Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (Originaltitel Angels with Dirty Faces) ist ein US-amerikanischer Gangsterfilm des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1938. Die Hauptrollen des Films sind besetzt mit James Cagney, Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan und George Bancroft. Das Werk gilt als Klassiker des amerikanischen Gangsterfilms, erhielt drei Oscar-Nominierungen und wurde 2024 in das National Film Registry aufgenommen.
Handlung Die Freunde William Rocky Sullivan und Jerome Jerry Connelly wachsen als Straßenjungs in einem Chicagoer Armenviertel auf. Im Jahr 1923 wird Rocky bei einem gemeinsamen Einbruch in einen Güterwagon festgenommen, während Jerry durch einen Spurt entkommen kann. Dieses Ereignis wird das Leben der beiden verändern. Rocky kommt in ein Jugendgefängnis, wo er mit Kriminellen in Kontakt gerät und nach der Haft eine Karriere als Gangster beginnt. Er wird in der Prohibition zu einem bekannten Gangster und gerät noch mehrmals in Haft. Connelly läutert sich hingegen, wird ein katholischer Priester und hat sich inzwischen dem Kampf gegen die Jugendkriminalität verschrieben.
Im Jahr 1938 kehrt Sullivan nach der Verbüßung einer dreijährigen Gefängnisstrafe in das Stadtviertel zurück, in dem er aufwuchs, und wo er einst seine kriminelle Karriere startete. Dort trifft er Connelly wieder. Unter Jerrys Obhut befindet sich unter anderem eine Gruppe von Straßenkindern, die er auf den rechten Weg bringen will. Ein Mittel dazu sind Basketballspiele zwischen jugendlichen Gangs, die aber immer wieder daran scheitern, dass sich keiner der Straßenjungs an die Spielregeln halten will – ganz so wie im täglichen Leben auf der Straße, bei dem sich stets das Recht des Stärkeren durchsetzt. Die Jugendlichen befreunden sich mit Rocky, den sie als Idol und Helden verehren. Daher kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den alten Freunden.
Rocky hatte eine Beute in Höhe von 100.000 US-Dollar bei seinem Geschäftspartner, dem korrupten Anwalt James Frazier, hinterlegt. Nach den drei Jahren Haft ist Frazier aber inzwischen Gefolgsmann des Unterwelt-Bosses Keefer geworden und denkt nicht daran, das Geld an Rocky auszuhändigen. Rocky entgeht einem Mordanschlag und entführt Frazier. Er kann die 100.000 US-Dollar erpressen und nimmt auch brisante Akten an sich, die Keefer und Frazier hinter Gitter bringen können. Durch deren Besitz wird er zum Geschäftspartner von Keefer und Frazier, die ihn aber immer noch gerne beseitigen würden. Rocky freundet sich unterdessen mit der Sozialarbeiterin Laurie Ferguson an, die sich in ihn verliebt und an seine gute Seite glaubt.
Einen Teil seiner 100.000 Dollar möchte Rocky an Jerry spenden, der ein Jugendzentrum errichten möchte, doch der lehnt das schmutzige Geld ab. Jerry erkennt, dass Polizei, Staatsanwaltschaft, Presse und Politik der Stadt von Keefers Bande korrumpiert oder zumindest eingeschüchtert sind. Er bezichtigt Keefer, Frazier und auch seinen Jugendfreund Rocky öffentlich Straftaten. Die Informationen hat Jerry aus den Akten von Rocky, die dieser bei dem Priester verwahrt hatte. Da alle Bestechungsversuche nichts nützen, planen Frazier und Keefer die Ermordung des Priesters und wollen dabei auch die Akten an sich nehmen. Rocky, der durch Zufall von dem Komplott erfährt, beschließt, seinem Freund das Leben zu retten. Er erschießt Frazier und Keefer und wird dafür zum Tod auf dem Elektrischen Stuhl verurteilt.
Im Gefängnis wird er von Jerry besucht, der ihn bittet, vor seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nicht als „harter Mann“, sondern als weinender „Feigling“ aufzutreten. Damit will der Priester verhindern, dass Rocky durch einen heldenhaften Tod für die Straßenkinder zum gefeierten Märtyrer wird und diese denselben Weg wie er gehen wollen. Rocky sträubt sich zwar zunächst, beginnt jedoch kurz vor seiner Hinrichtung, laut um sein Leben zu flehen. Als die Jugendlichen aus der Zeitung davon erfahren, wenden sie sich enttäuscht von ihrem Idol ab. Connelly fordert die Jungs dazu auf, „für einen Jungen zu beten, der nicht so schnell laufen konnte wie er selbst“.
Produktion Hintergrund Die Mitglieder der Straßenbande werden von Billy Halop, Bobby Jordan, Leo Gorcey, Gabriel Dell, Huntz Hall und Bernard Punsly gespielt. Diese sechs Jugendlichen waren in den 1930er Jahren als Dead End Kids bekannt und werden auch unter diesem Namen im Vorspann aufgeführt. Von 1935 bis 1939 waren sie in sieben gemeinsamen Filmen und einem Theaterstück zu sehen. Das Theaterstück Dead End gab ihnen den Namen. Die Verfilmung des Stückes eröffnete dann 1937 die Reihe der Filme. Der deutsche Titel dieses ersten Films ist Sackgasse, Regie führte William Wyler.
James Cagney griff für seine Darstellung des Gangsters Rocky auf Erfahrungen zurück, die er als Jugendlicher im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen gemacht hatte. Cagney äußerte, er habe sich bei seiner Performance an einem Kerl orientiert, den er als Kind immer gesehen habe, einen Junkie und Zuhälter mit vier Mädchen in seinem Gefolge, ein großer Kerl mit einem teuren Strohhut und einem neonblauen Anzug. Er habe sich an diesen Kerl und seine Eigenheiten erinnert und sie an „Rocky“ Sullivan weitergegeben. Andrew Bergman schrieb in seiner Biografie über James Cagney, dass sich die Verbindung von Cagney und O’Brien mit jedem Film zu vervollkommnen schien. Wenn man einen Cagney-Film für die Zukunft aufheben müsste, um seine Anziehungskraft und Bedeutung zu verstehen, könnte es Angels with Dirty Faces sein. Cagney liefere hier nicht unbedingt eine seiner wirklich virtuosen schauspielerischen Leistungen, doch Rocky Sullivan sei der Inbegriff der Anziehungskraft, die Gangster auf das amerikanische Publikum der 30er Jahre gehabt hätten. Cagney habe seine ganzen Kindheitserfahrungen in die Rolle eingebracht. Rocky sei der liebenswerteste Gangster der Filmgeschichte.Andrew Bergman: James Cagney. Seine Filme – Sein Leben.In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/16. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-86016-0, S. 85, 86, 90, 91.
Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Humphrey Bogart, dass dieser seinen dreijährigen Vertrag mit Warner Brothers mit einem seiner denkwürdigsten Filme abgeschlossen habe, nämlich Angels with Dirty Faces, der zu einem der beliebtesten Filme Bogarts geworden sei. Der Film sei unglaublich oft gezeigt worden und habe zahlreichen Satirikern und Impressionisten als erstklassige Materialquelle gedient. Dem Drehbuch von John Wexley und Warren Duff, habe ein Stoff von Roland Brown als Vorlage gedient. Die Story des Films sei hinreichend bekannt und reichlich sentimental. Der an sich seichte Film werde durch einige Vorzüge gerettet. Da sei zunächst die ausgezeichnete Leistung der Hauptdarsteller, dann die geschickte Schnellfeuer-Regie von Michael Curtiz und schließlich eine gute Musik von Max Steiner. Bogart, der Cagneys Anwalt spielt, habe herzlich wenig Neues zu tun. Am Ende werde er für sein doppeltes Spiel wieder einmal erschossen.Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – Sein Leben.In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Heyne, München 1973 (deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 78.
Humphrey Bogart, der in diesem Film eine Art schurkischen Gangster spielt, war zu der Zeit noch kein etablierter Schauspieler und wurde in dem Film an dritter Position geführt. Der große Durchbruch gelang ihm erst in den 40er Jahren. Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern war einer seiner ersten großen Erfolge vor seinem eigentlichen Durchbruch zum Superstar im Jahr 1941 mit Entscheidung in der Sierra. Die Besetzung des blonden James Cagney als good-bad-guy, dem Bösen mit Herz, der durch die Umstände auf die schiefe Bahn geraten war, und des dunkelhaarigen Humphrey Bogart als bad-bad-guy, dem herzlosen „nur-bösen“ Gangster, war ein Besetzungsmodell für mehrere weitere Gangsterfilme. Cagney und Bogart drehten kurz darauf den Gangsterfilm Die wilden Zwanziger und den Western Oklahoma Kid zusammen. Cagney ist zwar vor allem für seine harten Rollen bekannt, konnte aber auch sanftere Charaktere spielen. Pat O’Brien, der heute nicht mehr so bekannt ist wie Cagney oder Bogart war ein großer und bekannter Schauspieler, insbesondere in den 30er und 40er Jahren. Er spielte insgesamt in neun Filmen mit Cagney und fünf mit Bogart, oft an der Seite von Bogart als Hauptdarsteller. Der Film war Cagneys und O’Briens zweiter gemeinsamer Film seit Cagneys Weggang von Warner Bros.
Es sei erstaunlich, dass der Film überhaupt gedreht worden sei, schrieb der Kritiker Derek Winnert auf seiner Seite, ganz zu schweigen davon, dass er so großartig geworden sei. Produzent Samuel Bischoffs erstes Urteil über das Drehbuch von John Wexley und Warren Duff lautete nämlich, dass das so ziemlich das Schlimmste sei, was er je gelesen habe. Die amerikanische Zensurbehörde Hays Office unter der Leitung von Joseph Breen habe an das Warner-Studio geschrieben, sie betrachte den Film als das schwerwiegendste Problem, mit dem sie seit Jahren konfrontiert worden sei und strich eine Vielzahl von Wörtern wie „rotzig“, „lausig“, „Weichei“, „Punks“, „Hallo“, „Stink“, „Nigger“ und „Gauner“ aus dem Drehbuch. Zudem ordnete das Hays Office an, dass Schüsse auf ein Minimum beschränkt werden müssten, in den Glücksspielen kein Geld den Besitzer wechseln dürfe, alle Tötungen außerhalb des Bildes stattzufinden hätten, ebenso die Hinrichtungen. Scherzhafte Anspielungen auf Gott und Priester seien zu vermeiden.
Bis heute ist umstritten, ob Rocky am Ende des Films seine Todesangst und Verzweiflung nur spielt, um seinem Freund einen Gefallen zu tun, oder angesichts des elektrischen Stuhls wirklich Panik bekommt. Cagney sagte einmal in einem Interview, die Interpretation dieser Szene sei jedem selbst überlassen.
Am Drehbuch des Films waren neben den im Vorspann genannten Autoren auch Ben Hecht und Charles MacArthur beteiligt. Zu erwähnen sind auch die Bauten von Robert Hass, die hervorragend gestaltet seien.
Musik im Film In My Merry Oldsmobile, Musik: Gus Edwards, Text: Vincent P. Bryan überarbeitete Version, a cappella gesungen von James Cagney and Pat O’Brien
The Sidewalks of New York, Musik: Charles B. Lawlor, Text: James W. Blake gespielt vom Leierkastenmann während des Eröffnungspanoramas
Shuffle Off to Buffalo, Musik: Harry Warren gespielt zu Beginn der Szene im Billardzimmer
From Me to You, geschrieben von Fabian Andre, Wayne King und Nat Conney gespielt ab dem Zeitpunkt als Bim die 3-Kugel in der Ecke versenkt, bis zum Ende der Billardszene
I've Got a Heartful of Music, Musik: Richard A. Whiting, Text: Johnny Mercer
Im Film erklingt zudem das Lied Angels With Dirty Faces von Fred Fisher und Maurice Spitalny. Des Weiteren ist der Kirchenchor von St. Brendan zu hören.
Veröffentlichung Veröffentlicht wurde der Film erstmals am 26. November 1938 in den Vereinigten Staaten und in Polen. Im Vereinigten Königreich erfolgte eine Veröffentlichung am 20. Januar 1939, in Frankreich am 24. Februar 1939. Ebenfalls im Jahr 1939 erfolgte eine erste Veröffentlichung in Argentinien, Australien, Irland, Belgien, auf den Philippinen, in Mexiko, Schweden, in Den Haag in den Niederlanden, in Johannesburg in Südafrika und in Japan. Eine Veröffentlichung in Portugal erfolgte 1942, in der Türkei 1944, in Italien und Ungarn 1946 und in Finnland 1950.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Film erstmals am 7. Mai 1965 veröffentlicht und in Österreich am 21. Mai 1965. Im Vereinigten Königreich lief er im Februar 2017 auf dem Silver Screen Festival und in Taiwan im September 2024 beim Taiwan Film and Audiovisual Institute.
In Deutschland ist der Film auch unter dem Alternativtitel Chikago erschienen. Einige Quellen behaupteten der Film sei in Dänemark, China, Polen, Finnland und Teilen Kanadas und der Schweiz komplett verboten gewesen. Slogan des Films: „Die Saga von Amerikas Kindern mit den schmutzigen Gesichtern … und den Chancen, die ihnen das Leben verwehrt!“
Synchronisation