mini|Das mykenische Gräberfeld von Aidonia Das Gräberfeld von Aidonia (), auch Gournospilia ( = Schweinehöhle) genannt, bei dem Ort Aidonia in der griechischen Gemeinde Nemea (Präfektur Korinthia) auf der Peloponnes ist ein umfangreicher Friedhof aus mykenischer Zeit.
Der Ort in der Nähe von Petri (etwa 17 km nordwestlich von Nemea) wird mit dem homerischen Araithyrea () identifiziert. Ein dort gefundenes Gräberfeld aus dem 15.–13. Jahrhundert v. Chr. umfasst bisher 24 Kammergräber, die meisten mit monumentalem Zugang (Dromos). Ein weiteres Schachtgrab, in dem das Skelett eines Pferdes ohne Kopf gefunden wurde, erinnert an Bestattungsgebräuche im minoischen Kreta. Die Funde zeigen, dass die hier Bestatteten von hohem sozialen Rang waren und enge Beziehungen mit Mykene und der übrigen Argolis hatten. Zahlreiche Keramikfunde (270 Gefäße, Scherben und Figuren) geben wertvolle Hinweise zur Datierung.
Erforschung 1971 stürzte ein Bauer auf einem Esel auf seinem Feld in ein Loch. Es hatte sich gebildet als die Decke eines sich unter dem Boden des Feldes befindliche Kammergrabes eingestürzt war. Anstatt den Fund zu melden, begann der Bauer das Grab auszurauben. Es wurden noch weitere Grabräuber auf den Friedhof aufmerksam, die systematisch Gräber plünderten. Anscheinend gingen die Behörden Hinweisen auf die Plünderungen zunächst nicht nach. Erst im November 1977 reagierten die Behörden und stellten einen Wachmann ab, um weiteren Raub zu unterbinden und im folgenden Juni begannen Ausgrabungen unter der Leitung der Archäologin Kalliopi Krystalli-Votsi. Bis 1980 entdeckte man insgesamt 20 Gräber: 17 Kammergräber, ein Schachtgrab und zwei unfertige Gräber, die nur aus einem Dromos bestanden. Hierbei stellte man fest, dass 15 der Kammergräber geplündert waren. Man hatte nicht nur Schätze entwendet, sondern auch die Fundlage, aus der Archäologen Rückschlüsse über die zeitliche Abfolge der Grabnutzung schließen können, für zurückgelassene Gegenstände gestört. Glücklicherweise blieb ein Grabschacht in einem Grab mit reichen Funden unentdeckt. Ab 1984 wurden die Funde im Archäologischen Museum von Nemea ausgestellt. Seit 2016 werden weiter Grabungen unter Konstantinos Kissas vorgenommen. 1999 entdeckte man bei einer Oberflächenprospektion die zu dem Friedhof gehörige Siedlung auf einem gegenüberliegenden Hügel.Rekonstruktion einer antiken Landschaft, Archäologische Oberflächenprospektion im Becken von Phlious 2002 führte man Notgrabungen durch und 2007 und 2011 kam es zu weiteren Raubgrabungen. 2014 und 2015 führte man Voruntersuchungen durch und ab 2016 grub man innerhalb des TAPHOS-Projekts (Tombs of Aidonia Preservation Heritage and explOration Synergasia) weitere Gräber aus. Im Oktober 2018 wurde die Entdeckung eines weiteren Kammergrabes bekannt gegeben und im August des folgenden Jahres von zwei weiteren. Seit 2016 hat man sieben neue Gräber entdeckt, die mit den Nummern 100 bis 106 bezeichnet werden.
Rückkehr des Diebesgut 1993 plante der amerikanische Galerist Michael Ward aus Manhattan einen mykenischen Schatz mit einem Mindestgebot von 1,5 Millionen Dollar zu versteigern. Michael Ward soll daraufhin eine Anfrage an die griechischen Regierung gesendet haben, um zu erfahren, ob der Schatz als gestohlen galt. Dies soll verneint worden sein. Nun gab Ward die Erstellung eines Begleitkatalogs in Auftrag zu der John H. Betts, ein britischer Professor für Archäologie und Experte für mykenische Kunst, die Einleitung schrieb.John H. Betts, Stark Ward: Gold of the Mycenaeans: Important Finger Rings, Sealstones and Ornaments of the 15th Centurt B.C., 1993 Er schrieb, dass es sich um eine homogene Sammlung, die vermutlich aus einem Grab oder einem Friedhof wie denen von Dendra, Mykene oder Asine stammen müsste. Als der Schatz bekannt wurde, war der Fachwelt schnell klar, dass es sich um geraubte Schätze aus Aidonia handeln könnte und schaltete die griechischen Behörden ein. Auf die Tatsache, dass Betts als Experte hierauf noch nicht hingewiesen hatte reagierte man mit Unverständnis.
Es wurde ein griechisches Komitee aus Archäologen gebildet, die den Sachverhalt untersuchen sollte. Hierbei kam den Funden aus Aidonia, die sich im Archäologischen Museum von Nemea befanden eine Schlüsselrolle zu. Es konnte gezeigt werden, dass die Fundstücke aus dem Schatz und aus dem Museum sehr ähnlich waren und zum Teil aus der gleichen Werkstatt stammen musste. Nun reichte man Klage auf Herausgabe des Schatzes ein. Michael Ward war jedoch Mitglied des U.S. Cultural Property Advisory Committee, das sich mit der Rückgabe von gestohlenen Kulturgütern beschäftigt, unter der Regierung von Präsident George H. W. Bush. Aus diesem Grund war ihm eine außergerichtliche Einigung mit dem griechischen Staat wichtig. Ward erklärte sich im Dezember 1993 damit einverstanden, den Schatz der Society for the Preservation of the Greek Heritage zu übergeben, welche ihn ihrerseits am 26. Januar 1996 Griechenland zurückgab.Michael Anton: Illegaler Kulturgüterverkehr, Berlin 2010, S. 33–55 Durch diese Einigung wurde jedoch nie untersucht, wie Ward in den Besitz des Diebesgutes kam. Nach eigenen Angaben erhielt er es von einem europäischen Sammler.
Der Schatz wurde noch vom 10. Januar bis zum 2. Februar im Washingtoner Kapitol ausgestellt, bevor er am 4. Februar nach Athen gebracht und im Archäologisches Nationalmuseum präsentiert und ausgestellt wurde.ΝΕΜΕΑ: ΤΟ ΜΥΚΗΝΑΙΚΟ ΝΕΚΡΟΤΑΦΕΙΟ ΤΩΝ ΑΗΔΟΝΙΩΝ Vom 9. November 1998 bis zum 28. Februar 1999 war er in einer Ausstellung im neu gegründeten Hellenic Antiquities Museum in Melbourne zu sehen. Seit 2000 befinden sich alle Funde aus Aidonia im Archäologischen Museum von Nemea.
mini|Goldener Siegelring MN 1005
Der zurückgekehrte Schatz Der von Michael Ward angebotene Schatz bestand aus 312 einzelnen Objekten und datierte hauptsächlich aus dem 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr. Hierbei handelte es sich um zwei goldene Siegelringe, drei Fingerringe, drei Siegelsteine, 13 Goldornamente, 25 goldene Perlen, ein goldener Knopf, 234 Perlen zweier Halsketten aus Amethyst und weißem und hellblauem Glas, zwei Perlen aus Bernstein, zwei Perlen aus Amethyst, vier Perlen aus Karneol, sechs Perlen aus Fayence, sechs Perlen aus Glas, neun sogenannte Konuli aus Steatit, ein Pistill aus Konglomerat und eine Ahle aus Bronze.
mini|Goldener Siegelring MN 1006 Der goldene Siegelring MN 1005 ist mit einer ovalen Platte von 3,3 cm Breite und 2,1 cm Höhe einer der größten bisher bekannten mykenischen Ringen und wurde um 1500 v. Chr. geschaffen. Er wiegt 24,3 g. Auf ihm ist ein Streitwagen, der von zwei Pferden gezogen wird, abgebildet. Der Wagenlenker hält in der rechten Hand sie Zügel und in der linken eine Gerte. Die Abbildung erinnert an den goldenen Siegelring NAMA 240 aus Grab IV des Gräberrund A in Mykene.
Der goldene Siegelring MN 1006 wiegt etwa 10 g und wurde ebenfalls um 1500 v. Chr. hergestellt. Die ovale Platte misst 1,75 × 2,9 cm. Der Rings wurde mit drei Reihen von Granulation verziert. Auf der Platte ist eine religiöse Szene mit zwei Frauen in mykenischer Tracht abgebildet. Die linke trägt in ihrer rechten Hand eine Papyruspflanze während sie die linke in ritueller Geste zum Hals führt. Die rechte hält in ihrer linken Hand eine Lilie und führt die rechte zum Hals. Die Szene erinnert an die beiden Siegelringe aus Grabschacht 1 in Grab 7 von Aidonia.
mini|hochkant|Plan des Friedhofs
Beschreibung des Gräberfeldes Bisher wurden 22 Kammergräber, ein Schachtgrab und ein nur aus einem Dromos bestehendes Grab entdeckt. Die Gräber wurden in den anstehenden Fels geschlagen. Da das Gelände nach Süden abfällt verlaufen die Dromoi in etwa von Süd nach Nord. Die meisten Kammergräber hatten eine rechteckige Grabkammer mit Giebeldecke. Man stellte gelegentlich auch einen Firstbalken dar, so dass man davon ausgeht, dass hier ein Giebeldach eines Hauses imitiert wurde. Die Gräber wurden über längere Zeit verwendet, wobei die Knochen zusammen mit den Grabbeigaben älterer Beisetzungen einfach zur Seite geschoben oder in Grabschächte verbracht wurden. Die Grabschächte wurden meist mit Steinplatten verschlossen. In manchen Kammern gab es in den Fels gehauenen Bänke, auf denen Grabbeigaben abgestellt wurden. Zum Teil gab es auch Nischen, die für Beisetzungen genutzt wurden. Sie wurden genauso wie die Eingänge mit unbehauenen Steinen zugemauert.
Der Zugang zum Friedhof von Aidonia erfolgt von Westen. Er wird in drei Teile geteilt: den oberen, mittleren und unteren Friedhof. Nur Grab 14 liegt außerhalb dieses Bereichs etwa 50 m nördlich des oberen Friedhofs.
Grab 13 Zunächst erreicht man Grab 13. Es besteht nur aus einem etwa 8 m langen Dromos mit Scheintür.
Grab 6 Etwa 25 m südöstlich von Grab 13 liegt Grab 6. Sein Dromos ist etwa 7,25 m lang und hat nur leicht nach innen geneigte Wände. Sein Stomion ist etwa 1,60 m hoch, 0,60 m breit und 1,15 m lang. Die Grabkammer hat einen rechteckigen Grundriss von 3,40 × 3,20 m mit Giebeldecke und jeweils im Norden, Westen und Osten eine große bodentiefe Nische. Innerhalb der Grabkammer fand man drei nur etwa 0,30 m tiefe Grabschächte mit jeweils einer Beisetzung und einen leeren Grabschacht in der westlichen Nische. Obwohl das Grab in den 1970er Jahren geplündert wurde, fand man noch zahlreiche Keramik anhand die Nutzungsphase ins 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr. datiert werden konnte. Außerdem fand man eine Pinzette und eine Nadel aus Bronze. Es waren auch noch die untersten Schichten der Mauer mit der der Eingang einst verschlossen war vorhanden.
Grab 15 Der Dromos von Grab 15 beginnt nur etwa 5 m südlich von Grab 6. Er ist etwa 8 m lang und seine Wände sind nach oben steiler nach innen geneigt. Der Stomion ist etwa 1 m lang und die Kammer misst etwa 4 × 5 m und hat eine Giebeldecke. In der Nordwand gibt es eine kleine und in der Westwand zwei sehr kleine Nischen. Der Handwerker, der in der Antike einen Riss im Gestein mit Ton kaschierte, hinterließ seine Fingerabdrücke. In der Grabkammer fand man vier flache Grabschächte. In dem beraubten Grab fand man zahlreiche Grabbeigaben: ein Krug mit abgeschnittenem Ausguss, eine Bügelkanne, eine flache, einhenkelige Tasse, zwei Phi-Figuren, drei Psi-Figuren, jeweils eine Pyxis aus Alabaster und Elfenbein, eine Elfenbeinspindel, ein Skarabäussiegel mit linearer Dekoration, ein Zylindersiegel aus Fayence, eine Halskette aus Glasperlen, ein halbmondförmiges Pendant aus Steatit, Karneolperlen, eine bikonische Fayenceperle, eine mandelförmige Karneolperle, ein Goldring, Steatitperlen in Form von Papyrus und sogenannte Konuli aus Steatit.
Grab 7 Der Zugang zu Grab 7 befindet sich etwa 12 m östlich von Grab 15. Der Dromos ist etwa 9,5 m lang und seine Wände sind nach innen geneigt. Der etwa rechteckige Eingang ist etwa 1 m breit, 1,90 m hoch und 1 m lang. Der Stomion war ursprünglich komplett mit groben Steinen gefüllt. Die Grabräuber hatten jedoch den oberen Teil entfernt, um sich Zugang zu verschaffen. Die rechteckige Grabkammer war etwa 5 m lang, 3,75 m breit und bis zu 3 m hoch, hatte eine giebelförmige Decke und im Westen eine große Nische. In der Grabkammer gab es drei flache Grabschächte. Grabschacht 1, der sich westlich der Tür befindet entging der Plünderung. In ihm fand man besonders wertvolle Grabbeigaben einer Sekundärbestattung aus dem 14.–13. Jahrhundert v. Chr.: drei goldene Siegelringe, ein goldener Ring, Silberring mit Eisen, 16 Rosetten aus Goldblech, verschiedene Goldornamente und Goldperlen, Perlen aus Glas, Steatit und Fayence, Siegelsteine aus Karneol, Achat und Lapislazuli, Konuli aus Steatit, ein Krug mit abgeschnittenem Ausguss, zwei Phi-Figuren und ein Tieridol.
Da der zurückgeführte Schatz große Ähnlichkeit mit den Funden aus Grabschacht 1 aufweist vermutet man, dass er zumindest größtenteils aus Grab 7 stammte. Diese Ähnlichkeit war ja auch die Argumentationsgrundlage dafür, dass der Schatz aus Aidonia geraubt worden war.
Grab 20