Theodore Racing (chin. 徳利賽車隊香港) war ein Motorsportteam, das dem in Hongkong lebenden Geschäftsmann Teddy Yip gehörte. Der Rennstall war von 1977 bis 1984 in der Formel 1 sowie in der Aurora- und der CART-Serie engagiert. In einigen Jahren konstruierte das Team eigene Rennwagen. Zeitweise war es eng mit den Formel-1-Rennställen Shadow und Ensign verbunden. Die weiß lackierten Autos von Theodore waren vielfach mit ungewohnten chinesischen Schriftzeichen versehen und brachten nach Ansicht von Beobachtern einen „geheimnisvolles asiatisches Flair“ in den internationalen Motorsport.Vgl. Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 599. Besondere Bedeutung für das Team hatte der traditionsreiche Macau Grand Prix, als dessen Initiator Yip gilt.
Teddy Yip mini|„Geheimnisvolles asiatisches Flair“ durch Rennwagen, die mit chinesischen Zeichen beschriftet waren: Theodore Racing Inhaber des Teams Theodore Racing war Teddy Yip, ein 1907 in Indonesien geborener Geschäftsmann chinesischer Abstammung mit niederländischer Staatsangehörigkeit. Yip hatte durch unterschiedliche Geschäfte, vor allem aber durch die von ihm gegründete Sociedade de Turismo e Diversões de Macau (STDM), ein erhebliches Vermögen verdient.Einige Quellen bezeichnen ihn als Milliardär, z. B. Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 238, andere sprechen von „einem großen Vermögen“, z. B. die Teambiografie auf der Internetseite www.grandprix.com. Die STDM hatte zeitweise das Monopol für Glücksspiel in der portugiesischen Kolonie Macau inne; zudem unterhielt Yip weitere Unternehmen in der Freizeit- und Tourismusbranche unterhielt.Biografie Teddy Yips in der Macau Grand Prix Gazette, Vol. 1 Issue 1 2003. Er gilt als eine der zentralen Figuren bei der touristischen Entwicklung Macaus. Der wirtschaftliche Erfolg seiner Unternehmen ermöglichte es Yip seit den 1950er-Jahren, sich in seiner Freizeit dem Motorsport zu widmen. Bis 1963 nahm er als Fahrer an Automobilrennen teil, vor allem am Macau Grand Prix, den er 1963 als Dritter beendete. Danach konzentrierte sich Yip auf die Leitung seines eigenen Rennstalls, den er bis in die 1980er-Jahre hinein regelmäßig in Macao an den Start brachte. Seit den frühen 1970er-Jahren weitete Yip sein Engagement auf den internationalen Motorsport aus. Von 1974 bis 1976 unterstützte er die Formel-5000-Einsätze von Alan Jones, Brian Redman und Vern Schuppan. 1974 erschien Teddy Yip erstmals in der Formel 1, drei Jahre in der amerikanischen CART-Serie. In der Formel 1 fuhr er mehrgleisig. Neben der Unterstützung selbständiger Rennställe (Ensign, Shadow und RAM) etablierte Yip einen eigenen Rennstall, der zeitweise sogar eigene Fahrzeuge konstruierte. Zwischen den Formel-1-Engagements nahm der Rennstall an der nach Formel-1-Regeln abgehaltenen Aurora-Serie teil. Ende der 80er Jahre beendete Yip langsam sein motorsportliches wie auch wirtschaftliches Engagement und übergab sein Wirtschaftsimperium an seinen Schwiegersohn.
Theodore Racing in der Formel-1-Weltmeisterschaft Theodore Racing war im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Formen an der Formel 1 beteiligt. Theodore startete als Sponsor (1974 bis 1977), entwickelte sich zum Kundenteam weiter (1978) und wurde schließlich ein eigenständiges Werksteam, das eigene Formel-1-Autos konstruierte (1981 bis 1983).
1974 bis 1977: Theodore als Sponsor 1974: Fahrersponsoring 1974 beteiligte sich Teddy Yip erstmals in der Formel 1. Zu dieser Zeit existierte das Team Theodore Racing in der Formel 1 noch nicht als organisatorische Einheit. Theodore Yip war 1974 lediglich Sponsor Vern Schuppans, der im Ensign-Werksteam sein Formel-1-Debüt beging.Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 238. In der Meldeliste erschien der Name Theodore in diesem Jahr noch nicht. Schuppans Engagement bei Ensign war auf sieben Rennen angelegt. Der Australier qualifizierte sich dreimal, kam aber nur bei seinem ersten Rennen – dem Großen Preis von Belgien – ins Ziel.
1976: Ein Werks-March für Theodore Racing Zwei Jahre später erschien der Name Theodore Racing erstmals in der Formel-1-Weltmeisterschaft: Yip erwarb das Recht, den von Ronnie Peterson gefahrenen zweiten Wagen des March-Werksteams zum Großen Preis der USA West unter der Bezeichnung Theodore Racing zu melden. Ungeachtet dieser Bezeichnung organisierte March den Renneinsatz des Peterson-Wagens, der auf dem Long Beach Grand Prix Circuit als 10. über die Ziellinie fuhr.
1977: Ensign mini|Ensign N177 (hier in der Lackierung des Team Tissot Ensign with Castrol) Zum Großen Preis von Großbritannien 1977 erschien das Team Theodore Racing Hong Kong in der Formel 1. Unter dieser Bezeichnung wurde ein Ensign N177 für den französischen Rennfahrer Patrick Tambay gemeldet, der hier seine ersten Versuche in der Formel 1 unternahm.
1977 verfügte Theodore Racing noch nicht über eine eigene Infrastruktur. Theodore war lediglich Namenssponsor für den zweiten Wagen des Ensign-Teams, das zuvor nur mit einem Fahrzeug (für Clay Regazzoni) in der Formel-1-Weltmeisterschaft angetreten war. Yip nutzte dabei ein Vorgehen, das in den 1970er Jahren nicht unüblich war: Um den Sponsoren der Fahrer gebührend Rechnung zu tragen, konnten verschiedene Fahrer des gleichen Teams unter selbständigen, voneinander abweichenden Bezeichnungen gemeldet werden.Derartiges war zuvor bereits bei March und auch bei anderen Rennställen praktiziert worden. Ensign organisierte danach in der zweiten Saisonhälfte 1977 den Renneinsatz sowohl für Regazzoni als auch für Tambay. Regazzonis Wagen wurde unter dem Namen Team Tissot Ensign with Castrol gemeldet, während Tambays Auto nominell für Theodore Racing Hong Kong antrat.Teambiografie auf der Internetseite www.grandprix.com.
Zwar fuhren beide Ensign-Piloten einen N177; Tambays Wagen war allerdings wettbewerbsfähiger als der Werkswagen Regazzonis. Teddy Yip stellte Tambay die Mittel für einen leistungsstarken Cosworth-Motor bereit, der sich auf aktuellem Bearbeitungsstand befand, während Regazzoni im finanziell angeschlagenen Ensign-Team nur auf weniger standfeste gebrauchte Motoren zurückgreifen konnte. Yip finanzierte Tambay außerdem private Testfahrten, die Regazzoni verwehrt waren.Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 239.
Die gesicherte Finanzierung seines Einsatzes zahlte sich für Tambay aus. Bereits bei seinem ersten Rennen setzte sich der Franzose im Theodore-Ensign gegenüber dem erfahrenen Regazzoni durch: Während der Tessiner an der Qualifikation scheiterte, qualifizierte sich Tambay für den 16. Startplatz vor Patrick Depailler im Tyrrell P34 und Jean-Pierre Jabouille im Turbo-getriebenen Renault. Im Rennen selbst schied er nach drei Runden wegen Elektrikdefekts aus. In den folgenden Rennen qualifizierte sich Tambay zunächst wiederholt vor Regazzoni; sein bester Startplatz war Position sieben beim Großen Preis von Österreich. Zum Saisonende hin gelang dem Tessiner aber eine Festigung seiner Leistungen, sodass er dann meist vor Tambay startete. Die einzige Nichtqualifikation des Theodore-Ensign war beim Großen Preis der USA Ost zu verzeichnen.
Tambay fuhr bereits bei seinem zweiten Rennen, dem Großen Preis von Deutschland, seinen den ersten WM-Punkt ein, als er mit nur eineinhalb Minuten Rückstand auf den Sieger Niki Lauda im Ferrari Sechster wurde. Zwei fünfte Plätze in den Niederlanden und Kanada ließen Tambay die erste Weltmeisterschaft mit fünf Punkten abschließen. Ebenso viele hatte Regazzoni im Laufe der gesamten Saison eingefahren.
1978: Vom Werks- zum Kundenteam Nach drei Jahren bloßer Sponsorentätigkeit in der Formel 1 gründete Yip für die Saison 1978 einen eigenen Rennstall, der über eine eigenständige Infrastruktur verfügte. Theodore Racing war als Kundenteam strukturiert, setzte zunächst also einen Motor und ein Chassis ein, das er bei einem etablierten Hersteller einkaufte. Es war eines der letzten Teams, die diesem Konzept folgten.Kundenteams waren in den ersten zweieinhalb Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Formel 1 und stellten anfänglich sogar den Regelfall dar. Zu Beginn der 1960er-Jahre nahm die Zahl der Teams, die ihre Autos selbst herstellen (sog. Werksteams), dagegen stetig zu, und die privaten Kundenteams verloren an Bedeutung: Während 1962 noch fünf private Rennställe zu jedem Formel-1-Weltmeisterschaftslauf antraten, war es zehn Jahre später mit Frank Williams Racing Cars, dem Vorläufer des gegenwärtigen Williams-Teams, nur noch einer. Mitte der 1970er-Jahre traten Kundenteams im Regelfall nur noch zu einzelnen Rennen eines Jahres an. Das letzte Kundenteam, das jedes Rennen einer Saison bestritt, war das Team Rebaque (1978).
mini|Theodore TR1 (Hockenheim 2011) Theodore Racing setzte 1978 zunächst ein Auto ein, das Yip von Ralt übernommen hatte und als Theodore TR1 bezeichnet wurde. Nachdem sich das Auto als nicht konkurrenzfähig erwiesen hatte, stellte Theodore auf Autos von Walter Wolf um, die keine Verbesserung brachten.
Der Theodore TR1 wurde von Ralt entwickelt, einem britischen Konstruktionsbüro, das von dem ehemaligen Brabham-Konstrukteur Ron Tauranac geleitet wurde. Ralt hatte das Auto zunächst selbst in der Formel 1 einsetzen wollen; als sich dieser Plan allerdings aus finanziellen Gründen nicht umsetzen ließ, verkaufte Tauranac das Auto an Teddy Yip.Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, S. 599. Er galt als ein „massives, gänzlich konventionelles Auto“,Hodges: A-Z of Grand Prix Cars 1906-2001, S. 223. das bereits bei seiner Präsentation einen veralteten Eindruck machte.„Das Auto kroch fast ein Jahrzehnt seiner Zeit hinterher“. Heinz Prüller in: Auto Motor und Sport, Heft 6/1987, S. 288.
Für die ersten beiden Rennen der Saison meldete Theodore den US-amerikanischen Rennfahrer Eddie Cheever. Weder in Argentinien noch in Brasilien gelang Cheever die Qualifikation. Zum dritten Rennen wechselte Cheever zum Team Hesketh Racing, woraufhin der finnische Debütant Keke Rosberg seinen Platz bei Theodore übernahm.
Bei seinem ersten Einsatz, dem Großen Preis von Südafrika, qualifizierte Rosberg den TR1 für den 24. Startplatz (vor Cheever im Hesketh). Im Rennen selbst kam Rosberg nur 15 Runden weit, dann brach eine technische Komponente. In den offiziellen Statistiken ist ein Ausfall wegen defekter Kupplung verzeichnet, andere Quellen berichten, die Bremsen seien kollabiert. Infolge dieses Fehlers prallte Rosberg mit dem Theodore in eine Begrenzungsmauer. Der Wagen wurde stark beschädigt. Rosberg blieb unverletzt, atmete aber austretende Benzindämpfe ein und erlitt eine Atemwegsreizung.Auto Motor und Sport, Heft 6/1987, S. 288.
Das Team trat zu den folgenden Weltmeisterschaftsläufen bis zum Großen Preis von Spanien in unveränderter Aufstellung an, Rosberg scheiterte aber regelmäßig an der Qualifikation oder an der Vorqualifikation. Eine Ausnahme bildete die BRDC International Trophy in Silverstone, die nicht zur Weltmeisterschaft zählte: Hier gelang es Rosberg, als Erster über die Ziellinie zu fahren. Es sollte der erste und einzige Sieg eines Theodore in der Formel 1 sein. Allerdings ist dieser Sieg auf besondere Umstände zurückzuführen. Einerseits blieb ein Teil der Konkurrenz diesem Rennen fern; andererseits war das Rennen von schweren Regengüssen geprägt, aufgrund derer die Auslaufzonen verschlammten. Zahlreiche vor Rosberg fahrende Piloten wie Niki Lauda im Brabham blieben im Schlamm stecken. Insgesamt kamen nur vier Fahrer ins Ziel.
Nach dem Großen Preis von Spanien, bei dem Rosberg an der Vorqualifikation gescheitert war, gab Teddy Yip den TR1 auf. Die Großen Preise von Schweden, Frankreich und Großbritannien ließ das Team aus, um sich neu zu strukturieren.