Die Gardner Pinnacles (hawaiisch: Pūhāhonu) sind zwei zusammengehörige, unbewohnte Felsinseln im Pazifischen Ozean. Die schwer zugängliche Doppelinsel gehört zur Gruppe der Nordwestlichen Hawaii-Inseln und liegt rund 950 km nordwestlich von Oʻahu.

Geografie Die Gardner Pinnacles, gelegentlich auch Gardner Island oder Gardiner Island (nicht zu verwechseln mit Gardiners Island) genannt, bestehen aus zwei unterschiedlich großen Felsspitzen: Big Rock und nordwestlich davon Little Rock. Big Rock, die größere, ist Nord-Süd orientiert, 270 m lang, maximal 115 m breit und 58 m hoch.United States Coast Pilot 10: Oregon, Washington, Hawaii and Pacific Islands. National Oceanic and Atmospheric Administration, 5th Edition, 2024, S. 404 Im Nordwesten davon liegt der kleinere Little Rock mit 90 m Länge und 40 m Breite. Die Inseln trennt eine 80 m breite Wasserstraße.Maße abgegriffen aus Google Earth Zusammen haben sie eine Landfläche von 0,024 Quadratkilometern. Die Gardner Pinnacles erheben sich steil aus dem Meer, ein Strand oder eine Küstenebene fehlen und eine heftige Brandung erreicht die Felsen unmittelbar. Die Gipfel sind von den Exkrementen der zahlreichen Seevögel weiß gefärbt, sodass aus der Entfernung der Eindruck entsteht, sie seien schneebedeckt.

Die Gardner Pinnacles haben tropisches Seeklima. Langfristige Wetteraufzeichnungen gibt es nicht.

Geologie links|mini|Visualisierung des Vulkan-Massivs Bathymetrische Messungen ergaben, dass die Gardner Pinnacles einem gemeinsamen Sockel aufliegen, einem Schelf von 2 446 Quadratkilometern, das in der Regel in einer Tiefe von 25 bis 35 Metern unter dem Meeresspiegel liegt.NOAA Nautical Chart 19421OG; Gardner Pinnacles and approaches Die Pinnacles sind die über den Meeresspiegel reichenden Überbleibsel eines stark erodierten, 12,5 bis 14,1 Millionen Jahre alten, submarinen Schildvulkans, der in 4000 m Meerestiefe verankert ist. Mit einem Volumen von 148 000 km³ dürfte der Pūhāhonu der größte Vulkan der Erde sein, größer noch als der Mauna Loa.Timothy Horley: Hidden below The Surface. Honolulu Star Advertiser vom 26. Mai 2020Michael O. Garcia et al.: Pūhāhonu: Earth's biggest and hottest shield volcano. In: Earth and Planetary Science Letters, Bd. 542, Jg. 2020, S. 1–8 Das Gestein der Inseln ist ein tholeiitischer und alkalischer Basalt mit häufigen Einsprenglingen von Olivin.Michael O.Garcia et al.: Petrology, geochemistry, and ages of lavas from Northwest Hawaiian Ridge volcanoes. Geological Society of America Special Paper Nr. 511, 2015, S. 1–25

Flora links|mini|Portulaca lutea Die spärliche Flora der Gardner Pinnacles besteht nur aus einer einzigen Pflanzenart, Portulaca lutea aus der Gattung Portulak, die in einzelnen Exemplaren in den Felsspalten wächst.Dieter Mueller-Dombois, Francis Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 567 Portulaca lutea ist eine salztolerante, niedrig wachsende, krautige Pflanze, die auf fast allen Inseln des Hawaii-Archipels vorkommt. Die fleischigen Blätter sind rund bis oval und rund zweieinhalb Zentimeter lang. An den Enden der Stängel öffnen sich ein bis drei gelbe Blüten.

Fauna Die kahlen Gipfel beherbergen eine große Anzahl von Seevögeln. Viele Arten können dort ungestört von Menschen und Prädatoren brüten, andere sind nur zeitweilige Besucher.

Die häufigsten Brutvögel sind:

Brillenseeschwalbe (Onychoprion lunatus) Braunnoddi (Anous stolidus) Maskentölpel (Sula dactylatra) Rotschwanz-Tropikvogel (Phaethon rubricauda) Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscatus) und Feenseeschwalbe (Gygis alba) Weißkappennoddi (Anous minutus) sowie Braunnoddi (Anous stolidus), seltener der Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis)Roger B. Clapp: The natural history of Gardner Pinnacles, Northwestern Hawaiian Islands. Atoll Research Bulletin 163, The Smithsonian Institution, Washington D.C. 1972

Der Bindenfregattvogel (Fregata minor) ist ein häufiger Besucher, brütet jedoch mangels geeigneter Möglichkeiten nicht.

An den Gardner Pinnacles wird die Hawaii-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi) und die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) häufig beobachtet.Mark J. Rauzon Isles of Refuge – Wildlife and History of the Northwestern Hawaiian Islands.University of Hawai´i Press, Honolulu 2001, ISBN 0-8248-2209-9, S. 73 und 95

Der Biologe Stanley P. Ball von der Tanager-Expedition stellte bereits 1926 fest, dass die kahlen Felsen eine erstaunlich artenreiche Zahl von Gliederfüßern (Arthropoda) beherbergen: Insekten, Milben, Spinnentiere, Tausendfüßer, Asseln, Silberfische und Ohrwürmer, die sich zwischen den losen Steine tummeln und von den organischen Abfällen der Vögel ernähren.Edwin H. Bryan: American Polynesia and the Hawaiian Chain. Tongg Publishing, Honolulu 1942, S. 182

Geschichte Vorgeschichte Die Gardner Pinnacles waren höchstwahrscheinlich niemals bewohnt. Die kargen Inseln bieten keinerlei Lebensgrundlage, es gibt keine Süßwasserquellen und die steinige Oberfläche ohne Humusauflage lässt keinen Nahrungsanbau zu. Die bisherigen wissenschaftlichen Expeditionen fanden keine Artefakte, die auf Bewohner hätten schließen lassen. Dennoch dürften die Inseln den polynesischen Ureinwohnern Hawaiis bekannt gewesen sein, denn die Fischgründe in der Umgebung sind besonders ergiebig.

Entdeckung Die Bark Maro aus Nantucket befand sich vom 26. Oktober 1819 bis 10. Mai 1822 auf der Jagd nach Pottwalen im Pazifischen Ozean. Auf der Fahrt zu den Fanggebieten im nordwestlichen Pazifik entdeckte Kapitän Allen nach einem Zwischenaufenthalt auf der Insel Oahu am 2. Juni 1820 die auf den Karten nicht verzeichneten Gardner PinnaclesAlexander Findlay: Directory for the Navigation of the North Pacific Ocean [...]. Richard Laurie, London 1870, S. 863:

Allen benannte seine Neuentdeckung nach der Familie Gardner, einer bekannten und einflussreichen Familie von Walfängern, Schiffseignern und KapitänenJohn Dunmore: Who’s Who in Pacific Navigation. University of Hawaii Press, Honolulu 1991, S. 114–115, nach der auf Nantucket heute noch eine Straße benannt ist.

Am 4. Januar 1826 sichtete Leutnant Hiram Paulding, Kommandant des Schoners U.S.S. Dolphin, „Ballard’s Rock“, wie er die Gardner Pinnacles nannte. Das Schiff segelte in sicherem Abstand von 90 Metern vorbei und Paulding beobachtete dichte, auffliegende Vogelschwärme sowie Robben, die sich auf den von Vogelexkrementen weiß gefärbten Felsen sonnten.Hiram Paulding: Journal of a Cruise of the United States Schooner Dolphin Among the Islands […]. G. C. H. Carvill, New York 1831, S. 191–192

Am 27. Februar 1828 (gregorianischer Kalender, entspricht dem 15. Februar 1828 nach dem julianischen Kalender) erreichte der Marine-Leutnant Mikhail Nikolaevich Staniukovich (Михаил Николаевич Станюкович; auch Stanyukovich, Stanjukovič, Stanikowitsch) (1786–1869), Kommandant der Korvette Moller der Kaiserlich Russischen Marine, im Rahmen der zwölften russischen Weltumseglung die Gardner Pinnacles.Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Clarendon Press, Oxford 1960, S. 209 Unter erheblichen Gefahren setzte die Mannschaft den Schiffsarzt und Naturforscher Karl Izembek (auch Carl Izenbeck, Isenbeck) mit einem Beiboot auf dem Big Rock ab. Izembek, der sich besonders für die Vögel interessierte, beobachtete und identifizierte die folgenden, dort heimischen Vogelarten:

Wanderalbatros (Diomedea exulans) in großer Zahl ein Exemplar des Fregattvogels Tachypetes aquilus Weißschwanz-Tropikvogel (Phaethon lepturus) Silbermöwe (Larus argentatus) Rußseeschwalbe (Onychoprion fuscatus, syn. Sterna fuscata).F. H. (Friedrich Heinrich) von Kittlitz: Nachricht von den Brutplätzen einiger tropischen Seevögel im Stillen Ozean. In: Abhandlungen aus dem Gebiete der beschreibenden Naturgeschichte […], Erster Band. Johann Sauerländer, Frankfurt am Main 1834, S. 120

1857 fuhr Kommodore John Paty (1807–1868) im Auftrag von König Kamehameha IV. mit dem Schoner Manuokawai in einer fünfzig Tage dauernden Rundreise durch den nordwestlichen Hawaiischen Archipel und nahm dabei Laysan, Necker Island, Lisianski und die Gardner Pinnacles für das Königreich Hawaiʻi in Besitz.Rhoda E. A. Hackler: Commodore John Paty: Merchant Mariner. In: The Hawaiian Journal of History, Bd. 40, Hawaiian Historical Society, Honolulu 2006, S. 52 Paty beschrieb die Insel, obwohl er sie nicht betreten hat, und erwähnte die Reichhaltigkeit der Fischgründe in den umgebenden Gewässern.The Polynesian, 6. Juni 1857, S. 40

Zwei Jahre später, am 10. Januar 1859, verifizierte Leutnant Brooke von der U.S.S. Fenimore Cooper die Position der Pinnacles mit 25° 01ʼ Nord, 167° 59ʼ West und ermittelte eine Höhe der Felsen von 52 m (170 ft.). Er hat die Insel nicht betreten.The Hawaiian Gazette vom 29. April 1868

1890 beorderte Walter Rothschild, Bankier und Vogelkundler, seinen Mitarbeiter Henry Charles Palmer (1866–1920) zu den Hawaii-Inseln, um Spezimen für sein privates ornithologisches naturhistorisches Museum zu sammeln. Palmer verbrachte zwei Jahre auf mehreren Inseln und sandte zweitausend Eier, Federn und Bälge von zum Teil inzwischen ausgestorbenen Vögeln nach England. Der Schoner Kaalokai, Captain Walker, segelte am 22. Mai 1891 mit Palmer als Passagier von Honolulu ab und am Nachmittag des 9. Juni 1891 kam „Gardiner Island“ in Sicht. Eine Landung war wegen schlechter Witterung und der heftigen Brandung ausgeschlossen, sodass die Kaalokai die Insel nur umrunden konnte. Walker ließ einen Kanonenschuss abgeben und tausende von Vögeln flogen auf.F. D. Walker: Log of the Kaalokai. The Hawaiian Gazette, Honolulu 1909, S. 21–22 Palmer identifizierte aber nur zwei Arten: Brillenseeschwalbe (Onychoprion lunatus) und Feenseeschwalbe (Gygis alba).Lionel Walter Rothschild, Henry Palmer: The avifauna of Laysan and the neighbouring islands […]. R.H. Porter, London 1893, S. IX

mini|Gardner Pinnacles, Big Rock 1898 hatten die Vereinigten Staaten Hawaii annektiert.Joint Resolution to Provide for Annexing the Hawaiian Islands to the United States. Fifty-Fifth Congress of the United States of America (Second Session) vom 7. Juli 1898 Am 3. Februar 1909 stellte Präsident Theodore Roosevelt die nordwestlichen, unbewohnten Hawaii-Inseln und Riffe, darunter auch die Gardner Pinnacles, als „Hawaiian Islands Bird Reservation“ unter Schutz, um das Wildern von Seevögeln zu unterbinden.Executive Order 1019 by President of the United States, Establishing Hawaiian Islands Reservation as Preserve and Breeding Ground for Native Birds vom 3. Februar 1909 Franklin D. Roosevelt unterzeichnete am 25. Juli 1940 die „Presidential Proclamation No. 2416“, mit der er den Schutz auf alle Wildtiere erweiterte und den Namen des Reservats in „Hawaiian Islands National Wildlife Refuge“ änderte.Proclamation 2416 (1940) by Franklin Delano Roosevelt Changing the Names of Certain Federal Wildlife Refuges

Im Jahr 1961 waren die Gardner Pinnacles Ziel einer geheimen Operation des US-Militärs zur Installation einer HIRAN-AntenneHIRAN ist eine Methode für geodätische Messungen in Regionen, in denen sie mit herkömmlichen Mitteln vom Boden aus undurchführbar oder unpraktisch sind. Sie ist eine Weiterentwicklung auf der Basis des Funknavigationssystems SHORAN aus dem Zweiten Weltkrieg. Erdbeobachtungssatelliten haben das Verfahren überflüssig gemacht. auf einer der nordwestlichen Hawaii-Inseln. Das Landungsschiff U.S.S. Duval County (LST-758), ausgerüstet mit einem Bordhubschrauber, erreichte die Gardner Pinnacles im März 1961. Ein Kommandotrupp wurde auf dem Big Rock abgesetzt, der mit Sprengstoff die Spitze einebnete, um einen Hubschrauberlandeplatz einzurichten.Warren B. King: Conservation Status of Birds of Central Pacific Islands – Conservation Committee Report. In: Wilson Bulletin, Bd. 85 (1), Januar – März 1973, S. 91 Die HIRAN-Station wurde jedoch nicht auf den Gardner Pinnacles, sondern später auf den French Frigate Shoals gebaut.

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