Die Wortprägung „Platz an der Sonne“ entstand durch eine Äußerung von Bernhard von Bülow (1849–1929) in einer Reichstagsdebatte am 6. Dezember 1897, wo er im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialpolitik formulierte:

Von Bülow war damals Staatssekretär des Auswärtigen Amtes des Deutschen Kaiserreiches; von Oktober 1900 bis Juli 1909 war er Reichskanzler.

Die Wortprägung ist später zum geflügelten Wort geworden. Sie gilt als anschauliche Metapher des deutschen Weltmachtstrebens in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als die Bündnispolitik Otto von Bismarcks aufgegeben wurde und die Außenpolitik des wilhelminischen Reiches das deutsch-britische Flottenwettrüsten begünstigte.

Im Reichstag merkte Eugen Richter (1838–1906) am 20. November 1900 in seiner Verurteilung der am 27. Juli 1900 gehaltenen „Hunnenrede“ Kaiser Wilhelms II. spöttisch an:

Und ähnlich in der Debatte zur Flottenaufrüstung am 14. Dezember 1899:

Die SPD schloss sich dieser Argumentation gegen den deutschen Kolonialismus an, in der der Begriff Platz an der Sonne oft sarkastisch den immensen Kosten, die die deutschen Kolonien verursachten, insbesondere im Fall Kiautschou, gegenübergestellt wurde.

Weblinks

Digitalisiertes Reichstagsprotokoll der Sitzung vom 6. Dezember 1897

Einzelnachweise

Kategorie:Deutsche Kolonialgeschichte (Kaiserreich) Kategorie:Außenpolitik (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Geflügeltes Wort