mini|Löschfahrzeuge von Steyr an der Wache Am Hof mini|Löscheinsatz (gestellte Szene) mini|Mario Rauch; Branddirektor und somit aktueller Leiter der MA 68. Er ist zugleich auch Landesfeuerwehrkommandant von Wien Die Berufsfeuerwehr Wien (offiziell: Magistratsabteilung 68 – Feuerwehr und Katastrophenschutz) ist mit dem Gründungsdatum 1686 die älteste Berufsfeuerwehr der Welt. Sie betreut ein Schutzgebiet von 415 Quadratkilometern.

Geschichte Monarchie Das genaue Gründungsdatum der Wiener Berufsfeuerwehr ist nicht bekannt. In einer aus dem Jahr 1686 stammenden Instruktion eines Herrn Unterkämmerers bei Gem. Wien wird die Entlohnung von vier Feuerknechten mit zwei Gulden Wochenlohn erwähnt. Dieses Jahr gilt daher als Gründungsjahr der Wiener Feuerwehr.

Im Brandfall wurden diese vier Männer aus Handwerkern, vor allem von Zimmerleuten und Rauchfangkehrern, rekrutiert. Ansonsten standen sie der Stadt Wien für handwerkliche Arbeiten zur Verfügung. Stationiert waren sie im Unterkammeramt Am Hof 9.

Kaiser Leopold I. (1688) und Maria Theresia (1759) erließen neue Feuerlöschordnungen. Maria Theresia verstärkte außerdem den Mannschaftsstand und das Personal wurde ständig angestellt.

Seit 1527 hatte der Türmer des Stephansdoms den Auftrag, mit einer roten Fahne beziehungsweise einer roten Laterne jene Richtung anzuzeigen, in der er einen Brand entdeckt hatte. Ein bis dahin verwendetes Sprechrohr wurde 1836 durch ein Blechrohr ersetzt, in dem verschraubbare Beinkugeln mit einer geschriebenen Nachricht darin nach unten rollten, um dann weiter zur Löschanstalt Am Hof gebracht zu werden. Im Jahr 1855 wurde eine Telegrafenverbindung zwischen der Türmerstube und der Zentrallöschanstalt Am Hof eingerichtet. 1866 wurde der Türmer auf dem Südturm des Stephansdoms durch Feuerwehrmänner ersetzt, die für diesen Dienst eine Zulage erhielten.

Das Jahr 1786 brachte die Uniformierung der Löschmannschaften. Ihnen wurde die Stadtlivree (langer weißer Zwilchrock, lange weiße Zwilchhose, schwarzer Zylinder mit Stadtwappen) zuerkannt. Diese Uniform wurde bis 1854 getragen. Dann erfolgte der Wechsel zu einer Uniform mit militärischem Schnitt: schwarze Hose, blaue Bluse, schwarze Lederstiefel. Als Feuerwehrhelme wurden nach einigen Änderungen die Helme der aufgelösten Municipalgarde Wiens weiterverwendet.

Eine 1817 von Kaiser Franz I. erlassene neue Feuerlöschordnung enthielt neue bau- und feuerpolizeiliche Vorschriften. Verboten wurde etwa das Maronibraten auf der Straße oder das Rauchen auf Holzbrücken. Das Löschpersonal wurde aufgestockt, 1818 gab es in der Stadt bereits fünf große Spritzen und 12 Wasserwagen. 1820 wurden der Löschanstalt einige Räume im Zeugstadel (Bürgerliches Zeughaus, Am Hof 10) zugeteilt.

Als die Vorstädte 1850 bzw. 1861 (Teilung des 4. Bezirks) als Bezirke 2 bis 9 nach Wien eingemeindet wurden, errichtete die Feuerwehr die ersten Filialen und verdoppelte den Personalstand.

Ab 1865 wurden auf dem heutigen Stadtgebiet in den damaligen Vororten die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet (Pötzleinsdorf und Simmering), 1878 waren es bereits zwölf. 1874 entstand der 10. Bezirk.

mini|hochkant|Historischer Feuermelder in Wien um 1900 1878 wurden erstmals ein Rettungsschlauch und ein Sprungtuch verwendet, die erste Dampfspritze in Dienst gestellt und die ersten elektrischen Feuermelder in den Straßen der Stadt aufgestellt.

Obwohl die Wiener Feuerwehr beim Brand des Ringtheaters 1881 130 Menschen mit einem Sprungtuch und weitere 18 mittels einer Schiebeleiter retten konnten, kamen 386 Menschen ums Leben. Die Feuerwehr, die bis dahin dem Wiener Stadtbauamt unterstellt war, wurde nun von diesem getrennt und mit einem neuen Organisationsstatut versehen:

Der Mannschaftsstand wurde auf 7 Offiziere, 200 Mann und 101 Zugeteilte erhöht (ohne Kutscher). Durch das Aufstellen von Hydranten wurde die Löschwasserversorgung verbessert. Eine weitere direkte Folge des Ringtheaterbrandes war die private Gründung der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft. Am 16. Mai 1884 zerstörte ein Großbrand das 1871 erbaute Stadttheater. Dabei kam aber niemand zu Schaden.

Infolge der Stadterweiterung des Jahres 1892 (Bezirke 11–19) kamen 34 Freiwillige Feuerwehren zur Stadt Wien.

1895 wurden einige Änderungen vorgenommen: Die erste Gasspritze und der erste Kohlensäure-Löschwagen wurden in Dienst gestellt. Außerdem erhielten Löschmeister, Maschinisten, Heizer und Telegraphisten die Erlaubnis, sich nach zehnjähriger Dienstzeit zu verehelichen. Das Stadtgebiet von Wien wurde in drei Brandschutzzonen geteilt. Die Stadt Wien verfügte über 459 Mann der Berufsfeuerwehr, 982 Mann bei den Freiwilligen Feuerwehren und 120 Pferde für die Löschfahrzeuge. 1899 wurden die erste Magirus-Drehleiter und die erste pneumatische Schiebeleiter in Dienst gestellt. 1900 wurde der 20. Bezirk aus einem Teil des 2. Bezirks gebildet.

Am 29. Juli 1903 wurde in der Feuerwache Breitenfeld als erstes motorbetriebenes Löschfahrzeug eine Gasspritze in Dienst gestellt, nachdem man während des Jahres 1902 Elektromobile getestet hatte.

Die Eingemeindung von neun Marchfeldgemeinden ließ 1904 / 1905 den 21. Wiener Gemeindebezirk (Floridsdorf) entstehen. Dadurch kamen weitere neun Freiwillige Feuerwehren zur Stadt Wien; der Mannschaftsstand der Berufsfeuerwehr erhöhte sich auf 8 Offiziere, 475 Mann und 5 Zugeteilte.

Nicht zuletzt aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem 1902 in Hannover in Dienst gestellten ersten vollständigen automobilen Löschzug beschloss der Wiener Stadtrat im Januar 1905 die Abschaffung der Pferdebespannung und Einführung von Automobilen. Das im Vergleich zu Hannover weniger ebene Terrain machte zuvor eingehende Studien erforderlich. Die Inbetriebnahme des ersten kompletten motorisierten Löschzuges in Wien konnte noch im Sommer 1905 erfolgen. mini|Hauptfeuerwache Mariahilf; 1914 errichtet Das Jahr 1909 brachte eine neuerliche Reorganisation der Feuerwehr. In der Zentrale Am Hof, in der neu erbauten Feuerwache in Favoriten und in 13 weiteren Filialen taten nun 508 Feuerwehrmänner mit 33 Elektromobilen und 98 pferdebespannten Wagen Dienst. In den 44 Freiwilligen Feuerwehren waren 1.420 Mann und 204 bespannte Wagen organisiert. 1910 wurde die Filiale Neubau (7. Bezirk), 1912 die Wache Margareten (5. Bezirk) und 1914 jene in Mariahilf (6. Bezirk) bezogen.

Durch eine Verordnung vom 25. Juli 1914, eine Woche vor Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde die Wiener Berufsfeuerwehr „staatlich geschützt“. 15 Wachen der Freiwilligen Feuerwehren wurden mit Telegraphisten, Kutschern, Heizern und Maschinisten der Berufsfeuerwehr besetzt. Löscheinsätze über die Stadtgrenze hinweg wurden eingeschränkt; möglich wurden sie nur noch nach persönlichem Ansuchen des jeweiligen Bürgermeisters oder einer offiziellen Stelle. Die während des Krieges eintretende Personalnot versuchte man durch die Aufnahme von Mannschaften, Pferden und Wagen aus Czernowitz, das vorübergehend russisch besetzt war, auszugleichen. Trotzdem standen 1917 nur noch 337 Mann für den Dienstbetrieb zur Verfügung.

Erste Republik Der 1. März 1919 brachte der Wiener Berufsfeuerwehr einige wesentliche Änderungen: Der bisher übliche 72-Stunden-Dienst wurde ersetzt durch 24 Stunden Dienst, gefolgt von 24 Stunden Freizeit. Die Berufsfeuerwehr übernahm die Aufsicht über das Rauchfangkehrergewerbe (Inspektionsrauchfangkehrer). Die Sport- und Kulturvereinigung (SKV) der Feuerwehr wurde gegründet.

Mit dem Empfang der ersten drahtlosen Depesche am 19. Juli 1924 begann bei der Wiener Feuerwehr das Funkzeitalter. Die Maschinisten-, Heizer- und Kutscherposten wurden aufgelassen und die Dampfspritzen außer Dienst gestellt. Das letzte Feuerwehrpferd wurde 1925 ausgemustert, der erste Pumpenwagen mit Vorbaupumpe in Dienst gestellt. 1926 folgten Pölzholzwagen, Tierrettungswagen, Gerätewagen Licht, Schaumlöschwagen und Rauchfangkehrerwagen. Am 7. Juli 1926 wurde das erste leichte Tauchgerät gekauft.

Am 15. Juli 1927 kam es infolge des Schattendorfer Prozesses zu einer an sich friedlichen Massendemonstration vor dem Wiener Justizpalast, bei der Brandstifter den Wiener Justizpalastbrand legten. Die Feuerwehr wurde von Gewaltbereiten, die sich unter die friedlichen Demonstranten gemischt hatten, an der Zufahrt zu den Löscharbeiten gehindert und während des Löschens bedroht, obwohl sich Bürgermeister Karl Seitz an Ort und Stelle, auf einem Einsatzfahrzeug stehend, bemüht hatte, der Feuerwehr den Weg freizubekommen. (In der Folge erhielt die Polizei von der Bundesregierung Schießbefehl und feuerte wahllos in die Menge und auf Flüchtende, wodurch 85 Zivilisten ermordet wurden; vier Polizisten wurden von Demonstranten getötet.) Der Brand dauerte bis zum nächsten Tag. Unter dem Eindruck der Ereignisse erteilte Bürgermeister Karl Seitz die Weisung zur Aufstellung der Rathauswache, einer direkt im Wiener Rathaus stationierten Feuerwache, die auch für Ordnungsdienste herangezogen werden konnte. (Sie besteht bis heute.)

Abseits dieser dramatischen Ereignisse nahm die Berufsfeuerwehr Versuche mit Kurzwellenfunk zwischen der Wache Ottakring und der Zentrale Am Hof auf. Die Wachen Döbling, Heiligenstadt, Kaiserebersdorf und Stadlau wurden von der Berufsfeuerwehr übernommen, weitere Wachen wurden von angestellten gemeinsam mit freiwilligen Feuerwehrleuten geführt.

Die seit 1895 geltende Einteilung der Stadt in drei Feuerschutzsektionen wurde aufgelassen, an ihre Stelle trat eine Einteilung in sieben Sektionen. Jede dieser Sektionen erhielt eine Hauptfeuerwache und zwei bis fünf Nebenwachen, wodurch jeder Einsatzort in Wien innerhalb von ungefähr fünf Minuten erreicht werden konnte.

Ende des Jahres 1929 gab es in Wien nur noch drei Freiwillige Feuerwehren und fünf Siedlungsfeuerwehren, die übrigen waren aufgelassen oder von der Berufsfeuerwehr übernommen worden. Für die Angehörigen der Berufsfeuerwehr wurden Kurse (Pionierdienst, Rettungsschwimmen, Fahrschule, Maschinendienst) eingeführt. Ebenfalls 1929 wurde unter Mitwirkung des Feuerwehrkommandos eine neue Kehrordnung für Wien erlassen. Innerhalb der nächsten acht Jahre stiegen die Einsprüche der Inspektionsrauchfangkehrer wegen unzureichender Pflege der Rauchfänge durch den für das jeweilige Gebiet zuständigen konzessionierten Rauchfangkehrer um das Fünffache.

Im Jahr 1931 waren bei der Berufsfeuerwehr Wien 201 motorbetriebene Fahrzeuge im Einsatz, darunter auch Dreiräder und Motorräder mit Beiwagen. In diesem Jahr wurden vier Löschwagen mit Dreiachsfahrgestell, zwei Tatra 30 und zwei Halbkettenfahrzeuge Citroën-Kegresse C6 mit 45 PS für Einsätze in unwegsamem Gelände am Stadtrand von Wien und für die Schneeräumung auf der Wiener Höhenstraße in Dienst gestellt.

mini|Straßentafel mit Zusatztafel Im Zuge des Bürgerkriegs bzw. „Februaraufstands“ 1934, des Versuchs einiger Sozialdemokraten, sich gegen die begonnene, den Austrofaschismus anstrebende Dollfuß-Diktatur zu wehren, wurde der Feuerwehroffizier Georg Weissel als Schutzbundkommandant der Sozialdemokraten verhaftet, standgerichtlich verurteilt und am 15. Februar 1934 hingerichtet. Nach ihm wurden am 5. Februar 1946 die Weisselgasse und das (nicht mehr bestehende) Georg-Weissel-Bad – ein Tröpferlbad – benannt. Zwölf weitere Feuerwehrmänner wurden ebenfalls verhaftet und verurteilt, anschließend wurden sie vom Dienst suspendiert. Das seit 1919 aktive „Rote Wien“ wurde nun von einer von der Diktatur bestimmten Stadtverwaltung abgelöst.

Nach etwa zweijähriger Probezeit wurde im Jahr 1935 der Leichtmetallhelm mit Spinne („Wiener Helm“) eingeführt. Erst im Jahr 1989 wurde er bei der Wiener Berufsfeuerwehr endgültig ausgemustert und durch einen Kunststoffhelm ersetzt.

Die anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 im Wiener Prater errichtete Rotunde, eine riesige Ausstellungshalle, brannte am 27. September 1937 nieder. Im gleichen Jahr wurde von der Berufsfeuerwehr als erster Feuerwehr der Welt der drahtlose Sprechfunkverkehr eingeführt.

NS-Zeit