mini|hochkant|Angela Lansbury, 2013 Dame Angela Lansbury DBE (bürgerlich Angela Brigid Lansbury Shaw, * 16. Oktober 1925 in London; † 11. Oktober 2022 in Los Angeles) war eine britische Schauspielerin, Sängerin und Autorin.

Einem breiten Publikum wurde sie durch die Rolle der Jessica Fletcher in der Fernsehserie Mord ist ihr Hobby (1984–1996) bekannt. Insgesamt erstreckte sich die Schauspielkarriere der Charakterdarstellerin von ihrem oscarnominierten Leinwanddebüt 1944 in Das Haus der Lady Alquist bis zum Jahr 2022. Neben Film- und Fernsehrollen wurde sie auch durch ihre Bühnenrollen am Broadway und als Sprecherin in Zeichentrickfilmen bekannt, etwa der Madame Pottine in dem Disney-Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest. 1995 wurde sie zur „Disney-Legende“ ernannt.

Sie wurde sechsmal mit dem Golden Globe Award und fünfmal dem Tony Award ausgezeichnet und war dreimal für den Oscar nominiert. 2013 wurde ihr der Ehrenoscar für ihr Lebenswerk zugesprochen.

Leben mini|hochkant|Angela Lansbury mit ihren Kindern, 1957 Lansbury kam 1925 in London als ältestes von drei Kindern des englischen Politikers Edgar Isaac Lansbury (1886–1934) und Charlotte Lillian McIldowie (1895–1975) zur Welt. Sie hatte zwei Brüder, die 1930 geborenen Zwillinge Edgar († 2024) und Bruce († 2017). Außerdem hatte sie aus der ersten Ehe ihrer Mutter eine ältere Halbschwester namens Isolde (1920–1987), die später die erste Ehefrau von Peter Ustinov wurde. Mütterlicherseits lassen sich ihre Familienwurzeln bis nach Nordirland zurückverfolgen. Ihr Großvater väterlicherseits war der englische Politiker George Lansbury.

Durch ihre Mutter, die unter dem Künstlernamen Moyna MacGill eine erfolgreiche Schauspielerin war, kam Lansbury früh mit dem Showgeschäft in Berührung. Sie nahm Schauspielunterricht an der South Hampton School. Mit 14 Jahren, als der Zweite Weltkrieg begann, wanderte Lansbury mit ihrer Mutter in die USA aus. Dort kümmerte sie sich um ihre Zwillingsbrüder.

Am 27. September 1945 heiratete Lansbury den Schauspieler Richard Cromwell. Die Ehe wurde im August 1946 geschieden. Cromwell war homosexuell, was Lansbury erst während der Ehe feststellte. Am 12. August 1949 heiratete sie den Filmproduzenten Peter Shaw (1918–2003), aus dieser Ehe gingen die Kinder Anthony Peter Shaw (* 1952) und Deirdre Angela Shaw (* 1953) hervor. Shaw brachte außerdem seinen Sohn David Shaw (* 1944) mit in die Ehe.

Angela Lansbury starb am 11. Oktober 2022 im Alter von 96 Jahren in ihrem Haus in Los Angeles.

Karriere Film und Fernsehen Erste Erfahrungen als Schauspielerin sammelte die 16-jährige Lansbury in Montreal und New York City mit Auftritten in Nachtclubs und Cabarets. Um entsprechende Engagements zu erhalten, gab Lansbury 1921 als ihr Geburtsjahr aus und trat unter den Namen Bridget MacGill oder Bridget Lansbury auf.

Im Alter von 19 Jahren spielte Lansbury in ihrem ersten Hollywoodfilm mit, dem Psychothriller Das Haus der Lady Alquist (1944) mit Ingrid Bergman. Für die Rolle als freches Hausmädchen Nancy erhielt sie sofort ihre erste Oscar-Nominierung in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ und einen Sieben-Jahres-Vertrag mit MGM. Ihre zweite Oscar-Nominierung bekam Lansbury ein Jahr später für ihre Mitwirkung in dem Filmdrama Das Bildnis des Dorian Gray (1945), in dem sie die Rolle der tragischen jungen Schauspielerin Sibyl Vane übernahm. In Frank Capras Politsatire Der beste Mann erschien sie 1948 in der Rolle einer intriganten Zeitungschefin.

Später verflachte ihre Filmkarriere zeitweise, da Hollywood sich schwer tat, passende Rollen für die Darstellerin zu finden, die zwar als talentiert galt, aber in Aussehen und Stimme vom Hollywood-Standard für junge Frauen abwich. Sie wurde daher in den 1950er-Jahren oft in B-Filmen eingesetzt. Zu den Höhepunkten dieser Zeit gehörte die Komödie Der Hofnarr (1955) mit Danny Kaye, Glynis Johns und Basil Rathbone, wo sie 1955 die liebestolle Tochter des Tyrannen Roderick verkörperte. Ihre dritte Oscar-Nominierung erhielt sie für ihre Darstellung in dem United-Artists-Politikthriller Botschafter der Angst (1962), in dem sie in einer bösartigen Rolle die Mutter des gerade einmal drei Jahre jüngeren Laurence Harvey verkörperte. Nach diesem Film erhielt sie auch zusehends wieder bessere Rollen in größeren Produktionen, wobei sie nunmehr zunehmend ältere, etwas skurril wirkende Damen spielte. Etwa zur selben Zeit spielte sie auch die Mutter von Elvis Presley in dessen kommerziell erfolgreichstem Film, dem Musikfilm Blaues Hawaii, obwohl sie nur zehn Jahre älter als Presley war.

mini|Angela Lansbury (rechts) mit Beatrice Arthur, 1989

Lansburys Bekanntheitsgrad als Schauspielerin steigerte sich durch den von Robert Stevenson inszenierten Disney-Film Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett (1971), in den sie an der Seite von David Tomlinson auch ihr Gesangstalent einbringen konnte. 1978 spielte sie unter anderem neben Peter Ustinov und Bette Davis die trunksüchtige Schundromanautorin Salome Otterbourne in der Agatha-Christie-Verfilmung Tod auf dem Nil. 1980 folgte die Rolle der Miss Marple in einer weiteren Christie-Filmadaption, Mord im Spiegel, in der sie unter anderem an der Seite von Elizabeth Taylor, Geraldine Chaplin und Rock Hudson agierte. 1984 spielte sie eine große Nebenrolle als Großmutter in dem Fantasyfilm Die Zeit der Wölfe. 1989 war sie unter der Regie von Waris Hussein in dessen britisch-US-amerikanischem Filmdrama Die Muschelsucher, der ersten Verfilmung eines von Rosamunde Pilcher geschriebenen Romans, in der Hauptrolle der Penelope Keeling zu sehen.

Ihre bekannteste Rolle spielte Lansbury als Krimi-Autorin und Hobby-Detektivin Jessica Fletcher in der langjährigen Fernsehserie Mord ist ihr Hobby (Originaltitel Murder, She Wrote). Die Serie wurde während der deutschen ARD-Erstausstrahlung 1988 unter dem Titel Immer wenn sie Krimis schrieb bekannt und läuft seitdem in regelmäßiger Wiederholung. Ihre Leistung wurden mit zwölf Emmy-Nominierungen und vier Golden Globes, bei ebenfalls zwölf Nominierungen, belohnt. Lansbury hatte zunächst gezögert, die Rolle zu übernehmen, da sie zuvor nur selten in Fernsehserien gespielt hatte und eigentlich das Theater bevorzugte.

Im Alter war Lansbury häufiger in Familienfilmen zu sehen. Mitte der 1990er Jahre verkörperte sie die Titelrolle in einem Weihnachtsmärchenfilm, Mrs. Santa Claus. Außerdem spielte sie 2006 als wohlhabende, aber geizige Verwandte in dem Film Eine zauberhafte Nanny mit. 2011 war sie in der Rolle der Mrs. Van Gundy in der Filmkomödie Mr. Poppers Pinguine besetzt. 2018 war sie in einer Nebenrolle als Balloon Lady an der Seite von Emily Blunt und Dick Van Dyke in Mary Poppins’ Rückkehr zu sehen. Im selben Jahr wurde auch der Weihnachtsfilm Buttons: A Christmas Tale, in dem sie erneut neben Dick Van Dyke zu sehen war, veröffentlicht. Ihr letzter Kinofilm war Glass Onion: A Knives Out Mystery von Rian Johnson, der im Dezember 2022 in den Kinos anlief und in dem sie sich selbst in einem kurzen Auftritt verkörperte.

Theater mini|hochkant|Angela Lansbury in dem Broadway-Stück Deuce, 2007 mini|hochkant|James Earl Jones mit Angela Lansbury, 2013 Erfolge und Auszeichnungen erwarb Lansbury auch am Broadway. Das Stück, mit dem sie ihren größten und längsten Erfolg feierte, war das Musical Mame. Es wurde mit Lucille Ball in der Hauptrolle verfilmt, was Lansbury laut Autobiografie sehr getroffen haben soll, da eigentlich sie für die Rolle vorgesehen gewesen war. Weitere Broadway-Erfolgsrollen waren die der Rose im Musical Gypsy, das sie sowohl am Londoner West End als auch am New Yorker Broadway spielte, die Countess Aurelia (Die Irre von Chaillot nach Jean Giraudoux) im Musical Dear World und die Mrs. Lovett im Musical Sweeney Todd. Für ihre Mitarbeit an den Tonaufnahmen der Musicals Mame und Sweeney Todd wurde sie mit zwei Grammys ausgezeichnet. Zwischen 1964 und 2009 trat Lansbury in den Produktionen von Stephen Sondheim auf.

Im Mai 2007 kehrte Lansbury nach über 20 Jahren mit Terrence McNallys Stück Deuce an den Broadway zurück. Im März und April 2009 war sie dort in Noël Cowards Komödie Blithe Spirit (Fröhliche Geister) als exzentrische Spiritistin Madame Arcati zu sehen. Für ihre schauspielerische Leistung erhielt Lansbury den Tony Award; insgesamt errang sie diese Auszeichnung fünfmal. Nach 40 Jahren kehrte Lansbury 2014 in der Rolle der Arcati in Blithe Spirit an die Bühnen Londons zurück. Ende 2014 bis Anfang 2015 spielte sie ebenfalls die Arcati auf einer Tour durch die USA und Kanada. 2015 wurde sie für ihre Darbietung dieser Rolle in der Londoner Produktion von 2014 mit dem Laurence Olivier Award als beste Nebendarstellerin geehrt. 2017 trat Lansbury in einer szenischen Lesung des Stücks am Hunter College auf.

Lansbury war Mitglied der American Theatre Hall of Fame. Wenige Monate vor ihrem Tod wurde ihr im Sommer 2022 der Tony Award für ihr Lebenswerk zugesprochen.

Tätigkeit als Synchronsprecherin Auch als Synchronsprecherin hatte Lansbury einige bedeutende Auftritte. 1962 synchronisierte sie ihre schwedische Kollegin Ingrid Thulin in dem Film Die vier apokalyptischen Reiter. 1982 lieh sie Mommy Fortuna ihre Stimme, der bösen Jahrmarkt-Hexe in dem Zeichentrickfilm Das letzte Einhorn. 1991 synchronisierte sie die Figur Madame Pottine in dem Disney-Zeichentrickfilm Die Schöne und das Biest, wobei sie in ihrer Rolle das Titellied Beauty and the Beast mitsang sowie das Lied Tale as Old as Time (in der deutschen Synchronfassung Märchen schreibt die Zeit). Für das Lied Beauty And The Beast wurde sie im November 2025 im Vereinigten Königreich mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Das Lied Be Our Guest wurde 2021 im Vereinigten Königreich mit einer Silbernen Schallplatte ausgezeichnet; 2023 folgte eine Goldene Schallplatte in den Vereinigten Staaten. Für das Lied Something There aus dem Soundtrack zu Die Schöne und das Biest erhielt sie 2024 in den USA eine Goldene Schallplatte.Auszeichnungen für Musikverkäufe: UK US 1997 gab sie ihre Stimme der Zarenmutter Marie in dem Zeichentrickfilm Anastasia. Ebenfalls als Sprecherin war sie in den PlayStation-2-Spielen Kingdom Hearts und Kingdom Hearts II zu hören.

Autorentätigkeit Lansbury war auch als Autorin tätig. 1990 erschien das zusammen mit Mimi Avins verfasste Buch Angela Lansbury’s Positive Moves: My Personal Plan for Fitness and Well-Being, das eine Mischung aus Autobiografie, Wellnessbuch und positivem Denken darstellt und zu dem es ein Trainingsvideo gibt. Das Buch ist ausschließlich in englischer Sprache erschienen.

Filmografie (Auswahl)

Videospiele 2000: Disney’s Beauty and the Beast: Magical Ballroom … als Mrs. Potts 2005: Kingdom Hearts II … als Mrs. Potts 2007: Kingdom Hearts: Final Mix+ … als Mrs. Potts

Deutsche Synchronstimmen Dagmar Altrichter: Mord ist ihr Hobby, Magnum (2. Synchronisation), Eine zauberhafte Nanny, Fantasia (2000) Gisela Trowe: Mord ist ihr Hobby (1. Synchronisation), Das Bildnis des Dorian Gray Gudrun Genest: Der Hofnarr, Mord im Spiegel, Zeit der Wölfe Friedel Schuster: Botschafter der Angst, Blaues Hawaii Ingeborg Wellmann: Die Schöne und das Biest, Anastasia Marianne Wischmann: Tödliche Botschaft Ursula Vogel: Magnum (1. Synchronisation) Edith Schollwer: Tod auf dem Nil Ursula Traun: Flug ohne Rückkehr Heidi Treutler: Der beste Mann Tina Eilers: Samson und Delilah, Harrys Liebesleben Christa Berndl: Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett Tilly Lauenstein: Das letzte Einhorn Käte Jaenicke: Die Welt der Jean Harlow Hannelore Minkus: Mr Poppers Pinguine Regina Lemnitz: Heidi Monika John: Mary Poppins Rückkehr Kornelia Boje: Der Grinch Sonja Deutsch: Glass Onion: A Knives Out Mystery

Bühne Broadway 1957: Hotel Paradiso (Marcelle (Madame Cot)) 1960–1961: A Taste of Honey (Helen) 1964: Anyone Can Whistle (Cora Hoover Hooper) 1966–1968: Mame (Mame Dennis) 1969: Dear World (Countess Aurelia) 1974–1975: Gypsy (Rose) 1978: The King and I (Anna Leonowens)