Biehla ist ein bewohnter Gemeindeteil§ 3 der Hauptsatzung der Stadt Elsterwerda vom November 2025 (PDF; 107 kB, abgerufen am 12. Mai 2026) der südbrandenburgischen Kleinstadt Elsterwerda im Landkreis Elbe-Elster. Er befindet sich im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft an der nordwestlichen Grenze des Schradens, eines Niederungsgebiets des Flusses Schwarze Elster. 1247 wurde der Name erstmals urkundlich erwähnt.

Am Südhang der Güterbank, einer 153 Meter hohen Erhebung zwischen Biehla und dem Stadtteil Kraupa, wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts traditionell Wein angebaut. Später siedelten sich in Biehla neben der herkömmlichen Landwirtschaft Forstbaumschulen an. Mit der 1874 und 1875 erfolgten Inbetriebnahme der sich im Stadtteil kreuzenden Eisenbahnstrecken Kohlfurt–Falkenberg/Elster und Berlin–Dresden setzte die Industrialisierung des Ortes ein, mit der die Einwohnerzahl stark anstieg. Im Jahr 1940 wurde Biehla in die benachbarte Stadt Elsterwerda eingemeindet.

Auf dem nördlich gelegenen Winterberg steht ein zwischen 1913 und 1914 errichteter und bis in die Niederungen der Schwarzen Elster sichtbarer Wasserturm, dessen Fassade nach dem Vorbild des Leipziger Völkerschlachtdenkmals gestaltet wurde. Neben der Wasserversorgung sollte er gleichzeitig als Wahrzeichen des Ortes dienen. Ein weiteres das Ortsbild prägendes Bauwerk ist der unter Denkmalschutz stehende Glockenturm aus dem Jahr 1862 im Zentrum des Stadtteils.

Geografie mini|hochkant=1.33|Übersichtskarte von Elsterwerda

Geografische Lage und Naturraum Der 1940 eingemeindete Stadtteil Biehla liegt im nordwestlichen Stadtgebiet von Elsterwerda am Kreuzungspunkt der Eisenbahnstrecken Berlin-Dresden und Węgliniec–Falkenberg/Elster an der nordwestlichen Grenze des Schradens, eines 15.000 Hektar großen Niederungsgebiets im Breslau-Magdeburger Urstromtal.

Im Norden erhebt sich die zur Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne gehörende Güterbank. Diese ist mit die höchste Erhebung rechtsseitig der Schwarzen Elster und im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, der ein 484 Quadratkilometer großes Gebiet im Landkreis Elbe-Elster sowie im Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst. Gemeinsam mit der Gröden-Ortrander Endmoräne, zu der auch Brandenburgs höchste topographische Erhebung, die Heidehöhe, gehört, bildet sie mit einer Ausdehnung von sieben Kilometern zwischen Elsterwerda im Norden und Merzdorf im Süden die engste Stelle des Urstromtals.

Klima Der Stadtteil Biehla befindet sich wie die gesamte Stadt Elsterwerda im sogenannten Schwarze-Elster-Bezirk des Binnenlandklimas. Dabei ist jedoch ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die regionalen Klimaelemente sind gering ausgeprägt und werden im Wesentlichen durch die Besonderheiten des nach Ost-West orientierten Reliefs des Breslau-Magdeburger Urstromtals und die es im Norden und Süden begrenzenden Höhenzüge der Endmoränen bestimmt. Dabei übt die Hohenleipisch-Plessaer Endmoräne, zu der auch die nördlich von Biehla liegende Güterbank gehört, eine gewisse Regenschattenwirkung auf die südlich von ihr liegenden Niederungsbereiche der Schwarzen Elster aus.Luise Grundmann, Dietrich Hanspach: Der Schraden. Böhlau, 2001, ISBN 3-412-10900-2, S. 13/14 – Messwerte 1951–1980 Niederschlag: Elsterwerda

Der Monat mit den geringsten Niederschlägen ist der Februar, der niederschlagsreichste der Juli. Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt an der etwa 20 Kilometer nordöstlich gelegenen Wetterstation Doberlug-Kirchhain 8,5 °C. Der Unterschied zwischen dem kältesten Monat Januar und dem wärmsten Monat Juli beträgt 18,4 °C.Geoklima 2.1

Geschichte Frühe Ortsgeschichte mini|hochkant=1.33|Die Breite Straße im historischen Ortskern von Biehla

Biehla verdankt seinen Namen dem altsorbischen běl, was so viel bedeutet wie weiß oder glänzend und sich möglicherweise auf die im Norden gelegene Erhebung bezieht (Běla gora → heller, lichter Berg).Emilia Crome: Die Ortsnamen des Kreises Bad Liebenwerda. Akademie-Verlag, Berlin 1968, S. 25.

Die frühesten Siedlungsfunde in der Gemarkung Biehla stammen aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Es wurden Feuersteinmeißel und Reste von bronze- und eisenzeitlicher Siedlungs-Keramik, wie die Scherben eines Siebgefäßes, sowie ein Bruchstück eines Webgewichtes gefunden. Der nordwestlich der Ortslage gelegene Flurname Ahle Biehle weist auf eine mögliche Ortsverlagerung im Mittelalter hin.

Die erste Erwähnung des Ortes erfolgte 1406 in der Landbeteein Steuerverzeichnis des Amtes Großenhain als Bele. Zu jener Zeit hatte der Ort 17 Hufen. Aufgrund des slawischen Ursprungs des Namens wird angenommen, dass der Ort von Sorben gegründet wurde. Im Jahr 1672 erschien in den Kirchenvisitationsberichten der Ephorien Elsterwerda und Liebenwerda der Name Piehla beziehungsweise Biehla.

Die Erbherren von Biehla saßen auf dem Gut in Krauschütz. Der Ort durchlebte eine ähnliche Geschichte der Herrschaftsgeschlechter wie die anderen Dörfer der Herrschaft Elsterwerda. Von 1312 bis 1512 waren dies die Herren des Rittergeschlechts von Köckritz, ihnen folgte der Herzog von Sachsen Georg der Bärtige und 1529 das Geschlecht von Maltitz. Auch nachdem das Herrschaftsgebiet 1611 geteilt war und ein Teil in den Besitz des Adelsgeschlechts von Rohr überging, verblieb Biehla zunächst bei den bisherigen Besitzern, die 1688 auf dem Gut in Kotschka saßen.

Der 1618 beginnende Dreißigjährige Krieg zog die Orte des Elbe-Elster-Gebietes stark in Mitleidenschaft. Bereits 1631 war der kaiserlich-habsburgische General Rudolf von Tiefenbach mit 15.000 Mann durch die Niederlausitz gezogen und erreichte am 16. August das Elsterwerdaer Herrschaftsgebiet. Im Jahr 1637 waren es die Scharen des schwedischen Generals Johan Banér, die ihr Winterquartier bis zum Frühsommer in Torgau bezogen und die Orte der Region bis in den Schraden hinein ausplünderten und in Brand setzten. Am 12. April 1641 verwüsteten Truppen des schwedischen Feldherrn Carl Gustav Wrangel Elsterwerda, Biehla und Krauschütz. Seitdem lagen in Biehla sechs Höfe wüst. Im Jahr 1643 nahm die Reiterei des Schweden Lennart Torstensson in Elsterwerda Quartier und noch am 15. Juni 1653 heißt es von Biehla: „es ist durch das Kriegswesen ganz verwüstet und zur Einöde geworden.“Schulze: Biehlas Geschichte im Laufe der Jahrhunderte. In: Die Schwarze Elster. Nr. 431, 1932.Rektor Paul Müller: Aufzeichnungen zum Dreißigjährigen Krieg im Stadtarchiv ElsterwerdaWalter Kramer: Die Kriegssteuer der Herrschaft Elsterwerda neuen Teil vom Jahre 1640. In: Die Schwarze Elster. Nr. 553, 1938. Von 1669 bis 1691 konnte das Dorf keine Steuern zahlen. Die Gründe dafür waren vielfältig. Im Jahre 1669 war ein totales Viehsterben die Ursache. 1670/71 und 1680 waren es starke Überschwemmungen der Schwarzen Elster, die den Ort heimsuchten. Im Jahr 1673 rief der Mäusefraß zur Erntezeit und 1677 eine große Dürre die Not hervor. Da Pfändungen aufgrund der Armut des Ortes immer wieder scheiterten, erließ man schließlich dem Dorf die Steuerschulden.

Mühlen und Weinbau mini|hochkant=1.33|Güterbank – im Vordergrund der Biehlaer Winterberg mit dem Wasserturm und den Gebäuden der einstigen Gaststätte mini|hochkant|Woldemar Freiherr von Löwendal (1660–1740)

Im Norden des Stadtteils befindet sich eine Erhebung, die Güterbank. Etwas oberhalb der Ortslage entsprang der Biehlaer Dorfgraben (Doge), dessen Wasser zum Mühlenantrieb genutzt wurde. Bereits um 1530 wurden der Ohbermoller und der Nyder Moller in Biehla erwähnt. Im Jahr 1764 gab es als Bestandteil des Kammergutes Elsterwerda im Ort drei Wassermühlen, die Ober-, Mittel- und Untermühle. Zwei der Mühlen wurden mit einem Gang betrieben, eine weitere mit zwei Gängen. Die Obermühle soll mit einem Durchmesser von zwölf Metern das größte oberschlächtige Mühlrad der Provinz Sachsen besessen haben. Um einen gleichmäßigen Abfluss für den Mühlenbetrieb zu gewährleisten, wurde das Wasser in Weihern gestaut, die man auch zur Fischzucht nutzte. Eine vierte Mühle befand sich nordwestlich des Dorfes an der Haidaer Straße.Manfred Reuschel: Die Wasserversorgung von Biehla und Elsterwerda in vergangenen Jahrhunderten. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde e. V. Bad Liebenwerda (Hrsg.): Heimatkalender-Für den Altkreis Bad Liebenwerda, das Mückenberger Ländchen, Ortrand am Schraden und Uebigau-Falkenberg. Nr. 53, Gräser Verlag, Großenhain 2000, ISBN 3-932913-16-7, S. 248–258.

Die Südhänge des Berges liegen der Niederung der Schwarzen Elster zugewandt, weshalb sie einst zu einem traditionellen Standort des Weinbaus wurden. Bis weit in das 16. Jahrhundert hinein ist dort der Anbau von Wein belegt. Bis in die Gegenwart hat sich in der Umgebung das Sprichwort „Biehlscher Wein und Heedscher Most zieh’n den Mund von West nach Ost“ erhalten.

Die Elsterwerdaer Herrschaft besaß einen Weinberg von 17 Morgen Größe auf dem Winterberg, den man damals den Weißen Berg oder auch den Sandberg nannte, und es gab etwa 42.000 Weinstöcke. Außerdem befanden sich am Berghang Weinkeller und zwei Weinpressen. Weiterhin gab es ein fünfeckiges Lustschlösschen der Herrschaft von Maltitz. Die Bauern selbst besaßen östlich der Kraupaer Straße ebenfalls einen 14 Morgen umfassenden Weinberg mit 33.983 Weinstöcken im April des Jahres 1820.Schulze: Vom Weinbau in Biehla. In: Die Schwarze Elster. Nr. 531, 1937. Aus einem Erbrezess des Erasmus von Maltitz des Jahres 1699 ist ersichtlich, welche Hofdienste dieser für den erbherrlichen Weinberg von den Biehlaern verlangte. „18 Hüfner zu Biehle sein schuldig, jedweder 30 Füdergen Dinger in den Weinberg zu führen, bekommen von der Herrschaft für solche Anführung jährlich 12 Silbergroschen.“ „Bei der Weinlese haben die Biehlaer Hüfner des benötigte Weingefäße von Krauschütz an die Weinpresse zu führen, wie auch an den Festtagen die Herrschaft zu holen und abends wieder heimzuführen.“Der Weinbau in unserer engeren Heimat. In: Die Schwarze Elster. Nr. 439, 1932. Freiherr Woldemar von Löwendal, der 1707 das Elsterwerdaer Schloss und das dazugehörende Herrschaftsgebiet erwarb, verlangte von den Bauern eine Arbeitsleistung auf den Gutsfeldern bis 23 Uhr. Deshalb verklagten sie ihn vor dem Hofgericht in Dresden. Das Gericht setzte die täglichen Frondienste auf die bis dahin üblichen Zeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fest. Auch die geforderten unentgeltlichen Lohnfuhren musste der Gutsherr künftig bezahlen. Der Adlige geriet Jahre später in Geldnot und so gelang dem Biehlaer Bauern Hans Richter 1724 der erste Einbruch in den Zwang der Lehnshoheit. Er kaufte Löwendal den Wintzerschen Garten mit der Mittelmühle in Biehla unter der Bedingung ab, dass der Gutsherr den Käufer von allen Frondiensten auf den gekauften Grundstücken entbinde und die Lehnshoheit darüber ausdrücklich aufhebe. Auf diese Weise wurde die erste freie Bauernstelle in Biehla geschaffen.

Von Löwendal musste schließlich seinen Besitz in Elsterwerda mit allem Zubehör auf Drängen seiner Gläubiger am 20. März 1727 öffentlich vor dem Amte in Dresden zwangsversteigern lassen. Der höchstbietende sächsische Kurfürst August der Starke wurde damit auch Herr von Biehla. Er schenkte den Besitz seiner Schwiegertochter Maria Josepha von Österreich, der Gemahlin des späteren Königs August III. von Polen.

Das weiße Pferd von Biehla mini|hochkant=0.8|Einstiges Gemeindesiegel von Biehla