mini|Ein Dassault Mystère IV A Jet aus vergangenen Zeiten, aufgerichtet in der Nähe des Haupteingangs im Nordosten der Nevatim Airbase ()
Der Militärflugplatz Nevatim (, deutsch: Sprossen, junge Triebe, ) zählt zu den größten der Israelischen Luftwaffe (IAF), und er liegt etwa 15 Kilometer ostsüdöstlich von Beʾer Scheva beim Moschav Nevatim in der Negev-Wüste im Südbezirk Israels. Er besitzt drei unterschiedlich lange Start- und Landebahnen, und neben drei Staffeln von Tarnkappen-Kampfjets sind auf ihm Transportflugzeuge, Tankflugzeuge und Maschinen zur elektronischen Aufklärung/Überwachung, sowie die sogenannte Israeli Air Force One stationiert (siehe „Einheiten“ samt Galerie ganz unten).
Die Airbase war seit ihren Anfängen auch für eine duale Nutzung im Gespräch, d. h. sowohl militärisch als auch zivil, als Flughafen für die wachsende Großstadt Beʾer Scheva und Umgebung. 2025 wurde nun aber beschlossen, einen neuen Großflughafen auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt zu bauen (siehe unter: Internationaler Flughafen).
Geschichte Die Anfänge 1947 wurde hier in der nördlichen Negev-Wüste ein Flugfeld für die Scherut Awir angelegt, der Flugzeugstaffel der Hagana. Das Flugfeld erhielt den Namen Malhata nach der archäologischen Stätte Tel Malḥata, die sich nordöstlich der heutigen Startbahnen innerhalb der Airbase befindet (siehe Karte rechts und ).
1958 war das Gelände dann für den Bau eines zukünftigen internationalen Flughafens der Stadt Beʾer Scheva und Umgebung vorgesehen, der den nordwestlich von ihr gelegenen Flugplatz Be’er Scheva ersetzen sollte, der sich nicht für die Entwicklung als moderner Großflughafen eignete.
1966 wurde ein interministerieller Ausschuss eingesetzt, der die Möglichkeit des Baus eines internationalen Flughafens in der Region Beʾer Scheva prüfen sollte, aber in der Praxis wurde dieses Thema dann nicht weiter gefördert.
Von 1980 an wurde der Militärflugplatz Nevatim hier errichtet und im Oktober 1983 eingeweiht. Dies geschah parallel zu den Flugplätzen Ramon und Ovda – größtenteils mit Hilfe von US-Firmen und auch US-Finanzierung. Währenddessen zog sich Israel schrittweise aus dem Sinai zurück und gab seine vier dortigen Militärflugplätze auf (siehe auch: Camp-David-Abkommen von 1978 und Karte in Galerie unten).
Anfang der 1980er Jahre mussten für den weitläufigen Bau der Nevatim Airbase einige israelische Beduinen nach außerhalb der geplanten Fläche umgesiedelt werden. Sie wurden dafür finanziell entschädigt, und man bemüht sich bis heute um ein gutes Verhältnis zu ihnen.
1986 wurde vorgeschlagen, den Stützpunkt auch für Charterflüge für Touristen aus Europa zum Toten Meer zu nutzen.
Ein 1990 eingesetzter Ausschuss empfahl erneut den Bau eines internationalen Flughafens auf dem Stützpunkt.
Im Zuge von Budgetkürzungen Mitte der 1990er Jahre gab es Überlegungen, den Stützpunkt sogar ganz zu schließen und seine fliegenden Einheiten auf andere Flugplätze zu verlegen. Stattdessen wurde er ab Anfang der 2000er Jahre erweitert, und er übernahm schließlich 2008 den militärischen Teil des Ben-Gurion-Flughafens, der als Lod Airbase bekannt war, siehe: Transport-, Tank- und Aufklärungsflugzeuge.
Galerie
Kampfflugzeug-Staffeln Auf Nevatim sind drei Staffeln mit Kampfflugzeugen stationiert. Hier ist deren Geschichte in Kurzform:
116. Staffel „Lions/Defenders Of The South“ Die 116. Staffel „Lions Of The South“ mit A-4N Skyhawk Ayit leichten Kampfjets wurde 1983 von der Tel Nof Airbase auf den neu gegründeten Militärflugplatz Nevatim 70 Kilometer weiter südlich verlegt und war dessen erste Kampfjet-Staffel. Die A-4N-Jets blieben dort bis zum Jahr 2002 im Dienst, als die Staffel vorübergehend aufgelöst wurde.
2003 wurde sie mit F-16A/B Netz als „Defenders Of The South“ wiedereröffnet, die von der 253. Staffel „Negev“ auf Ramon hierher transferiert worden waren. Im Sommer 2015 wurden alle F-16-Jets auf Nevatim stillgelegt und die Staffel wiederum aufgelöst.
In den 1960er Jahren hatte die 116. Staffel auf dem Militärflugplatz Tel Nof noch die Dassault Mystère IV A aus französischer Produktion geflogen. Als Reminiszenz daran wurde nahe des östlichen Haupttores der Nevatim Airbase auf einem Grashügel ein Mystère-IV-Jet aus jener Zeit aufgestellt, dessen Nase steil in den Himmel ragt (siehe Foto ganz rechts). Dort ist in einem Park auch eine Reihe anderer Flugzeuge aus früheren Zeiten ausgestellt ().
Im November 2019 wurde die 116. Staffel „Lions Of The South“ mit neuen F-35I Adir Tarnkappen-Jets auf Nevatim wiedereröffnet – als zweite von insgesamt drei Staffeln auf dem Stützpunkt mit diesen Flugzeug. Sie wird voraussichtlich gegen Ende der 2020er Jahre mit 25 Exemplaren ihre volle Stärke erreicht haben, wie die anderen beiden F-35-Staffeln auch.
117. Staffel „First Jet“ Die 117. Staffel „First Jet“ war 1953 auf dem Militärflugplatz Ramat David als erste Kampfjet-Staffel der IAF ins Leben gerufen worden und hatte seitdem an allen Kriegen und Kampfhandlungen Israels teilgenommen. Sie flog in dieser langen Zeit die britische Gloster Meteor F.8, die französische Dassault Mirage IIICJ und die US-amerikanische General Dynamics F-16A..D, alle von Ramat David aus. Im Jahr 2020 wurde die Staffel vorübergehend stillgelegt.
Am 1. Juli 2021 wurde die 117. Staffel auf Nevatim mit F-35I-Jets wiedereröffnet. Sie dient zunächst als Ausbildungs- und Trainingsstaffel für die beiden anderen F-35I-Staffeln, bis genügend Exemplare der F-35 von Lockheed Martin aus den USA geliefert wurden und wird dann zur aktiven Einsatzstaffel. Dies wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre der Fall sein.
Die 117. Staffel „First Jet“ gilt seit ihrer Gründung als eine der Elite-Staffeln der Israelischen Luftwaffe, die jeweils mit den neuesten und schlagkräftigsten Kampfflugzeugen ihrer Zeit ausgestattet wird, wie jetzt mit der F-35I Adir.
140. Staffel „Golden Eagle“ Die 140. Staffel „Golden Eagle“ mit A-4H/N Skyhawk Ayit leichten Kampfjets wurde 1982 vom dann aufgegebenen Militärflugplatz Etzion im Sinai zunächst auf den neu gegründeten Militärflugplatz Ramon im Negev verlegt und als Jagd- und Ausbildungsstaffel weitergeführt, bis sie schließlich im Jahr 1985 stillgelegt wurde. Ein Jahr später, 1986, wurde sie auf Nevatim mit F-16A/B Netz Kampfjets wiedereröffnet, die von anderen Basen hier zusammengezogen wurden. Erst 2013 wurde diese Staffel dann geschlossen und ihre verbliebenen F-16A/B-Jets an die 116. Staffel „Defenders Of The South“ – ebenfalls auf Nevatim – übergeben.
Der F-16A-Jet Nr. 243 (siehe Foto in der unteren Galerie) war am 7. Juni 1981 – gestartet vom Militärflugplatz Etzion und geflogen von Ilan Ramon (1954–2003) – an Operation Opera beteiligt gewesen, der Zerstörung des irakischen Atomreaktors Osirak, und er erhielt ein entsprechendes dreieckiges Symbol. Zu dem Zeitpunkt gehörte dieser F-16A-Jet noch zur 110. Staffel „Knights Of The North“ auf Ramat David, später dann zur 140. Staffel „Golden Eagle“ auf Nevatim, wie auf dem Foto unten zu sehen ist.
Nachdem sie mehr als drei Jahre geschlossen war, wurde die 140. Staffel „Golden Eagle“ im Dezember 2016 auf Nevatim wiedereröffnet und erhielt als erste Staffel in Israel (und außerhalb der USA) das neue Tarnkappen-Kampfflugzeug F-35I mit der hebräischen Bezeichnung Adir (אדיר).
Gegenwart Infrastruktur Im nördlichen Bereich des Militärflugplatzes mit seinen beiden Runways sind die drei Staffeln mit F-35I-Kampfjets stationiert. Zwei weitere noch aus der Anfangszeit stammende Bahnen dort sind nicht mehr in Betrieb (siehe Karte). Die südliche Start- und Landebahn mit seinen 3.900 Metern wurde im Jahr 2008 fertiggestellt und war zu diesem Zeitpunkt die längste Runway des Nahen Ostens. Im südlichen Bereich sind hauptsächlich Transportflugzeuge, Tankflugzeuge sowie Aufklärungs- und Überwachungsmaschinen beheimatet.
Tarnkappenflugzeuge mini|Eine F-35I Adir der 140. Staffel „Golden Eagle“ aus nächster Nähe und von Angesicht zu Angesicht
Seit Dezember 2016 werden auf Nevatim neue Kampfjets vom Typ F-35I Adir (Der Mächtige) stationiert, die Israel vom US-Hersteller-Konsortium um Lockheed Martin kauft und seinen Bedürfnissen entsprechend modifiziert. Es sind bisher insgesamt 75 dieser Tarnkappenjets bestellt worden, die bis Ende der 2020er Jahre ausgeliefert werden sollen. Dies entspricht drei Staffeln, die alle bereits auf Nevatim eingerichtet sind und in dieser Zeit ihre volle Stärke von jeweils 25 Flugzeugen erreichen werden. Hierbei handelt es sich um die 116. Staffel „Lions Of The South“, die 117. Staffel „First Jet“ und die 140. Staffel „Golden Eagle“, die alle schon eine längere Geschichte auf anderen Basen und mit anderen Flugzeugen hinter sich haben.
Anfang Mai 2026 wurde bekannt, dass die IAF eine vierte Staffel mit F-35I aufstellen wird, also mit 25 weiteren Stealth-Jets. Wo diese stationiert sein wird, wurde noch nicht veröffentlicht.
Flugsimulator Parallel zur Einführung der F-35I wurde auf Nevatim auch ein Flugsimulator installiert, der neue Piloten an das Flugzeug gewöhnen soll, bevor sie das erste Mal im Cockpit sitzen und der erfahrene Piloten mit Kampfsituationen vertraut machen soll, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben.
Erste Kampfeinsätze mini|Die Testversion der F-35I Adir mit externer Munition
Nach einjähriger Test- und Trainingsphase hatte Israel Anfang Dezember 2017 die ersten acht F-35I der Basis offiziell für einsatzbereit erklärt, und im Mai 2018 wurden laut dem damaligen Kommandeur der IAF, Generalmajor Amikam Norkin, weltweit die ersten scharfen Einsätze mit diesem Flugzeugtyp geflogen, wahrscheinlich gegen pro-iranische Stellungen in Syrien. Im Juli 2019 griffen auf Nevatim stationierte F-35I zweimal iranische Raketendepots an, die sich nördlich und nordöstlich der irakischen Hauptstadt Bagdad befanden.
Gaza-Krieg und externe Munition Im März 2025 bestätigte die IAF, dass sie seit Ausbruch des Gaza-Krieges am 7. Oktober 2023 mit ihren F-35I Adir Tarnkappenjets tausende von Einsätzen in allen Kampfgebieten geflogen sei und dabei auch „externe Munition“ eingesetzt habe. Bei dieser als „Beast Mode“ bekannten Konfiguration befinden sich bis zu vier Bomben oder Raketen an Stationen direkt unter den Flügeln. Normalerweise werden bei der F-35 Waffen intern im Rumpf mitgeführt, sodass die Tarnkappen-Eigenschaften des Jets erhalten bleiben. Bei externer Munition gehen diese verloren, was aber beim Gaza-Konflikt weniger wichtig erscheint, da die Hamas nicht über eine Luftabwehr verfügt.
Sowohl die USAF als auch die IAF entwickeln für ihre F-35 Tarnkappen-Jets externe Zusatztanks, die sich entweder unter den Flügeln befinden und abgeworfen werden können, als auch sogenannte CFTs (Conformal Fuel Tanks), die eng anliegend entlang des Rumpfes angebracht werden. Letztere müssen Tarnkappen-Eigenschaften besitzen, da sie nicht abgeworfen werden können. Die IAF ist ein Pionier bei der Entwicklung von CFTs an ihren F-15 und F-16 Kampfjets.
Transportflugzeuge links|80px mini|C-130H Karnaf (unten) und C-130J Shimshon während eines Vorbeiflugs am israelischen Unabhängigkeitstag 2016 Die 103. Staffel „Elephants“ wurde bereits während des Palästinakrieges im Juli 1948 auf dem Militärflugplatz Ramat David gegründet und flog von da an unterschiedliche Transportmaschinen auf mehreren Basen. Im Jahr 2008 zog sie schließlich mit ihren C-130H Hercules Karnaf vom ehemaligen Militärflugplatz Lod (militärischer Teil des Flughafens Ben Gurion) zur Nevatim Airbase um. 2014 erhielt die Staffel die verbesserte C-130J-30 Super Hercules Shimshon, die sie bis heute fliegt.
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