Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Fläche: km² Gliederung: 24 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 42.600 (2005) Adresse desDekanatamtes: Schlossberg 171083 Herrenberg Dekan: Interimsdekan Thomas Cornelius Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Herrenberg innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Herrenberg ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet ist deckungsgleich mit dem Dekanat Herrenberg.
Geografie Der Kirchenbezirk Herrenberg liegt im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst den Südwesten des Landkreises Böblingen, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Bondorf, Deckenpfronn, Gärtringen, Gäufelden, Herrenberg, Hildrizhausen Jettingen, Nufringen und Mötzingen, sowie die Gemeinde Ammerbuch (ohne die Ortsteile Pfäffingen und Poltringen) und die Stadtteile Baisingen und Hailfingen der Stadt Rottenburg am Neckar im Norden des Landkreises Tübingen.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Herrenberg grenzt an folgende Kirchenbezirke der Prälatur Reutlingen (beginnend im Norden) Böblingen, Tübingen, Rottweil und Calw-Nagold.
Geschichte mini|Evangelische Stiftskirche Herrenberg Das Gebiet des heutigen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Herrenberg gehört überwiegend zum alten Kernland Württembergs, das ab 1534 die Reformation einführte, so dass das Gebiet fast ganz evangelisch geprägt ist. Lediglich ein Teil von Altingen ist katholisch geprägt. Herrenberg wurde bald nach der Reformation (1551) Sitz eines Dekanats, damals Specialsuperintendentur genannt. Zum Dekan wurde der Stadtpfarrer in Herrenberg ernannt. Zunächst gehörte das Dekanat Herrenberg zum Generalat Bebenhausen, ab 1810 zu Tübingen, nach dessen Auflösung 1913 zum Generalat Reutlingen, aus dem die heutige Prälatur Reutlingen hervorging, zu der es bis heute gehört. Lediglich zwischen 1992 und 2003 war das Dekanat Herrenberg der Prälatur Ludwigsburg zugeordnet. Der Bezirk des Dekanats Herrenberg wurde mehrmals verändert. Die größten Veränderungen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts vollzogen, als einige Pfarreien aufgehoben und andere Pfarreien aus den Nachbardekanaten Wildberg, Tübingen und Lustnau zugeordnet wurden.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurden mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinden Pfäffingen und Unterjesingen in den Kirchenbezirk Tübingen umgegliedert.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode und deren gewählten Vorsitzenden, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Amtssitz und Wohnung ist die Propstei in Herrenberg.
Das Amt des Dekans ist derzeit vakant, nachdem Eberhard Feucht, der zugleich einer der Pfarrer an der Stiftskirche in Herrenberg war, im Dezember 2023 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die Aufgaben des Dekans im Kirchenbezirk wurden im Juni 2024 an Interimsdekan Thomas Cornelius übertragen, die Geschäftsführung der Kirchengemeinde Herrenberg liegt seither bei Pfr. Ulrich Behrendts. Mittelfristig ist eine Fusion mit den Kirchenbezirken Böblingen und Leonberg geplant.
Dekane des Kirchenbezirks Herrenberg seit 1788 1788–1813 Johann Christoph Gaupp 1813–1815 Christlieb Martin Plieninger 1815 Gottfried Ulrich David Kapff (1768–1815) 1815–1821 Magnus Friedrich Zeller 1821–1835 Karl Ulrich Gaab 1835–1847 Friedrich August Scholl 1847–1851 Sixt Karl Kapff (1805–1879) 1851–1864 Ludwig Eduard Friedrich Ziegler 1865–1871 Christoph Eberhard Elwert (1810–1883) 1871–1886 Wilhelm Paul Christoph Schüz 1887–1891 Gottlob Kemmler (1823–1907) 1891–1908 Christian Ernst Hohbach 1908–1934 Dr. Karl Eugen Schmid (1867–1949) 1934–1946 Theodor Haug 1946–1963 Gerhard Keitel (1898–1979) 1964–1975 Helmut Häußermann 1976–1986 Dieter Gläsche (* 1920) 1986–2000 Dieter Eisenhardt (* 1936) 2000–2011 Klaus Homann (* 1946) 2011–2023 Eberhard Feucht 2024 Interimsdekan Thomas Cornelius
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Herrenberg gibt es insgesamt 24 Kirchengemeinden. Gesamtkirchengemeinden gibt es nicht. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Herrenberg ist überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher in jedem Dorf auch eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. In den meisten Orten zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Lediglich Altingen ist von alters her teilweise katholisch geprägt.
Kirchengemeinde Altingen mini|Kirche Altingen Die Kirchengemeinde Altingen (ca. ) umfasst den Ortsteil Altingen der Gemeinde Ammerbuch. Altingen war bis ins 18. Jahrhundert zwischen Württemberg und Österreich aufgeteilt. Der württembergische Teil war über die Pfalzgrafen von Tübingen an Württemberg gelangt, während der österreichische Teil über Hohenberg und Ehingen an Österreich gelangt war. Der württembergische Teil trat 1534 zur Reformation über, doch hinderte Österreich nicht den Übertritt seiner Untertanen in Altingen zum evangelischen Glauben. Die Hoheitsrechte über Altingen übten beiden Herrschaften im Wechsel aus. Die Kirche am Ort blieb aber katholisch. 1805 wurde ganz Altingen württembergisch. Die evangelischen Bewohner gehörten bis 1860 zur Pfarrei Kayh, danach zur Pfarrei Reusten. 1861 wurde in Altingen durch Christian Friedrich Leins aber eine eigene evangelische Kirche erbaut und später auch eine eigene Kirchengemeinde errichtet, die bis heute vom Pfarramt Reusten betreut wird.
Kirchengemeinde Bondorf mini|links|Remigiuskirche Bondorf Die Kirchengemeinde Bondorf (ca. 3.050) umfasst die Gemeinde Bondorf und den Stadtteil Hailfingen der Stadt Rottenburg am Neckar (Landkreis Tübingen). Eine Kirche wird in Bondorf 1275 erstmals erwähnt. Den Kirchensatz verkauften die Grafen von Hohenberg 1352 an das Kloster Bebenhausen, dem die Kirche 1362 inkorporiert wurde. Nach der Reformation wurde sie evangelische Pfarrkirche. Das ab 1535 als Remigiuskirche bekannte Gotteshaus ist eine Chorseitenturmanlage des frühen 15. Jahrhunderts. Der Turm ist teilweise noch spätromanisch. Nach einem Brand 1559 sowie 1752 wurde die Kirche baulich verändert. 1967 erfolgte einen Innenrenovierung. Heute wird die Kirchengemeinde Bondorf von zwei Pfarrern betreut.
Hailfingen blieb als Teil der österreichischen Landgrafschaft Niederhohenberg nach der Reformation katholisch. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen evangelische Bewohner nach Hailfingen. Sie wurden der Kirchengemeinde Bondorf zugeordnet.
Kirchengemeinde Breitenholz mini|Wendelinskirche Breitenholz Die Kirchengemeinde Breitenholz (ca. 450) umfasst den Ortsteil Breitenholz der Gemeinde Ammerbuch. Kirchlich gehörte Breitenholz zunächst zu Entringen. Eine Kapelle wurde 1453 erstmals erwähnt. 1485 wurde eine Kaplanei mit pfarrlichen Rechten errichtet. Nach der Reformation wurde eine eigene Pfarrei errichtet. Die Kirche, 1565 als Wendelinskirche bekannt, wurde 1577 neu erbaut, dabei wurde der Turm der Vorgängerkirche beibehalten. Das Schiff wurde 1964 neu erbaut. Seit 1952 wird Breitenholz vom Pfarramt Entringen betreut.
Kirchengemeinde Deckenpfronn mini|links|Nikolauskirche Deckenpfronn Die Kirchengemeinde Deckenpfronn (ca. 1.700) umfasst die Gemeinde Deckenpfronn und die Siedlungen Lerchenberg und Haselstaller Höfe in Gültlingen, welche durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 24. Juni 1970 von der Kirchengemeinde Gültlingen im Kirchenbezirk Nagold abgetrennt und der Kirchengemeinde Deckenpfronn (damals noch zum Kirchenbezirk Calw gehörig) zugeordnet wurden. Eine Kirche wurde in Deckenpfronn bereits im 9. Jahrhundert von Graf Erlafried dem Kloster Hirsau geschenkt, dem sie 1395 inkorporiert wurde. Das 1528 als Nikolauskirche bekannte Gotteshaus wurde 1818 durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach wieder aufgebaut. Der Westturm hat noch einen alten Sockel mit frühgotischem Rippenkreuzgewölbe.
Bis 1981 gehörte die Kirchengemeinde Deckenpfronn zum Kirchenbezirk Calw. Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 wurde sie in den Kirchenbezirk Herrenberg umgegliedert.
Kirchengemeinde Entringen mini|Michaelskirche Entringen Die Kirchengemeinde Entringen (ca. 1.800) umfasst den Ortsteil Entringen der Gemeinde Ammerbuch. Eine Kirche und Pfarrei ist 1275 erstmals erwähnt. 1327 wird die Kirche St. Michael genannt. Das Patronat gelangte über die Grafen von Zollern an das Kloster Bebenhausen, dem die Kirche 1328 inkorporiert wurde. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Die gotische Michaelskirche wurde ab 1452 erbaut. Sie hat noch einige romanische Reste. 1907 wurde ein neuer Turmhelm aufgesetzt. 1967 bis 1970 erfolgte eine grundlegende Renovierung.
Kirchengemeinde Gärtringen mini|links|St.-Veit-Kirche Gärtringen Die Kirchengemeinde Gärtringen (ca. 4.000) umfasst den Hauptort der Gemeinde Gärtringen. Eine Kirche wird in Gärtringen 1275 erstmals erwähnt. Der zunächst pfälzische Kirchensatz kam 1456 von Württemberg an das Stift Herrenberg, dem die Kirche 1457 inkorporiert wurde. Die spätgotische Kirche mit Westturm (ab 1525 mit St. Veit bezeichnet) hat einen netzrippengewölbten Chor mit Malereien. Die Kirche besitzt mehrere Grabmäler des 15. und 16. Jahrhunderts. Heute wird die Kirchengemeinde Gärtringen von zwei Pfarrern (Pfarramt West und Pfarramt Ost) betreut.
Kirchengemeinde Gültstein mini|Evang. Kirche Herrenberg-Gültstein Die Kirchengemeinde Gültstein (ca. 1.650) umfasst den Stadtteil Gültstein der Stadt Herrenberg. Eine Kirche wurde in Gültstein bereits 1095 erwähnt. Das Patronat wechselte zwischen den Pfalzgrafen von Tübingen und dem Kloster Hirsau. 1351 gelangte es ganz an Hirsau. Bis zur Reformation gehörte auch Nebringen zur Pfarrei Gültstein. Die Kirche in Gültstein, eine ehemalige Wehrkirche, ist eine romanische Chorseitenturmanlage, die mehrfach verändert wurde. Der Chor hat ein Netzrippengewölbe. Die Ausstattung ist teils noch spätgotisch, ansonsten aus dem 18. Jahrhundert. Bis 1833 gehörte auch Mönchberg zur Pfarrei Gültstein, bevor dieser Ort zur Pfarrei Kayh kam.
Bis 1970 gehörten auch die evangelischen Bewohner im Bahnwarthaus an der Bahnlinie Herrenberg-Horb bei Nebringen zur Kirchengemeinde Gültstein. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 19. November 1970 wurden diese jedoch der Kirchengemeinde Nebringen zugeordnet.
Kirchengemeinde Haslach mini|links|St. Jakobus in Haslach Die Kirchengemeinde Haslach (ca. 850) umfasst den Stadtteil Haslach der Stadt Herrenberg. Kirchlich gehörte Haslach zunächst zu Mühlhausen im Ammertal, einer abgegangenen Siedlung, in dessen Kirchhof die Toten von Haslach noch bis 1858 begraben wurden. Später wurde Haslach Filiale von Herrenberg. Heute hat es ein eigenes Pfarramt, das auch Teile der südlichen Herrenberger Kernstadt betreut. Die heutige Kirche in Haslach wurde 1792 nach Plänen von Johann Adam Groß d. J. anstelle einer 1524 erwähnten Kapelle St. Jakob erbaut.
Kirchengemeinde Herrenberg mini|hochkant|Turm der evangelischen Stiftskirche Herrenberg Die Kirchengemeinde Herrenberg (ca. 5.700) umfasst die Kernstadt und einen kleinen Teil des Stadtteils Affstätt von Herrenberg. Letzteres Gebiete der Gemarkung Affstätt in Angrenzung an ein Herrenberger Wohngebiet wurde durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 4. Januar 1968 von der Kirchengemeinde Affstätt der Kirchengemeinde Herrenberg zugeordnet.