mini|hochkant=1.8|Lübeck, 1493 mini|130px|Wappen von Lübeck im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig

Die Geschichte Lübecks lässt sich bis 700 n. Chr. zurückverfolgen, als die Vorgängersiedlung Liubice gegründet wurde. Das Mittelalter in Lübeck war geprägt von der Hanse.

Zeitliche Übersicht 819: Erste slawische Burganlage von Alt-Lübeck am Zusammenfluss von Trave und Schwartau 1072: Der Name „Liubice“ wird in der Chronik des Geschichtsschreibers Adam von Bremen genannt. 1138: Zerstörung Alt-Lübecks, innerslawische Machtkämpfe 1143: Graf Adolf II. von Schauenburg gründet die deutsche Stadt Lübeck auf der Halbinsel zwischen Trave und Wakenitz als bescheidene kaufmännische Siedlung neben einer slawischen Niederlassung. 1158: Graf Adolf II. überlässt den Hügel Buku (heutige Lübecker Innenstadt) Herzog Heinrich dem Löwen, der Lübeck dort ein zweites Mal entstehen lässt. 1226: Die norddeutschen Fürsten und Städte können die dänische Vorherrschaft abschütteln, Kaiser Friedrich II. erteilt Lübeck das Reichsfreiheitsprivileg. Lübeck wird Freie Reichsstadt, soll auf ewig dem Reichsoberhaupt unterstehen. Die Bestimmung bleibt 711 Jahre, bis 1937, in Kraft. 1227: Norddeutsche Fürsten und Städte, darunter Lübeck, besiegen in der Schlacht bei Bornhöved den Fürsten Waldemar endgültig. Zum Dank wird in Lübeck das Dominikanerkloster an der Stelle der ehemaligen königlichen Burg gegründet (Burgkloster). 1358: Erster Hansetag in Lübeck. Der Ausdruck „Städte von der deutschen Hanse“ wird erstmals urkundlich belegt. Die Hanse als Organisationsform ist allmählich, nicht durch einen Gründungsakt, entstanden. 1367–1370: Zweiter siegreicher Krieg gegen König Waldemar, abgeschlossen durch den Frieden von Stralsund und Sicherung der hansischen Privilegien und Wirtschaftsinteressen im Norden. 1563–1570: Nordischer Siebenjähriger Krieg (Lübeck mit Dänemark gegen Schweden), letzter ehrenvoller, aber erfolgloser Seekrieg der Stadt, beendet durch den Frieden von Stettin 1669: Letzter in Lübeck abgehaltener Hansetag. Lübeck, Hamburg und Bremen bleiben bis ins 20. Jahrhundert als Freie und Hansestädte die Erben. 1810: Gewaltsame Angliederung an das französische Kaiserreich, Beginn der Lübecker Franzosenzeit 1813: Übergabe der Stadt an Kronprinz Bernadotte aus Schweden (Alliierter). 1815: Lübeck wird Mitglied des Deutschen Bundes. 1866: Eintritt in den Norddeutschen Bund. 1871: Die Freie und Hansestadt Lübeck wird Gliedstaat des Reiches. 1897: Im Zuge der Heeresvermehrung erhält Lübeck sein eigenes, das 3. Hanseatische, Regiment 1911: Lübeck wird Großstadt. 1933: Absetzung des Senates, Abschaffung der Bürgerschaft, Regierung durch Bevollmächtigten der NSDAP, gemeinsamer „Reichsstatthalter“ für Lübeck und Mecklenburg mit Sitz in Schwerin 1937: Abschaffung der Reichsfreiheit Lübecks, Eingliederung in die preußische Provinz Schleswig-Holstein 1942: Am 28. März werden große Teile der Altstadt durch Bomben vernichtet. 1945: Lübeck wird kampflos von britischen Truppen besetzt. 1987: Die UNESCO erklärt Lübeck zum Weltkulturerbe – das erste Kulturdenkmal dieser Art in der Bundesrepublik. 1993: Lübeck feiert 850 Jahre Hansestadt Lübeck

Frühe Besiedlung mini|Das Pöppendorfer Großsteingrab, Westseite (mit Eingang)

Von einer ersten Besiedlung nach der Weichseleiszeit künden heute noch zahlreiche Hünengräber der Jungsteinzeit im Stadtgebiet und der näheren Umgebung wie das Pöppendorfer Großsteingrab im Waldhusener Forst und das Großsteingrab Blankensee.

Im Osten Holsteins begann die slawische Besiedelung ab zirka 700 nach Christus, nachdem vorherige germanische Bewohner nach Westen abgewandert waren. Der etwa zur Zeit Karls des Großen (748–814) entstandene Ort Liubice lag nördlich der Lübecker Altstadtinsel zwischen der heutigen Teerhofinsel und der Mündung der Schwartau in die Trave. Als wichtiges Bodendenkmal wurde er durch eingehende Ausgrabungen untersucht. In diese Zeit gehört auch der Pöppendorfer Ringwall. Seit dem 10. Jahrhundert war Liubice neben Oldenburg in Holstein (Starigard) die wichtigste Siedlung der Abodriten. Das in der Mecklenburg und Liubice sesshafte Geschlecht der Nakoniden lag mit den Liutizen in ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Wahrscheinlich war Liubice bereits in dieser Zeit burgartig befestigt. Nach der dendrochronologisch auf das Jahr 819 bestimmten Gründung der BurgAntjekathrin Graßmann: Lübeckische Geschichte. Schmidt-Römhild, Lübeck 1997, ISBN 3-7950-3215-6. wurde Liubice erstmals um das Jahr 1076 von Adam von BremenAdam von Bremen: :la:Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum. Hahn, Hannover 1993, ISBN 3-7752-5288-6. erwähnt, der auch von der Steinigung des Ansverus im Jahr 1066 bei Einhaus berichtet. Im Jahr 1093 übernahm der christliche Nakonide Heinrich die Herrschaft über die Abodriten und machte Liubice zu seiner Residenz. Nach seinem Tod im Jahr 1127 und innerslawischen Machtkämpfen wurde der Ort 1138 von den Ranen niedergebrannt.

Deutsche Kolonisation und Lübecker Burg In der heutigen Lage auf dem Hügel Buku, Standort einer ehemaligen wendischen Burg zwischen Trave und Wakenitz, wurde die Stadt Lübeck 1143 durch Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein als erste deutsche Hafenstadt an der Ostsee neu gegründet, nachdem die ursprüngliche Siedlung 1138 zerstört worden war. Er legte eine Burg mit einem Holz-Erde-Wall, an, welche 1147 von Helmold von BosauHelmold von Bosau: Chronica Slavorum. Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 19.1963, . erwähnt wurde. Mittels Grabungen aus der Neuzeit konnte ein Brunnen für die Zeit um 1155 bestimmt werden.

Die Burganlage musste Adolf 1158 an Heinrich den Löwen abtreten, als er durch seine Einmischung in die dänischen Thronstreitigkeiten dessen Unzufriedenheit erregt hatte. Dieser Territorialfürst gründete neben Lübeck auch Städte wie München und Schwerin und gilt daher als „mächtigste[r] deutsche Territorialfürst des Mittelalters“.Zweites Deutsches Fernsehen: Heinrich der Löwe. Herzog von Sachsen und Bayern, o. O. 2008. . Heinrichs Interesse galt vor allem den slawischen Gebieten: Der Aufstieg Lübecks begann mit der Eingliederung der Lübecker Bucht in das regnum Teutonicum. Bereits 1134 privilegierte Lothar von Süpplingenburg Ostseehändler und warb für Liubice, welches in Konkurrenz zu Schleswig stand. Später wurde Liubice nach der Zerstörung durch die Holsten und Neugründung durch Graf Adolf II. zur Stadt erhoben und fortan Lubeke genannt.Vgl. Rolf Hammel-Kiesow: Die Hanse. Beck, München 2004, ISBN 3-406-44731-7, S. 27. Nachdem Lubeke 1157 erneut niederbrannte, wies Heinrich der Löwe den Kaufleuten einen neuen Ort zur Städtegründung zu, welcher sich jedoch als unpraktisch erwies, da dieser Ort, der heutzutage nicht mehr konkret lokalisiert werden kann, nicht mit großen Schiffen zugänglich war. Heinrich trat daher mit Graf Adolf in Verhandlung und erreichte schließlich, nach vielen Versprechen, die Übergabe der niedergebrannten Reste Lubekes. Nach einem Bericht des Chronisten Helmold von Bosau kehrten die Kaufleute an den alten Standort zurück und gaben die ungünstige Lage auf.

Mit Lübeck wurde die typische mittelalterliche Stadt über die Elbe hinaus an die Ostsee verschoben. Lübeck bot daher als eine der ersten Städte östlich der Elbe einen dauerhaften Markt für Kaufleute, zudem grenzte sich die wiedergegründete Stadt durch die Rechtssicherheit für Kaufleute aus dem regnum Teutonicum deutlich von ihrer Vorgängerstadt und dem Konkurrenten Schleswig ab. Lübeck gewann somit an Anziehungskraft für niederdeutsche Kaufleute.Vgl. Rolf Hammel-Kiesow: Die Hanse. München 2004, S. 28. Auch von Bosaus Chronik beschreibt das Werben nordeuropäischer Kaufleute, den Lübecker Hafen zu frequentieren oder gar dauerhaft nach Lübeck zu kommen. So heißt es über Heinrich den Löwen und Lübeck: „Der Herzog […] sandte Boten in die Hauptorte und Reiche des Nordens, […] und bot ihnen Frieden, daß sie Zugang zu freiem Handel in seine Stadt Lübeck hätten. Er verbriefte dort auch eine Münze, einen Zoll und höchst ansehnliche Stadtfreiheiten. Von der Zeit an gedieh das Leben in der Stadt, und die Zahl ihrer Bewohner vervielfachte sich.“ Die Gründung Lübecks fiel in eine wirtschaftlich aufstrebende Zeit; die Stadt prosperierte von Anfang an und wuchs schnell. Lübeck bildete zudem mit Hamburg auf dem Landweg eine bedeutende und handelslukrative Städteverbindung und ließ so Schleswigs Bedeutung weiter sinken.Vgl. Rolf Hammel-Kiesow: Die Hanse. München 2004, S. 30.

Anfänglich konkurrierte Lübeck zudem direkt mit Bardowick und Lüneburg, doch spätestens seit der Verlegung des Bistums von Oldenburg nach Lübeck im Jahre 1163 (1160 bat Bischof Gerold von Oldenburg Heinrich den Löwen um die Verlegung des Bistums nach Lübeck. 1163 wurde der erste Dom in Lübeck geweiht) war Lübecks regionale Bedeutung herausragend.Vgl. Karl Pagel: Die Hanse. Oldenburg i.O. 1942, S. 47f.

Nach Heinrichs Sturz wurde die Burg von 1181 bis 1189 kaiserlich, anschließend bis 1192 dann wieder herzoglich-sächsisch und 1217 von König Waldemar II. von Dänemark übernommen. Nach dessen Niederlage in der Schlacht bei Bornhöved (1227) wurde an ihrer Stelle das Burgkloster errichtet, in das Dominikanermönche einzogen.C.-H. Seebach: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1988, ISBN 3-529-02675-1.G. P. Fehring: Die Burg in Lübeck. In: Lübecker Schriften für Archäologie und Kulturgeschichte. Habelt, Bonn 6.1982. .

Die Zeit der Hanse bis zum Frieden von Stralsund Anfänge 150px|mini|links|Friedrich I. Barbarossa mini|Reichsfreiheitsbrief der Stadt Lübeck aus dem Jahr 1226 mini|Stadtsiegel von 1280

Nach einem Brand 1157 wurde Lübeck von Heinrich dem Löwen wiederaufgebaut, der hierfür seine Stadt Bardowick aufgab. 1160 erhielt Lübeck das Soester Stadtrecht. Dieser Zeitpunkt wird heute von HistorikernFür alle: Philippe Dollinger: Die Hanse. Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-37105-7. als der Beginn der Kaufmannshanse (im Gegensatz zur späteren Städtehanse) angesehen. Wichtigstes Argument für diese Position stellt dabei das Artlenburger Privileg von 1161 dar, in dem Lübecker Kaufleute den bisher im Ostseehandel dominierenden gotländischen Kaufleuten rechtlich gleichgestellt werden sollten. In dieser Zeit begann durch Helmold von Bosau und seinen Nachfolger Arnold von LübeckArnold von Lübeck: Chronica Slavorum. Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 19.1963, . mit der Chronica Slavorum die umfassende schriftliche Überlieferung des Zeitgeschehens in Nordostdeutschland. Das Barbarossa-Privileg von 1188 sicherte der Neugründung den territorialen Bestand und die Handelsmöglichkeiten.

Die der Stadt von Heinrich dem Löwen mitgegebene Ratsverfassung beruhte auf einem Stadtrat von 24 Ratsherren, der sich aus den Zusammenschlüssen der Kaufleute selbst durch Zuwahl ergänzte und aus seiner Mitte bis zu vier Bürgermeister wählte. So konnten nur die wirtschaftlich stärksten Kaufmannsfamilien in den Rat gelangen, es durfte allerdings nur jeweils ein Mitglied einer Familie im Rat sein, nie zwei gleichzeitig. Dieses Modell der Verfassung blieb bis zum 19. Jahrhundert weitgehend erhalten. Damit war die Grundlage für den ausschließlich an den Interessen der Fernhandelskaufleute ausgerichteten rasanten Aufstieg Lübecks zur Handelsmacht in Nordeuropa von der inneren Struktur gelegt. Um 1200 nahm der Hafen und die Schifffahrt weiter Aufschwung: Lübeck wurde der Auswanderungshafen für die Ostkolonisation des Deutschen Ordens in Livland, die unter dem Hochmeister Hermann von Salza ihren Höhepunkt erreichte (Goldene Bulle von Rimini vom März 1226).