mini|hochkant|Antoni Macierewicz (2022) Antoni Macierewicz (* 3. August 1948 in Warschau) ist ein polnischer Politiker (ZChN, Akcja Polska, RdR, ROP, RKN, LPR, RP, PiS). Er war von 1991 bis 1992 Innenminister im Kabinett Olszewski und zwischen 2015 und 2018 Verteidigungsminister in den Regierungen Szydło sowie Morawiecki I. Zudem war er von 1991 bis 1993 und 1997 bis 2005 und ist erneut seit 2007 Sejm-Abgeordneter der I., III., IV., VI., VII., VIII., IX. und X. Wahlperiode.

Er zählt zu den Führungsmitgliedern in der Partei PiS und gilt als Vertrauter des Vorsitzenden Jarosław Kaczyński.

Leben und Beruf Macierewicz studierte an der Universität Warschau und beendete das Studium 1971 mit einem Magister in Geschichte.Biogram auf der Seite des Sejm, abgerufen am 7. Dezember 2015. Seine Magisterarbeit trug den Titel „Hierarchia władzy a struktura własności ziemskiej w Tawantinsuyu w pierwszej połowie XVI w.“ (Machthierarchie und Grundeigentumsstruktur in Tawantinsuyu in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts). 1975/76 hielt er Vorlesungen zur Geschichte Lateinamerikas an der Universität Warschau. Er veröffentlichte auch in der Fachzeitschrift „Etnografia Polska“. auf niezalezna.pl, abgerufen am 28. Dezember 2024. Im Herbst 1981 war er kurzzeitig Dozent an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Er ist seit 2007 Kolumnist von Radio Maryja.

Politik Volksrepublik 1968 bis 1989 gehörte er der demokratischen Opposition an. Im Februar 1968 beteiligte er sich an der Sammlung von Unterschriften gegen die Absetzung des Theaterstücks Dziady des Nationaldichters Adam Mickiewicz in der Inszenierung von Kazimierz Dejmek und auch anschließend an den Studentenprotesten. Der Historiker Andrzej Friszke behauptet in seinem 2010 erschienenen Buch „Anatomia buntu. Kuroń, Modzelewski i komandosi“, Macierewicz habe während der Vernehmungen im März 1968 andere Oppositionelle wie Wojciech Onyszkiewicz belastet. Im Anschluss wurde er bis August 1968 inhaftiert und anschließend vorübergehend von der Universität relegiert. Nach dem Aufstand vom Dezember 1970 in Polen organisierte er eine Blutspendeaktion für die verletzten Arbeiter. Er gilt als einer der Gründer des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (polnisch Komitet Obrony Robotników, abgekürzt KOR). Dort arbeitete er eng mit Jacek Kuroń und Adam Michnik zusammen. Im Mai 1977 war er Mitorganisator einer Demonstration zum Andenken an den getöteten Studenten Stanisław Pyjas in Krakau. In der Folge wurde er verhaftet und bis Ende Juli inhaftiert. Von Ende 1977 bis 1990 war er Herausgeber der monatlich erscheinenden Untergrundzeitschrift Głos. Ab September 1980 leitete er das Sozialforschungszentrum der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność und war Herausgeber der unabhängigen Tageszeitung „Wiadomości Dnia“. Nach der Verhängung des Kriegsrechts wurde er im Dezember 1981 interniert. Im November 1982 gelang ihm bei einem Zahnarztbesuch die Flucht aus der Internierung. Bis 1984 blieb er untergetaucht.

Dritte Republik Von 1989 bis 1992 gehörte er der Partei Zjednoczenie Chrześcijańsko-Narodowe (ZChN) an, für die er bei der ersten vollständig freien Parlamentswahl 1991 auf der Liste der Wyborcza Akcja Katolicka in den Sejm einzog.Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 427. Vom 23. Dezember 1991 bis zum 5. Juni 1992 war Macierewicz Innenminister in der Regierung von Jan Olszewski. Die Mehrheit im Sejm beauftragte Macierewicz im Mai 1992 per Beschluss (der später als verfassungswidrig eingestuft wurde), eine Liste mit den Namen von aktuell tätigen Abgeordneten und Politikern in hohen Staats- sowie Regierungsämtern, die während der Volksrepublik Polen Mitarbeiter der kommunistisch kontrollierten Geheimdienste UB und SB gewesen waren, zusammenstellen zu lassen. Am 4. Juni 1992 übergab Macierewicz dem Ältestenrat des Sejms eine Liste angeblicher ehemaliger Mitarbeiter, von wo sie noch am selben Tag den Medien zugespielt wurde. Unter dem Decknamen „Bolek“ war auf ihr auch Staatspräsident Lech Wałęsa aufgeführt. Noch in derselben Nacht wurde mit deutlicher Mehrheit ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Olszewski verabschiedet.Reinhold Vetter: Polens eigensinniger Held. Wie Lech Wałęsa die Kommunisten überlistete. Berlin 2010, S. 354–355.

Macierewicz wurde daraufhin aus der ZChN ausgeschlossen und gründete mit Mariusz Marasek und Piotr Walerych die Akcja Polska, deren parlamentarischen Gruppe er bis zum Ende der Wahlperiode leitete.„KOŁO POSELSKIE AKCJI POLSKIEJ“ auf www.sejm.com, abgerufen am 7. August 2024. Bei der Parlamentswahl 1993 kandidierte er für die Ruch dla Rzeczypospolitej, der sich die Akcja Polska inzwischen angeschlossen hatte. Diese scheiterte jedoch mit 2,7 % der Stimmen an der neu eingeführten Sperrklausel.Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 611. 1995 trat er Jan Olszewskis Ruch Odbudowy Polski (ROP) bei und wurde 1996 deren stellvertretender Vorsitzender. Für die ROP wurde er 1997 erneut Sejmabgeordneter.Ergebnis in Monitor Polski 1997, Nr. 64, S. 1248. Nach dem Zerfall der ROP gründete Macierewicz die Ruch Katolicko-Narodowy. Bei den Parlamentswahlen in Polen 2001 erlangte er als Listenkandidat der Liga Polskich Rodzin (LPR) erneut ein Mandat,Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. schied aber aus der Fraktion wegen eines Konflikts mit Roman Giertych aus. Bei den Selbstverwaltungswahlen 2002 kandidierte er als Kandidat des Wahlbündnisses Razem Polsce als Stadtpräsident von Warschau, erreichte aber nur gut ein Prozent der Wählerstimmen.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. Nach dem EU-Beitritt Polens zum 1. Mai 2004 vertrat er sein Land bis zum Zusammentritt des neuen Parlaments im Juli des Jahres im Europaparlament. Vor der Parlamentswahl 2005 gründete er gemeinsam mit Jan Olszewski die Ruch Patriotyczny, die bei den Wahlen lediglich 1,05 Prozent der Stimmen erhielt.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. Im Juli 2006 wurde er von Premierminister Jarosław Kaczyński zum stellvertretenden Verteidigungsminister berufen. In seinem Amt war er für die Auflösung des Anfang der 1990er Jahre geschaffenen polnischen Militärgeheimdienstes WSI zuständig. Der WSI hatte nach seiner Auffassung zu viele Offiziere übernommen, die noch zu Zeiten des Warschauer Paktes ihren Dienst angetreten hatten und teilweise in Moskau ausgebildet worden waren. Der Auflösung des WSI stand Verteidigungsminister Radosław Sikorski skeptisch gegenüber, wie er später bekannte.Sikorski o komisji likwidacyjnej WSI: nie byłem autorem propozycji kadrowych. Tomasz L.? "Nie znam gościa kompletnie" tvn24.pl, 15. Dezember 2022. Im Konflikt mit Macierewicz reichte er seinen Rücktritt ein. Diesem unterstand von Oktober 2006 bis November 2007 der neu geschaffene „Dienst für militärische Gegenspionage“ (Służba Kontrwywiadu Wojskowego).Macierewicz wiceministrem obrony narodowej wp.pl, 22. Juli 2006.

Bei den Parlamentswahl 2007Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. und 2011Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. erlangte er über die Liste der Prawo i Sprawiedliwość (PiS) erneut einen Parlamentssitz. Macierewicz trat im Februar 2012 der PiS bei.„Antoni Macierewicz oficjalnie jest już członkiem Prawa i Sprawiedliwości“ auf niezalezna.pl, abgerufen am 28. Dezember 2024. Im Juli 2010 trat er an die Spitze des von der PiS durchgesetzten und besetzten Parlamentsausschusses, der sich mit der Untersuchung des Flugunfalls von Smolensk beschäftigte. Macierewicz äußerte wiederholt die Überzeugung, dass der Unfall auf ein Attentat zurückzuführen sei und die Wahrheit in der Öffentlichkeit unterdrückt werde.Helmut Fehr (2014): Eliten und zivile Gesellschaft: Legitimitätskonflikte in Ostmitteleuropa, S. 334.

2015 gewann die PiS die Parlamentswahlen in Polen und Macierewicz, der erneut in den Sejm gewählt worden war,Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. wurde polnischer Verteidigungsminister. In seiner Amtszeit traten nach seinen Angaben neun von zehn höheren Generalstabsoffizieren sowie 80 Prozent des Heereskommandos von ihren Posten zurück oder wurden entlassen. Auch der Oberbefehlshaber des Polnischen Heeres Miroslaw Rozanski trat aus Protest zurück. Die Opposition kritisierte, durch die Entlassungen würden wertvolle Erfahrungen aus Afghanistan und dem Irak vernichtet.

In Macierewicz’ Amtszeit fiel das zerrüttete Verhältnis mit der Europäischen Union. Auch überwarf er sich gegen Ende seiner Amtszeit mit Präsident Andrzej Duda. Im Januar 2018 wurde er vom neuen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki entlassen und durch den vorherigen Innenminister Mariusz Błaszczak ersetzt. Er galt außer bei den PiS-Stammwählern als überaus unbeliebt. Die Personaländerungen wurden als Signal Polens gewertet, einen eher mäßigenden Kurs gegenüber der EU einzuschlagen.

Am 11. Januar 2018 übernahm er von Kazimierz Nowaczyk die Leitung der Smolensk-Kommission. Auf diesem Posten versuchte er nach Berichten polnischer Medien, die Version durchzusetzen, dass der Tod des Staatspräsidenten Lech Kaczyński und der anderen Personen an Bord auf einen Bombenanschlag der russischen Geheimdienste zurückging. Die Fernsehsender TVN und das Internetportal Onet veröffentlichten im September 2022 Berichte, nach denen Macierewicz Beweismaterial, das nicht im Einklang mit dieser Version stand, bewusst unterschlagen hat.Macierewicz trafiony Smoleńskiem. Awantura po najnowszych doniesieniach onet.pl, 23. September 2022.

Bei den Wahlen 2019Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. und 2023Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. Dezember 2024. errang er jeweils erneut ein Mandat im Sejm.

Der Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz der seit Dezember 2023 amtierenden Regierung unter Donald Tusk warf unter Berufung auf eine von ihm berufene Expertengruppe im Oktober 2024 Macierewicz vor, dass dessen Bericht Untersuchungsergebnisse verzerrt und manipulativ dargestellt habe. Er teilte mit, dass sich die Staatsanwaltschaft mit den Fälschungen Macierewiczs befassen werde.Nazwiska czołowych polityków PiS. "Wkrótce zajmie się nimi zespół prokuratorów" auf onet.pl, abgerufen am 24. Oktober 2024. Im September 2025 erhob die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage wegen der Weitergabe geheimer Informationen aus dem Untersuchungsausschuss zum Flugunfall von Smolensk.„Antoni Macierewicz usłyszał zarzut. W tle podkomisja smoleńska“ auf wydarzenia.interia.pl, abgerufen am 28. Dezember 2025. Im Juni 2026 erhob die Warschauer Regionalstaatsanwaltschaft Anklage gegen ihn wegen Verunglimpfung der Führung des Militärgeheimdienstes.„Prokuratura postawiła Antoniemu Macierewiczowi zarzuty. Nie przyznał się“ auf tvn24.pl, abgerufen am 19. Juli 2026.

Politische Positionen Macierewicz gilt als anti-liberal, wiederholt äußerte er sich kritisch zur Mitgliedschaft Polens in der EU. Er war Gründungsherausgeber der als „radikal anti-kommunistisch und antisemitisch“ beziehungsweise rechtsextrem bezeichneten Zeitschrift Głos.Rafał Pankowski: The populist radical right in Poland. S. 121, 157.