mini|Burg Sulzbach von Südosten aus der Luft gesehen miniatur|Innenhof der Burg
Die Burg Sulzbach lag im Areal des heutigen Oberen und Unteren Schlosses Sulzbach und des dortigen St.-Hedwigs-Klosters sowie des ältesten Altstadtkerns von Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz (Landkreis Amberg-Sulzbach).
Lage miniatur|Burg Sulzbach
Burg und Siedlung lagen in einem seit der späten Merowinger- und frühen Karolingerzeit herrschafts- und siedlungsgeschichtlich sehr dynamischen Gebiet, dessen Bedeutung für das Königtum und die mit ihm verbundenen Adelsfamilien aus unterschiedlichen Faktoren erwuchs. Sulzbach kam dabei offenbar seine äußerst günstige verkehrstopographische Lage, eine so genannte Verkehrspfortensituation, zugute. Eine Durchquerung der Alb war an dieser Stelle verhältnismäßig bequem zu bewerkstelligen. Der Ort bzw. die Burg entwickelte sich somit an einer der wichtigsten Verkehrsrouten bzw. Verkehrsknotenpunkte Nordostbayerns: Sowohl wichtige Nord-Süd-Verbindungen auf der Achse Würzburg/Erfurt – Bamberg – Forchheim – Nabburg/Premberg – Regensburg als auch eine der wichtigsten Fernstraßen nach Böhmen berührten den Sulzbacher Raum. Besonders günstig für die Entwicklung der Burg zu einem wichtigen Herrschaftszentrum während des 9. bis 12. Jahrhunderts dürfte sich ihre geostrategische Lage am Einfallstor zum böhmischen Machtbereich ausgewirkt haben.
Herrschaftsgeschichtliche Situation Der Raum um die mittlere (oberpfälzische) Vils und Naab geriet ab der späten Merowingerzeit zunehmend in das Blickfeld unterschiedlicher Machtfaktoren. Deren Vertreter folgten mutmaßlich nicht allein kolonialistischen Prinzipien im Sinne von agrarischem Landesausbau, sondern verfolgten daneben auch wirtschaftspolitische und militärische Interessen, soweit sich diese überhaupt voneinander trennen ließen. So trafen in dieser Gegend ab dem späten 7. und frühen 8. Jahrhundert herzoglich-agilolfingische Machtbestrebungen auf fränkisch-karolingische Ansprüche, zu denen durch die Reichsbildung in Böhmen und Mähren ein dritter Machtfaktor kam. Grund für diese herrschaftlichen Anstrengungen waren wohl die geostrategische und verkehrstopographische Lage der Region, vermutlich aber auch deren reiche Bodenschätze. Im Sulzbacher Raum wären dies vor allem die hochwertigen Eisenerze, die bis in das 20. Jahrhundert das wirtschaftliche Rückgrat der Gegend bildeten.
Es ist denkbar, dass schon in der Zeit um 700 von fränkischer und bajuwarischer Seite Befestigungen zur Durchsetzung und Absicherung politischer und wirtschaftlicher Ziele errichtet wurden. Für präzise Aussagen zur ältesten Schicht mittelalterlicher Burgen dieses Raums ist jedoch das archäologische Quellenmaterial zu dürftig, was für die spätmerowingische und frühkarolingische Periode nicht als negativer Beweis herhalten darf. Mit den ältesten Bestattungen auf dem Sulzbach benachbarten Gräberfeld von Lauterhofen um etwa 650/680 n. Chr., der Erwähnung Lauterhofens in der Divisio Regnorum von 806 und der Herrschaftskontinuität dieses Platzes bis in das 12. Jahrhundert spiegeln sich bereits die Grundzüge königlichen und dynastischen Engagements im nordöstlichen Nordgau exemplarisch wider.
In ähnlicher Form kann dies nun auch für die Burg Sulzbach und ihr Umland angenommen werden. Dass der Raum westlich der Naab zu einer Gegend des Landesausbaues gehöre, deren Aufsiedlung und Einbindung in herrschaftliche Organisationsformen erst im Laufe des späten 9. oder gar im 10. Jahrhundert einsetzte, muss heute in wesentlichen Teilen revidiert bzw. differenzierter gesehen werden. Ab der Zeit Karl Martells ist zunehmend mit fränkischem Einfluss bis in die Gegend um die mittlere Naab zu rechnen. Indirekte schriftliche Hinweise hierfür finden wir trotz der desolaten schriftlichen Quellenlage in den von bajuwarischer Seite forcierten Missionsbemühungen angelsächsischer Mönche ad Nordfilusa (an der nördlichen Vils) um 742. Nach der Absetzung Tassilos III. durch Karl den Großen wird die Bedeutung des Vils-Naab-Raumes durch die Sonderstellung des Königshofes Lauterhofen von 806 und der Nennung von Premberg im Diedenhofener Kapitular nochmals klar ersichtlich. Auch während des 10. bis frühen 11. Jahrhunderts behält der Raum seine reichspolitische Dimension. In der Karolingerzeit wurden auf dem Nordgau dabei die herrschaftsgeschichtlichen Grundlagen für den Aufstieg bedeutender Adelsgeschlechter wie der bairischen Luitpoldinger des frühen 10. Jahrhunderts, der Schweinfurter in ottonischer Zeit sowie der Diepoldinger und Sulzbacher Grafen des 11. und 12. Jahrhunderts gelegt.
Topographie der Burganlage Die Burg Sulzbach lag am östlichen Rand der Fränkischen Alb auf einem langgestreckten Terrassensporn und gliederte sich in eine ca. 1,5 Hektar große Hauptburg und eine wahrscheinlich etwa 3 Hektar große Vorburg, deren älteste Befestigung 2008 erstmals archäologisch untersucht werden konnte. Die verhältnismäßig guten Bodenqualitäten in der so genannten Amberg-Sulzbacher Kreidebucht, besonders im Tal des Rosenbachs, und der Wasserreichtum mit zahlreichen Karstquellen am Fuße des Burgberges boten vergleichsweise gute natürliche Siedlungsbedingungen während des frühen Mittelalters. Die Lage der Kernburg in einer Bachschleife etwa 20 bis 30 Meter über dem Rosenbachtal und ihre große Flächenausdehnung entspricht der bekannten Topographie zahlreicher frühmittelalterlicher Burgen des bayerischen Raums. Heute steht auf dem Hauptburgareal das überwiegend ab 1582 in seiner heutigen Form erbaute Schloss der Pfalzgrafen von Neuburg-Sulzbach mit dem während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründeten Saliesanerinnenkloster St. Hedwig.
Forschungsgeschichte Über die Ursprünge von Burg und Siedlung war bis zu Beginn der archäologischen Maßnahmen nichts Konkretes bekannt. Die Anlage wird in keiner bekannten Schriftquelle des 8. bis 13. Jahrhunderts erwähnt. Die früheste Nennung einer Burg in Sulzbach stammt erst aus dem Jahr 1329. Der lokalen Sage nach entstand die Burg in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts an der Stelle einer Vorgängeranlage aus Stein, die in der lokalen Forschungsgeschichte seit dem 16. Jahrhundert immer wieder Anlass zu Spekulationen über das Alter und die Bedeutung der Burg gegeben hat. Unbestritten war jedoch, dass auf dem Terrassensporn die Stammburg der Grafen von Sulzbach stand, deren Bedeutung für die Reichsgeschichte des späten 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erst durch die neueste Geschichtsforschung offensichtlich geworden ist. Die archäologischen Befunde belegen nun jedoch, dass die Burg rund 300 Jahre vor der sagenhaften Gründung entstand.
Archäologie der Sulzbacher Burg Die Ausgrabungen der Jahre 1992 bis 2001 im Sulzbacher Schloss erbrachten in ihrer Komplexität in Süddeutschland bislang einmalige Befunde zur Entwicklung einer offenbar hoch bedeutenden Burganlage des 8. bis 14. Jahrhunderts. Ergänzt wurden diese archäologischen Grabungen durch Untersuchungen der Jahre 2008 und 2009, die erstmals Einblicke in die frühe Befestigung der Burgsiedlung ermöglichten.
Vorgeschichtliche Besiedlungsspuren Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung des Burgberges lassen sich nach den zahlreichen keramischen Hinterlassenschaften in die Späthallstatt- oder Frühlatènezeit datieren. Der Einzelfund einer möglicherweise urnenfelderzeitlichen Randscherbe könnte auf eine Begehung des Platzes während der Stufen HaA/B hinweisen; für den Nachweis einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung auf dem Bergrücken reicht dieser Fund allerdings nicht aus.
Siedlungsperiode I (8. bis frühes 9. Jahrhundert) Die mittelalterliche Besiedlung auf dem Burgberg beginnt mit der Siedlungsperiode I im Laufe des 8. bis frühen 9. Jahrhunderts. Einige wenige Funde weisen eventuell sogar auf einen Siedlungsbeginn oder zumindest auf eine Streuung menschlicher Siedlungsaktivität im unmittelbaren Umfeld des Berges in der Zeit um 700 bzw. im späten 7. Jahrhundert hin. Damit würde Sulzbach neben Lauterhofen (Landkreis Neumarkt) und dem Fundplatz Heuchling (Landkreis Nürnberger Land) eine spät-merowingerzeitliche Siedlungsaktivität in der mittleren Oberpfalz belegen. Diese dürfte in Zusammenhang mit den erwähnten Anstrengungen agilolfingischer oder – im Falle Sulzbachs – eher fränkischer Herrschaftsträger zur Einbeziehung des Raums in deren Einflussbereich stehen. Zu dieser frühen Siedlungsperiode gehören Spuren eines wahrscheinlich über 16 m langen Pfostengebäudes unbekannten Grundrisses (Halle?) in der südlichen Hälfte des Oberen Schlosshofes. Eventuell wurde die neu entstandene Anlage zu dieser Zeit durch eine Holz-Erde-Befestigung geschützt, die sich jedoch nicht eindeutig nachweisen ließ. Im Jahr 2008 konnte erstmals die massive Vorburgbefestigung der Burgsiedlung südlich der Christuskirche in der Straße "Neustadt" erfasst werden. Die hier festgestellte beeindruckende Mörtelmauer gehört offenbar in Siedlungsperiode I. Die Burgsiedlung war an dieser Stelle zusätzlich durch drei vorgelagerte Abschnittsgräben, sowie am Osthang durch mindestens zwei Hanggräben geschützt, die 2009 archäologisch erfasst wurden.
Siedlungsperiode II (9. bis frühes 10. Jahrhundert)