Wald ist ein Stadtteil und Stadtbezirk der bergischen Großstadt Solingen. Er ist der flächenmäßig kleinste der fünf Solinger Stadtbezirke.

Geographie Geographische Lage Wald befindet sich im Nordwesten der Bergischen Hochflächen, am Übergang vom Ohligser Terrassenriedel (Rheinterrasse) zur Solinger Hochfläche. Der Kernort liegt dabei auf etwa 190 bis 200 Metern über NHN. Der von West nach Ost gleichmäßig von 145 auf 190 Meter ansteigende Terrassenriedel begünstigte in der Vergangenheit den starken Siedlungsbau.Rheinischer Städteatlas Wald; Lfg. VI Nr. 37, 1980; Bearbeiter: Reinhold Kaiser; Rheinland-Verlag Köln, ISBN 3-7927-0620-2 Das Walder Stadtteilzentrum liegt auf einem Höhenrücken zwischen zwei bewaldeten Bachtälern, im Norden das Ittertal, das die Grenze zu Haan bildet, und im Süden das Lochbachtal, das Wald von Merscheid und der Solinger Stadtmitte trennt. Zahlreiche weitere kleine Bäche durchziehen Wald, unter anderem Demmeltrather Bach, Krausener Bach und Baverter Bach, die Lochbach oder Itter als Zuflüsse dienen.

Der Stadtbezirk Wald liegt im Nordwesten Solingens und grenzt im Norden und im Nordwesten an die Stadt Haan im Kreis Mettmann. Östlich grenzt Wald an den Stadtbezirk Gräfrath, südlich an den Stadtbezirk Solingen-Mitte sowie südlich und südwestlich an den Stadtbezirk Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid.

Stadtstruktur und Ortsbild Das Walder Stadtteilzentrum, bis 1929 Zentrum der selbständigen Stadt Wald, liegt zentral inmitten des heutigen Stadtbezirks. In dessen Kern befindet sich am Walder Kirchplatz die evangelische Kirche Wald, deren romanischer Turm aus dem 12. Jahrhundert als das älteste erhaltene Bauwerk in Solingen gilt. Um die Kirche sowie den nicht erhaltenen Deutzer Fronhof ist ein Dorf entstanden, das im 19. Jahrhundert zur bergischen Kleinstadt herangewachsen ist. Durch den Ort führte der sogenannte alte Rheinweg zwischen Gräfrath und dem Rheinhafen in Hitdorf, dessen Streckenverlauf noch heute anhand der Friedrich-Ebert-Straße und der Stresemannstraße nachvollzogen werden kann. Trotz Gebäudeabbrüchen in der Nachkriegszeit zugunsten von Straßenbauprojekten blieb die Grundstruktur der Altstadt erkennbar erhalten. Zudem sind einige Fachwerk- und Schiefergebäude aus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zahlreiche Massivhäuser der Gründerzeit mit teils prächtigen Stuckfassaden erhalten, deren Nebeneinander das Bild des Ortskerns heute noch prägen. Der historische Ortskern Wald ist daher seit 1995 als Denkmalbereich ausgewiesen.

In den Außenbezirken der früheren Stadt herrschte ursprünglich eine weilerartige Besiedlung in Form von Hofschaften vor, die sich durch die zerklüftete Topographie etwa entlang der Bachtäler teilweise bis heute erhalten hat. Etwa im Bereich Felder Hof, Fuhr und Demmeltrath sind die einstigen Hofschaften nahezu vollständig in der geschlossenen Bebauung aufgegangen. Wo es die Geländeform zuließ, verdichtete sich die Bebauung außerhalb der Kernstadt zu geschlossenen Wohnvierteln, dies vor allem in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach der Reichsgründung im Jahre 1871, so dass es mangels Kriegszerstörung auch viele Straßenzüge mit gründerzeitlicher Bebauung in Wald gibt.

Da es lange Zeit keine klare räumliche Trennung zwischen Wohnen und Industrie gegeben hat, siedelten sich viele Industriebetriebe an den Hauptausfallstraßen außerhalb der Stadt an, etwa an der Focher Straße und der Wittkuller Straße sowie ab Ende des 19. Jahrhunderts bevorzugt auch um den 1887 eröffneten Bahnhof Solingen-Wald. Da die Wohnbebauung der Stadt sich immer weiter ausbreitete, befinden sich viele Industriebetriebe heute unmittelbar in der Nachbarschaft zu Wohnhäusern. Bedingt durch den Strukturwandel und die Deindustrialisierung ab den 1980er Jahren liegen heute einige ehemals industriell genutzte Flächen brach, sollen aber teils einer neuen gewerblichen Nutzung zugeführt werden, wie beispielsweise der alte Firmensitz der Firma C. Grossmann Stahlguss. Der derzeitige Firmensitz des Unternehmens Breuer + Schmitz am Wiedenkamp soll zukünftig einer neuen Wohnbebauung weichen.

Ortsteile und Wohnplätze Neben dem Walder Stadtteilzentrum, der einstigen Keimzelle des Ortes rund um den Deutzer Fronhof und die evangelische Kirche, umfasst der heutige Stadtbezirk Wald folgende Ortsteile und Wohnplätze:

Adamsfeld | Altenhof | Bauskotten | Bausmühle | Bavert | Bech | Buckert | Büschberg | Delle | Demmeltrath | Dingshaus | Dültgenstal | Ehrener Mühle | Eigen | Eigener Berg | Eigener Feld | Eschbach | Felder Hof | Fuhr | Friesenhäuschen | Hahnenhaus | Häuschen | Heidufer | Henshaus | Holz | Igelsforst | Itterberg | Itterbruch | Knynsbusch | Kotzert | Kotzerter Stöcken | Krausen | Lindersberg | Loch | Mittelitter | Mummenscheid | Obenitter | Rolsberg | Scheider Mühle | Scheiderfeld | Scheuer | Schneppert | Sonnenkamp | Sonnenschein | Sorgenhaus | Stübben | Strauch | Tiefendick | Untenitter | Vogelsang | Westersburg | Weyer | Wiedenhof | Wiedenkamp | Widerschein | Wittkulle | Zieleskotten

Geschichte Die Siedlungsursprünge reichen im unteren Kirchspiel Wald (heute Ohligs) wahrscheinlich spätestens in das 10. Jahrhundert zurück. So wurde die dortige Hofschaft Barl bereits im Jahre 980 urkundlich erwähnt. Seit dem 11. Jahrhundert wurde das Gebiet verstärkt durch Rodung urbar gemacht und besiedelt. Die Villikation des Deutzer Hofes bildete den Mittelpunkt dieses Siedlungsausbaus. Um das Jahr 1020,Rheinischer Städteatlas Wald; Lfg. VI Nr. 37, 1980; Bearbeiter: Reinhold Kaiser; Rheinland-Verlag Köln, ISBN 3-7927-0620-2 vermutlich im Jahre 1019,Geschichte Solingens auf solingen-internet.de, abgerufen am 13. April 2017 wurde Wald erstmals urkundlich erwähnt. In einer auf den 3. Mai 1019 datierten Urkunde des Kölner Erzbischofs Heribert von Köln, wird ein „Fronhof und Kirche namens Wald“ erwähnt (curtim et ecclesiam que Walda vocatur).Urkunde abgedruckt in Erich Wisplinghoff: Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Band 1: Aachen–Deutz, Peter Hanstein-Verlag, Bonn 1972, Nr. 131, S. 190–195; Digitalisat bei Universitäts- und Landesbibliothek Bonn. Nach heutigem Erkenntnisstand handelt es sich bei der nur in späteren Abschriften überlieferten Urkunde allerdings um eine Fälschung aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Auch ein erster Kirchenbau, vermutlich eine einfache Holzkirche, muss zu diesem Zeitpunkt bereits existiert haben. Der Ortsname rührt wahrscheinlich von der stark bewaldeten Region des Bergischen Landes her. Das heute zu Wald gehörende Gebiet war aufgrund seiner dichten Wälder und des unwegsamen Geländes, vermutlich bis in das 11. Jahrhundert überwiegend unbesiedelt. Wie in der gesamten Region des Bergischen Landes war zunächst die sogenannte Einzelhofbesiedlung mit sehr wenigen Bewohnern üblich. Um 1150 erfolgte ein Neubau der Walder Kirche aus Stein; der dabei entstandene romanische Westturm ist heute noch erhalten. Dieser Kirchturm gilt als das älteste erhaltene Gebäude Solingens. mini|links|Schleifer an der Pließtscheibe, Henryk Dywan, 1984, Bronzeplastik|alternativtext=Bronzeplastik: Schleifer an der Pließtscheibe Im Jahre 1185 wird das nahe Gräfrath aus dem Kirchspiel Wald herausgenommen, da es inzwischen durch das Kloster im Ort zu eigenem Einfluss gekommen war. 1218 entstanden im Bergischen Land Gerichtsbezirke, Wald wurde ein selbstständiger Gerichtsbezirk. 1314 wird am Deutzer Hof in Wald ein Gericht erwähnt. Zum 1363 erstmals erwähnten Amt Solingen gehörte auch das Kirchspiel Wald. Im Jahre 1590 wurde Wald, das zur Freiheit Gräfrath gehörte, zusammen mit letzterer reformiert und die Walder Kirche evangelisch.http://www.solingen-internet.de/si-hgw/gesch_zahlen.htm Geschichte Solingens auf solingen-internet.de, abgerufen am 13. Februar 2015 Jahrhundertelang prägte die Walder Wirtschaft die Fertigung von Klingen in den Schleifkotten an den zahlreichen Bächen im Stadtgebiet. Die Bevölkerung lebte überwiegend zerstreut in sich wenig verändernden einzelnen Höfen und Hofschaften. Große Veränderungen kamen erst mit der Industriellen Revolution über Wald. Der historische Ortskern Walds ist als Denkmalbereich in der Denkmalliste der Stadt Solingen ausgewiesen. Denkmalbereiche auf solingen.de, abgerufen am 13. Februar 2015 Am 13. Oktober 1807 wurde Wald zur Bürgermeisterei erhoben.http://www.zeitspurensuche.de/02/sgowal1.htm#Notizen Geschichte des Stadtteils auf zeitspurensuche.de, Internetseite mit Sekundärquellen, abgerufen am 13. Februar 2015 Sie bestand im Wesentlichen aus den drei Honschaften Itter, Scheid und Limminghofen. Vereinzelte Höfe kamen darüber hinaus aus weiteren Honschaften zu Wald hinzu, etwa Bavert, Vogelsang oder Gönrath. 1818 erfolgte der Neubau des Saalbaus der Walder Kirche, da der vorherige abgerissen werden musste.

Wald erhielt das Stadtrecht nach preußischer Städteordnung im Jahre 1856. Im Jahre 1890 erhielt Wald sein Stadtwappen.

Wirtschaftlich von höchster Bedeutung war für das industrialisierte Wald vor allem die Fertigung von Schirmen. Mit der Stadt Wald besonders verbunden war zu diesen Zeiten die Firma Kortenbach und Rauh, die mit ihrem bekanntesten Produkt, dem Kobold, den Weltmarkt eroberte. In Spitzenzeiten fanden mehr als 1.000 Menschen am Standort Wald Arbeit.http://www.solingen-internet.de/si-hgw/100jahre-kortenbach&rauh.htm Überblick über die Firma auf solingen-internet.de, abgerufen am 22. Februar 2015 Im Jahre 1887 wurde die Eisenbahnstrecke Solingen–Wald–Vohwinkel, die aufgrund ihres kurvenreichen Verlaufes sogenannte Korkenzieherbahn, in Betrieb genommen. Wald war dadurch mit dem Walder Bahnhof an das Schienennetz angeschlossen. 1892 erhielt Wald ein Rathaus am Standort der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Der imposante Backsteinbau präsentiert auch heute noch seine prachtvolle Fassade im Stil der Nordischen Renaissance. 1928 wurde mit dem Bau der Jahnkampfbahn, ein Sportstadion in Wald eröffnet, welches eine lange, sporthistorische Tradition begründete. Die Jahnkampfbahn auch Walder Stadion genannt existiert heute noch und ist aktuell das einzige Sportstadion in der Bergischen Großstadt Solingen.

Im Jahre 1929 wurde Wald mit der damaligen Stadt Solingen sowie den Städten Gräfrath, Höhscheid und Ohligs zur Großstadt Solingen zusammengeschlossen. Zum Zeitpunkt der Städtevereinigung lag die Einwohnerzahl Walds bei rund 27.000.

Die Schäden, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, fielen in Wald weit geringer aus als etwa in der Solinger Innenstadt, die beinahe völlig zerstört wurde. Als Reaktion auf die Flüchtlingsströme in den ersten Nachkriegsjahren entstanden auch in Wald rasch ganze Siedlungen, um der vorherrschenden Wohnungsnot beizukommen. Beispiele sind die Spar- und Bauvereinssiedlung am Wasserturm und die Siedlung Stettiner Straße/Gleiwitzer Straße, deren Straßennamen an ehemalige deutsche Oststädte erinnern, die Herkunftsorte der Flüchtlinge.

Mehrfach wurde der Walder Ortskern in der Nachkriegszeit baulichen Veränderungen unterzogen. Dem zunehmenden Straßenverkehr Rechnung tragend, begann man im Jahre 1956 mit dem Bau einer westlichen Umgehungsstraße zur Entlastung der unteren Friedrich-Ebert-Straße, der heutigen Stresemannstraße. 1961 war das Projekt, dem einige historische Bauwerke zum Opfer fielen, fertiggestellt. Zu einer wesentlichen Entspannung trug dies jedoch nicht bei, der enge Rundling im Bereich um die Kirche blieb für den schnellen Durchgangsverkehr ein Hindernis. So wurde Ende der 1980er Jahre mit dem Bau der Südumgehung begonnen und das Straßenstück zwischen dem Deutzerhof und der Kreuzung Schwindstraße/Wiedenhofer Straße entstand. Der Durchgangsverkehr wurde um den Ortskern umgeleitet, der in der Folgezeit der Fertigstellung des Umbaus im Jahre 1991 zur Fußgängerzone wurde.

Die Eisenbahnstrecke und der Bahnhof in Wald wurden schrittweise ab den 1980er Jahren stillgelegt, heute führt über den ehemaligen Bahndamm ein beliebter Radwanderweg, die Korkenziehertrasse.

Wappen

Politik mini|Ehemaliges Rathaus Wald