mini|Logo Die Grüne Parlamentspartei (1986–2017) Österreichs (Die Grünen – Die Grüne Alternative) geht auf verschiedene gesellschaftliche Veränderungen in den 1970er Jahren zurück. Bürgerinitiativen, die sich gegen lokale Großprojekte formierten, sowie die Massenbewegungen gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf (1978), Großdemonstration der österreichischen Friedensbewegung 1980 (in Zeltweg, nach dem NATO-Doppelbeschluss von 1979, Slogan "Keine Pershing nach Hörsching") und die Besetzung der Hainburger Au (1984) legten den Grundstein für die Gründung grüner Parteien in Österreich. Nachdem die ersten, miteinander konkurrierenden grünen Parteien, die Alternative Liste Österreichs (ALÖ) und die Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ), 1983 am Einzug ins Parlament gescheitert waren, gelang Freda Meissner-Blau 1986 mit einer Wahlliste von VGÖ- und ALÖ-Vertretern (unter dem Namen Die Grüne Alternative - Liste Freda Meissner-Blau) der Einzug in den österreichischen Nationalrat. 1987 gründeten die Unterstützer der neuen Parlamentsfraktion die Grüne Alternative (GA), die seit 1993 die offizielle Bezeichnung Die Grünen – Die Grüne Alternative (GRÜNE) führt. 2006 wurden die Grünen mit 11,05 % erstmals drittstärkste Partei im Nationalrat. Die Grünen waren von 2020 bis Anfang Jänner 2025 Teil der österreichischen Bundesregierung in einer Koalition mit der ÖVP. Auf Länderebene gab es von 2010 bis 2020 eine Koalition mit der SPÖ in Wien und von 2014 bis 2024 gab es eine Koalition mit der ÖVP in Vorarlberg. Außerdem existierte von 2003 bis 2015 eine Koalition mit der ÖVP in Oberösterreich. In Salzburg wurde zwischen 2018 und 2023 eine sogenannte Dirndl-Koalition aus ÖVP, Grünen und NEOS gebildet.https://www.diepresse.com/5435640/salzburg-wahl-dirndlkoalition-steht-fest In Tirol wurde 2013https://tirol.orf.at/v2/news/stories/2584179/ und 2018https://www.fbi-politikschule.at/blauesoesterreich/wahlen/landtagswahlen/tirol/2018/ eine Koalition mit der ÖVP gebildet. Seit der Landtagswahl im Burgenland 2025 und dem Verlust der absoluten Mehrheit der SPÖ wurde dort eine Koalition mit den Grünen gebildet.
Nach massiven Stimmenverlusten bei der Nationalratswahl in Österreich 2017 schieden die Grünen aus dem Nationalrat aus. Die Grünen waren damit nach der Landtagswahl in Salzburg 2018 auf Bundesebene nur mehr mit zwei Bundesräten im österreichischen Parlament vertreten.
Mit der vorgezogenen Nationalratswahl im September 2019 erreichten Die Grünen – Die Grüne Alternative mit 13,9 % wieder 26 Mandate im Nationalrat und bildeten gemeinsam mit der Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei eine türkis-grüne Koalition und stellen den Vizekanzler sowie drei Bundesminister-Positionen.
Gesellschaftliche Grundlagen mini|Objekt erster bundesweiter Umwelt-Protestbewegungen, Kernkraftwerk Zwentendorf Die Basis für die Entstehung der Grünen Partei in Österreich wurde durch die gesellschaftlichen Veränderungen in den 1970er Jahren geschaffen. Bereits in den 1960er Jahren hatten Einzelpersonen und Gruppen sich verstärkt mit dem Thema Ökologie und Umweltschutz beschäftigt. Anfang der 1970er Jahre wurde das Thema Umweltverschmutzung auch politisch relevant, und 1972 erweiterte Bruno Kreisky das Ministerium für Gesundheit um das Aufgabengebiet Umweltschutz. Zu Beginn der 1970er Jahre definierten sich viele der späteren Grünen über den Widerstand gegen Großprojekte, Kernkraftwerke, Straßenbauten und Aufrüstung. Projekte wie die Bodenseeautobahn, eine Autobahn quer über den Neusiedlersee oder Kraftwerke wie im Kalser Dorfertal wurden aktiv bekämpft. Als erster grüner Erfolg in Wien gilt die am 26. Mai 1973 durchgeführte Volksbefragung zum Sternwartepark, dessen Verbauung mit 57,4 % abgelehnt wurde und zum Rücktritt von Bürgermeister Felix Slavik führte. Entscheidend war hier allerdings die massive Medienkampagne der Kronen Zeitung. Abrufbar unter Zahllose Bürgerinitiativen formierten sich in den 1970er Jahren gegen Hunderte weitere, große und kleine Bauprojekte. Viele der Mitarbeiter dieser Initiativen wurden später Aktivisten der grünen Partei oder zu deren Wähler. Neben den zahlreichen Widerständen gegen Bauprojekte entwickelte sich die Arena-Bewegung 1976 zu einem wichtigen Impulsgeber für die grüne Bewegung. Während der Besetzung des zum Abriss vorgesehenen Inlandsschlachthof Sankt Marx entwickelten sich zahlreiche soziale, kulturelle und ökologische Initiativen. Waren Bürgerinitiativen und die Arena-Bewegung eher lokal begrenzt, so entwickelte sich der Widerstand gegen die Kernenergie zu einer österreichweiten Bewegung. Bereits 1971 formierte sich in Vorarlberg Widerstand gegen ein grenznahes, Schweizer Kernkraftwerk, etwas später wurden Aktivisten auch gegen das geplante AKW St. Pantaleon (NÖ) aktiv. Zu einer bundesweiten Initiative wurde jedoch der Kampf gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf, gegen das sich bereits 1970 erste Widerstände entwickelten und gegen das auch Konrad Lorenz mobilisierte. 1976 konstituierte sich die Initiative Österreichischer AKW-Gegner (IÖAG), die vom maoistischen Kommunistischen Bund Österreichs, der trotzkistischen Gruppe Revolutionäre Marxisten, sowie universitärer Basisgruppen dominiert wurde. Weitere Anti-AKW-Gruppen formierten sich, und am 12. Juni 1977 demonstrierten 7000 Menschen aus ganz Österreich, darunter viele spätere Grün-Politiker, in Zwentendorf gegen das bereits fertiggestellte Kraftwerksgebäude. Schließlich beschloss der Nationalrat eine Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des AKW Zwentendorf, die am 5. November 1978 mit 50,47 % eine knappe Mehrheit gegen die Inbetriebnahme brachte. Der große Erfolg führte jedoch nicht zur Gründung einer Grünen Partei. Das eine Woche später als Siegesfeier veranstaltete Erste Gesamtösterreichische Alternativentreffen in Graz zeigte die starken Unterschiede in den politischen Vorstellungen der Anti-Atom-Aktivisten, Naturschützer und linken Basisgruppen.Pruckner: Geschichte der Grünen. S. 10–17.
Erste politische Parteien Bereits ab 1974 engagierte sich der Schauspieler Herbert Fux mit Bürgern gegen verschiedene Bauprojekte in der Stadt Salzburg und forderte insbesondere den Schutz der historischen Stadtlandschaft. Die von angesehenen Bürgern unterstützte Gruppe kandidierte im Oktober 1977 als Bürgerliste für den Salzburger Gemeinderat und erreichte mit 5,6 % der Stimmen zwei Mandate. Zudem war die Bürgerliste als erste österreichische Bürgerinitiative in einem Gemeinderat vertreten. Eine weitere wichtige Figur der frühen Grünbewegung wurde der ehemalige Sozialdemokrat Josef Buchner, der sich mit seiner Steyregger Bürgerinitiative für Umweltschutz gegen die Luftverschmutzung der VÖEST engagierte und bei den Gemeinderatswahlen 1979 auf Anhieb 18 % der Stimmen sowie den Vizebürgermeister errang. Angetrieben von weiteren Impulsen aus der Anfang der 1980er Jahre aktiven Friedensbewegung und der Gründung der Europäischen Grünen 1979 konstituierten sich Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Gruppen, die politische Parteien zu etablieren versuchten. Schließlich kämpften die bürgerlich-konservative Vereinte Grüne Österreichs (VGÖ) mit Buchner und Fux und die linke Alternative Liste Österreichs (ALÖ) um die grüne Vormachtstellung in Österreich. Zwar gab es im Herbst und Winter 1982/83 noch Gespräche über eine gemeinsame Kandidatur der beiden Parteien bei den kommenden Nationalratswahlen, doch dieses Vorhaben wurde vom Vorsitzenden der VGÖ, Alexander Tollmann, abgelehnt. In der Folge erlangten die VGÖ die besten Umfragewerte der beiden grünen Listen, wurden jedoch durch eine großteils erfundene Basta-Reportage über das angeblich ausschweifende Sexualleben des zweiten Parteivorsitzenden Herbert Fux stark geschwächt. War den VGÖ zunächst praktisch der sichere Einzug in den Nationalrat prognostiziert worden, so erreichten die VGÖ als Liste Tollmann am 24. April 1983 nur 1,93 %. Auch die ALÖ scheiterte mit 1,36 % klar an der 4-%-Hürde. In der Folge verlor die ALÖ immer mehr an Bedeutung, die VGÖ wurde nach dem Rücktritt Tollmanns von Josef Buchner geführt. Bündnisse der beiden Parteien in verschiedenen Bundesländern führten jedoch nicht zum Erfolg. Nur in Vorarlberg gelang der vereinigten Grünbewegung im Oktober 1984 unter Kaspanaze Simma mit 13 % der Wählerstimmen ein überraschender Erfolg.Pruckner: Geschichte der Grünen. S. 18–26.
Die Auseinandersetzung um Hainburg mini|Die Hainburger Au wurde im Winter 1984/85 besetzt Ein weiterer, wichtiger Schritt zur Etablierung der Grün-Bewegung war der Konflikt um die Errichtung eines Kraftwerkes in Hainburg. Hier plante die Donaukraftwerke AG die Errichtung einer 500 Meter langen Staumauer, die sieben Quadratkilometer Aulandschaft am nördlichen Donauufer überfluten sollte. Bereits zum Jahreswechsel 1982/1983 hatte der WWF eine Kampagne Rettet die Auen gestartet, die von zahlreichen Umweltaktivisten unterstützt wurde. Die Pressekonferenz der Tiere, wo prominente Persönlichkeiten wie Günther Nenning als Tiere verkleidet für die Erhaltung der Auen warben, bildete am 7. Mai 1984 den medialen Auftakt zur Intensivkampagne der Au-Schützer und startete das Konrad-Lorenz-Volksbegehren zur Errichtung eines Nationalparks. Der am 5. Dezember ausgestellte Rodungsbescheid für den Kraftwerksbereich führte am 8. Dezember schließlich zu einer Sternwanderung von 5.000 Menschen nach Stopfenreuth. Etliche Aktivisten begannen im Anschluss mit der Besetzung des Gebietes. Die Zahl der Besetzer wuchs rasch auf mehrere Tausend Menschen an, und nach gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam es in Wien am 19. Dezember zu einer spontanen Großkundgebung mit geschätzten 40.000 Teilnehmern. Schließlich wurde das Projekt langsam zu Grabe getragen. Den Erfolg von Hainburg konnte sich jedoch weder die ALÖ noch die VGÖ auf ihre Fahnen heften. Keine der beiden Parteien hatte in Hainburg eine aktive Rolle gespielt, und auch im Anschluss gelang es den beiden Parteien nicht, die Meinungsführerschaft an sich zu reißen. Die Öffnung der ALÖ und der Versuch, eine grüne Sammelbewegung zu errichten, führte jedoch in Wien zu einem Zerfall der ALÖ in zwei konkurrierende Flügel.Pruckner: Geschichte der Grünen. S. 27–31.
Der Weg ins Parlament