Lokalbiografien

Altertum Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft in alphabetischer Ordnung. Hrsg. August Friedrich Pauly 1837–1866 (6 Bände, A). A Dictionary of Greek and Roman Antiquities. Hrsg. William Smith 1842. (A) Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology. Hrsg. William Smith 1849. (A) Handbuch der Altertumswissenschaft. (vor 1913 Handbuch der klassischen Altertums-Wissenschaft in systematischer Darstellung) Hrsg. Iwan von Müller, Robert von Pöhlmann, Walter Otto, Hermann Bengtson, Hans-Joachim Gehrke und Bernhard Zimmermann. 1885– (ca. 110 Bände, S) Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Hrsg. Wilhelm Heinrich Roscher, Konrat Ziegler 1886–1937 (6 Bände, S). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Hrsg. Georg Wissowa 1890–1978 (66 Halbbände + 15 Erg.bde., A). The Cambridge Ancient History. Hrsg. John Bagnell Bury et al. 1. Aufl. 1911–1939 (12+5 Bände, S), 2. Aufl. 1970–2005 (14 Bände in 19 Teilbde., S) Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 1. Auflage. 1911–1919 (4 Bände, A), 2. Aufl. 1967–2007/08 (35 + 2 Bände, A), 1986– (81 Ergänzungsbände bis 2013 erschienen, S) Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie (vor 1957 Reallexikon der Assyriologie). Berlin 1928–2018 (15 Bände, A) Der Kleine Pauly. Hrsg. Konrat Ziegler 1964–1975 (5 Bände) Lexikon der Alten Welt. Hrsg. Carl Andresen, Olof Gigon, Ernst Zinn u. a. 1965, Neuauflage 1990 (3 Bände) Der Neue Pauly. 1996– (16 Bände in 19 Teilbänden sowie 10 Supplementbände bis 2015 erschienen, weitere Supplementbände geplant, A) The Encyclopedia of Ancient History. Hrsg. von Roger S. Bagnall, Kai Brodersen, Craige B. Champion, Andrew Erskine, Sabine R. Huebner, 13 Bände, Wiley-Blackwell, Chichester [u. a.] 2013 Andrew Sherratt (Hrsg.): Die Cambridge Enzyklopädie der Archäologie. Christians Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-88472-035-X. Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae Enzyklopädie der griechisch-römischen Antike

Mittelalter The Cambridge Medieval History. Hrsg. John Bagnell Bury. 1911–1936 (8 Bände in 9 Teilbde., S) Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder fra vikingetid til reformationstid. Hrsg. Johannes Brøndsted und Olaf Olsen. Kopenhagen 1956–1978 (22 Bde., A) Reallexikon der Byzantinistik. Hrsg. Peter Wirth. Amsterdam 1968–1972 (1 Band in 6 Heften, danach abgebrochen, A) Lexikon des Mittelalters. 1977–1999 (10 Bände, A) Dictionary of the Middle Ages. 1982–1989/2003 (13 Bände + 1 Ergänzungsband, A) Oxford Dictionary of Byzantium. Hrsg. Alexander Kazhdan. New York 1991 (3 Bände, A) The New Cambridge Medieval History. 1995–2005 (7 Bände, S) Lexikon der Byzantinistik. Hrsg. Johannes Irmscher. Amsterdam 1998 (1 Band, danach abgebrochen, A) The Grove Encyclopedia of Medieval Art and Architecture. Hrsg. Colum P. Hourihane. Oxford 2012 (6 Bände, A) siehe auch Verfasserlexikon unter Literatur

Neuzeit The Cambridge Modern History. 1902–1912 (14 Bde., S) The New Cambridge Modern History. 1957–1979 (14 Bde., S) Enzyklopädie der Neuzeit. 2005–2012 (16 Bde., A) The International Encyclopedia of Revolution and Protest: 1500 to the Present. hrsg. von Immanuel Ness, Malden, MA u. a.: Wiley & Sons, 2009, ISBN 1-4051-8464-7. The Oxford Encyclopedia of the Modern World: 1750 to Present. hrsg. von Peter N. Stearns, Oxford UP 2008

Länder/Regionen Europa Enzyklopädie deutscher Geschichte. (110 Bände geplant, 16 Bände fehlten noch 2012, S) Handbuch der deutschen Geschichte (Gebhardt). 1. Auflage hrsg. von Bruno Gebhardt, Stuttgart 1891/92 (2 Bde., S), 9. neubearbeitete Auflage, hrsg. von Herbert Grundmann, Stuttgart 1970–1976 (4 Bände in 5 Teilbde., S), 10. völlig neubearbeitete Auflage hrsg. von Alfred Haverkamp, Wolfgang Reinhard, Jürgen Kocka, Wolfgang Benz, Stuttgart 2001– (24 Bde., 19 Bände bis 2010 erschienen) Handbuch der europäischen Geschichte, Stuttgart 1968–1987 (7 Bde. in 8 Teilbde., S) The Modern Encyclopedia of Russian and Soviet History. hrsg. von Joseph L. Wieczynsk, Gulf Breeze, Fla. : Acad. Internat. Press, 1976– Handbuch der Geschichte Russlands, Stuttgart 1981–2004 (6 Bde. in 10 Teilbde., S) Historisches Lexikon der Schweiz (13 Bände geplant, 12 Bände bis 2013 erschienen, Band 13 erscheint im Herbst 2014, A) – auch online (, , ). Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte, Wien 1994– Handbuch der Geschichte Europas, Stuttgart 2002–2012 (9 Bde., S) The Cambridge History of Russia, Cambridge 2006–2009 (3 Bde., S)

Asien Encyclopædia Iranica, hrsg. von Ehsan Yarshater (Columbia University); Werk noch im Aufbau. Die Encyclopædia Iranica konzentriert sich auf die Geschichte, Kultur, Geografie, Politik und Literatur der iranischen Völker und auf ihre Interaktionen mit anderen Gesellschaften. Kodansha Encyclopedia of Japan Encyclopedia of Indian heritage and culture. hrsg. von Devendra Mishra, Shree Publ. & Distributors, New Delhi 2008– Encyclopedia of Modern China, hrsg. von David Pong, Detroit : Thomson Gale, 2009, 4 Bände (auch online)

Afrika Encyclopedia Africana. 2. Auflage. 2005 – Spezialenzyklopädie zu Afrika und zur afrikanischen Diaspora (Afroamerikaner etc.) Encyclopaedia Aethiopica (5 Bände, erschienen 2003 bis 2014), erstellt an der Universität Hamburg, Forschungsstelle Äthiopistik. Die Encyclopædia Aethiopica konzentriert sich auf die Geschichte, Kultur, Sprachen, Ethnien, Geografie, Politik und Literatur der Völker und Staaten der äthiopischen Gesamtregion („Orbis Aethiopicus“ einschließlich Djibouti, Eritrea, Somalia und Teile des Nordsudans) und auf ihre Interaktionen mit anderen Regionen.

Amerika Handbuch der Geschichte Lateinamerikas, Stuttgart: Klett-Cotta 1992–1996 (3 Bde., S) Encyclopedia of Latin American history and culture, hrsg. von Jay Kinsbruner, 6 Bände, Detroit u. a.: Gale, Cengage Learning, 2. Auflage 2008

Australien und Ozeanien

Liebe und Sexualität The Greenwood Encyclopedia of love, courtship & sexuality through history, hrsg. von James T. Sears, 6 Bände, Westport, Conn. u. a.: Greenwood, 2008 Bilder-Lexikon Kulturgeschichte, Literatur und Kunst, Sexualwissenschaft. 3 Bände und Ergänzungsband. Verlag für Kulturforschung, Wien 1931; Neuauflage 1963 Verlag für Kulturforschung, Hamburg, in acht Bänden und zwei Bänden von Armand Mergen: Sexualforschung Stichwort und Bild.

Medizingeschichte Enzyklopädie Medizingeschichte, herausgegeben von Werner E. Gerabek; Bernhard D. Haage; Gundolf Keil; Wolfgang Wegner, Berlin u. a.: De Gruyter, 2005

Militärgeschichte Encyclopedia of the American Civil War: a political, social, and military history. hrsg. von David S. Heidler, Santa Barbara, Calif. u. a.: ABC-CLIO, 2000, 5 Bände The encyclopedia of the Cold War: a political, social, and military history. hrsg. von Spencer C. Tucker, Santa Barbara, Calif. u. a.: ABC-CLIO, 2008 The Oxford encyclopedia of medieval warfare and military technology. hrsg. von Clifford J. Rogers, Oxford u. a.: Oxford Univ. Press, 2010, 3 Bände The encyclopedia of Middle East wars: the United States in the Persian Gulf, Afghanistan, and Iraq conflicts. hrsg. von Spencer C. Tucker, ABC-CLIO, Santa Barbara, Calif. [u. a.] 2010, 5 Bände The encyclopedia of the Vietnam War: a political, social, and military history. hrsg. von Spencer C. Tucker, Santa Barbara, Calif.: ABC-CLIO, 2. Auflage 2011, 4 Bände

Rechtsgeschichte Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Erich Schmidt, Berlin 1964–1998 (5 Bände). 2. Auflage 2004– (6 Bände in Lieferungen, A) The Oxford international encyclopedia of legal history, hrsg. von Stanley N. Katz, New York, NY [u. a.] : Oxford University Press, 2009, 6 Bände

Umweltgeschichte Encyclopedia of world environmental history. hrsg. von Shepard Krech III, John Robert McNeill und Carolyn Merchant, Routledge, New York [u. a.] 2004, 3 Bände Encyclopedia of American environmental history. hrsg. von Kathleen A. Brosnan, Facts On File, New York 2011, 4 Bände

Wirtschaftsgeschichte The Oxford encyclopedia of economic history, hrsg. von Joel Mokyr, Oxford u. a.: Oxford Univ. Press, 2003, 5 Bände

Gesellschaft Anthropologie und Ethnologie