Bileam und die Eselin oder Balaams Esel ist ein Ölgemälde des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn aus dem Jahr 1626, das eine Szene aus der Geschichte des Propheten Bileam im 4. Buch Mose wiedergibt. Das Gemälde ist im Hochformat auf Eichenholz ausgeführt und steht zeitlich und stilistisch in engem Zusammenhang mit Rembrandts Gemälden Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel, Historiengemälde mit Selbstporträt des Malers und Die Steinigung des heiligen Stephanus. Das Werk wurde erst an der Wende zum 20. Jahrhundert bekannt und wird seither durchgehend als Original von der Hand Rembrandts anerkannt.

Beschreibung Darstellung mini|links|hochkant|Ein polnischer Edelmann mit Kommandostab, Rembrandt, 1637, Öl auf Eichenholz, 96,8 × 66 cm, National Gallery of Art, Washington, D.C. Im Zentrum des Bildes befindet sich ein alter Mann mit langen weißen Haaren und Bart, der biblische Prophet Bileam. Er ist in ein prächtiges gelbes Gewand mit aufwändigem Besatz aus Brokat und einem Pelzrand gekleidet. Darüber trägt er eine rot und grün gestreifte Leibbinde und einen weiten roten Umhang, seine Kopfbedeckung ist ein blau und rot gestreifter Turban. Trotz seiner prunkvollen Kleidung ist er barfuß. Er sitzt mit vor Wut verzerrtem Gesicht auf seinem unter ihm zusammengebrochenen Esel. Dabei zieht er mit der linken Hand am Zügel und hat mit dem angewinkelten rechten Arm einen Knüppel über den Kopf zum Schlag erhoben.

Der Esel ist mit einem gelblichen Geschirr versehen und trägt eine rote Packtasche. Sie ist geöffnet, aus ihr quellen oben und aus der Seitentasche Dokumente hervor, von denen eines in zwei Zeilen vier und drei augenscheinlich hebräische Schriftzeichen zeigt. Aus der Tasche ragt ein gelber Kommandostab mit metallener Kappe. Der Esel hat seinen linken Lauf eingeschlagen, der rechte ist eingeknickt und wirkt, als sei das Tier im Aufstehen begriffen. Er hat seinen Kopf nach hinten gedreht und seinem Reiter zugewandt. Seine Augen sind weit aufgerissen, die Ohren nach hinten gelegt und das Maul geöffnet, so dass die Reihen der Zähne in Ober- und Unterkiefer deutlich sichtbar sind.

Hinter dem Esel und seinem Reiter ist ein aus einer dunklen Wolke heraustretender Engel dargestellt. Die Figur nimmt mit ihren breit ausladenden grau gefiederten Flügeln den linken Hintergrund ein. Der Engel hat mittellange blonde Haare und wirkt jugendlich, er ist lediglich mit einem über seine rechte Schulter geworfenen weißen Tuch bekleidet, das die linke Schulter frei lässt. Der Engel hat sich Bileam zugewandt, in der rechten Hand trägt er ein Schwert. Auch sein rechter Arm ist zum Schlag über den Kopf erhoben, und sein linker Arm mit der geballten Faust ist in einer ausgleichenden Bewegung nach vorne gestreckt.

Rechts über Bileam sind im Mittelgrund zwei ebenfalls prunkvoll gekleidete Männer zu Pferd abgebildet. Sie tragen violette und gelbe Gewänder und Turbane mit Federn und beobachten die Szene. Hinter Bileams erhobener Hand sind zwei weitere Köpfe mit Turban zu erkennen, die überwiegend verdeckt sind. Am rechten Bildrand, rechts neben dem alten Mann und rechts unter den beiden Reitern, stehen zwei jugendliche Figuren, möglicherweise Diener des Alten. Beide tragen schlichte dunkle Kleidung, der größere rechte mit einer hellen Leibbinde. Der linke Diener hält vor seinem Bauch einen großen Gegenstand, der wie ein Gefäß in der Art eines Krugs oder Pokals wirkt. Den Hintergrund nimmt in der Mitte eine turmartige Felsformation ein, links und rechts von ihr ist der bewölkte Himmel bis unter die Bildmitte herabgezogen. Der linke Vordergrund ist als Teil des Weges fast frei, im rechten Vordergrund befinden sich Pflanzen mit großen Blättern, die wie Salat oder Kohl wirken.

Auf dem Stein im Vordergrund ist mit dünnen graubraunen Pinselstrichen das Monogramm und Jahr RH 1626 aufgemalt. Das Monogramm und die Jahreszahl gelten als authentisch.

Technische Untersuchung Das Gemälde hat das Format 63,2 × 46,5 cm und ist mit Ölfarbe auf eine etwa vier Millimeter starke Tafel aus Eichenholz mit senkrechter Maserung gemalt. Sie ist durch eine zweite Tafel verstärkt, die auf der Rückseite lackiert ist. Die vordere Tafel besteht aus zwei Brettern, das linke hat eine Breite von 24,5 und das rechte von 22 cm. Das rechte Brett ist an der Unterkante, 16,3 cm vom rechten Rand entfernt, etwa 19 Zentimeter tief eingerissen. Das Format der Tafel entspricht weitgehend jenem Rembrandts frühen Werken Taufe des Kämmerers und der Musizierenden Gesellschaft, beide ebenfalls von 1626.

Die hellgelbe Grundierung tritt nur an wenigen Stellen mit sehr dünnem Farbauftrag vor. Die Farbschicht befindet sich in einem insgesamt guten Zustand, nur wenige Bereiche zeigen Farbverluste. An einigen Stellen sind Übermalungen zu erkennen und die Farbschicht weist ein sehr feines und regelmäßiges Krakelee auf.

Rembrandts Vater

Wilhelm Bode gab 1905 an, der linke Reiter gehe wie Rembrandts David spielt die Harfe für Saul im Städelschen Kunstinstitut auf die abgebildete Studie für einen orientalischen Fürsten zurück. Diese kleinformatige Holztafel galt seinerzeit als ein Werk Rembrandts, wurde aber später abgeschrieben. Sie stammt allenfalls aus seinem Umkreis. Dieser linke Reiter trägt nach Auffassung Cornelis Hofstede de Groots die Gesichtszüge von Rembrandts Vater. Seine Feststellung hat aber in der kunsthistorischen Literatur keinen Widerhall gefunden.

Biblischer Hintergrund Der biblische Hintergrund des Gemäldes ist die Geschichte von Bileam im 4. Buch Mose . Während ihrer vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste schlugen die von Mose angeführten Israeliten ihr Lager in der Steppe von Moab auf, jenseits des Jordan bei Jericho. Balak, der König von Moab, schickte Boten zu dem Propheten Bileam. Dieser sollte zu ihm kommen, um die Israeliten zu verfluchen, auf dass er sie militärisch besiegen könne. Als die Ältesten von Moab und Midian bei Bileam eintrafen, ließ dieser sie mit dem Versprechen übernachten, ihnen am nächsten Tag das Wort zu überbringen, das Gott ihm gesagt habe. Gott kam zu Bileam und forderte ihn auf, nicht mit den Boten zu gehen und die Israeliten nicht zu verfluchen, denn sie seien gesegnet. Als seine Boten ohne Bileam zurückkehrten, schickte Balak mehr und vornehmere Hofleute als Boten aus, die Bileam einen höheren Lohn anboten. Erneut ließ er die Boten übernachten, um Gottes Wort zu hören. Gott erlaubte Bileam, den Boten zu folgen, er solle aber nur das tun, was er ihm sage .

Als Bileam am folgenden Tag auf seinem Esel und in Begleitung zweier junger Männer den Weg zu Balak antrat, wurde Gott zornig. Ein Engel mit erhobenem Schwert, den nur Bileams Eselin sehen konnte, versperrte zwei Mal den Weg, worauf Bileam die Eselin mit seinem Stock schlug. Beim dritten Mal gab es keine Möglichkeit, dem Engel auszuweichen, die Eselin ging unter Bileam in die Knie. Als er sie zum dritten Mal schlug, ließ Gott sie sprechen: Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt schon zum dritten Mal schlägst? Bileam warf der Eselin vor, dass sie ihn verhöhne und dass er sie getötet hätte, wenn er ein Schwert dabei hätte. Darauf öffnete ihm Gott die Augen und ließ ihn den Engel mit seinem Schwert sehen. Bileam erkannte, dass er gesündigt hatte .

Bereits im frühen Christentum wurde Bileam wegen einer seiner Prophezeiungen geschätzt. Im Kapitel 24 des 4. Buch Mose prophezeit Bileam: Diese Prophezeiung des in Jakob aufgehenden Sterns wurde stets als Ankündigung des Kommens Christi und als Hinweis auf den Stern von Betlehem verstanden. Die Konfrontation Bileams mit dem Engel ist ein Hinweis auf die nachfolgende messianische Prophezeiung.

Die Erzählung von Bileam und der Eselin ist auch im Judentum von großer Bedeutung, aber mit anderen Schwerpunkten. Balak beauftragt Bileam mit dem Verfluchen der Israeliten, da er ihn für fähig hält, wie Mose selbst zu verfluchen. Tatsächlich kann Bileam nur den Zeitpunkt erkennen, an dem Gott täglich wegen der Götzendiener auf der Welt zürnt. Indem Bileam genau zu diesem Zeitpunkt seine Flüche ausspricht, bringt er den Zorn Gottes über seine Opfer und erweckt den Eindruck eigener Macht. Ohne diesen Augenblick des göttlichen Zorns zu nutzen, konnten Bileams Flüche keine Wirkung entfachen. Indem Gott der Eselin den Mund öffnet, demonstriert er Bileam, dass nur er selbst der Herr über Mund und Sprache ist und niemand ohne seine Einwilligung segnen oder verfluchen kann. Im weiteren Verlauf der Geschichte von Bileam segnet dieser auf Weisung Gottes das Volk Israel, anstatt es zu verfluchen.

Die erste Zeile des jüdischen Gebets Ma Towu ist ein Zitat aus Bileams Segen. Dessen ungeachtet wurde Bileam im Judentum meist als bösartig oder schwacher Charakter dargestellt. Balak ist die vierzigste Parascha der Tora, zu der auch die Geschichte von Bileam gehört. Da diese Parascha den Schülern beim Toraunterricht große Schwierigkeiten bereitet, ist sie in die jiddische Redensart „mit jemandem Bolok lernen“ eingegangen, was „jemanden quälen“ bedeutet.

Das Gemälde Rembrandts stellt den Augenblick dar, in dem die Eselin unter Bileam in die Knie gegangen ist, dieser voller Zorn zum erneuten Schlag ausholt und die Eselin sich zu ihm umdreht und zu sprechen beginnt . Abweichend vom Text der Bibel versperrt der Engel Rembrandts nicht den Weg, sondern erscheint hinter den Hauptfiguren in den Wolken. Die beiden Reiter und die beiden bis auf Teile der Köpfe verdeckten Figuren sind die von Balak ausgesandten Boten. Bei den jungen Männern am rechten Bildrand handelt es sich um die beiden Diener, die Bileam begleiten.

Kunsthistorische Einordnung mini|Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel, 1626, Öl auf Holz, 43,1 × 32 cm, Puschkin-Museum, Moskau

Rembrandts Frühwerk Nach seiner 1620 begonnenen Ausbildung bei Jacob Isaacsz. van Swanenburgh begab Rembrandt sich 1624 nach Amsterdam, um ein halbes Jahr lang bei Pieter Lastman zu lernen. 1625 kehrte er nach Leiden zurück und eröffnete mit Jan Lievens eine Werkstatt. Das Gemälde entstand noch unter dem Einfluss der Historienmalerei seines Lehrers Pieter Lastman, der in Rom an den Werken von Elsheimer und Caravaggio geschult wurde. Die „bunte, fast grelle Farbenwahl“ auf südlicher Bühne, aber auch die gleichmäßige Beleuchtung vor einem hellen Hintergrund und die noch etwas steife Darstellung der Figuren ist typisch für diese frühen Bilder Rembrandts. Bileam und die Eselin ist die Fortführung von Rembrandts Bemühungen, menschliche Emotionen ins Bild zu setzen. Damit folgt das Bild auf den Zyklus Die fünf Sinne, die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel und die Steinigung des heiligen Stephanus. Der Bileam entstand aber vor Tobias verdächtigt seine Frau des Diebstahls, wo diese Bemühungen Rembrandts ebenfalls deutlich erkennbar sind. Auch Übereinstimmungen bei der Art und Größe der verwendeten Tafel und im Malstil sowie die Bildkomposition und Parallelen, wie die zum Schlag erhobenen Arme Bileams und Christi bei der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel, weisen darauf hin, dass Bileam und die Eselin in die Reihe der Arbeiten Rembrandts aus dem Jahr 1626 gehört. Dabei wirkt die Ausführung der Stilllebenelemente wie der Packtaschen Bileams und der Pflanzen rechts im Vordergrund gegenüber der Vertreibung der Geldwechsler fortgeschrittener. Eine größere stilistische Ähnlichkeit besteht auch mit dem Historiengemälde mit Selbstporträt des Malers und der Musizierenden Gesellschaft.