Die Liste der Kriege und Schlachten Preußens beinhaltet die Kriege und Schlachten, in die Preußen und sein Vorgänger Brandenburg-Preußen im Verlaufe seines Bestehens verwickelt war. In seinen militärischen Konflikten hatte es anfangs meist die Rolle einer Hilfsmacht inne. Im 18. Jahrhundert, spätestens mit den Schlesischen Kriegen, begann Preußen eine eigenständige Rolle in den Konflikten dieser Zeit zu spielen. Die Liste endet mit dem Aufgehen Preußens im Norddeutschen Bund 1867.
Kriege Zweiter Nordischer Krieg (1655–1660) Der Zweite Nordische Krieg war eine von 1655 bis 1661 dauernde kriegerische Auseinandersetzung zwischen Schweden, Polen und Russland um die Vorherrschaft im Baltikum, in die der Kurfürst als Lehnsmann Polens im Herzogtum Preußen hineingezogen wurde. Brandenburg-Preußen musste auf Seiten Schwedens gegen Polen kämpfen, bis es die Fronten wechselte, als Polen dem Kurfürsten die Souveränität im Herzogtum anbot. Im Vertrag von Wehlau am 19. September 1657 erlangte er die Souveränität im Herzogtum Preußen. Brandenburg-Preußen erwies sich erstmals als lokaler militärisch-politischer Machtfaktor.
Schlacht Datum Bemerkungen Schlacht bei Warschau 28.–30. Juli 1656 In dieser Schlacht siegte das brandenburgische Heer zusammen mit den Schweden gegen das viel größere polnisch-krimtatarische Heer.
Schwedisch-Brandenburgischer Krieg (1674–1679) Der Schwedisch-Brandenburgische Krieg war Bestandteil des Französisch-Niederländischen Krieges und eine Auseinandersetzung zwischen dem Kurfürstentum Brandenburg und dem Königreich Schweden um die Herrschaft in Pommern. Dabei war Schweden ein Verbündeter Frankreichs, während Brandenburg-Preußen zusammen mit Österreich, Dänemark und Spanien auf Seiten der Niederländer kämpfte. Ende 1674 marschierten schwedische Truppen in Brandenburg ein, die jedoch erfolgreich von der brandenburgischen Armee wieder vertrieben wurden.
Schlacht Datum Bemerkungen Schlacht um Rathenow 15. Juni 1675 Die brandenburgischen Truppen besiegten im ersten Gefecht des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges die schwedischen Truppen. Gefecht bei Nauen 17. Juni 1675 Das Gefecht bei Nauen war ein Gefecht zwischen brandenburgisch-preußischen Vorhuttruppen und schwedischen Nachhuteinheiten im Vorfeld der einen Tag später folgenden Schlacht bei Fehrbellin. Schlacht bei Fehrbellin 18. Juni 1675 Die Schlacht war ein Rückzugsgefecht, bei dem die brandenburgischen die schwedischen Truppen schlugen. Die große Schlittenfahrt Winter 1678 War ein kühnes Manöver Friedrich Wilhelms, der die Schweden erneut aus Brandenburg-Preußen vertrieb.
Großer Türkenkrieg (1683–1699) Schlacht Datum Bemerkungen Belagerung von Ofen Mitte Juni 1686 bis 2. September 1686 Eine 74.000 Mann starke christliche Streitmacht (darunter 8.000 Brandenburger) belagerten ab Mitte Juni 1686 die ungarische Hauptstadt Ofen (ung. Buda). Ein türkisches Entsatzheer traf Mitte August vor Ofen ein, doch sein Kommandant scheute einen Großangriff gegen die Belagerungsarmee, und so kam es am 2. September 1686 zum erfolgreichen Generalsturm auf die Festung.
Spanischer Erbfolgekrieg (1701–1714) Kraft eines Vertrags vom 16. November 1700 hatte sich Kurfürst Friedrich III. verpflichtet, für den bevorstehenden Spanischen Erbfolgekrieg dem Kaiser Leopold I. ein Kontingent von 8.000 Mann zu stellen. Im Gegenzug sicherte ihm der Kaiser die reichs- und europaweite Anerkennung seiner zukünftigen Selbstkrönung zum König in Preußen zu. Die Krönung fand am 18. Januar 1701 in Königsberg statt und ab April 1701 marschierte das nun Königlich-preußische Kontingent am Niederrhein bei Wesel auf. Im April 1702 beteiligte es sich bei der Belagerung von Kaiserswerth erstmals an den Feindseligkeiten.
Schlacht Datum Bemerkungen Erste Schlacht bei Höchstädt 20. September 1703 Französische und bayerische Truppen errangen einen überzeugenden Sieg über ein Aufgebot Österreichs und des Reiches unter Graf Styrum. Lediglich der Widerstand preußischer Einheiten (6.000 Mann) unter Leopold I. von Anhalt-Dessau verhinderte die völlige Auflösung der österreichischen und Reichsverbände. Zweite Schlacht bei Höchstädt 13. August 1704 Einheiten der preußischen Armee (9.000 Mann) kämpften und siegten in der Reichsarmee unter Führung von Ludwig Wilhelm von Baden zusammen mit den verbündeten englisch-holländischen Truppen gegen die französische Armee. Schlacht bei Cassano 16. August 1705 Ein französisches besiegte ein österreichisch-preußisches Heer. Das preußische Kontingent wurde in dieser Schlacht zwar stark dezimiert, durch die Aktivitäten der Österreicher und Preußen konnte allerdings der Druck auf die belagerte Stadt Turin verringert werden, wodurch die Stadt bis zu ihrer Entsetzung aushalten konnte. Schlacht bei Turin 7. September 1706 Ein alliiertes Heer, bestehend aus Österreichern, Preußen (unter Führung von Leopold I. von Anhalt-Dessau) und Italienern, brach die Belagerung der Stadt Turin seitens der Franzosen auf und zwang die Franzosen dadurch, sich aus Norditalien vollständig zurückzuziehen. Schlacht bei Oudenaarde 11. Juli 1708 Ein 70.000 Mann starkes Heer aus Preußen, Briten und Holländern unter Befehl von Eugen von Savoyen und Fürst Marlborough besiegte die Franzosen bei Oudenaarde, Belgien. Schlacht bei Malplaquet 11. September 1709 Preußische Truppen kämpften und siegten in einer alliierten Armee, bestehend aus Österreichern, Holländern und Briten, gegen die Franzosen. Diese Schlacht forderte unter den Alliierten sehr hohe Verluste.
Großer Nordischer Krieg (1700–1721) König Friedrich Wilhelm I. trat nach dem Tod seines Vaters in die Koalition gegen den schwedischen König Karl XII. mit der Absicht ein, die schwedischen Gebiete in Pommern zu gewinnen. Die Preußen besetzten in der Folge 1713 Stettin. Als Karl XII. im November 1714 selbst den Befehl in Schwedisch-Pommern übernahm, konnte die preußische Armee ihn während des Pommernfeldzuges 1715 bis 1716 zusammen mit den Sachsen und Dänen nach Stralsund zurückdrängen und dort belagern. Nach Kriegsende behielt Preußen Stettin, Usedom und alle Gebiete südlich der Peene.
Schlacht Datum Bemerkungen Pommernfeldzug 1715/1716 1. Mai 1715bis 19. April 1716 Ein alliiertes Heer bestehend aus Preußen, Dänen und Sachsen erobert ganz Schwedisch-Pommern.
Österreichischer Erbfolgekrieg (1740–1748) Erster Schlesischer Krieg (1740–1742) Kurz nach seiner Krönung ließ Friedrich II. 1740 in seinem ersten Regierungsjahr die preußische Armee in das von Österreich beherrschte Schlesien einmarschieren und löste so den Ersten Schlesischen Krieg und im weiteren Sinne den Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Denn Preußen verbündete sich mit Bayern, Frankreich, Sachsen, Kurköln, Spanien, Schweden und Neapel, während sich Preußens Hauptgegner Österreich mit Großbritannien, Sardinien, Niederlande und Russland verbündete. Der Krieg beschränkte sich für Preußen auf Schlesien, und es konnte nach einigen Siegen die Provinz vorerst für sich sichern.
Schlacht Datum Bemerkungen Erstürmung von Glogau 8. Februar 1741 Gefecht bei Baumgarten 27. Februar 1741 Schlacht bei Mollwitz 10. April 1741Die Schlacht fand zwischen einer 24.000 Mann starken preußischen Armee unter Friedrich II. und einem 20.000 Mann starken Heer Österreichs statt. Obwohl beide Seiten im Verlauf grobe militärische Fehler begingen (es war die erste Schlacht Friedrichs II.), gelang es Friedrich II. doch, am Ende den Sieg zu erringen. Gefecht bei Lesch 14. März 1742 Gefecht im Zusammenhang mit der preußischen Besetzung von Brünn. Lösch (Líšeň) ist heute ein nordöstlicher Stadtteil von BrnoGeheimes Staatsarchiv Preußen, V. HA, Rep. 15 A, Nr. 499 Schlacht bei Chotusitz 17. Mai 1742 In dieser Schlacht nahe Kuttenberg (Böhmen) besiegten am 17. Mai 1742 23.500 Preußen unter Friedrich II. 28.000 Österreicher unter dem Prinzen Karl von Lothringen. Letztere wollten die Preußen überfallen, fanden sie jedoch in Schlachtordnung und wurden von Friedrich II. in der linken Flanke angegriffen und geschlagen. Diese Schlacht führte unmittelbar zum Vorfrieden von Breslau.
Zweiter Schlesischer Krieg (1744–1745) Der Zweite Schlesische Krieg war wiederum Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges, andererseits ein zwischen Preußen und Österreich geführter Krieg um die Vorherrschaft in Schlesien. Friedrich II. hatte sich zur damaligen Zeit mit Frankreich verbündet. Österreich bildete zusammen mit Sachsen, Großbritannien und den Niederlanden eine Allianz. Preußen überfiel im August 1744 mit 80.000 Soldaten Böhmen und eröffnete dadurch den Zweiten Schlesischen Krieg. Nach schweren Kämpfen wurde im Frieden von Dresden vereinbart, dass Schlesien für immer in preußischem Besitz bleiben soll.
Schlacht Datum Bemerkungen Gefecht bei Teltschitz 19. November 1744 Gefecht bei Pless 27. November 1744 Gefecht bei Ratibor 9. Februar 1745 Schlacht bei Hohenfriedberg 4. Juni 1745 In dieser Schlacht in Schlesien errangen die preußischen Truppen unter Führung Friedrichs II. einen entscheidenden Sieg gegen eine gleichstarke Armee aus Österreichern und Sachsen. Schlacht bei Soor 30. September 1745 Die Preußen unter Friedrich II. schlugen hier mit 19.000 Mann die Österreicher und Sachsen mit 32.000 Mann, die vom Prinzen Karl von Lothringen befehligt wurden. Schlacht bei Hennersdorf 23. November 1745 Eine preußische Armee unter Kommando von Friedrich dem Großen besiegte eine sächsische Armee unter Kommando von General Buchner. Gefecht bei Zittau 27. November 1745 Schlacht bei Kesselsdorf 15. Dezember 1745 Eine preußische Armee unter dem Kommando von Leopold I. von Dessau besiegte die verbündeten Österreicher und Sachsen unter Feldmarschall Rutowski. Die Schlacht bei Kesselsdorf war der letzte Sieg des Alten Dessauers, sie entschied den Krieg zugunsten Preußens.
Siebenjähriger Krieg (1756–1763) Im Siebenjährigen Krieg kämpften mit Preußen und Großbritannien auf der einen Seite und Österreich, Frankreich, Russland auf der anderen Seite alle europäischen Großmächte der Zeit. Das Ziel Österreichs war es, Schlesien wieder zurückzuerobern, jedoch kam Friedrich II. seinen Gegnern zuvor, und am 29. August 1756 überschritt die preußische Armee ohne vorherige Kriegserklärung die Grenze Sachsens. Die militärischen Erfolge verliefen wechselseitig, und die preußische Armee stand am Ende trotz großer Siege kurz vor der Niederlage. Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und seinen Gegnern geschlossen. Der Status quo ante wurde wiederhergestellt. Preußen war durch den Krieg als fünfte Großmacht im europäischen Mächtekonzert etabliert, jedoch verlor Preußen in diesem Krieg 180.000 Soldaten.
Revolutions- und Napoléonische Kriege (1792–1807)