Kalaschnikow () ist die verbreitete Bezeichnung für eine Reihe von sowjetisch-russischen Sturm- und Maschinengewehren, die auf dem Modell AK-47 ( , ) basieren und nach dessen Entwickler Michail Timofejewitsch Kalaschnikow benannt sind. Eine seltene Schreibweise lautet Kalaschnikoff.Die Kalaschnikoff im Schatten des Panzerstreits. In: stern.de vom 24. Mai 2002.
Das für die 1943 vorgestellte Patrone M43 (7,62 × 41 mm) entwickelte Modell AK-47 wurde 1948 für die Verwendung der auf 7,62 × 39 mm geänderten M43 umgestellt und nach kleineren Änderungen im Jahr 1949 als 7.62 AK (offiziell ohne Datum) in die Bewaffnung der Sowjetarmee übernommen. Die Waffe wird im Westen nach dem Jahr des Prototyps oft AK-47 für Awtomat Kalaschnikowa, obrasza 47 (, , ‚Modell‘) genannt. Im NATO-Jargon und in den Massenmedien wurde diese Bezeichnung für die gesamte Waffenfamilie im Kaliber 7,62 mm übernommen.Ed Tenner: Kalashnikov's Gun – The AK-47 and Russian engineering. MIT Technology Review vom 1. März 2006, abgerufen am 25. Mai 2019 (englisch).
Die zwischen herkömmlichen Maschinenpistolen in Pistolenkalibern und Schnellfeuergewehren für starke Gewehrmunition einzuordnende Waffe wurde in der Terminologie von zwei Staaten des Warschauer Vertrages als Maschinenpistole bezeichnet. In der DDR bezeichnete man die als Maschinenpistole Kalaschnikow kurz MPi-K und in Polen kurzzeitig als Pistolet Maszynowy Kałasznikowa kurz PMK. Nach westlicher Definition wird diese Konzeption mit einer Kurzpatrone wiederum zu den Sturmgewehren gezählt.Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt. Band 1: Schützenwaffen heute (1945–1985). Militärverlag der DDR, Berlin 1988, ISBN 3-327-00512-5, Band 2, S. 404. Auch die NVA bezeichnete die Kalaschnikow als Maschinenpistole, während Sturmgewehr in der NVA nicht gebräuchlich war. In Russland und den Ländern der ehemaligen UdSSR bezeichnet man diese Waffen schlicht als Автомат (transkr. Awtomat), zu deutsch Automat.Victor Schunkow: Die Waffen der Russischen Armee: Infanterie & Artillerie. Hrsg.: Motorbuch Verlag. Stuttgart 2023, ISBN 978-3-613-04510-1, S. 46.
Schätzungen gehen von 80Wolf-Christian Paes: Dossier Nr. 35 in Wissenschaft & Frieden 2000-3. Auf der Webseite wissenschaft-und-frieden.de. Abgerufen am 21. März 2025. bis 100Simone Schlindwein: Geburtstag einer Todesmaschine. Vom 7. Juli 2007. In: einestages. Abgerufen am 18. Februar 2021. Millionen produzierten Exemplaren der diversen Modelle und Lizenzbauten dieser Baureihe aus. Neben der Sowjetunion rüsteten etwa 60 Staaten ihre Armeen mit den Modellen der Kalaschnikow-Baureihe aus. Hergestellt werden die Gewehre von den Ischmasch in Ischewsk und den Tulaer Waffenwerken in Tula. Zudem gibt es eine große Anzahl von Lizenzbauten und Kopien in anderen Staaten, wozu die einfache Herstellung der Waffe und ihre Robustheit auch unter schwierigen Gelände- und Klimabedingungen beitrug.
Geschichte Vorläufer
mini|Awtomat Fjodorowa Beeindruckt von der Feuerkraft der Maschinengewehre, die im Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905 erstmals in großer Stückzahl eingesetzt worden waren, beschloss der russische Generalleutnant Wladimir Grigorjewitsch Fjodorow, eine neue Waffe zu schaffen. Diese Waffe sollte es dem normalen Soldaten ermöglichen, diese Feuerkraft bei Bedarf mit seinem Gewehr abzugeben. Bereits 1905 entstand so ein erstes Selbstladegewehr für die Patrone 7,62 × 54 mm R. Da diese Patrone wegen ihres Randes für automatische Waffen nicht geeignet war, schuf Fjodorow eine eigene Patrone mit den Abmessungen 6,5 × 57 mm welche 1913 in einer verbesserten Form der Waffe verwendet wurde. Das Modell von 1916 konnte Einzel- und Dauerfeuer schießen. Es wurde offiziell als ружье-пулемет (dt. Flinten Maschinengewehr) bezeichnet. Die Waffe funktionierte als Rückstoßlader mit kurz zurückgleitendem Lauf. Obwohl Fjodorows Waffe schwer und teuer in der Herstellung war, bekundete die zaristische Militärführung ihr Interesse an der Waffe, jedoch nicht an der Einführung von Fjodorows neuer Patrone. So arbeitete Fjodorow sein Modell für die japanische Patrone 6,5 × 50 mm HR um, die zu der Zeit in Russland produziert wurde. Bei dieser Patrone handelte es sich zwar noch nicht um eine moderne Mittelpatrone, aber ihr Rückstoß machte das stabile Halten der Waffe bei kurzen Feuerstößen möglich. Im Ersten Weltkrieg wurden einige tausend Stück dieser Waffe an der Ostfront eingesetzt. Da die Armeeführung jedoch das Konzept des Schnellfeuers für den normalen Soldaten nicht verstand, wurden die verfügbaren Waffen in der Rolle eines leichten Maschinengewehrs eingesetzt. Später entstand mit dem Fjodorowa Tokarewa eine für diese Rolle optimierte Version mit Zweibein und Kühlmantel für den Lauf. Erst im russischen Bürgerkrieg erhielt die Waffe 1921 die Bezeichnung Автомат Фёдорова (lat. Awtomat Fjodorowa). Im Bürgerkrieg mit seinen unklaren Fronten und der beweglichen Kriegsführung erkannten die Bolschewiki, auf deren Seite sich Fjodorow gestellt hatte, den taktischen Wert des Dauerfeuers aus einem Infanteriegewehr. Unter den Bolschewiki wurden 3200 Exemplare des Awtomat Fjodorowa hergestellt und eingesetzt. Nach der Beendigung des russischen Bürgerkrieges beschloss jedoch die Militärführung der Roten Armee, dass die Patrone 6,5 × 50 mm HR aus der Logistik entfernt werden sollte, um mit der Patrone 7,62 × 54 mm R nur noch eine einzige Patrone für Infanteriegewehre und Maschinengewehre zu haben. Es wurde zwar versucht, den Awtomat Fjodorowa auf 7,62 × 54 mm R umzurüsten, aber die stärkere Leistung der Patrone machte das Gewehr bei Dauerfeuer unkontrollierbar. Während seiner Tätigkeit als Entwickler verfasste Fjodorow zwei Bücher: Awtomatitscheskowo Oruschie und Evoljuzija Strelkowo Oruschija. In letzterem beschreibt er unter anderem das Konzept einer leichten Infanteriewaffe für das Abgeben längerer Feuerstöße.
Da selbst die Patrone 6,5 × 50 mm HR Arisaka für automatische Waffen nicht optimal war, experimentierten sowjetische Waffenentwickler gegen Ende der 30er Jahre mit neuen Patronenformen. So arbeitete Fjodorow selber an einer Patrone mit dem Kaliber 5,45 mm; Simonov entwickelte eine Waffe für eine Patrone mit den Abmessungen 5,6 × 39 mm. Zudem existiert eine 5,7 × 54 von 1938. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurden jedoch alle diese Arbeiten gestoppt.
mini|Simonow AWS-36 Im finnischen Winterkrieg blieb die sowjetische Führung unbeeindruckt vom erfolgreichen Einsatz der noch verbliebenen Awtomat Fjodorowa besonders in den finnischen Wäldern. Man konzentrierte sich stattdessen auf die zügige Entwicklung von Maschinenpistolen, da man von der Leistung der finnischen Suomi M-31 beeindruckter war. Geplant war dabei ein zukünftiges Zusammenspiel aus Maschinenpistole und Selbstladegewehr. Dabei bot der erste erfolgversprechende Kandidat für das neue Selbstladegewehr, das AWS-36 von Sergei Gawrilowitsch Simonow, einen optionalen vollautomatischen Feuermodus an, der jedoch wegen der Patrone 7,62 × 54 mm R ebenfalls unkontrollierbar war, trotz der extra entwickelten Mündungsbremse. Auch die später in großer Stückzahl eingeführten Selbstladegewehre SWT-38 und SWT-40 gab es in geringer Stückzahl als AWT-38 und AWT-40 mit optionalem Dauerfeuer, das jedoch noch schlechter zu kontrollieren war als beim AWS-38, da eine entsprechend mächtige Mündungsbremse fehlte.
mini|Mkb.42 (h) Erst als die Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg im April 1942 in der Schlacht um Cholm an der Ostfront auf den deutschen Maschinenkarabiner 42 in Haenel-Bauweise, kurz Mkb.42(h), traf, wurde die Entwicklung vergleichbarer sowjetischer Waffen wieder aufgenommen. Beim MkB.42(h) handelte es sich um eine leichte Infanteriewaffe, mit der aus einem 30-Schuss-Magazin Einzel- und Dauerfeuer abgegeben werden konnte, dabei ließ sich die Waffe auch bei langen Feuerstößen gut im Ziel halten, eingerichtet war die Waffe für die deutsche Kurzpatrone 7,92 × 33 mm. Um die Entwicklung einer ähnlichen Waffe zu ermöglichen, erlaubte die sowjetische Militärführung die Arbeiten an Mittelpatronen wieder aufzunehmen, die ab da an unter strenger Geheimhaltung entwickelt wurden. Bekannt ist unter anderem nur, dass die beiden Ingenieure N. M. Jelisarow ( ) und P. W. Rjasanow ( ) federführend waren. 1943 wurde die sowjetische Kurzpatrone 7,62 × 41 mm intern vorgestellt. Es wurde geplant eine ganze Reihe an Infanteriewaffen für diese neue Patrone zu entwickeln. Ein Selbstladegewehr, ein leichtes Maschinengewehr, ein Repetiergewehr und eine Waffe welche, nach dem Vorbild des Fjodorow Awtomat, als Awtomat bezeichnet wurde. Diese Waffe sollte zum einen in der Rolle einer Maschinenpistole eingesetzt werden aber auch in der Lage sein, gezieltes Einzelfeuer auf Entfernungen bis 300 Meter abgeben zu können. Der Awtomat sollte an Fahrzeugbesatzungen, Truppführer und Elite-Infanterie ausgegeben werden. Der reguläre Soldat wäre mit dem Selbstladegewehr ausgestattet worden.
mini|Michail Timofejewitsch KalaschnikowUm passende Waffen für die neue Patrone zu schaffen, wurden drei Wettbewerbe ausgerufen. Die Pläne für das Repetiergewehr wurden früh in der Planungsphase verworfen. An dem Wettbewerb für den Awtomat beteiligten sich bereit 1944 namhafte sowie unbekannte sowjetische Konstrukteure. Unter anderem entstanden:
AS-44 Awtomat Sudajewa von Alexei Iwanowitsch Sudajew ( )
AT-44 Awtomat Tokarewa von Fjodor Wassiljewitsch Tokarew ( )
AK-44 Awtomat Korowina von Sergei Alexandrowitsch Korowin ( )
AB-44 Awtomat Bulkina von Alexei Alexejewitsch Bulkin ( )
ASch-44 Awtomat Schpagina von Georgi Semjonowitsch Schpagin ( )
mini|Von Oben nach Unten AK-46 No.1, AK-46 No.2 & AK-46 No.3 Michail Kalaschnikow beteiligte sich zunächst nicht am Wettbewerb um den Awtomat, sondern am parallel laufenden für den prestigeträchtigeren Selbstladekarabiner, wo er jedoch dem SKS-44 von Sergei Gawrilowitsch Simonow unterlag, welcher später zum SKS-45 weiterentwickelt wurde. Aufgrund seiner Niederlage beschloss Kalaschnikow, sich der Entwicklung eines Awtomat zu widmen. Das erste Modell von 1946 trug den Namen AK-46 und war noch als Gasdrucklader mit Kurzhub ausgeführt. Um den Witterungstests besser standhalten zu können, wurde das Antriebssystem ein Jahr später 1947 zu Langhub geändert. Die Waffe erhielt nun den Namen AK-47, welcher auf dem Gehäuserücken eingraviert ist. Aufgrund ballistischer Probleme unter arktischen Bedingungen wurde zum Jahreswechsel 1947/48 die Hülse der 7,62×41-mm-Patrone um 2 mm gekürzt und es entstand die Patrone 7,62 × 39 mm M43. Für diese entwickelte Kalaschnikow 1948 das Modell AK-48. Da es jedoch Probleme mit der AK-48 gab, wurde eine AK-47 mit einem neuen Lauf ausgestattet, als AK-47 No.10 bezeichnet und in den Wettbewerb geschickt. Diese Waffe gewann. Dabei enthielt seine AK-47 viele Merkmale von Bulkins AB-44, da dieser kurz zuvor verstorben war und Kalaschnikow die Pläne von dessen Witwe erhalten hatte. Die Vorbereitung zur Massenproduktion der AK-47 wurde unter strengster Geheimhaltung durchgeführt und führte 1948 zur frühen Serienreife der im Westen als AK-47 Typ 1 bezeichneten Waffe.
Verhältnis zum SKS-45 mini|links|AKM und SKS-45