Die Bundesstraße 4 (B 4) ist eine Straße in der Bundesrepublik Deutschland für den überregionalen Straßenverkehr. Ursprünglich führte die Straße von Kiel, seit den 1990er Jahren etwas kürzer von Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein über die Städte Hamburg und Braunschweig zum Harz und weiter nach Erfurt und Nürnberg. Von ihrem Gesamtverlauf von ehemals rund 650 km ist sie seit 2017 auf nur noch knapp 380 km als Bundesstraße 4 gewidmet. Größtenteils verläuft die Bundesstraße parallel zu Bundesautobahnen, sodass nur noch zwei längere Straßenabschnitte mit Bedeutung für den überregionalen Verkehr verblieben sind. Der nördliche Straßenabschnitt führt von Lüneburg über rund 120 Kilometer nach Braunschweig und soll durch die Bundesautobahn 39 ersetzt werden. Der südliche Straßenabschnitt führt von Bad Harzburg über rund 130 Kilometer nach Erfurt; in diesem Teil sind vor allem Ortsumgehungen vorgesehen bzw. bereits gebaut.
Streckenverlauf (Kiel – Neumünster –) Bad Bramstedt – Quickborn – Hamburg (– Seevetal – Winsen (Luhe) –) Lüneburg – Uelzen – Gifhorn – Braunschweig (– Wolfenbüttel – Schladen – Vienenburg –) Bad Harzburg – (südl. Torfhaus höchster Punkt, ca. ü. NHN) – Braunlage – Nordhausen – Sondershausen – Erfurt (– Arnstadt – Ilmenau – Schleusingen – Eisfeld –) Sonneberg – Coburg – Breitengüßbach (– Bamberg – Forchheim –) Erlangen – Nürnberg
Zwischen Braunlage und Lüneburg ist die B 4 Teil der Harz-Heide-Straße. Zwischen Hallstadt und Erlangen wurde die B 4 wegen der parallel verlaufenden Autobahn A 73 zur Staatsstraße (St2244) herabgestuft, in Schleswig-Holstein wurde sie wegen der parallel verlaufenden Bundesautobahn 7 und Bundesautobahn 215 ebenfalls zu Landesstraßen herabgestuft. Im Zuge des Baues der Bundesautobahn 71 und der Bundesautobahn 73 wurden die Abschnitte zwischen Erfurt und Coburg ebenfalls zur Landesstraße 3004 (nördlich von Eisfeld) und Kreisstraße (in Erfurt, südlich Eisfeld) herabgestuft. Zwischen südlich von Lüneburg und Maschen wurde die B 4 nach dem Bau der A 250 und der Ortsumgehung Lüneburgs zur K 86, K 87, K 46, L 216 und K 7. Auch zwischen Braunschweig und Bad Harzburg ist sie durch die A 36 und A 369 ersetzt worden.
Im Zuge des Lückenschlusses der A 39 wird das zurzeit längste Stück zwischen Lüneburg und Braunschweig-Wenden herabgestuft werden.
Geschichte mini|links|1971: Ausbau zur vierspurigen Fernverkehrsstraße 4 bei Erfurt mini|1976: Planung als Bundesautobahn 369 (Braunschweig – Bad Harzburg – Braunlage)
Die Bundesstraße 4 folgt im Abschnitt von Braunschweig bis in die Nähe von Hamburg einer jahrhundertealten mitteleuropäischen Post- und Verkehrsverbindung, die in der Frühen Neuzeit als „Salzstraße“ – wegen des Salzhandels bei Lüneburg – bekannt war. In diesem Abschnitt geht die heutige Trasse, ausgenommen die in neuerer Zeit gebauten Ortsumgehungen und Autobahnabschnitte, auf die Zeit um 1800 zurück. Damals wurde die Straße, vorwiegend aus militärischen Gründen, als eine möglichst gerade und kurze Verbindung der wichtigsten Anliegerorte neu errichtet. Zuvor folgte die Straßenführung mehr den natürlichen Gegebenheiten, z. B. Bächen und Waldrändern, und verlief teils ein bis zwei Kilometer von der heutigen Trasse entfernt. Einen Überblick über die ältere Trasse geben die Karten der kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem 18. Jahrhundert.
Die Straße führte ursprünglich bis nach Kiel. Die Altona-Kieler Chaussee wurde 1830 bis 1832 gebaut und war die zweite Kunststraße im Herzogtum Holstein.
Im April 1945 wurden KZ-Häftlinge des Konzentrationslagers Fuhlsbüttel über die damals noch Reichsstraße 4 (R 4) genannte Straße in Richtung Kiel zum Arbeitserziehungslager Nordmark geschickt. Kiel lag weiter von der Frontlinie entfernt und eine ganze Anzahl von Hamburger KZ-Häftlingen wurden auf diese Art durch die Nazis vor den herannahenden Alliierten verborgen. Viele der KZ-Häftlinge überlebten diese tagelangen Todesmärsche nicht.
Am 4. Mai 1945 fuhr der vom Reichspräsidenten Karl Dönitz beauftragte Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Hans-Georg von Friedeburg von Flensburg-Mürwik kommend, wo sich die letzte Reichsregierung aufhielt, mit einem Mercedes über die Reichsstraße 4 zur Unterzeichnung der Teilkapitulation für die Truppen in Nordwestdeutschland, Dänemark, Niederlande und Norwegen. Nördlich von Quickborn trafen Friedeburg und seine Begleiter auf die britischen Soldaten. Fotos vom 4. Mai dokumentieren noch heute das Zusammentreffen von Friedeburg mit höheren Offizieren der britischen 2. Armee beim dortigen Bilsener Wohld. Er passierte sodann die britischen Linien und fuhr weiter nach Lüneburg, wo die besagte Teilkapitulation unterzeichnet wurde.
Vor dem Bau der A 7 bzw. A 215 zu den Olympischen Spielen 1972 waren die B 4 und die in den 1960er Jahren gebaute B 404 die wichtigsten Verbindungen von Kiel nach Hamburg. In den 1990er Jahren wurde die B 4 zwischen Kiel und Neumünster zur Landesstraße 318 und zwischen Neumünster und Bad Bramstedt zur Landesstraße 319 herabgestuft; ihre Funktion für den motorisierten Individualverkehr wird von der A 7 und der A 215 übernommen.
Am 18. Dezember 1971 wurde die vierspurige Neubaustrecke der B 4 zwischen Gut Radau und der Bad Harzburger Innenstadt eröffnet, die Kosten beliefen sich auf über 30 Millionen DM. Zunächst wurde die Strecke ab 1972 sukzessive nach Norden weitergebaut, bis sie im Dezember 1994 vollständig unter der Bezeichnung A 395 vierspurig nach Braunschweig verlief.
Hamburg – Lüneburg Bereits in den 1960er Jahren wurde die B 4 zwischen den heutigen Anschlussstellen Hamburg-Eidelstedt der A 23 und Hamburg-Stellingen der A 7 als Eidelstedter Ortsumgehung auf die Trasse der Autobahnen verlegt, die sie dort heute ersetzen. Im Bereich der Stresemannstraße in Hamburg-Altona-Nord besteht seit mehreren schweren Personenunfällen in den 1980er Jahren ein Tempolimit auf 30 km/h; zeitweise war die viel befahrene B 4 hier auf einen Fahrstreifen je Richtung verengt.
Südlich der Hamburger Elbbrücken geht die B 4 seit den 1990er Jahren zusammen mit der B 75 auf die kurze Autobahn A 255 über und durchquerte seit 1951 den Stadtteil Wilhelmsburg als autobahnähnliche Kraftfahrstraße (Wilhelmsburger Reichsstraße), die in die A 253 (Harburger Umgehung) mündete. Dieser Abschnitt wurde zum 6. Oktober 2019 auf die B 75 reduziert. Das von Hamburg-Harburg nach Süden führende Stück zwischen den Anschlussstellen Hamburg-Wilstorf der A 253 und Fleestedt der A 7 wurde Anfang der 2000er Jahre entwidmet. Bis zur AS Lüneburg-Nord wird die B 4 heute durch die A 7 und A 39 und bis zur AS Lüneburg-Häcklingen durch die Ostumgehung Lüneburg ersetzt.
Lüneburg – Uelzen – Gifhorn – Braunschweig Im Zusammenhang mit den Autobahnplanungen im nordost-niedersächsischen und west-mecklenburgischen Raum (A 14, A 39) wurde auch mehrfach ein Ersatz oder autobahnähnlicher Ausbau der B 4 auf gut 100 Kilometer zwischen Lüneburg (A 39) und Braunschweig (A 2) diskutiert, schließlich aber verworfen. Im August 2006 wurde in diesem Bereich ein Durchfahrverbot für Lkw über zwölf Tonnen eingeführt – aufgrund der geringen Strafen (20 Euro) bei Nichtbeachtung hat sich aber an der Situation (zu starker Lkw-Transitverkehr) nichts geändert. Es wird aber aus regionalpolitischen Überlegungen auch schon seit längerem ein vierspuriger Ausbau zwischen Gifhorn und Braunschweig, speziell im Bereich Papenteich, geplant.
Braunschweig – Bad Harzburg – Braunlage
Die Strecke Braunschweig–Bad Harzburg verlief vor der Nachkriegszeit über Wolfenbüttel und die heutige Landesstraße L 615 über Ohrum, Dorstadt und Heiningen nach Schladen; von dort weiter über einen nun von der Bundesautobahn 36 überbauten Abschnitt nach Lengde und ab hier über den kompletten Verlauf der heutigen Kreisstraße K 34 über Vienenburg und ab der heutigen Abfahrt Vienenburg-Süd über die von der Bundesautobahn 369 überbauten Strecke nach Gut Radau. An der heutigen Abfahrt Westerode südlich des Bad Harzburger Dreiecks führte die B 4 über die Straßen Westeroder Straße, Breite Straße, Dr.-Heinrich-Jasper-Straße/Herzog-Julius-Straße und Nordhäuser Straße durch das Stadtgebiet. Besonders die Überschneidung mit der Bundesstraße 6 in der Innenstadt sorgte vor der stückweisen Errichtung der Ortsumgehung für eine sehr starke Belastung durch den Autoverkehr.
Zunächst wurde die Verbindung Braunschweig–Wolfenbüttel in den 1960er Jahren zum Teil vierspurig ausgebaut. Auch die vierspurige Ortsumgehung Vienenburg wurde vor 1971 fertiggestellt. Die Ortsumgehung Bad Harzburg befand sich ab 1966 im Bau und wurde am 10. Dezember 1971 mit Baukosten von ca. 30 Millionen DM für den Verkehr freigegeben. Im November 1972 werden diese beiden Ortsumgehungen als eine vierspurige Strecke verbunden, für drei Jahre besteht sie als eine einheitliche Strecke. Zum 1. Januar 1975 wurden die autobahnähnlichen Abschnitte der Bundesstraße 4n in Braunschweig/Wolfenbüttel und Vienenburg/Bad Harzburg zur Bundesautobahn 395 aufgestuft. Der vierspurige Ausbau dieser Autobahn als Ortsumgehung wurde später in den 1980er Jahren vollendet. Durch die Fertigstellung der Autobahn am 15. Dezember 1994 wurden auch die restlichen Abschnitte der Bundesstraße 4 abgestuft.
Am 2. Oktober 2001 wurde die Bundesautobahn 395 südlich des Bad Harzburger Dreiecks zurückgestuft, sodass ein wenige hundert Meter langer Abschnitt dieser Strecke an die Bundesstraße 4 fiel. Seitdem besteht am Bad Harzburger Dreieck wieder eine direkte Kreuzung mit der Bundesstraße 6. Am 1. Januar 2019 wurde die Strecke nördlich des Autobahndreiecks zur Bundesautobahn 369 aufgestuft, sodass sich die Bundesstraße 4 als eine vierspurige Straße aus der Autobahn fortsetzt und das Stadtgebiet durchschneidet. Die Bundesstraße setzt sich anschließend, weiterhin vierspurig, durch das Radautal in den Harz fort. Die am 20. Oktober 1977 fertiggestellte Verbindung Bad Harzburg–Torfhaus stellt ein wesentliches Rückgrat für den Tourismus dar. Torfhaus ist die höchste Ortschaft an der B 4. Bei Braunlage ist die B 4 als eine Ortsumfahrung dreispurig ausgebaut.
Braunlage – Nordhausen – Erfurt Im Südharz sind Ortsumfahrungen der Orte Ilfeld und Niedersachswerfen sowie der Stadt Nordhausen geplant sowie ein Ausbau der Bundesstraße zwischen Nordhausen und Sondershausen auf vier Fahrspuren. Dieser Ausbau soll zudem die bisherigen Serpentinen am dortigen Sundhäuser Berg entschärfen. In Sondershausen selbst wurde im Oktober 2008 nach einer Bauzeit von viereinhalb Jahren eine westlich an der Stadt vorbeiführende Ortsumfahrung für den Verkehr freigegeben. Der Bau dieses Streckenabschnittes mit insgesamt zehn Brücken kostete 43 Millionen Euro. Somit befinden sich auf dem 75 Kilometer langen Abschnitt zwischen Nordhausen und Erfurt nur noch drei Ortsdurchfahrten: in Greußen, Straußfurt und Gebesee. Die Errichtung von dort geplanten Umgehungen wurde allerdings wegen fehlender Landesmittel auf unbestimmte Zeit verschoben. Bis auf die Ortsumgehungen für Ilfeld und Niedersachswerfen (weiterer Bedarf), sind alle Thüringer Ortsumgehungen als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 eingestuft.
Erfurt – Coburg Zwischen der A 71-Abfahrt Erfurt-Gispersleben und der A 71-Abfahrt Ilmenau-West ist die B 4 seit 2003 (zwischen A 4 Abfahrt Erfurt-West und Ilmenau) bzw. 2006 (zw. A 71 Erfurt-Gispersleben und A 4) auf 43 km Länge auf die A 71 verlegt worden. Dazu wurde sie zur Landesstraße 3004 und Kreisstraße 35 (in Erfurt) zurückgestuft.
Seit April 2004 wurde eine zwei Kilometer lange östliche Ortsumgehung für Schleusingen gebaut, die auch als Autobahnzubringer für die Anschlussstelle Schleusingen der A 73 dient. Größtes Bauwerk ist eine 72 m lange Dreifeldbrücke über die Nahe. Die Eröffnung dieser Strecke sollte bereits im Winter 2005 stattfinden, wurde jedoch erst am 16. Juni 2006 vollzogen.