mini|400px|Idealtypus des antiken griechischen Theaters
Die Geschichte des Theaters befasst sich mit der Geschichte der szenischen Aufführung dramatischer Texte auf dem Theater.
Die Ursprünge des indischen Sanskrit-Theaters liegen in den religiösen Ritualen, wie sie, den dialogischen Hymnen des Rigveda nach zu urteilen, im 1. Jahrtausend v. Chr. in einer sprachlichen Form vollzogen wurden.
Schon vor dem Kontakt mit der europäischen Kultur entwickelte sich die chinesische Oper, ein „uramerikanisches Theater“ der ersten Bewohner Amerikas (Inka, Maya, Azteken, Pueblos und die Nomaden Nordamerikas) gab es in der Definition von „Theater“ allerdings nicht.
Die Theatergeschichte bzw. Theaterhistoriographie als Brückendisziplin zwischen Theaterwissenschaft und Geschichtsschreibung setzt sich mit der Geschichte von Theater als künstlerischer und kultureller Praxis auseinander. Auch Elemente der Kunstwissenschaft, der Architekturgeschichte und der Literaturgeschichte gehören zur theatergeschichtlichen Forschung.
Epochen Sanskrit-Theater: Einen Einblick in die Sanskrit-Dichtung und in die altindische Theatertradition gaben der Grammatiker Panini im 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. und der Gelehrte Patanjali. Das Wissen um Theater und die religiöse Musik (Gandharva) fasste Bharata um die Zeitenwende in seinem Werk Natyashastra zusammen. Tanz, Theater und Musik bildeten eine Einheit. Das klassische, meist in Tempeln aufgeführte Sanskrit-Theater erlebte seinen Höhepunkt im 1. Jahrtausend, spätestens ab dem 15./16. Jahrhundert wurde es durch eine Reihe von Theaterstilen in anderen indischen Sprachen ersetzt. Theater der griechischen Antike Theater der römischen Antike Mittelalterliches Theater Geschichte des afrikanischen Theaters Geschichte des asiatischen Theaters Geschichte des islamischen Theaters Geschichte des uramerikanischen Theaters
Theater der Renaissance/des Humanismus, inklusive Entstehung neuer Formen (Oper, Ballett) Barocktheater England: Elisabethanisches Theater Frankreich: Theater der französischen Klassik
Theater der Aufklärung Theater des Sturm und Drang Theater der Klassik Theater der Romantik
Zeitgeschichte seit 1900: Naturalistisches Theater Symbolistisches Theater Theater im Nationalsozialismus Nachkriegstheater Modernes Theater Postdramatisches Theater
Für spätere Weiterentwicklungen des Theaters nach Ende des Mittelalters, wie die Geschichte der Oper oder die Geschichte des Balletts, enthalten eigene Artikel Informationen.
Urtheater Höhlenbilder der Steinzeitmenschen verraten schon frühe Formen des theatralen Spiels. Man vermutet, dass sich eiszeitliche Jäger z. B. Felle von Tieren überzogen, um so lebenswichtige Vorgänge wie die Jagd im Voraus oder im Nachhinein darzustellen und theatral zu verarbeiten. So entstanden zeremonielle Tänze und theatrale Darstellung, in denen die Welt und die gesellschaftlichen Ereignisse nachgestellt und umspielt wurden. Man könnte das Theater als Urkunst der Menschheit, die alle anderen Künste in sich birgt, sehen.
In der ägyptischen Kunst zeugen verschiedene Darstellungen von Tänzern, Musikern und Akrobaten von der theatralen Entfaltung der weltlichen Vergnügungen am Hof der Pharaonen. Im vierten vorchristlichen Jahrtausend prägten die durch die gesellschaftliche Neuordnung und Staatsverwaltung sowie die durch herrschende Priesterkönige entstandenen Mythologien die Deutung der Schöpfung und des Seins. Diese geistige Entfaltung sorgte für monumentale Prachtbauten, die als Kulisse des Theaterspiels dienten. Sie entwickelten sich später zum großen Festspieltheater und dienten auch der Präsentation der Staatsreligion.
Das ägyptische Abydos wurde während des mittleren Reichs (2000–1500 v. Chr.) zum Schauplatz alljährlicher religiösen Feste mit theatralen Elementen um Leiden, Tod und Auferstehung des Gottes Osiris. Dank in Stein gemeißelter Zeichnungen konnten Erkenntnisse über einige Elemente dieser theatralen Prozesse erlangt werden.
Das antike Theater Theater für die Polis Das Theater der griechischen Antike gilt als Wiege des abendländischen Schauspiels und markiert mit der Etablierung des Zuschauerraums einen entscheidenden Wendepunkt für die Entwicklung des Theaters.
Mit der neuen Gesellschaftsform, der Demokratie, wurde das rituelle Festspiel zur politischen Festversammlung, das kultischen Ursprüngen verbunden bleibt. Spielzeiten blieben weitgehend an Götter- und Festtage gebunden. Das nun entstandene Schauspiel zielte nicht mehr darauf ab, eine Verbindung von Schauspieler und Götterwelt zu verkörpern, sondern eine Brücke zum passiven Publikum zu schlagen, um ihm eine Identität zu vermitteln, die es auf das staatliche Gemeinwesen verpflichtet.
mini|Das Dionysostheater Im 6. Jahrhundert vereinigte Peisistratos, Errichter einer Tyrannis in Athen, die beliebten Dionysos-Kultspiele zu einem Staatsfest, den Großen Dionysien. Dionysos, Gott der Fruchtbarkeit und des Weins, wurde mit Einführung des Tragödien-Wettbewerbs (Agon) auch zum Schutzpatron des Theaters. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Spielort von der Agora, dem Versammlungsplatz der Polis, zu dem eigens errichteten Dionysostheater verlegt, welches an den Südhang der Akropolis erbaut wurde.
Aus dem frühen 5. Jahrhundert werden die ersten Dichternamen und Tragödientitel überliefert, die zu diesem Zeitpunkt zwar noch mythologische Motive verwendeten, aber hauptsächlich tagespolitische Fragen verarbeiteten und dem Publikum näher bringen sollten. Die Schicksalsgebundenheit der Menschen, eine zentrale Botschaft der Mythen, wurde in Frage gestellt. Die Betonung auf den freien Willen und die Gestaltungsfreiheit sowie die Idee des rechtsstaatlichen Gemeinwesens und die Konsolidierung der Polis wurde immer stärker, besonders durch die Werke des Aischylos.
Wegen der im 4. Jahrhundert sinkenden Zuschauerzahlen führte der Stadtstaat (Polis) „Schaugeld“ ein, das die Besucher für ihren Verdienstausfall entschädigen sollte. Die politische Bedeutung des Theaters wuchs immer mehr. Spektakuläre Skenographien und schauspielerische Virtuosität rangen der philosophischen und ernsthaften Tragödie immer mehr den Platz ab und wurden von großen Tragödienschreibern sowie auch von Aristoteles, dem wir die erste Poetik, d. h. Lehre von der Kunst der Dichtung, verdanken, als geltungslos beurteilt.
Die Komödie (ursprünglich: ein ausgelassener tänzerischer Maskenumzug) eignete sich erfolgreich den volkstümlichen Brauch aus dem Dionysoskult an und stieg schließlich zur beliebtesten Gattung der hellenistischen Zeit auf. Im Gegensatz zu dem Satyrspiel, das stets den Abschluss einer Tragödie bildete, war die Komödie spottfreudiger, und sowohl Heroen der Mythen als auch Politiker wurden dem Gespött ausgesetzt. Doch auch Kritik an der herrschenden Politik wurde vor allem durch Aristophanes, der auch mit führenden athenischen Denkern eng befreundet war, sehr unverschlüsselt vorgebracht. Mit Ende der Demokratie jedoch wandte sich die Komödie ab von der Politik und besann sich auf Alltagstypen.
Die römische Antike
mini|Römische Theatermaske, gefunden in Borbetomagus (Worms)
Die römische Kultur war das Ergebnis eines gigantischen Eroberungsfeldzuges. Im 3. Jahrhundert verlegten die Römer das Zentrum der hellenistischen Kultur in ihre Stadt. Sie übernahmen die Hierarchie der olympischen Götter, ließen sich von griechischer Architektur, Kunst und Philosophie inspirieren. Griechische Sklaven wurden zu kulturellen Lehrern. Nach dem Sieg im ersten Punischen Krieg ließ der römische Senat Theateraufführungen in die Ludi Romani, die Stadtfeste einführen. Livius Andronicus verfasste die erste lateinische Tragödie. Das Theater wurde fortan, wie auch zuvor in Griechenland, als staatliche Einrichtung betrachtet, jedoch weniger als ein Forum für den politischen Diskurs, wie im attischen Theater, sondern mehr als eine herrschaftliche Machtrepräsentation und Ablenkung von politischen Konflikten. So setzte sich auch die Komödie durch, die oft sehr diskriminierend mit ihren Protagonisten umging. Mit der Wende zur Kaiserzeit im 1. Jahrhundert v. Chr. lösten volkstümliche Spielformen, hauptsächlich Pantomime, die literarische Komödie ab. Auch das Thema Ehebruch wurde häufig verwendet, und der importierte griechische Mimus verzichtete als erste Form auf Masken und besetzte Frauenrollen mit Frauen, was für die weitere Entwicklung des Theaters viele Konflikte mit der Kirche bringen sollte. mini|Griechische Phlyakenvase mit einer Szene aus einer Theater-Komödie: Der paestanische rotfigurige Kelchkrater des Vasenmalers Asteas zeigt die drei Männer Gynmilos, Kosios und Karion, wie sie den Geizhals Kharinos innerhalb seines Hauses berauben.
Wichtige Autoren der Antike Aischylos Sophokles Euripides Aristophanes Menander Epikur Aristoteles Seneca Plautus Terenz
Zitate Aristoteles: Alle Abstraktion leitet sich nicht aus der Vernunft, sondern aus der Summe der sinnlichen Erfahrungen ab. Kunst ist Nachahmung.
Epikur: Die Lust ist Anfang und Ende eines seligen Spiels.
Platon: Die wahrnehmbare Welt ist nur das verzerrte Schattenbild einer Welt idealer Ideen – darum leitet nicht die Wahrnehmung zu sicheren Wissen, sondern nur die Vernunft.
Theater im Mittelalter mini|links|Mysterienspiel im englischen Chester mini|Nachgestelltes Szenenphoto von den Oberammergauer Passionsspielen (1900)
Mysterien- und Passionsspiele Im 10. Jahrhundert forderte das Konzil zu Konstantinopel die Vermenschlichung des Göttlichen. Das sollte ein Wendepunkt der Theaterkultur werden. Textliche Erweiterungen der liturgischen Gesänge und der spielerische Nachvollzug der Vorgänge um Tod und Auferstehung Christi trugen zur Entstehung dramatischer Rollen im Kirchentheater bei und später zu komplexeren Spielen biblischen Inhaltes, die nicht nur das Oster- und Weihnachtsfest theatral umsetzten, sondern auch Mirakelspiele beinhalteten, die das Leben und die Taten von Heiligen und Propheten oder den Kampf zwischen Himmel und Hölle beschworen. Mit der Loslösung der Liturgie wandelte sich auch die streng symbolistische Spielweise. Jesus trat nun als Mensch auf, die geistlichen Spiele verlagerten sich im 13. Jahrhundert vom Kirchenraum auf den Kirchenvorplatz, auch die Bevölkerung wurde mit in das Spiel eingebunden, und Latein wurde gegen die Volkssprache eingetauscht.
Durch diese Entwicklung entstanden dann auch Mysterien- und Passionsspiele, da man nicht mehr an den Ort der Kirche gebunden war und keine Einzelmotive, sondern Heilsgeschichten von der Entstehung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht erzählen wollte. Zunächst waren nur Kleriker im Schauspiel beteiligt, später zog man dann männliche Bürger heran, um den zahlreichen Rollen der tagelang dauernden Festspiele gerecht zu werden, um dann noch später das Schauspiel komplett in die Hände der Bürger zu geben. Die Passionsspiele fanden große Verbreitung und wurden zu nicht mehr nur kirchlichem Ereignis städtischer Festkultur. Im 14. Jahrhundert wurden dann auch inhaltliche Schwerpunkte verändert. Nicht mehr die Verehrung Jesu, sondern die Erniedrigung und das Leiden rückten in den Mittelpunkt. Die Passion wurde zum Spiegel des neuen Lebensgefühls, das durch Hungersnot, Pest und der Krise der kirchlichen und politischen Autorität geprägt war, und orientierte sich immer mehr an der empirischen Wirklichkeit.
mini|Ländliches Fest mit Theateraufführung, aus dem Umfeld Pieter Brueghels des Jüngeren (um 1600, Ausschnitt)
Fastnachtspiele