mini|hochkant|Winken
Die Liste der Gesten ist eine beispielhafte Aufstellung der weltweit häufig verwendeten menschlichen Gesten. Dabei dienen nicht alle der Kommunikation von Mensch zu Mensch, sondern auch von Menschen zu einem höheren Wesen, als Ausdruck einer Ansicht gegenüber sich selbst oder auch zu Tieren. Jeden Tag verwendet der Mensch im Sozialleben eine Vielzahl von Gesten in der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Die Gesten sind je nach Kulturkreis, sozialer Herkunft, Ansicht, Emotion und auch Religion sehr unterschiedlich, auch werden sie unter Umständen vom Empfänger differenziert verstanden. Dies liegt zum einen an einer verschiedenen Herkunft und zum anderen auch an der Bedeutung, d. h. Situation und Zusammenhang. Die Varietät ist sehr breit, z. B. können Gesten Zustimmung oder Ablehnung, einen Gruß oder eine politische bzw. religiöse Haltung oder eine soziale Zugehörigkeit vermitteln. Die Zeichen werden mit Körperteilen transportiert, dabei kann es auch ein Zusammenspiel mehrerer Körperteile geben.
Finger Daumen mini|hochkant|Ein Bischof segnet eine Erstkommunikantin mit dem Kreuzzeichen auf der Stirn
Daumen drücken: Daumen wird in die Faust gesteckt und „gedrückt“ – jemandem Erfolg wünschen Faust ausstrecken und den Daumen nach oben zeigen – Zustimmung oder Zusage (Okay geben). In einigen arabischen Ländern sowie im Iran hat diese Geste die Bedeutung des weiter unten erläuterten erhobenen Mittelfingers, dies kann zu unangenehmen Missverständnissen führen. Faust ausstrecken und den Daumen nach unten zeigen – Ablehnung Faust ausstrecken und den Daumen horizontal zeigen – Unentschlossenheit oder Neutralität Faust, bei der die Finger den Daumen umschließen, nachdem zunächst die flache Hand gezeigt und der Daumen angelegt wurde: Signal an andere mit der Bedeutung „brauche Hilfe, befinde mich in einer Notlage, erlebe häusliche Gewalt“. Die Geste wurde 2020 von der Canadian Women’s Foundation entwickelt und hat sich vor allem durch soziale Medien verbreitet (Notgeste, Hilfegeste). Kreuz auf der Stirn eines Gläubigen mit dem Daumen nachzeichnen – Segnen einer Person im Christentum Den nach oben gerichteten Daumen ablecken und vorstrecken ist eine in Bulgarien verbreitete Geste, mit der man eine Wette abschließt oder zum Wetten provoziert.Kolarova Zornitza: Lexikon der bulgarischen Alltagsgesten, S. 119.
Zeigefinger
Auf die eigene Stirn ausgerichtete Kreisbewegungen des Zeigefingers – andeuten, dass eine meist dritte Person nicht ganz bei sich oder verrückt ist Ausgestreckten Zeigefinger mit der Fingerspitze zur Nase zeigend senkrecht auf die eigenen oder fremden Lippen legen – Bitte um Ruhe oder Verschwiegenheit Erhobener Zeigefinger – belehrende oder ermahnende Geste („moralischer Zeigefinger“) Senkrecht ausgestreckten Zeigefinger an Wange, Hals, Mund oder Nase legen – signalisiert Nachdenken Vogel zeigen: Zeigefinger an die Stirn oder Schläfe tippen – jemanden als verrückt oder dumm betiteln („Sie haben wohl einen Vogel“, Beleidigung) Zeigefinger ausstrecken und die Hand etwa auf Brust- oder Kopfhöhe heben – Aufforderung zum Aufpassen Zeigefingerkuppe in den Mund stecken – Nachdenken, Verlegenheit oder Scham (vor allem Kinder nach einem Tadel) Zeigefinger in den (weit) geöffneten Mund stecken, ohne diesen zu berühren – ein Verhalten, ein Umstand oder eine Person widert den Sprecher an (Andeutung des Erbrechens) Erhobener Zeigefinger – Symbol des islamischen Monotheismus (Tauhīd)
Mittelfinger Hervorgestreckter Mittelfinger, der Handrücken zeigt zum Empfänger: Stinkefinger – Beleidigung, Phallussymbol
Kleiner Finger Emporgestreckter kleiner Finger der rechten Hand: Erkennungszeichen von Aachenern und Gruß untereinander (Klenkes; bei Begegnung außerhalb von Aachen). Die Handfläche ist dabei vom Körper der grüßenden Person abgewandt.
Kombinationen mini|hochkant|Segensgestus
Zeige- und Mittelfinger gespreizt und dabei die Fingerflächen nach vorn richten: Victory-Zeichen – Zeichen des Sieges, bedeutet jedoch öfters auch Peace. In ostasiatischen Ländern wie Japan, Südkorea und Taiwan wird die Geste sehr oft auf Fotos oder Filmaufnahmen gemacht. Hierbei ist die Bedeutung in etwa „glücklich“ und soll das Lächeln unterstreichen. Bei nach außen gerichtetem Handrücken ist die Geste in manchen Ländern negativ konnotiert: In dieser Form wirkt sie vor allem in den Ländern Australien, Großbritannien, Irland und Neuseeland extrem unhöflich und beleidigend. Sie entspricht dem hiesigen hervorgestreckten Mittelfinger. Daumen, Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt, beide Finger berührend: Segensgestus im Christentum – Erteilen eines Segens für einen Gläubigen (veraltet) Geschlossene Faust mit abgespreiztem Daumen und kleinem Finger – Shaka Daumen und kleiner Finger abspreizen – Windsurfergruß Hang Loose Daumen und kleinen Finger abspreizen, die anderen Finger zum Handballen beugen und letztere an ein Ohr halten: Telefonhörer nachahmen – Telefongespräch führen (meist eine Aufforderung). Mit der gleichen Fingerhaltung Daumen an die Lippen halten und die Hand aufwärts gegen den Mund kippen – Trinken darstellen.
mini|hochkant|Eine lange Nase
Daumen an der Nasenspitze ansetzen und kleinen Finger abspreizen: „Eine lange Nase drehen“ – Hänseln („Ätschibäätsch!“ oder „angeschmiert!“), als Verstärkung auch mit der zweiten Hand in gleicher Geste an den kleinen Finger der ersten Hand angesetzt. Jeweils meist unter Kindern „Rübchen schaben“Rübchen schaben bezeichnet die Geste, mit dem ausgestreckten über den deutenden Zeigefinger zu streichen, um meist unter Kindern Spott, Tadel oder Schadenfreude zu zeigen. Daumen an Zeige- und Mittelfingerspitzen reiben: Geld zählen – Darauf hinweisen, dass eine Angelegenheit ein Thema der Kosten ist (z. T. eine Geldforderung) Linken Arm etwas vom Körper nach unten wegstrecken und dabei Zeige- und Mittelfinger ausstrecken – Gruß unter Motorradfahrern während der Fahrt
mini|hochkant|Schießgeste
Einen Arm vom Körper wegstrecken und dabei Daumen und Zeigefinger abspreizen, während man mit dem Zeigefinger auf jemanden zielt und den Rückstoß einer Faustfeuerwaffe imitiert – Symbolische Erschießung Zärtlich mit einem Finger auf die Nasenspitze einer anderen Person tippen – Intimität Zeigefinger oder Daumen quer über den eigenen Hals führen und dabei Blickkontakt mit einer Person halten: Symbolisches Aufschlitzen des Halses (zum Töten) – Drohung Zeige- und Mittelfinger beider Hände synchron beugen und strecken, dabei die Hände etwas hochhalten: Anführungszeichen imitieren, z. B. während des Zitierens (überwiegend in Nordamerika) Hand hochhalten und Zeige- und Mittelfinger sowie kleinen Finger ausstrecken: Schockgeste – Beleidigung (Steigerung des Stinkefingers), Phallussymbol Schnipsen und dabei die Hand hochhalten: Herrische Aufforderung zum Herbeieilen (heute durchgehend sehr rüde empfunden), sowie Signal von Schülern, um die Aufmerksamkeit des Lehrers auf sich zu ziehen (um beispielsweise eine Antwort zu geben) Zeigefinger und Daumen zu einem Ring bilden und mit dem Zeigefinger der anderen Hand in den Ring führen oder mit der Handfläche der anderen Hand mehrmals auf ein Faustende schlagen: einen Koitus imitieren – vulgäre Beleidigung Zeige-, Mittelfinger und Daumen zusammenführen und dabei mehrmals in kreisförmigen Bewegungen zum eigenen Mund führen: Essen (Speisen verzehren) Zeigefinger und kleinen Finger ausstrecken Mano cornuta (Hörnergeste oder „Pommesgabel“) – Italienische Unterstellung der Untreue oder Zeichen der Zugehörigkeit zur Heavy-Metal-Szene (dabei ist die Hand meist über Kopfhöhe) Italienisches Zeichen gegen den bösen Blick Nepalesisches Zeichen, dass man sich kurzfristig zwecks Blasenentleerung entfernt (die Hand wird dabei vor dem Schritt gehalten – Imitierung des Penis) in Russland, dass man sich als „Piterskaya Koza“=„Ziege aus Sankt Petersburg“ (umgangssprachlich) bezeichnet Daumen und Zeigefinger zu einem Ring zusammenführen, restliche Finger abspreizen: Okay (Tauchzeichen), Lob (nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in Italien bedeutet es Arschloch), auch Erkennungszeichen für White SupremacyNew Zealand shooting: Suspect shows court white power sign, The Times, 16. März 2019A Coast Guard officer on Florence duty made a hand gesture on TV. Some saw a white-power sign, Washington Post, 14. September 2018 Daumen und Zeigefinger beider Hände zu einem Ring zusammenführen und auf die eigenen Augen legen (Imitation einer Brille): Aufforderung zum Hinsehen bzw. Lesen i. S. v. Verstehen
mini|hochkant|Feigenhand
Zeige- und Mittelfinger etwas abspreizen und nah an die eigenen Augen führen, sodass jeweils ein Finger auf ein Auge gerichtet ist – Kritische Aufforderung, etwas visuell wahrzunehmen (und entsprechend zu handeln), Beispiel: „Betriebsanleitung lesen!“ Daumen und Zeigefinger ans Kinn legen: signalisiert Nachdenklichkeit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel halten, bei gleichzeitigem Krausen der Augenbrauen und eventuellem Schließen der Augen: angestrengtes Nachdenken Daumen der Faust zwischen Mittelfinger und Zeigefinger stecken – Feigenhand oder Neidfeige (Geschlechtsverkehr, Abfuhr, im Spiel mit Kindern („Nase klauen“) oder Apotropäische Handlung) Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand ausstrecken – Serbischer Gruß Verschiedene Fingerzeichen: Mudra („das, was Freude bringt“) – Buddhismus mit Daumen und kleinem Finger einen Ring formen, wobei der Daumen den kleinen Finger überlappt („beschützt“), die restlichen Finger nach oben strecken – internationaler Pfadfindergruß. Wird mit der rechten Hand in Kopfhöhe gezeigt.
Hände mini|hochkant|Segnende Priesterhände, Mosaik in der Synagoge von Enschede mini|hochkant|Albrecht Dürers Betende Hände mini|hochkant|Handauflegen bei der Pfingstbewegung, Kentucky 1946 mini|hochkant|Aaronitischer Segen anlässlich der Brit Mila mini|hochkant|Foto des Handschlags von Verdun (1984) auf einem Wahlplakat der CDU zur Europawahl 1989
Hand vor den Mund halten – Gesagtes soll zurückgenommen werden, Lachen soll zurückgehalten werden, Unsicherheit in der Sache Handflächen auf Höhe des Oberkörpers, des Halses oder des Kopfes vertikal aufeinanderlegen (🙏) – besondere Grußhandlung in Südasien, auch religiös verwendet (vgl. Namaste/Namaskar (Hindus), Gasshō (japanische (einschließlich Zen) Buddhisten), Wai (Thailand)), auch als Dank Gegenseitig die Fäuste gemächlich gegeneinander schlagen – Faustgruß, ursprünglich unter japanischen Männern Kreuz mit Zeige- und Mittelfinger nachzeichnen: auf die Stirn, dann auf den Bauch, die linke Brust und sodann auf die rechte Brust tippen: Kreuzzeichen – Bekenntnis zum Glauben an die Dreifaltigkeit bei Katholiken Eine Hand des Gegenübers anfassen, sodass diese ineinander liegen: Händeschütteln – Grußhandlung oder Übereinstimmung mit etwas Handflächen zweier Personen klatschen einander ab (auf Brusthöhe: High five, engl. Hohe Fünf, dt. fünf Finger) – Gruß, besonders wenn viele Personen in kurzer Zeit begrüßt werden (Star begrüßt Fans). Hände umfassen (Handflächen berühren sich) – Gruß, Einigung oder Gratulation Daumen und kleinen Finger ausstrecken und bewegen: Hang Loose/Shaka – Grußhandlung unter Wellenreitern/Surfern (aus Hawaii) Einen oder beide Handteller auf oder über den Kopf eines anderen positionieren: Handauflegen – sehr alte Geste zur Heilung und Teil der Religionsausübung; im Buddhismus ist es unrein, Mönche am Kopf zu berühren Eine Hand oder beide Hände ausstrecken und den Handteller rechtwinklig zum Boden nach vorn richten – energische Aufforderung zum Abstand halten Den Handteller vor dem Gesicht einer anderen Person von oben nach unten bewegen, wobei die Finger zum Kopfende zeigen – übersinnliche Übertragung einer Kraft oder das Verschließen der Augen unmittelbar nach dem Sterben eines Menschen Handteller auf die eigene Stirn schlagen: Eingeständnis der eigenen Dummheit oder Vergesslichkeit